Für den heutigen Freitag – den Sonntag der Muslime – sind in vielen islamischen Ländern Massenproteste gegen den umstrittenen Mohammed-Streifen organisiert. Ein Schwerpunkt dürfte Pakistan werden, wo sich der Widerstand noch ausweiten könnte.

Die Regierung hat einen nationalen Ehrentag für den Propheten ausgerufen, damit die Menschen am traditionellen Gebetstag friedlich gegen den Film Unschuld der Muslime protestieren können.

In seltener Eintracht begrüßten die pakistanischen Taliban diesen Schritt. Allerdings solle die Regierung auch alle US-Diplomaten des Landes verweisen, verlangte ein Sprecher der Fundamentalisten.

Anspannung verstärkt

Seit Tagen kommt es zu Unruhen in mehr als 20 Ländern. Seit ihrem Beginn wurden mindestens 30 Menschen getötet, darunter der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner in Libyen .

Frankreich kündigte bereits an, etwa 20 Botschaften, Konsulate und Schulen zu schließen . Die Regierung befürchtet Vergeltungsschläge. Denn die Satirezeitschrift Charlie Hebdo veröffentliche nach Bekanntwerden des Schmähfilms weitere Mohammed-Karikaturen und verstärkte dadurch die Anspannung.

In Tunesien verbot die Regierung aus Furcht vor Gewalt alle für Freitag geplanten Demonstrationen und Versammlungen. Die Polizei drohte Waffeneinsatz an, sollte sich jemand widersetzen.

Tausende vor US-Botschaft

In Pakistan war der der Protest gegen den Schmähfilm am Donnerstag eskaliert. Mehr als 2.000 Demonstranten versuchten, in der Hauptstadt Islamabad Zugang in die US-Botschaft hineinzukommen, die in einem bewachten Gelände untergebracht ist. Steine flogen durch die Luft. Die USA warnten vor Reisen in das Land. Die Regierung in Washington versuchte, die Lage zu beruhigen: Fernsehsender zeigten Werbefilme gegen den islamfeindlichen Film, in denen US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton zu sehen sind.

In Teheran versuchten Hunderte Islamisten, die französische Botschaft zu stürmen. Auch in Afghanistan gingen aufgebrachte Muslime gegen das Video und die Mohammed-Karikaturen auf die Straße. In den indonesischen Städten Makassar und Medan blieben den zweiten Tag in Folge die US-Botschaften geschlossen.

Demonstrationen in Deutschland

Protestkundgebungen sind auch in Deutschland geplant. So wollen in Freiburg Muslime gegen die Verunglimpfung des Propheten auf die Straße gehen. Die Polizei rechnet mit 800 Teilnehmern und erwartet einen friedlichen Verlauf. In Münster will ein Verein unter dem Motto "Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet" in der Innenstadt demonstrieren. Auch in Hannover , Cuxhaven, Dortmund und Karlsruhe sind Kundgebungen geplant.

Deutschland verschärfte um die deutschen Botschaften im arabischen Raum die Sicherheitsvorkehrungen. Es sei nicht auszuschließen, dass zusätzlich zu den am islamischen Feiertag ohnehin geschlossenen Botschaften weitere deutsche Vertretungen geschlossen blieben, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Zudem verschob das Innenministerium den Start der umstrittenen Plakataktion "Vermisst.", die sich gegen die Radikalisierung von Muslimen wendet.

Muslime gleich Wilde?

Als Produzent des Films gilt der koptische Christ Nakoula Basseley Nakoula. Die Proteste gegen das Machwerk hatten am Dienstag vergangener Woche in Ägypten und Libyen begonnen.

In den USA zündelt eine islamkritische Bloggerin weiter: Sie setzte durch, dass sie in der New Yorker U-Bahn eine Plakataktion fortsetzen kann, die Muslime mit Wilden gleichsetzt. Die New Yorker Verkehrsbehörde MTA hatte die Aktion als erniedrigend abgelehnt. In dem Text der Plakate heißt es: "Unterstützt in jedem Krieg zwischen dem zivilisierten Menschen und den Wilden den zivilisierten Menschen. Unterstützt Israel , schlagt den Dschihad."