Anschläge von AfghanenDer Feind im eigenen Lager

In Afghanistan sterben immer mehr Isaf-Soldaten durch Schüsse afghanischer Uniformierter. Die Angst vor Innentätern ergreift nun auch die Nato.

Bundeswehrsoldaten bei einer Trauerfeier für einen getöteten Kameraden (im Dezember 2010)

Bundeswehrsoldaten bei einer Trauerfeier für einen getöteten Kameraden (im Dezember 2010)

Der Soldat vor dem Küchengebäude im Feldlager in Masar-i-Scharif ist durch eine schusssichere Weste geschützt, er trägt ein Sturmgewehr. Der Mann kontrolliert jeden, der hinein will. Drinnen, nahe der Essensausgabe, steht ein Kamerad, das G36 über der Schulter. Die beiden heißen hier Guardian Angels – Schutzengel. Sie sollen verhindern, dass im Feldlager ein Attentäter zuschlägt.

Was nach Paranoia klingt, hat einen guten Grund: Die Zahl der Anschläge von sogenannten Innentätern hat 2012 deutlich zugenommen. Allein in der vergangenen Woche starben sechs Nato-Soldaten durch Schüsse von Menschen, denen sie eigentlich vertrauen sollten. 32 solcher Attacken gab es bereits in diesem Jahr – mit 51 Toten. Das sind 14 Prozent aller Gefallenen der Nato-Staaten in diesem Jahr.

Anzeige

Im Vergleich zu 2011 sind das doppelt so viele Vorfälle dieser Art, wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri errechnete. Seit 2007 haben afghanische Kameraden insgesamt 114 ausländische Soldaten erschossen.

Kameraden plötzlich Feinde

"Green on blue", nennen die Militärs die Angriffe von Mitgliedern der afghanischen Sicherheitskräfte auf Soldaten der Internationalen Schutztruppe der Nato für Afghanistan (Isaf). Vor allem die amerikanische und die britische Armee verlieren viele Soldaten durch Innentäter. Aber auch Bundeswehrangehörige waren bereits Ziel: Im Februar 2011 erschoss ein Afghane im Außenlager OP North in der Provinz Baghlan drei deutsche Soldaten.

Wenn aus Kameraden plötzlich Feinde werden, wird die enge Zusammenarbeit zum unkalkulierbaren Risiko. Zudem bekennen sich häufig die Taliban zu solchen Anschlägen. Sie zeigen damit, dass ihnen immer wieder gelingt, die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterwandern. Doch das Land aus dem Griff der Taliban zu befreien, war eigentliches Ziel des Afghanistan-Einsatzes der Nato.

Deshalb beschäftigt sich das Verteidigungsbündnis nun auf höchster Ebene mit dieser Gefahr. Großbritannien und Dänemark haben das Thema Innentäter auf die Tagesordnung des nächsten Treffens der Nato-Verteidigungsminister setzen lassen.

Erfolg der Taliban

In mehreren Provinzen übergab die Nato die Sicherheitsverantwortung bereits an die Afghanen. Dort will die Isaf nicht mehr kämpfen, sondern lediglich weiter ausbilden. Ab 2014, nach dem geplanten Abzug aller Kampftruppen, sollen sich die Afghanen allein der Aufständischen erwehren. Doch die Innentäter zeigen, dass die Afghanische Armee (ANA) und die Polizei (ANP) nicht einmal die eigenen Reihen unter Kontrolle haben.

Für Lord Francis Richard Dannatt, ein ehemaliger britischer Generalstabschef, sind die Innentäter auch ein Erfolg der Taliban. Die Aufständischen untergrüben damit die Moral der ausländischen Ausbilder, erläutert er. Und sie senkten deren Engagement beim Training der Afghanen.

Leserkommentare
    • Chali
    • 27.09.2012 um 12:49 Uhr

    beschäftigt sich mit dem Thema. Ich sollte ihn mir mal wieder ansehen.

    3 Leserempfehlungen
  1. Die CIA nennt Operationen, die sich unerwarteterweise gegen sie selbst richten, Blowback. Das passiert dann, wenn Verbündete erkennen, dass sie die Opfer für Einsätze tragen müssen, ohne die versprochenen Vorteile zu erhalten.

    Die Sicherheitskräfte Afghanistans erkennen, dass das US- und NATO-Militär ihre Kompetenzen überschreiten, indem sie autonom oder von der Bodenbasis gesteuert operierende Drohnen am Hindukusch und Wasiristan einsetzen.
    Bei der Anzahl an zivilen Opfern seit 2001 müsste die Öffentlichkeit von einem Genozid sprechen, der unter dem Schirm der "Terrorbekämpfung" stattfindet.
    Der Blowback ist offensichtlich eine Reaktion der frustrierten Afghanen, die den Sinn der westlichen Militärbesatzung nicht mehr erkennen können und sich aggressive Feindseligkeiten gefallen lassen müssen - nur weil die USA geopolitisch optimal aufgestellt sein wollen und in Zentralasien den "Western Way of Life", den westlichen Bankensektor, die Gaspipelines, niedrige Opiumpreise für die westliche Pharmaindustrie und so weiter durchsetzen wollen.

    Ich habe Mitgefühl mit den Angehörigen der gefallenen deutschen und US-amerikanischen ISAF-Soldaten.

    Die Operationen in Afghanistan sollten gestoppt werden, im Namen der Menschen, die hierzulande über die Fakten fehlinformiert werden und im Namen der Menschen, die jeden Tag auf afghanischer und pakistanischer wie auch auf der Seite der westlichen Mächte ihr Leben lassen müssen in einem asymmetrisch geführten Krieg.

    17 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt, da pietätlos. Die Redaktion/fk.

    Grade die Idee der "westlichen" Mächte das Hilfsoldaten schlechter betzahlt werden und schlechter ausgerüstet und geschützt werden als die eigenen Truppen dürfte auf lange sicht zu einen 2 Klassen Gesellschaft unter den soldaten geführt haben. In der sich nun die Hilfssoldaten nicht mehr mit dem Ziehlen der Mission indentifiziren können, und nur noch im Land Überleben wollen.

    Da grad die Hilfssoldaten wissen wie es um die Regirung steht, seinen auch immer mehr nicht daran zu glauben das nach den Abzug nicht die Taliban wieder die Oberhand gewinnen, uns so richten sie Ihre Taten schon mal danach nach übernahme der Taliban nicht als Verräter darzustehen.

    Grade in Dokumentionen sah man auch hier häufig das die Einheimischen Hilfskräft ebend keine so hohen Schutz wie dei Regulären Truppen hatten und in Deutsch unsicheren Positionen eingesetz wurdenum die Zahl der "wichtigen" Toten zu senken. Dazu kahm die Privaten Sicherheitskräften denen man das 10 Fache eines Einheimischen für den gleichen job getzahlte und ihen deutlich mehr Rechte als den einheimischen gab.

    So sind die einheimischen Sicherheitskräfte nun auch in ihrere eigenen Ansicht eher zu Kräften 3 grades degradiert wurden denen man kein Vertrauen schenkt und auch nicht in ihre Sicherheit investieren will.

    Wen kann es da noch wundern das es immer wieder Einzelne gibt die ihre Sicherheit in die Eigen hand nehmen und Abkommen mit den Taliban schliessen.

    • xpeten
    • 27.09.2012 um 16:41 Uhr

    die von Ihnen behauptete Kausalität der Vorkommnisse kann man nur als unbewiesene Einzelmeinung einordnen,

    zudem sagen sie doch auch nichts anderes aus, als dass die Staaten, die Soldaten dorthin entsenden, durch ihr eigenes Verhalten derartige Anschäge selbst provozieren und dabei zurecht für ihr Verhalten bestraft werden,

    was einer unerträgliche Form der Propaganda gleichkommt und eine ignorante Haltung den zweifellos vorhandenen Errungenschaften gegenüber ist, die für die dortigen Menschen entstanden sind und täglich neu entstehen,

    Ihre Argumente für einen Abzug lassen sich durch eine ganze Reihe Gegenargumente entkräften und widerlegen, die man hier nicht zum x-sten Mal immer wieder wiederholen muss,

    was bleibt ist pseudo-pazifistisches Getue und das komplette Ausblenden der Interessen der afghanischen Zivilbevölkerung, die selbstverständlich weiter vor den unzivilisierten Übergriffen religiöser Steinzeit-Fundamentalisten geschützt werden muss.

    Entfernt, da pietätlos. Die Redaktion/fk.

    Grade die Idee der "westlichen" Mächte das Hilfsoldaten schlechter betzahlt werden und schlechter ausgerüstet und geschützt werden als die eigenen Truppen dürfte auf lange sicht zu einen 2 Klassen Gesellschaft unter den soldaten geführt haben. In der sich nun die Hilfssoldaten nicht mehr mit dem Ziehlen der Mission indentifiziren können, und nur noch im Land Überleben wollen.

    Da grad die Hilfssoldaten wissen wie es um die Regirung steht, seinen auch immer mehr nicht daran zu glauben das nach den Abzug nicht die Taliban wieder die Oberhand gewinnen, uns so richten sie Ihre Taten schon mal danach nach übernahme der Taliban nicht als Verräter darzustehen.

    Grade in Dokumentionen sah man auch hier häufig das die Einheimischen Hilfskräft ebend keine so hohen Schutz wie dei Regulären Truppen hatten und in Deutsch unsicheren Positionen eingesetz wurdenum die Zahl der "wichtigen" Toten zu senken. Dazu kahm die Privaten Sicherheitskräften denen man das 10 Fache eines Einheimischen für den gleichen job getzahlte und ihen deutlich mehr Rechte als den einheimischen gab.

    So sind die einheimischen Sicherheitskräfte nun auch in ihrere eigenen Ansicht eher zu Kräften 3 grades degradiert wurden denen man kein Vertrauen schenkt und auch nicht in ihre Sicherheit investieren will.

    Wen kann es da noch wundern das es immer wieder Einzelne gibt die ihre Sicherheit in die Eigen hand nehmen und Abkommen mit den Taliban schliessen.

    • xpeten
    • 27.09.2012 um 16:41 Uhr

    die von Ihnen behauptete Kausalität der Vorkommnisse kann man nur als unbewiesene Einzelmeinung einordnen,

    zudem sagen sie doch auch nichts anderes aus, als dass die Staaten, die Soldaten dorthin entsenden, durch ihr eigenes Verhalten derartige Anschäge selbst provozieren und dabei zurecht für ihr Verhalten bestraft werden,

    was einer unerträgliche Form der Propaganda gleichkommt und eine ignorante Haltung den zweifellos vorhandenen Errungenschaften gegenüber ist, die für die dortigen Menschen entstanden sind und täglich neu entstehen,

    Ihre Argumente für einen Abzug lassen sich durch eine ganze Reihe Gegenargumente entkräften und widerlegen, die man hier nicht zum x-sten Mal immer wieder wiederholen muss,

    was bleibt ist pseudo-pazifistisches Getue und das komplette Ausblenden der Interessen der afghanischen Zivilbevölkerung, die selbstverständlich weiter vor den unzivilisierten Übergriffen religiöser Steinzeit-Fundamentalisten geschützt werden muss.

  2. Entfernt, da pietätlos. Die Redaktion/fk.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf ""Blowback""
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihren Kommentar empfinde ich als wiederlich. Was können z.B. Kinder dafür, wenn ein Elternteil getötet wird. Mitgefühl mit denen zu haben, die einen geliebten Menschen verlieren ist menschlich, ihr Kommentar ist das Gegenteil.

    richtet sich an die falsche Addresse. Wer aus politischem Eigennutz den Abzugstermin zwei Jahre im voraus dem Gegner mitteilt ist, ist fuer das sinnlose Sterben auf beiden Seiten verantwortlich. Die afghanischen Partner wissen damit fast auf den Tag genau, wann die Taliban wieder an der Macht sein und Vergeltung an den "Kollaborateuren" verueben werden. Dass man versucht sich dementsprechend zu positionieren sollte niemanden ueberraschen. Wenn Sie also Jemandem das "Mitgefuehl" verwehren wollen sollte dies der Politiker sein, der den Oberbefehl hat.

    Ihren Kommentar empfinde ich als wiederlich. Was können z.B. Kinder dafür, wenn ein Elternteil getötet wird. Mitgefühl mit denen zu haben, die einen geliebten Menschen verlieren ist menschlich, ihr Kommentar ist das Gegenteil.

    richtet sich an die falsche Addresse. Wer aus politischem Eigennutz den Abzugstermin zwei Jahre im voraus dem Gegner mitteilt ist, ist fuer das sinnlose Sterben auf beiden Seiten verantwortlich. Die afghanischen Partner wissen damit fast auf den Tag genau, wann die Taliban wieder an der Macht sein und Vergeltung an den "Kollaborateuren" verueben werden. Dass man versucht sich dementsprechend zu positionieren sollte niemanden ueberraschen. Wenn Sie also Jemandem das "Mitgefuehl" verwehren wollen sollte dies der Politiker sein, der den Oberbefehl hat.

  3. Ihre "Genozid-These" ist völlig absurd.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Weil wir für eine gute Sache kämpfen, weil wir die Guten sind, die nichts falsches machen, weil die "Unfälle" nur "ein paar" Menschenleben kosten?
    Ist es deshalb?

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Wenn Sie sich die Völkerrechtsbestimmungen ansehen, dann bedarf es keines Konzentrationslagers, um Massenmorde zu begehen, es genügt allein die Absicht und das entsprechende Mittel, eine Bevölkerungsgruppe zu beseitigen - und mögen Sie die Aufmüpfigen als "Terroristen" bezeichnen, um eine Schneinlegitimation zu erhalten.

    Fakt ist - und das müssen Sie anerkennen, wenn Sie zu dieses Thema konstruktiv beitragen möchten -, dass auf der "Terror-Watchist" in Afghanistan potentiell jeder steht, der die Taliban als legitime Widerstandskämpfer in Afghanistan sieht. Und das ist die breite Bevölkerung am Hindukusch.
    Es ist ergo nicht von der Hand zu weisen, dass die USA potentiell die breite Masse der kritisch eingestellten Afghanen und Pakistanis als Terroristen einstuft - und eben deshalb gnadenlos in den betroffenen Regionen vorgeht. Hier eine Hochzeit mit einer Drohne in die Luft gejagt, dort ein Dorf samt 120 Bewohnern vernichtet. Obama hat hierfür nur ein "Sorry, bad call" übrig.

    Und dann wird noch im Westen ein Film veröffentlicht, der die Muslime zutiefst beleidigt. Wundert es Sie denn, dass Sie, dass diese dort die "westliche Freiheit hassen"?

    Die Genozid-These ist weniger absurd als es aussieht.

    Weil wir für eine gute Sache kämpfen, weil wir die Guten sind, die nichts falsches machen, weil die "Unfälle" nur "ein paar" Menschenleben kosten?
    Ist es deshalb?

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Wenn Sie sich die Völkerrechtsbestimmungen ansehen, dann bedarf es keines Konzentrationslagers, um Massenmorde zu begehen, es genügt allein die Absicht und das entsprechende Mittel, eine Bevölkerungsgruppe zu beseitigen - und mögen Sie die Aufmüpfigen als "Terroristen" bezeichnen, um eine Schneinlegitimation zu erhalten.

    Fakt ist - und das müssen Sie anerkennen, wenn Sie zu dieses Thema konstruktiv beitragen möchten -, dass auf der "Terror-Watchist" in Afghanistan potentiell jeder steht, der die Taliban als legitime Widerstandskämpfer in Afghanistan sieht. Und das ist die breite Bevölkerung am Hindukusch.
    Es ist ergo nicht von der Hand zu weisen, dass die USA potentiell die breite Masse der kritisch eingestellten Afghanen und Pakistanis als Terroristen einstuft - und eben deshalb gnadenlos in den betroffenen Regionen vorgeht. Hier eine Hochzeit mit einer Drohne in die Luft gejagt, dort ein Dorf samt 120 Bewohnern vernichtet. Obama hat hierfür nur ein "Sorry, bad call" übrig.

    Und dann wird noch im Westen ein Film veröffentlicht, der die Muslime zutiefst beleidigt. Wundert es Sie denn, dass Sie, dass diese dort die "westliche Freiheit hassen"?

    Die Genozid-These ist weniger absurd als es aussieht.

  4. Einfach die unrechtmässigen Ivasoren aus den von Ihnen ausgebeuteten Ländern abziehen.

    Manchmal sind Lösungen sooo einfach und sooo naheliegend.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie meinen, weil die Taliban die eigene Bevölkerung überhaupt nicht unterdrücken oder ausbeuten? Jaaa, genau ...

    Sie meinen, weil die Taliban die eigene Bevölkerung überhaupt nicht unterdrücken oder ausbeuten? Jaaa, genau ...

    • Chali
    • 27.09.2012 um 13:16 Uhr

    " ... deutschen und US-amerikanischen ISAF-Soldaten"

    Wie steht es eigentlich um die Söldner? (Oder gibt es in Afghanistan keine, sondern nur im Irak?) Viele Familien, die ihren Ernährer verlieren, und wie neulich das Fernsehen berichtete, wurde der Sold von 1000 auf 400 Dollar gekürzt.

    Eine Leserempfehlung
  5. 7. [...]

    Entfernt, da geschmacklos. Die Redaktion/fk.

    3 Leserempfehlungen
  6. 8. wieso?

    Weil wir für eine gute Sache kämpfen, weil wir die Guten sind, die nichts falsches machen, weil die "Unfälle" nur "ein paar" Menschenleben kosten?
    Ist es deshalb?

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Dalinin"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service