Italiens Ministerpräsident Mario Monti © JOHN THYS/AFP/Getty Images

Was kommt nach Monti ? Das fragen sich langsam viele in Italien . Denn im Frühjahr endet die Legislaturperiode, möglicherweise wird im März gewählt. Der erste Politiker, der es gewagt hat, die Frage nach dem Danach unmissverständlich zu beantworten, war der Chef der Christlichen Demokraten (UDC) Pierferdinando Casini: "Nach Monti", sagte er kürzlich in seiner Abschlussrede des Parteikongresses in Chianciano, "kann nur Monti kommen."

Casini ist nicht allein mit seiner Meinung. Ein Großteil der italienischen Wirtschaftswelt denkt so. Banker, Unternehmer und Ökonomen wünschen sich, dass Monti für eine zweite Regierungszeit im Amt bleibt. Das hat eine Umfrage der Tageszeitung Il Sole 24 Ore ergeben. Denn die Zukunft des Landes ist alles andere als sicher. Ohne das Vertrauen der europäischen Partner und der Finanzmärkte kann Italien nicht aus der Krise kommen. Mehr als die tatsächliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes hängt der Vertrauensbonus, den sich Italien in den vergangenen Monaten erkämpft hat, vom internationalen Ansehen Montis ab.

Europa vertraut Monti

Es ist gerade mal eine Woche her, dass die Europäische Zentralbank den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen der Schuldenländer ankündigte und damit den Zinsdruck auf Spanien und Italien senkte. Ohne Montis Lobbyarbeit wäre diese Entscheidung undenkbar gewesen. Dafür musste er keine konkreten Ergebnisse vorweisen. Es reichte sein Versprechen, dass Italien weiterhin seine Hausaufgaben machen wird.

Zwar wird das Land in der nahen Zukunft keine Hilfsmaßnahmen brauchen, versicherte kürzlich der italienische Wirtschaftsminister Vittorio Grilli. Der Weg zum Aufschwung ist aber noch weit. Damit Montis Agenda umgesetzt werden kann , müssen in den nächsten vier Monaten etwa 150 neue Maßnahmen in Kraft treten. Es ist eine gigantische Aufgabe, die vor dem Monti-Kabinett liegt. Doch die Zeit dafür wird knapp, schon Anfang des Jahres könnte der Wahlkampf beginnen, der Reformen erschwert.

Dennoch will sich Monti derzeit nicht mit der Frage nach seiner politischen Zukunft beschäftigen. Auf einem Wirtschaftsforum in Cernobbio wiederholte er kürzlich, was er schon zuvor gesagt hatte: "Die technische Regierung ist eine zeitweilige Erscheinung", sein Tätigkeitshorizont erstrecke sich bis zum Ende der Legislatur Anfang 2013. Jedoch wünsche er sich, dass die Kompetenzen, die sein parteiloses Kabinett in die Politik eingebracht hat, bestehen bleiben. Die italienische Politik sei außerdem nicht so schlimm, wie er sie sich vor seinem Amtsantritt vorgestellt habe. Alle Regierungsparteien hätten ein hohes Maß an Verantwortung gezeigt. "Ich kann mir nicht vorstellen", sagte er nach seinem Auftritt, "dass es in einem großen demokratischen Land wie Italien so schwierig ist, einen politischen Führer zu finden, der die Regierung übernehmen kann."

Keine Seite hat eine eindeutige Mehrheit

Doch das Bild, das die jüngsten Umfragen zeichnen, sieht anders aus. Würde in Italien jetzt gewählt werden, erhielte weder die Mitte-Links- noch die Mitte-Rechts-Koalition eine eindeutige Mehrheit. Gleichzeitig wächst inzwischen das Vertrauen der Italiener in die Monti-Regierung. Dies ist vor allem Monti selbst zu verdanken. Der Ministerpräsident ist mit Abstand der beliebteste politische Akteur.

Casinis Christdemokraten ziehen aus den Umfragedaten klare Konsequenzen: "Wie es jetzt aussieht, und ich glaube nicht, dass sich in fünf Monaten etwas ändern wird, wird es am Wahlabend keinen klaren Sieger geben", sagt Rocco Buttiglione, stellvertretender Vorsitzender der UDC, im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Sollte unsere Partei für die Bildung einer Regierungskoalition entscheidend sein, werden wir eine klare Bedingung stellen: dass Mario Monti Regierungschef bleibt."