Energiewende : Japan steigt aus Atomkraft aus

Bis 2040 sollen alle Reaktoren im Land schrittweise abgeschaltet werden. Mit dem Beschluss zieht Japans Regierung die Konsequenzen aus der Katastrophe von Fukushima.
Demonstration gegen Atomkraft in Tokio © Toru Yamanaka/AFP/GettyImages

Japans Regierung hat den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2040 verkündet. Mit dem Beschluss folgt Tokio anderthalb Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima dem Beispiel Deutschlands, wo die Bundesregierung bereits kurz nach dem Unglück die Abschaltung aller AKW bis 2022 beschlossen hatte.

Allerdings schlug Ministerpräsident Yoshihiko Noda vor, dass die nach der Katastrophe zwischenzeitlich heruntergefahrenen Reaktoren wieder in Betrieb genommen werden, um die Energieversorgung bis zum Ausstieg zu sichern. Die Regierung Nodas könnte sich in noch diesem Jahr einer Wahl stellen, ist derzeit aber eher unbeliebt in der Bevölkerung. In Japan hatte sich seit Fukushima zunehmend Widerstand gegen die Atomkraft formiert.

Japan müsste seine Energieversorgung mit dem Ausstieg vollkommen neu strukturieren und aufbauen. Vor der Katastrophe von Fukushima bezog das Land 30 Prozent seiner Energie aus Atomkraft.

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Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Japan ein eine sehr hohe Staatsverschuldung

und die Folgen der Havarie der Reaktoren in Fukushima sind den Japanischen Steuerzahler sehr teuer zu stehen gekommen. Ich meine mich daran zu erinnern, der SPIEGEL hätte im vergangenen Jahr publiziert, TEPCO habe von der Regierung finanzielle Unterstützung im Wert von 43 Milliarden Euro erhalten und die finanziellen Folgen der dreifachen Kernschmelze zu bewältigen. Wie bekannt, ist eine kurzfristige Demontage / Entsorgung der von der Kernschmelze betroffenen Reaktoren überhaupt nicht möglich und was dies dann in der Zukunft noch an Kosten nach sich zieht, bleibt offen.
Japan ist besteht aus einer Kette von Vulkaninseln. Von daher müssten dort ideale Voraussetzungen für die Nutzung von geothermischer Energie vorhanden sein.

Ich sehe noch die Forenbeiträge...

...vor meinen Augen, in denen hönisch und von oben herab die Dummheit des deutschen Atomausstieges gegeißelt wurde, immer mit dem Verweis auf die Japaner die nach der Katastrophe im eigenen Land so cool geblieben seien.

Es gäbe dort ja gar keine "Anti-Atomkraft" Bewegung (weil "Der Japaner an sich" ja sowieso nicht demonstriere... Kultur und so...)

Und überhaupt wäre Deutschland bald bei dieser "Zukunftstechnologie" abgehängt, und man sollte sich ein Beispiel an den Japanern nehmen, die ja nach wie vor hinter ihrer Atomkraft stehen...

Aber wie sagte Colbert doch so schön: „Ich glaube nicht an die Realität. Sie ist ja bekannt für ihre linksliberalen Tendenzen.“

Fortschrittsgläubig?

Wer behauptet, in Japan werde "kulturell bedingt" nicht demonstriert, hat keine Ahnung von dem Land und eine (teilweise militante) Anti-Atomkraft-Bewegung gab es dort schon, als die Grünen nur ein Glitzern im Auge der 68er waren.
Japan hat die Konsequenzen aus den enormen Umweltschäden von Fukushima gezogen. Wer dagegen spricht, muss schon sagen, wie er eine zukünftige Katastrophe 100%ig verhindern will oder soll mal Urlaub dort machen.

Hoffnung

Das ist ja großartig. Also mit so etwas hätte ich nicht gerechnet. Gerade die Japaner haben mir immer den Eindruck gemacht, als ob sie fast blind an alten Fortschrittskonzepten festhalten. Auch aus China hört man ja Gerüchte, dass die beginnen sich massiv für den Umweltschutz zu interessieren. Vielleicht ist es ja so, dass Asiaten wirklich eine Funktion als Erneuerer bekommen nachdem sie den Westen jahrzehntelang einfach nur abkopiert haben.

@ 3. Hoffnung

schna´sel schreibt:

..."Gerade die Japaner haben mir immer den Eindruck gemacht, als ob sie fast blind an alten Fortschrittskonzepten festhalten."...

Die weitere Entwicklung der erneuerbaren Energiekonzepten ist ein Forschrittskonzept. Das Konzept muss nicht blind, seinder viel mehr nur vernünftig entwickelt werden.

Eine Zusammenarbeit zwei der fortschrittlichsten technologischen Länder dieser Welt beim Ausbau dieses Konzeptes, wäre der nächste vernünftige Schritt.

Ich glaube, China ist da weiter ..

Ich glaube, China ist da weiter, als man (bei uns) denkt/unterstellt.

Nur ist es eben auch eine Frage, wie man rasantes Wachstum, Fortschritt und Nachhaltigkeit unter einen Hut bekommt. Dass aber China (oder auch Indien) mit den Energie-Konzepten der westlichen Staaten (aus der Vergangenheit) nicht nur sich selber, sondern auch die Welt insgesamt vor die Wand fährt, wird wohl nur US-Republikaner überraschen.

Es ist vermutlich nur die Frage, wie ein Weg aussehen kann, gleichzeitig die Erwartungen an den Weltmarkt zu erfüllen und gleichzeitig auf erneuerbare Energien zu setzen, die noch nicht in dem Maße verfügbar sind, wie es notwendig wäre.

Entsprechend würde ich übrigens auch die Subventionierung interpretieren, unter der die Deutschen Solar-Unternehmen so leiden: Die Chinesischen Solar-Unternehmen sollen auf "Teufel-komm-raus" wachsen um sowohl im Welthandel als auch national die billigsten und meisten Module herzustellen: Denn so kann auch in China selber eine maximale Solarstrom-Menge erzeugt werden. Dass dadurch auch Weltmarktführer entstehen, wird natürlich gerne mitgenommen.