"Muslim Rage" : Newsweek-Cover löst Spott und Ärger aus

Das US-Magazin "Newsweek" wollte mit einem Titel über die "muslimische Wut" Auflage machen. Aufmerksamkeit bekam das Heft – allerdings anders als erwartet.

Die Proteste gegen das islamfeindliche Video aus den USA waren in den vergangenen Tagen das bestimmende Thema der Nachrichten. Insofern ist es wenig überraschend, wenn ein großes Wochenmagazin aus den USA die zum Teil gewalttätigen Proteste gegen den Mohammed-Film als Titelgeschichte auswählt: Das Thema verspricht Aufmerksamkeit und Leser. Das Nachrichtenmagazin Newsweek hat sich damit allerdings keinen Gefallen getan.

"Muslim Rage " (Muslimische Wut) prangt in riesigen Lettern auf dem aktuellen Cover des Magazins, darunter ein Foto von Protesten gegen das Schmähvideo. "Wie ich sie überlebte – wie wir sie beenden können" lautet die Titelgeschichte der umstrittenen Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali . Schon der sensationsheischende Titel und das klischeehafte Bild lösten ersten Ärger und Kritik an Newsweek aus: Das Magazin fördere damit Islamhass, das Cover sei fast so gefährlich wie das Mohammed-Video, kommentierte etwa ein Journalist des Guardian . Doch Newsweek legte noch einen drauf.

Die Redaktion rief über Twitter dazu auf , die Titelgeschichte zu diskutieren und unter dem Schlagwort #muslimrage eigene Erfahrungen mit muslimischer Wut zu beschreiben. Der Aufruf zeigte Wirkung: Newsweek bekam die Aufmerksamkeit, die es wollte – allerdings aus einer ganz anderen Richtung.

Bei Twitter begann sich unter dem Schlagwort eine Welle von Hohn und Spott über Newsweek zu ergießen. Muslime und Nicht-Muslime machten ihrem Ärger über das plumpe Cover mit ironischen und absurden Beispielen Luft. "Die 72 Jungfrauen haben sich als Männer entpuppt", schrieb ein Nutzer . "Schawarma ohne Knoblauchsauce?", ein anderer . Tweet für Tweet wurde Newsweek auf die Schippe genommen, auch auf Plattformen wie Tumblr und in Blogs werden fleißig weitere Beispiele gesammelt.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass ein Newsweek-Cover Ärger auslöst. Im Mai etwa war Barack Obama auf dem Titel mit der Schlagzeile Der erste schwule Präsident . Oder die Ausgabe vom August 2011 mit der Tea-Party-Politikerin Michele Bachmann und dem Titel Die Königin der Wut . Und auch zum Islam hatte das Magazin schon problematische Titel: Warum sie uns hassen heißt es auf dem Titel vom 28. September 2001, unmittelbar nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York. Auf dem Bild dazu ist ein kleiner muslimischer Junge mit einem Plastikgewehr zu sehen.

Vom Tweet des Anstoßes über den ersten Ärger bis hin zur Verbreitung der Häme im Netz lässt sich #muslimrage nachverfolgen:

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Nicht mein Ding wie viele Seiten der Presse. Aber man muss aushalten und vor allem nicht kaufen oder durch Kommentieren verbindlich machen.

Ein Grund für Militanz ist das nicht, und wenn Muslime Vertrauen fordern, sollten sie im Gegenzug nicht pauschal unterstellen, dass alle Westler oder Angehörige anderer Religionen sich aufhetzen lassen oder zu Phobikern würden.

vereinend

"Muslime und Nicht-Muslime machten ihrem Ärger über das plumpe Cover mit ironischen und absurden Beispielen Luft. "Die 72 Jungfrauen haben sich als Männer entpuppt", schrieb ein Nutzer. "Schawarma ohne Knoblauchsauce?", ein anderer. "

mit anderen worten:
muslim und nichtmuslim haben miteinander gelacht?
dann haben sie, wenn auch auf dumme weise, doch was gutes bewirkt ;-)

Muslim Rage

besser hätte Newsweek die aktuelle Situation nicht treffen können.

Das die Beschwichtigungen kommen ist ja heute Standard.

Erwarte ich ja auch von Zeit Online und der Huffingtion Post, weil politisch Neutral ist ja was anderes.

Das von der aktuellen Situation der Randale abgelenkt und irgendwelche anderen Gründe gesucht werden ist man ja schon gewohnt.

Randale gibt es nur in Einzelfällen

Das von der aktuellen Situation der Randale abgelenkt und irgendwelche anderen Gründe gesucht werden ist man ja schon gewohnt.

Randale gibt es nur in Einzelfällen. Die große Mehrheit der Proteste sind friedlich. Wie gestern Zehntausende in Beirut.

Die Randale gibt es vorallem dort, wo die Situation dank Bürgerkrieg oder politischer Situation entsprechend schlimm ist. So in Libyen, Ägypten oder Jemen. Überall dort sind die Leute aber vorallem wegen der US-Politik im eigenen Land ausgerastet. Das Video war nur der berühmte Tropfen.

In Kairo z.B. sind schon vor Wochen tausende auf die Straße gegangen als Clinton zu Besuch kam und haben Tomaten und faules Obst auf den Konvoi geschmissen. Im Jemen gibt es wöchentlich neue zivilen Opfer durch Drohnenangriffe. Genauso wie in Pakistan.

Nein, dieses Video ist nicht schuld. Es ist geradezu lächerlich im Gegensatz zu dem was diese Demonstranten den USA sonst so vorwerfen.