Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat Deutschland aufgefordert, bei der Weiterentwicklung der internationalen Entwicklungsziele mitzuwirken. "Wir werden weder unseren Wohlstand noch unsere Sicherheit noch unseren Frieden erhalten, wenn wir uns nicht als Partner der Armen begreifen", sagte Köhler. Erforderlich sei jetzt eine "Entwicklungsagenda für den ganzen Planeten".

Köhler ist das einzige deutsche Mitglied in einem neuen Beratergremium der Vereinten Nationen , das heute seine Arbeit aufnimmt. Der Ausschuss soll die sogenannten Millenniums-Ziele weiterentwickeln , die sich die Staatengemeinschaft zur Jahrtausendwende gesetzt hatte. Zu diesen zählen beispielsweise die Halbierung der Armut oder die Gleichstellung von Mann und Frau. Für Köhler ist die Arbeit im UN-Beratergremium die erste politische Aufgabe nach seinem überraschenden Rücktritt vor zweieinhalb Jahren.

Köhler sagte, die bis 2015 laufenden Ziele seien "insgesamt eine Erfolgsgeschichte". Sie hätten dem Armutsproblem und seinen Folgen auf der ganzen Welt Aufmerksamkeit verschafft und der Entwicklungspolitik mehr Wirkung gegeben. Trotzdem könne man mit dem Erreichten nicht zufrieden sein. Immer noch lebten mehr als eine Milliarde Menschen in tiefster Armut. Vor allem Afrika müsse eine bessere Perspektive bekommen.

Zu Deutschlands Rolle sagte der ehemalige Bundespräsident: "Auch wir müssen begreifen, dass wir in einer Welt leben. Nicht in einer ersten, zweiten oder dritten Welt." In Zeiten der Globalisierung seien "längst alle wechselseitig voneinander abhängig". Kein Land, sei es noch so groß und stark, habe auf Dauer etwas davon, wenn es die Voraussetzungen für ein globales Gemeinwohl gering schätze.

Köhler sagte, von Frieden und Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit oder einem stabilen Finanzmarkt müssten "alle Völker auf unserem Planeten" profitieren.