Italienischer Ministerpräsident : Monti will nicht mehr antreten

Europa vertraut ihm, er ist der Favorit der Italiener – trotzdem will Mario Monti nicht länger Regierungschef sein. Im Frühjahr stellt er sich nicht mehr zur Wahl.
Mario Monti © Paolo Bona/Reuters

Der italienische Ministerpräsident Mario Monti hört mit dem Ende der Legislaturperiode im kommenden Frühjahr auf. "Ich werde nicht zur Wahl antreten", sagte er dem US-Fernsehsender CNN . Das italienische Parlament wird im kommenden Frühjahr neu gewählt . Es sei wichtig, dass dann das politische Spiel der Parteien von Neuem beginne, "hoffentlich mit mehr Verantwortungsbewusstsein und Reife", sagte Monti . Er verwies darauf, dass er sich als Senator auf Lebenszeit weiterhin in die Politik einmischen werde.

Der Wirtschaftswissenschaftler Monti hatte im November 2011 die Regierungsgeschäfte übernommen, als der vorherige Ministerpräsident Silvio Berlusconi zurücktreten musste. Mit seiner Übergangsregierung war er zur Bewältigung der Schuldenkrise angetreten und hatte Italien massive Sparmaßnahmen auferlegt .

Nach Umfragen wollen fast 40 Prozent der Italiener, dass Monti als Regierungschef weitermacht. Damit liegt er vor Politikern der linken Mitte. Auch Berlusconi soll über eine Kandidatur nachdenken . In einem Interview hatte er Deutschland als "Hegemonialstaat" bezeichnet, der die anderen EU-Länder einem Spardiktat unterwirft . Er selber wäre weniger ein "Vasall Deutschlands" als Regierungschef Monti. Derzeit würden Berlusconi aber nur gut 14 Prozent der Italiener wählen.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Unwichtige Details,

für italienische Chefredakteure.
Der Mann ist ein Opportunist, der weiß, dass die Bombe bald platzen wird, also macht er sich wie alle guten Politker aus dem Staub. Denn wahrscheinlich jst seine Chance auf Wahl gar nicht so groß, wie dt. Medien es gern glauben machen, denn in im letzten Jahr sind ja viele feuchte Träume der Propagandisten geplatzt, Syrien, arabischer Frühling, Energiewende, Ende der Finanzkrise, Riester, Karl Theodor etc..

Nicht mehr ..

Wenn Herr Monti bisher darüber nachgedacht hat sich zur Wahl zu stellen und sich jetzt entscheiden hat dies doch nicht zu tun, dann ist die Aussage, "Monti wolle sich nicht mehr zur Wahl stellen" doch korrekt.

Würde da stehen er wolle sich nicht noch einmal zur Wahl stellen wäre das etwas anderes.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich hier so mancher richtig bemüht irgentetwas falsch zu verstehen ;)

Kein Opportunist sondern lupenreiner Demokrat

Ich finde man sollte es dem Hr. Monti positiv anrechnen, dass er sich nicht zwanghaft an der Macht festklammert nachdem er seinen Auftrag erfüllt hat (unpopuläre Haushaltskürzungen durchsetzen). Er akzeptiert seine Rolle als Technokrat und macht nun den Weg wieder frei für einen Neuanfang in der italienischen Politik (ich hoffe für Italien das dieser in der Post-Berlusiconi Ära so gut wie möglich gelingen wird, aber das ist ein anderes Thema!).

@ Kommentar #3
Dieses Verhalten ist für mich alles andere als opportunistisch. Sonst wird immer gemeckert dass Politier primär am Machterhalt interessiert sind! Kaum tut einer das Gegenteil, werden wilde Theorien aufgestellt: z.B. Monti tritt nicht zur Wahl an, denn seine positiven Umfrageergebnisse stimmen in Wirklichkeit gar nicht, da der arabische Frühling nicht so geendet ist wie erhofft, und zu Guttenberg seine Dissertation abgeschrieben hat.

Meinen Sie das eigentlich ernst wenn sie sowas schreiben?

Italienisches Wahlrecht

Natürlich ist Monti schonmal angetreten und hat sich vom italienischen Parlament zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Das Wahlrecht in Italien ist unserem in diesem Punkt sehr ähnlich. Wir wählen ja auch nur unsere Vertreter, welche sich dann im Parlament per Wahl auf einen Regierungschef einigen (in unserem Fall natürlich eine Chefin). Monti wurde von den gewählten Volksvertetern der Italiener zum Ministerpräsidenten gewählt und zu dieser Wahl ist er angetreten. Da er selber für keine Partei kandidiert müssten sich die Parteien auch nach der nächsten Wahl wieder auf ihn einigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob er im Parlament sitzt, oder nicht. Nun hat er erklärt, dass er für das Amt nicht mehr zur Verfügung steht. Er tritt also zur Wahl des MP (nicht zur Wahl des Parlaments) nicht erneut an...

Natürlich

was hat Herr Monti denn so geleistet. Wie sieht es denn in Italien wirlich aus. Leider lesen sie in von Italienern geführten dt. Zeitungen kaum etwas darüber.
http://www.spiegel.de/int...
http://www.bloomberg.com/...

maximal in einer kurzen Randnotiz in den Druckausgaben.

Und Monti einen Demokrat zu nennen, ist schon der Wahnsinn, wenn es nicht zynsich gemeint ist. Der Mann wurde nicht vom Demos gewählt sondern, von den Machteliten eingesetzt. Das Beste, er war für den EU Binnenmarkt vor der Euro Einführung verantwortlich und danach für den Wettbewerb, ist wie mit Asmussen und Weidmann, die haben das Loch in dem Europa jetzt steckt mit ausgehoben und präsentieren sich nun als Heilsbringer.

Empfehle Ihnen mal Bernays "Propaganda"
http://www.historyisaweap...
übrigens ein Auftragswerk, nach dem das Volk zu mächtig wurde und anfing selber nachzudenken.