Anti-Islam-FilmEmpörung über Mohammed-Video nimmt zu

Jemen, Ägypten, Libyen, Sudan, Gaza: In immer mehr muslimischen Ländern greifen wütende Demonstranten US-Einrichtungen an. Die Zahl der Toten und Verletzten steigt. von afp, dpa, reuters und dapd

Proteste vor der US-Botschaft in Sanaa

Proteste vor der US-Botschaft in Sanaa  |  © Khaled Abdullah/Reuters

Es sind Szenen wie zu Revolutionszeiten. Demonstranten brennen Autos an, schlagen mit Holzlatten Fenster ein, stürmen Häuser. Dieses Mal ist es nicht der Drang nach Freiheit, der die Menschen auf die Straßen treibt, sondern der Hass, der durch ein Video ausgelöst wurde, das in den Augen vieler Muslime den Propheten Mohammed verhöhnt. Dieser Hass richtet sich gegen Einrichtungen der USA . Dort wurde das Video Innocence of Muslims vermutlich produziert.

In Jemens Hauptstadt Sanaa griff eine aufgebrachte Menge das Gelände der US-Botschaft an . Und zwar mehrmals. Polizisten und Sicherheitskräfte drängten die Eindringlinge zunächst mit Wasserwerfern zurück. Beim zweiten Versuch, das Gebäude zu stürmen, schoss die Polizei. Dabei wurden nach Behördenangaben drei Angreifer getötet, über 30 Menschen verletzt. Einer der Demonstranten sagte, die Wachleute hätten mehrere Schüsse abgefeuert. Die Protestierenden hätten Autoreifen angezündet. Mit Holzlatten zertrümmerten sie das Panzerglas im Eingangsbereich.

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Auch in anderen Ländern gingen die Demonstrationen gegen den umstrittenen Film, in dem der Prophet als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt wird, weiter. In Kairo ging die Polizei vor der US-Botschaft mit Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten vor. Dutzende Menschen wurden laut Gesundheitsministerium verletzt.

In Tunis demonstrierten mehrere Hundert Salafisten vor der US-Botschaft, die Polizei ging mit Tränengas gegen die Menschenmenge vor. Demonstrationen gab es auch im irakischen Nadschaf, wo Anhänger des radikalen Predigers Moktada al-Sadr auf die Straße gingen.

In Teheran zogen rund 500 Menschen vor die schweizer Botschaft, die im Iran die Interessen der USA vertritt. Es gilt als sicher, dass die Demonstration dort vom Regime organisiert wurde. Proteste gab es auch im mehrheitlich muslimischen Bangladesch , im Sudan und in Marokko.

Mehrere asiatische Länder verschärften die Sicherheitsvorkehrungen für US-Vertretungen, weil dort Proteste gegen die USA im Anschluss an das Freitagsgebet erwartet wurden. Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte aus Angst vor Ausschreitungen eine Reise nach Norwegen ab. In Afghanistan wurde das Video im Netz gesperrt. YouTube ist auch in Ägypten und Libyen gesperrt.

Demonstrationen im Gaza-Streifen

Auch im Gaza-Streifen demonstrierten Hunderte gegen die USA. Der Minister für muslimische Einrichtungen, Ismail Radwan von der regierenden radikalislamischen Hamas , forderte die Demonstranten auf, US-Produkte zu boykottieren und nach dem Freitagsgebet erneut zu protestieren. Die Teilnehmer der Proteste schwenkten Spruchbänder mit Aufschriften wie "Wir alle opfern uns für Dich, oh Prophet Gottes" oder "Wo seid ihr, Muslime, während man euren Propheten beleidigt?" Am Vortag waren bereits Dutzende Menschen durch Gaza marschiert und hatten US-Fahnen sowie Fotos des umstrittenen US-Pastors Terry Jones verbrannt, der sich hinter den anti-islamischen Film gestellt hatte.

Die Proteste hatten am Dienstag in Kairo und im libyschen Bengasi begonnen. In der ägyptischen Hauptstadt hatten militante Islamisten die US-Botschaft gestürmt. Die Vertretung in Bengasi war mit Raketen und Granaten angegriffen worden. US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet , auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum. Unklar ist, ob der Angriff auf das US-Konsulat ursächlich mit der Verbreitung des Videos zusammenhängt.

Leserkommentare
    • footek
    • 13. September 2012 15:51 Uhr

    wer hat Interesse das diese Aufstände zur jetzigen Zeit stattfinden?
    Wer hat den nötigen Einfluss sowas zu organisieren?

    Die wahren Antworten darauf wären sehr interessant.

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    • JLSorel
    • 13. September 2012 16:00 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten, die zu einer konstruktiven Diskussion beitragen. Danke, die Redaktion/lv

    Schlichter Hass ist es, der sich auf brutale Weise Bahn bricht.

    Diktatoren, die angeblich ihre eigene Bevölkerung "instrumentalisieren", fallen nun als 0815 - Erklärungsmuster aus.

    • J-M
    • 13. September 2012 16:21 Uhr

    ...dass das "dass", das uns über so viele Jahre so gute Dienste erwiesen hat, nun ein so sträfliches Ende findet? Wieso lassen es so viele selbsternannte Kommentatoren immer wieder an der langen Hand verhungern, indem Sie es (aus Unwissenheit? Aus Boshaftigkeit? Man weiß es nicht...) leichtfertig durch seinen nächsten Verwandten, das "das" eintauschen.

    Och nö, bitte nicht noch mehr Verschwörungstheorien. Hat die CIA in verwunschenen Katakomben das Video produziert, um Proteste zu erzeugen und diese als Rechtfertigung für ein militärisches Eingreifen zu nutzen um den armen Arabern all ihr Öl zu klauten? Ganz bestimmt ...

    • spalter
    • 13. September 2012 21:58 Uhr

    "Man muss sich fragen....
    wer hat Interesse das diese Aufstände zur jetzigen Zeit stattfinden?
    Wer hat den nötigen Einfluss sowas zu organisieren?

    Die wahren Antworten darauf wären sehr interessant."

    Ich weiß nicht. Aber Ihr Beitrag klingt so, als wüssten Sie bereits mehr. Falls das stimmt, bitte ich Sie, es uns mitzuteilen.

  1. 2. [...]

    Entfernt. Bitte argumentieren sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

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    • Leland
    • 13. September 2012 16:06 Uhr

    2."Nicht Obama muss ...
    ... gegen einen privat gedrehten Film vorgehen, sondern die Regierungen von gewissen muslimischen Ländern gegen durchgeknallte Fanatiker."

    Dan machen Sie denen das mal verständlich.

    • JLSorel
    • 13. September 2012 16:00 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten, die zu einer konstruktiven Diskussion beitragen. Danke, die Redaktion/lv

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    • Leland
    • 13. September 2012 16:11 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich bezogen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/lv

    • edgar
    • 13. September 2012 16:00 Uhr

    Es ist erstaunlich:

    Wenn über einen Kanzler, das Gerücht verbreitet wird, er habe gefärbte Haare, wird diese Meinungsäußerung sofort eingeschränkt.

    Wenn ein Film die tiefsten religiösen Gefühle von Zig-Tausenden verletzt ist das OK und gar noch Kunst.

    Ich weiß natürlich, warum das so sit.

    Ich farge m ich allerdings, ob diese beiden (Nicht-) Einschränkungen der Meinungsäußerung (ggf. Freiheit der Kunst) nicht unverhältnismäßig sind. Legitim fände ich es genau umgekehrt.

    Wir sollte aufpassen, dass unsere Freiheit der Meinungsäußerung - ein so hohes Gut sie auch ist - nicht auch zu einem "Ismus" verkommt. Es gibt zu Recht schon heutzutage Einschränkungen der entsprechenden Grundrechte und diese sind ggf. immer zu überdenken.

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    • JLSorel
    • 13. September 2012 16:05 Uhr

    Sie verwechseln da etwas. Die Meinungsfreiheit ist als Grundrecht ein Abwehrrecht gegen den Staat. Schröder ist gegen das Haarfärbegerücht als Privatmann vorgegangen, nicht als Bundeskanzler. Obama hingegen wird in seiner Eigenschaft als Präsident von seinem ägyptischen Kollegen aufgefordert, gegen den Film vorzugehen. Hier soll also der Staat eine Meinung unterdrücken. Das geht natürlich nicht.

    Echte Meinungsfreiheit heißt, dass jeder reden kann, was er will - und zwar besonders das, was bei einigen (oder vielen) ganz und gar nicht gut ankommt.

    Ihr Ansatz, an der Meinungsfreiheit herumzudoktern ist der denkbar VERKEHRTESTE. Kommentar 2 ("BrunoTraven") weist dagegen in die richtige Richtung.

    • Statist
    • 13. September 2012 16:43 Uhr

    1. auch wenn gerichtlich vorgegangen wurde (was ich zwar auch nicht ok fand...) dann ist das

    1.1 nicht vergleichbar mit Mord
    1.2 nicht vergleichbar mit dem Angriff auf das Terretorium eines fremden Staates
    1.3 nicht vergleichbar mit unterlassener Hilfeleistung
    1.4 selbst wenn es Rache wäre: hat der Botschafter gezeichnet oder gefilmt? lächerlich

    Insofern ist ihre Argumentation schon hier völlig überholt.

    2. das Kunst-Argument

    Mal ernsthaft: alles, was gedreht gemalt geschrieben gesungen usw. wird, ist hochoffiziell irgendwie Kunst. Sogar eine Munite Schweigen wurde schon zur künstlerischen Gestaltung erklärt.

    ob es nun wertvolle Kunst ist oder nicht sei mal völlig dahingestellt.

    3. religiöse Gefühle

    meine religiösen Gefühle werden verletzt, wenn ich sehe, dass fremde Flaggen abgebrannt werden, weil es meinem Glauben nach nicht gerecht ist. rechtfertigt das jetzt einen Angriff auf ägyptische und lybische Botschaften und den Mord am Personal?

    Ich glaube nicht.

    Glauben darf jeder von mir aus was oder wann er will. Verletzt er dabei aber Freiheiten anderer, dann ist der Glaube ein Irrglaube. Was meinen sie Wieviele Skizzen von Christen und anderen religionsformen wohl schon in islamistischen Medien aufgetaucht sind? Hat jemals schon jemand aufgeschrieben oder gar ne Botschaft angebrannt?

    3. Der Größte Witz

    ist eigentlich Musri selbst, denn dadurch, dass er sich nicht mit der Staatsmacht gegen Willkür stellt, wird er selbst zum Unterstützer.

    ZITAT: "Wenn über einen Kanzler, das Gerücht verbreitet wird, er habe gefärbte Haare, wird diese Meinungsäußerung sofort eingeschränkt."

    Bei diesem Beispiel handelt es sich nicht um die Kundgabe einer Meinung, sondern um die Kundgabe einer Tatsache.

    Der Unterschied zwischen Meinung und Tatsache ist, dass die Tatsache dem Beweis der Wahrheit oder Unwahrheit zugänglich ist, während dies bei der Kundgabe einer Bewertung (Meinung) nicht möglich ist.

    Ich kann nicht beweisen, dass rohes Mett lecker schmeckt, weil dies einie Meinung ist, die bei der einen Person so und bei der anderen Person so ausfällt.

    Wohl aber kann man beweisen, dass ob die Haare einer Person gefärbt sind oder nicht.

    Hier reden wir also von keinem Fall der Meinungsfreiheit und niemand hat das recht, falsche Tatsachen über eine Person zu verbreiten.

    • bayert
    • 13. September 2012 20:30 Uhr

    weil beispielsweise die Existenz von Jesus oder Mohammed hinterfragt wird.

    • hg2000
    • 13. September 2012 22:59 Uhr

    Ich fühle mich in meinen nicht-religiösen gefühlen verletzt, wenn gefordert wird, das staaten zensur betreiben sollen, um zu verhindern, dass religiöse gefühle verletzt werden. Es ist nicht nett jemandes gefühle zu verletzen, allerdings sollten religiöse menschen akzeptieren, dass ihre weltanschaung in einer freihen gesellschaft nicht priviligiert sein kann und besonderes schutzrecht geniesst, bloss weil sie religiös ist.

    Dass es darüber hinaus menschen gibt, die Gewalt damit rechtfertigen, dass ihre Gefühle verletzt wurden, ist kompletter Irrsinn.

    Sogar ein abscheulicher, kaltblütiger Mörder wie Breivik darf sich ihrer bedienen - obwohl er damit die tiefsten Gefühle von Millionen Menschen verletzt, wie ich behaupte. Die Verletzung religiöser Gefühle sind in unserem Kulturkreis keine Rechtfertigung, jemanden zu töten. Die Meinungsfreiheit deshalb einschränken zu wollen, wäre fatal für ein freiheitliches Wertesystem.

  2. 5. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/lv

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    • Leland
    • 13. September 2012 16:09 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich bezogen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/lv

    • deDude
    • 13. September 2012 16:22 Uhr

    ... dem weißen Gewand hört aber auch beim Papst im Vatikan der Spaß ganz schnell auf. Der schickt dann zwar nicht die wilde Meute zur Lynchjustiz los, aber immerhin hält man es für nötig den Anwalt loszuschicken statt es, wie es den Muslime gegenüber stets gefordert wird, "auszuhalten".

    Hier geht es doch um etwas ganz anderes. Hier sind radikale Kräfte am Werk die unter dem Deckmantel des Protestes Anschläge auf US-Botschaften verüben und die USA damit dazu drängen ihren Kurs gegenüber dem "arabischen Frühling" und seinen Kindern zu überdenken.

    Statt einem "denen können wir nicht trauen!" müsste es nun eigentlich in enger Abstimmung mit den noch jungen Regierungen in Ägypten und Libyen ein "Jetzt erst Recht!" geben.

    Wer aber ständig dem erstbesten Populisten aufsitzt kann noch bis zum St.-Nimmerleinstag darauf warten das sich irgendetwas ändern und wird sich wohl auf immer und ewig in seinen Thesen darin bestätigt sehen, dass "die Araber doof, religionsverblendet und unbelehbar" sind.

    Vielleicht müssen wir auch mal unsere eigene Gangart überdenken?

  3. Schlichter Hass ist es, der sich auf brutale Weise Bahn bricht.

    Diktatoren, die angeblich ihre eigene Bevölkerung "instrumentalisieren", fallen nun als 0815 - Erklärungsmuster aus.

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    Bitte äußern Sie sich differenziert und verzichten Sie auf Polemik oder Provokationen. Danke, die Redaktion/fk.

    • mumpes
    • 13. September 2012 16:03 Uhr

    Daß da 100 Leute über drei Monate solch ein Machwerk am Strand Kaliforniens unbehelligt drehen dürfen, ist schon sehr seltsam. Die Meinungsfreiheit hat Grenzen, und sie endet z.B. vor der systematischen Verunglimpfung einer Religion. Der Produzent, von dem nur sein "Künstlername" bekannt ist, ist ja ang. untergetaucht. Ich hoffe, dass man ihn ausfindig macht und zur Rechenschaft zieht.

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    Sie schreiben: "Die Meinungsfreiheit hat Grenzen."

    --> Nein, die Meinungsfreiheit hat in den USA KEINE Grenzen.

    Übrigens zu Recht.

    Soweit ich das mitbekommen habe, wussten nicht einmal die Schauspieler, in welcher Art von "Film" sie mitspielten. Beim Casting war wohl von einem Dokumentar- oder Historienfilm die Rede. Außerdem passt angeblich (ich habe den Film nicht gesehen) bei den heftigsten Szenen die Tonspur nicht zu den Mundbewegungen, der Film wurde also zumindest dort nachsynchronisiert und wohl auch mit komplett anderem Inhalt versehen.

    Zusammen mit der Machart des Films; der Tatsache, dass man über den Regisseur überhaupt nicht weiß, abgesehen davon, dass er behauptet, Jude und israelischer Staatsbürger zu sein; der Aussage der israelischen Regierung, dass sie keine Anhaltspunkte für die Existenz eines "Sam Bacile" finden können und dem kompletten Mangel an weiteren Informationen, Ausnahme: die Aussage, "100 Juden haben den Film finanziert", sieht das Ganze danach aus, als habe da jemand sehr bewusst eine Steilvorlage für radikale Muslime geliefert.

    Dass der einzige bekannte und überprüfbare Name in der ganzen Geschichte ausgerechnet der eines amerikanischen radikalen Predigers ist, der bereits in der Vergangenheit durch gezielte Provokationen gewalttätige Proteste befeuert hat, bei denen mehrere Menschen getötet wurden, lässt zumindest erahnen, aus welchem Millieu der Film stammen könnte.

    Unabhängig von der Frage nach der Urheberschaft lässt sich aber festhalten: derjenige, der sich hier als Brandstifter betätigt hat, hat sein Ziel leider erreicht.

    Was schwebt Ihnen vor? Wollen Sie den Film verbieten, wie Deutschland "Jud Süß" verboten hat? Oder die Titanic-Ausgabe mit dem leaking Papst auf dem Cover?

    Sie müssen verstehen, dass in Amerika seit 9/11 die Vorbehalte gegenüber den Muslimen sicherlich nicht weniger geworden sind.

    Ich will das nicht mit der verletzen Ehre der Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg gleichstellen, aber bei vielen Amerikanern oder auch Israelis dürfte es sicherlich nicht ganz spurlos am zivilisatorischen Selbstverständnis vorbei gehen, dass nun auch noch der Rachefeldzug nach Afghanistan ziemlich kläglich und erfolglos zu Ende geht.

    Dass da Kompensationshandlungen erfolgen, ist nur menschlich. Was den Mohammed-Film grundsätzlich von z. B. Jud Süß unterscheidet, ist, dass er von einem Verstorbenen handelt, während Jud Süß eine Charakterstudie der Juden allgemein sein sollte bzw. der Papst noch lebt.

    Sie sehen nun, bei nüchterner Betrachtung hätten künstlerisch Empfindende und Freunden der Kunst- und Meinungsfreiheit allerhand Grund, solch totalitäre Verbotsideen als Anstoß zu nehmen.

    • sjdv
    • 13. September 2012 18:08 Uhr

    Nein, die Meinungsfreiheit endet nicht bei der Verunglimpfung einer Religion, auch nicht des Islams.

    • uxxus
    • 13. September 2012 18:16 Uhr

    zu Pussy Riot geschrieben? Hier handelt es ja leider nur um eine orthodoxe Religion, der sowieso nur Kommunisten angehören.So ist das leider mit den Doppelstandarts.

    lasst uns Blasphemiegesetze erlassen wie in Pakistan!

    Denn Religion ist ja so viel wichtiger für die Menschen als sowas blödes wie Meinungs- und Kunstfreiheit.

    Denn Religion ist unfehlbar.

    Religion>Menschenleben

    • Effbeh
    • 14. September 2012 0:37 Uhr

    ist realistisch nicht gut zu ziehen.
    Trotzdem rechtfertigt keine Meinungsäußerung Gewalt.

  4. dass bei uns niemand wegen dem Film "Das Leben des Brian" sterben musste - vermutlich einem der witzigsten Filme aller Zeiten und einer wunderbare Kostprobe britischen Humors.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Leland
    • 13. September 2012 16:30 Uhr

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie differenziert. Danke, die Redaktion/lv

    Der klitzekleine, aber entscheidende Unterschied ist, dass "Das Leben des Brian" eine Satire ist, wohingegen der Film, um den es hier geht, eine Beleidigung darstellt, die bewusst die radikalen Kräfte auf der anderen Seite ansprechen soll und Gewalttaten billigend in Kauf nimmt. Das Ziel ist genau das, was bin Laden immer wollte: die Muslime von allen anderen isolieren, damit sie am Ende gezwungen sind gemeinsam gegen den Feind von außen zu kämpfen, bzw. die Nicht-Muslime im heraufbeschworenen Kampf gegen den Islam zu einen.

    Dieses Rezept funktioniert schon seit jahrtausenden so: man teilt Menschen - teilweise willkürlich - in Gruppen ein und hetzt sie aufeinander. Manchmal dient die Religion als Vorwand, dann die Hautfarbe, dann wieder die Nationalität, manchmal auch der soziale Stand. In abgemilderter Form kann man das auch bei Fußballfans beobachten: wir gegen die anderen lautet jedesmal das Motto. Das stärkt das mangelhafte Selbstwertgefühl und verleiht dem trostlosen Dasein einen höheren Sinn.

    Schlaue Menschen nutzen diese menschliche Schwäche schamlos aus und gründen darauf ihre Macht. Wollen wir wirklich bin Ladens Traum Wirklichkeit werden lassen? Sind wir so dumm?

    • Kobuk
    • 13. September 2012 16:56 Uhr

    Der Vergleich hinkt.

    1. Ist das Leben des Brian eine Satire. Eine Komödie. Ein Spielfilm. Bei diesem Film handelt es sich nicht um eine "Dokumentation", sondern um eine satirische Parodie. Jeder, der diesen Film sieht, weiss sofort dass das nicht ernst gemeint ist. Zudem ist es tatsächlich witzig.

    Bei dem provokanten Video aber handelt es sich um eine "Dokumenation", die geschmackloser und weiter unter der Gürtellinie kaum sein könnte.

    2. Die Reaktion der Menschen in z.B. Libyen können Sie kaum mit uns vergleichen. Die Deutschen sind weder so tiefgläubig, noch leben sie in einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land. Die Lebens- und Kulturverhältnisse sind doch völlig andere.

    Ich weiss wirklich nicht, was den Macher des Filmes und seine Unterstützer geritten hat. Aber das Blut der Botschaftsangehörigen klebt an deren Händen. Es war absolut vorhersehbar was passieren wird.

    Ausserdem ist es an Ironie kaum zu überbieten, dass genau die islamischen Gruppen, die die NATO Staaten in Libyen so vehement unterstützt haben im kampf gegen Gaddhafi, jetzt völlig durchdrehen. Und die durch den von uns forcierten Sieg in die Hände gefallenen Waffen werden jetzt gegen westliche Diplomaten eingesetzt.

    Irgentwie ein Deja-Vu, oder? Afghanistan lässt grüßen.

    • gooder
    • 13. September 2012 18:08 Uhr

    Nach der Uraufführung des Filmes "Das Leben des Brians" kam es sehr wohl zu wütende Protesten jüdische, katholischer und protestantischer Vereinigungen in den USA. Ein Rabiner hielt den Film für so tief beleidigend, dass weitere Aufführungen zu Gewalt hätte führen können.Der Hauptgrund für die Aufregung von jüdischer Seite, war das tragen eines jüdischen Gebetsschals in der Steinigungsszene. Es kam auch zu einem Protestmarsch und in konservativen Städten der USA wurde, aus Rücksicht vor religiösen Empfindsamkeiten,der Film nicht aufgeführt.

    Denn was er fordert, fordern wir im Westen auch: Geht gegen religiöse Fundamentalisten vor!

    Was für Fundamentalisten bei den Moslems gilt, muss auch bei Christen und Juden gelten.

    Zu Poden mit den Purschen!

    Und was das Meisterwerk "Das Leben des Brian" angeht:
    Das ist ein glasklare Satire auf christliche und jüdische Religion. Ja.
    Aber er ist nicht Blasphemisch.
    Jesus wird nicht gezeigt, oder herabgesetzt.

    • Infamia
    • 13. September 2012 19:35 Uhr

    Mir zeigt all das nur, dass Religion eines der größten Übel der Menschheit ist, da eines der Hauptverurscher kriegerischer Auseinandersetzungen. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel Menschen schon im Namen der Religion sterben mussten.

    Hey, bei allem Respekt, aber bei Religion handelt es sich letztlich nur um Überlieferungen von Märchenerzählungen, die man glauben kann oder eben auch nicht.

    Wenn es einen Gott geben sollte, egal welcher, wird dieser die Größe haben, über eine Karikatur milde lächeln zu können. Einen Gott kann man gar nicht beleidigen. Er steht über den Dingen. All diejenigen, die meinen, ihren Gott mit kriegerischen Mitteln verteidigen zu müssen, haben das Grundprinzip des Glaubens nicht verstanden. Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Insofern handelt es sich auch nicht um einen Glauben, sondern um Ideolgien, die mit aller Macht verteidigt werden müssen. Jeder Gläubige sollte sich fragen, ob er sich vor den Karren von Ideologen spannen lässt oder einfach seinen eigenen Glauben lebt, ohne anderen dabei auf die Nerven zu gehen. Denn mich nerven Gläubige i.d.R. nur, weil sie i.d.R. missionieren wollen. Täten sie das nicht, wäre Religion für mich nicht abschreckend. So ist sie es.

    "Wir sollten uns darüber freuen, dass bei uns niemand wegen dem Film "Das Leben des Brian" sterben musste ."

    Das Leben des Brian nenne ich eine humoristische Überzeichnung, das, was ich von dem anti-islamischen Film weiß, geht in Richtung Angriff auf die religiöse Identität. Das kann man nicht auf eine Stufe stellen.

    Kleiner, aber feiner Unterschied: "Das Leben des Brian" wurde nicht in einem islamischen Land produziert, sondern vin "uns" selber.

    Vielleicht wäre das auch nicht mehr so witzig gewesen, wenn der Film aus Saudi-Arabien gekommen wäre.

    ob die Parallelen nicht vielmehr in dem Film "Jud Süß" zu suchen sind. Schließlich ist der Film nicht der Grund für die Ausschreitungen sondern lediglich der Anlass.

    Wie viele Millionen Moslems mussten in den letzten 200 Jahren in imperialistischen Angriffskriegen, die von Europa und den USA ausgingen, sterben?

    Mit welcher Arroganz betrachten wir diese Opfer als unerheblich, da es sich "nur" um Moslems handelt?

    ...mit der Geschichte des Islams seit Mohammed:

    http://www.welt.de/kultur...

    "Das Leben des Brian" mit diesem Machwerk zu vergleichen, zeigt, das sie den Film "Das Leben des Brian" nicht verstanden haben und setzt übrigens den genialen Film auf unterste Stufe herab, wo er nicht hingehört!
    Denn zum einem wurde der Brian-Film in der Gesellschaft gedreht, in der die darin behandelnde Religion die Hauptreligion ist, sprich eine Selbstironie und Selbstkritik ist. Zum anderen beide Filme zwei völlig unterschiedliche Absichten: Brian: "Always look on the bright Side Of Life..."
    Der andere: Bewußte Provokation und schürender Hass! Hat der Brian-Film sein Ziel nur bedingt erreicht, hat das andere Machwerk definitiv sein Ziel erreicht, leider!
    Denn nach aktuellen Informationen steht wohl ein sogenannter koptischer Christ(!) hinter dem Machwerk.

    Die Arabische Welt sollte sich nicht dieses Machwerk anschauen und verinnerlichen sondern "Das Leben des Brian" oder einen eigens produzierten ähnlichen Film. Und irgendwann wird sie das auch!

    Und wir sogenannten aufgeklärten Bürger von Demokratien sollten etwas zurückhaltender in unseren Urteilen zu diesen natürlich tragischen Ereignissen aufgrund eines Films sein.
    Denn die schlimmsten Verbrechen der Menscheit gingen immer noch von den heute demokratischen Ländern aus, nicht von der arabischen Welt!

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