Wahlen : Holland lässt die Euro-Feinde scheitern

Noch eine gute Nachricht für Europa: Bei der Wahl in den Niederlanden misslingt der Versuch, Stimmung gegen Brüssel zu machen. Von Matthias Krupa

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus Europa . Die erste kam gestern Vormittag aus Karlsruhe , die zweite am Abend aus den Niederlanden. Und auch wenn der eine Schauplatz mit dem anderen auf Anhieb wenig gemeinsam hat, greifen beide Nachrichten doch wunderbar ineinander: das kluge Urteil des deutschen Verfassungsgerichts und das überraschende Votum der niederländischen Wähler .

Die Karlsruher Richter haben entschieden, die Verantwortung für die gegenwärtige europäische Krisenpolitik dort zu belassen, wo sie hingehört, bei den Regierungen und Parlamenten. Die Niederländer wiederum haben jene politischen Kräfte gestärkt, von denen man am ehesten erwarten darf, dass sie mit dieser Verantwortung vernünftig umgehen.

Dabei hatte es im niederländischen Wahlkampf lange Zeit so ausgesehen, als könnten die extremen Kräfte einen Erfolg verbuchen . Aber die Sozialistische Partei (SP), die sich vor vier Wochen noch Hoffnung machen durfte, die Wahl zu gewinnen, landete am Ende nur bei etwa zehn Prozent. Die Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders brach sogar regelrecht ein. Sie ist künftig nur noch mit 12 oder 13 statt bislang mit 24 Abgeordneten im Den Haager Parlament vertreten.

Vor zwei Jahren war Wilders mit ausländerfeindlichen und antiislamischen Parolen zur dritten Kraft in der niederländischen Politik aufgestiegen . Nun polemisierte er gegen die EU . Im Wahlkampf forderte Wilders die Rückkehr zum Gulden und den Austritt der Niederlande aus der EU. Doch offensichtlich trägt Europa als Feindbild nicht so weit wie Moscheen und Muslime. Die Kampagne, die dem Rechtspopulismus ein neues Feld eröffnen sollte, endete mit einem Absturz.

Auch die Sozialisten mussten die Erfahrung machen, dass die meisten Wähler mehr erwarten als – in diesem Fall: linken – Schimpf auf Brüssel . Das politische Europa ist kompliziert; aber offensichtlich ist es auch nicht so einfach wie gedacht, gegen dieses Europa Stimmung zu machen und Stimmen zu gewinnen. Dies ist die erste und wichtigste Erkenntnis dieser Wahl.

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Kommentare

68 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Es geht ja den meisten auch nicht um Europa...

...sondern um "welches" Europa.
Müsste ich wählen zwischen diesem Europa und keinem würde ich zähneknischend auch dieses wählen.
Ich werde das Ende des Nationalstaatsdenkens hoffentlich noch erleben, will aber gleichzeitig ein Europa in dem das (europäische) Volk noch was zu Sagen hat und nicht die Banken und Industrielobby.
Im Moment bekommen wir aber genau das in den Rachen gesteckt.
Das Problem ist "diese" EU nicht "die" EU - zumindest meiner Meinung nach ;-)

Schludrige Online-Redaktion

Schon wieder hat Zeit-Online einen Kommentar nicht als solchen gekennzeichnet. Herr Krupa hat einfach von seinen Gefühlen berichtet, daß er zum Beispiel das vorläufige ESM-Urteil klug gefunden habe, oder daß er die gegenwärtige EU und ihre Machenschaften für gut für Europa hält.

Kann man ja alles so sehen -- ist aber nur die Meinung des Autors.

Kommentare als Artikel plazieren -- das ist eigentlich die Methode der Bildzeitung oder des Bayernkuriers; einer seriösen Zeitung sollte das nicht passieren!

Ein Fest

für den durchschnittlichen Zeitforisten ist natürlich die Niederlage Wilders. Allerdings wäre das Ergebnis wohl zB. nicht auf hiesige Verhältnisse zu übertragen, denn die Niederlande waren und sind eine Händlernation, die natürlich vom Im-und Export schon immer gut gelebt hat.
Insofern eine krasse Fehleinschätzung von Wilders, mit seiner Forderung nach Austritt aus der EU in den Wahlkampf zu ziehen.
An den sozialen Gründen für sein gutes Abschneiden das letzte Mal hat sich dagegen wenig geändert. Insofern bleibt immer ein gewisses Reservoir an Stimmen für Wilders.
Dass aber die Wahl eines "rechtspopulistischen Rattenfängers" tatsächliche Gründe haben kann, die im alltäglichen Erleben des Wählers liegen können, ist etwas, was der durchschnittliche linksliberale Zeitforist aus dem feinen Zehlendorf nie verstehen wird.

Ein Drittel ging halt nach der Arbeit wählen.

Was nicht alles möglich ist. zB das ein Drittel der Wähler nach der Arbeit zur Urne geht.

Nach 98,7% gezählte Stimmen, liegt die Beteiligung auf 73,8%. In 2010 waren's 75,4%
Übrigens verlief die Wahlbeteiligung über den Tag ähnlich wie bem letzten mal.

In NL sind die Wahllokale bis von 21 Uhr geöffnet, und man kann in 40 Städten auch am Bahnhof, auf den Weg zur oder von der Arbeit wählen.

Wenn Ihnen der Stil nicht gefällt, suchen sie sich was anderes

Warum lesen sie die Zeit und wundern sich bzw regen sich über die politische Haltung in den Artikeln auf??
Das ist nunmal die politische Ausrichtung dieser Zeitung und auch der Online-Redaktion.

Ich les doch auch nicht die "Junge Freiheit" und denke mir bei jedem Artikel "herrje, das is jetzt aber schon ein bischen rechtspopulistisch".

Wenns Ihnen nicht gefällt zwingt sie niemand hier zu bleiben.
Auch für Ihre Einstellung gegen Europa gibt es genügend Zeitungen.

Kein positiver Satz über Angela Merkel ist überflüssig, ...

... wenn man sich die Zustände in einigen anderen Staaten ansieht.
Auch die Wahrung des inneren Friedens in Deutschland ist eine bedeutende Leistung unserer Bundeskanzlerin (und operativ der zuständigen Sicherheitsbehörden). Weder finden hier Massenstreiks wie in Frankreich oder Spanien noch semi-terroristische Akte (z. B. Fahnen- und symbolische Puppenverbrennungen) wie in Griechenland statt.

Operation gelungen, EU tot

Und Neoliberalie Politiker die Geld verschenken, das sie nicht einmal besitzen, bringt Europa kein Unheil?

Ob Rechtspopulisten die die EU auflösen wollen, oder gierige Politiker die eine tote EU an den Tropf hängen, es ist das selbe Lied, es wird nur verschieden gespielt.

Holland geht es momentan gut, Rechtspopulisten sinken in der Wählerschaft, Griechenland geht es schlecht, Rechtsextreme steigen...

Die Finanzkrise wird noch einige Jahr(zehnte) andauern, Rechtspopulisten und Rechtsextreme warten schon.

es ist überall das selbe...

auch die rechtspopulisten kochen nur mit wasser. sie versprechen das blaue vom himmel und können es nicht erfüllen - welch überraschung. mir fällt keine rechtspopulistische partei in europa ein, die nach der ersten legislaturperiode nicht krass abgestürzt wäre. man könnte meinen, sie lernen daraus... naja, rechtpopulisten halt - was erwartet man schon.

@Humanist , Das habe ich nicht behauptet,

finde auch, ganz wie Sie, dass viele Politiker aus der "Mitte" sehr wohl Unheil über Europa bringen, und zwar die, die sich ausschließlich als Lobbyisten von Banken und Monopolindustrie betätigen und sich dafür noch vom Steuerzahler honorieren lassen, dass sind auch m.E. nicht nur neoliberale Politiker, auch in den Volksparteien sitzen reichlich Leute, die mit dem sozialen Frieden spielen. Und Fremdenfeinde und Islamhasser, die sich nicht rechts einordnen, sondern aus der Mitte operieren, und die Unheil über Europa sogar bringen WOLLEN, indem sie zu Hass und Ausgrenzung aufstacheln, sollte man auch nicht unerwähnt lassen.

Sie sehen, so einfach ist das nicht: ist man gegen X, muss man automatisch für Y sein, das funktioniert so nicht mehr, schon lange nicht.

Der Rechts / Links Schablonen-Simplizissimus taugt nicht mehr für die komplexen Themen unserer Zeit.

Fakten

"Noch eine gute Nachricht für Europa: Bei der Wahl in den Niederlanden schlägt der Versuch fehl, Stimmung gegen Brüssel zu machen."

Ich finde,es war/ist keine "Stimmung" gegen Brüssel,sondern Argumente.Ein Werte-Europa immer und sebstverstverständlich,
aber undemokratische Vorschriften aus Brüssel und ein "Finanzielles Europa"
ist ein Fehler und wird sich rächen siehe Griechenland.
Ansosnsten würde ich sagen,auch die Mehrheit kann leider irren und fehleinschätzen wi eman hier sehen kann.