Proteste vor der US-Botschaft in Sanaa © Khaled Abdullah/Reuters

Es sind Szenen wie zu Revolutionszeiten. Demonstranten brennen Autos an, schlagen mit Holzlatten Fenster ein, stürmen Häuser. Dieses Mal ist es nicht der Drang nach Freiheit, der die Menschen auf die Straßen treibt, sondern der Hass, der durch ein Video ausgelöst wurde, das in den Augen vieler Muslime den Propheten Mohammed verhöhnt. Dieser Hass richtet sich gegen Einrichtungen der USA . Dort wurde das Video Innocence of Muslims vermutlich produziert.

In Jemens Hauptstadt Sanaa griff eine aufgebrachte Menge das Gelände der US-Botschaft an . Und zwar mehrmals. Polizisten und Sicherheitskräfte drängten die Eindringlinge zunächst mit Wasserwerfern zurück. Beim zweiten Versuch, das Gebäude zu stürmen, schoss die Polizei. Dabei wurden nach Behördenangaben drei Angreifer getötet, über 30 Menschen verletzt. Einer der Demonstranten sagte, die Wachleute hätten mehrere Schüsse abgefeuert. Die Protestierenden hätten Autoreifen angezündet. Mit Holzlatten zertrümmerten sie das Panzerglas im Eingangsbereich.

Auch in anderen Ländern gingen die Demonstrationen gegen den umstrittenen Film, in dem der Prophet als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt wird, weiter. In Kairo ging die Polizei vor der US-Botschaft mit Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten vor. Dutzende Menschen wurden laut Gesundheitsministerium verletzt.

In Tunis demonstrierten mehrere Hundert Salafisten vor der US-Botschaft, die Polizei ging mit Tränengas gegen die Menschenmenge vor. Demonstrationen gab es auch im irakischen Nadschaf, wo Anhänger des radikalen Predigers Moktada al-Sadr auf die Straße gingen.

In Teheran zogen rund 500 Menschen vor die schweizer Botschaft, die im Iran die Interessen der USA vertritt. Es gilt als sicher, dass die Demonstration dort vom Regime organisiert wurde. Proteste gab es auch im mehrheitlich muslimischen Bangladesch , im Sudan und in Marokko.

Mehrere asiatische Länder verschärften die Sicherheitsvorkehrungen für US-Vertretungen, weil dort Proteste gegen die USA im Anschluss an das Freitagsgebet erwartet wurden. Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte aus Angst vor Ausschreitungen eine Reise nach Norwegen ab. In Afghanistan wurde das Video im Netz gesperrt. YouTube ist auch in Ägypten und Libyen gesperrt.

Demonstrationen im Gaza-Streifen

Auch im Gaza-Streifen demonstrierten Hunderte gegen die USA. Der Minister für muslimische Einrichtungen, Ismail Radwan von der regierenden radikalislamischen Hamas , forderte die Demonstranten auf, US-Produkte zu boykottieren und nach dem Freitagsgebet erneut zu protestieren. Die Teilnehmer der Proteste schwenkten Spruchbänder mit Aufschriften wie "Wir alle opfern uns für Dich, oh Prophet Gottes" oder "Wo seid ihr, Muslime, während man euren Propheten beleidigt?" Am Vortag waren bereits Dutzende Menschen durch Gaza marschiert und hatten US-Fahnen sowie Fotos des umstrittenen US-Pastors Terry Jones verbrannt, der sich hinter den anti-islamischen Film gestellt hatte.

Die Proteste hatten am Dienstag in Kairo und im libyschen Bengasi begonnen. In der ägyptischen Hauptstadt hatten militante Islamisten die US-Botschaft gestürmt. Die Vertretung in Bengasi war mit Raketen und Granaten angegriffen worden. US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet , auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum. Unklar ist, ob der Angriff auf das US-Konsulat ursächlich mit der Verbreitung des Videos zusammenhängt.