AtomkriseObama telefoniert mit Netanjahu – statt ihn zu treffen

US-Präsident Obama hat ein Treffen mit Israels Premier Netanjahu abgelehnt, aber die beiden haben lange telefoniert. Die Stimmung ist angesichts der Atomkrise angespannt.

US-Präsident Barack und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Archiv)

US-Präsident Barack und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Archiv)

Die amerikanisch-israelische Beziehung wird auf eine neue Probe gestellt. Medienberichten zufolge hat US-Präsident Barack Obama den Wunsch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nach einem Treffen abgelehnt.

Die Zeitungen Haaretz und Jerusalem Post schrieben am Dienstagabend unter Berufung auf einen ungenannten Regierungsvertreter in Jerusalem, Netanjahu habe vorgeschlagen, während seiner Reise Ende September zur UN-Generalversammlung in New York auch nach Washington zu kommen. Obwohl Netanjahu nur zweieinhalb Tage in den USA sein wird, wolle er für das Treffen nach Washington reisen. Das Weiße Haus habe unter Hinweis auf den vollen Terminkalender Obamas abgelehnt.

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Die Zeitung Haaretz hatte zuvor von einem neuen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen beiden Politikern gesprochen. Es wäre das erste Mal in seiner Amtszeit, dass Netanjahu in die USA fliegt, ohne Obama zu sehen.

Netanjahu werde Clinton und andere US-Vertreter treffen

Das Weiße Haus relativierte die Meldungen. Eine Begegnung sei schlicht nicht möglich, weil sich beide nicht zur selben Zeit in New York aufhielten, sagte ein Sprecher des Präsidenten. Obama treffe am 24. September, einem Montag, in New York ein und reise am Dienstag wieder ab. Netanjahu sei aber erst später in New York. "Sie sind schlicht nicht zur selben Zeit in der Stadt", sagte der Sprecher. Aber beide Politiker hätten häufig Kontakt miteinander und Netanjahu werde während seines Besuches mit Außenministerin Hillary Clinton und anderen ranghohen US-Vertretern zusammenkommen.

Nach Angaben des Weißen Hauses telefonierte Obama am Dienstagabend eine Stunde lang mit Netanjahu. Nach dem Telefonat hieß es, es habe entgegen Medienberichten weder ein Ersuchen um ein Treffen mit dem US-Präsidenten gegeben noch sei ein Ersuchen jemals abgelehnt worden. Israel widersprach dieser Darstellung. "Wir haben um eine Begegnung am Rande der UN-Vollversammlung in New York gebeten und auch angeboten, dass der Ministerpräsident dafür nach Washington kommen könnte", sagte ein Regierungsvertreter.

Aus dem Weißen Haus hieß es, das Telefonat sei Teil der andauernden Konsultationen gewesen. Die beiden Spitzenpolitiker hätten über die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm, die enge amerikanisch-israelische Zusammenarbeit in dieser Frage und über andere sicherheitspolitische Themen gesprochen. Obama und Netanjahu hätten bekräftigt, dass sie sich einig in ihrer Entschlossenheit seien, iranischen Atomwaffenbesitz zu verhindern. Sie stimmten darin überein, ihre engen Konsultationen fortzusetzen.

Zuvor hatte Netanjahu die USA heftig für ihre Haltung zum Atomstreit mit dem Iran kritisiert. Er sprach den USA das moralische Recht ab, den jüdischen Staat am Handeln zu hindern. Die Regierung in Washington habe sich geweigert, im Atomstreit eine härtere Haltung gegenüber der Islamischen Republik einzunehmen, begründete Netanjahu in Jerusalem die ungewohnt deutlichen Worte. Die schärfere Rhetorik nährt Spekulationen, Israel könnte den Iran vor der US-Präsidentenwahl im November angreifen – in der Hoffnung, dass Obama aus Rücksicht auf die israelische Lobby in den USA kein Veto einlegt.

"Warten worauf, warten wie lange?"

In Richtung Teheran richtete der israelische Ministerpräsident Drohungen. Sollten die Weltmächte dem Iran keine klaren Grenzen setzen, werde sich sein Land nicht mehr zurückhalten. "Die Welt sagt Israel: 'Wartet, es ist noch Zeit'. Und ich sage, 'warten worauf, warten, wie lange'?" Wenn dem Iran keine klare Grenze, keine Fristen gesetzt würden, arbeite dieser ungehindert weiter daran, die Atomwaffenfähigkeit zu erlangen und dann die Atombombe.

Die USA sehen den Spielraum für Diplomatie aber noch nicht ausgereizt. Clinton hatte mitgeteilt, die USA setzten in den diplomatischen Bemühungen mit dem Iran keine Fristen. Nach Netanjahus Angaben sprechen Israel und die USA derzeit über "rote Linien", die der Iran nicht überschreiten dürfe. Beide Verbündeten sind sich jedoch offenbar uneins darüber, ob die Voraussetzungen für einen Militärschlag offen benannt werden sollten. Einen Alleingang lehnen die meisten Israelis ab.

Dem Iran wird vorgeworfen, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten. Israel sieht durch das Programm seine Existenz bedroht. Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe zurück und beharrt auf dem Recht des Landes, Atomkraft zu friedlichen Zwecken zu nutzen.

 
Leserkommentare
  1. Oh man, wenn wir Europäer, unsere Journalisten und unsere Politiker nicht sehr bald irgendetwas einfallsreiches auf die Beine stellen, um zu verhindern, dass Mesopotamien tatsächlich - auch in unserem Namen - in Schutt und Asche gelegt wird, werden eines Tages, bei der Verschriftlichung unserer Epoche für die Geschichtsbücher, unsere Köpfe rollen - weil wir tatsächlich bei diesem Wahnsinn tatenlos zugesehen haben, obwohl uns doch alle erdenklichen Informationen zur Verfügung stehen.
    Alle erdenklichen Informationen, die, im Gegensatz zu den Theorien von Benjamin Netanjahu, Claus Kleber etc., darauf hindeuten, dass es hier um Größenwahn und politische Intrigen geht - und nicht um eine angebliche Höllengefahr namens Iran.
    Falls der Krieg tatsächlich stattfinden sollte, sieht man mich bald auf VOX bei 'Goodbye Deutschland'...

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    Die Hardliner in Isreael haben mit ihrem Willen zum Präventivangriff nicht einmal die eigene Bevölkerung hinter sich. Diese wird allerdings die Zeche für so ein Wahnsinns-Vorhaben zahlen müssen. Selbst im Umfeld von Nethanjahu geht man von vielen zivilen Opfern in Israel aus.

    Und was macht man, sollte der Iran tatsächlich schon die A-Bombe besitzen - etwa weil die Freunde der Mullahs in Moskau denen eine funktionsfähige geliefert haben? Etwa den Overkill? Will man so weit gehen, nur weil in irgendwelchen uralten Büchern irgendetwas von irgendwem, den es möglicherweise gar nicht gibt, "versprochen" wurde? Wie fanatisiert und verbohrt muss man auf beiden Seiten sein!

    Was wir hier eindrucksvoll demonstriert bekommen ist eines: religiös motivierte Politik richtet nur Schaden an.

    Die Hardliner in Isreael haben mit ihrem Willen zum Präventivangriff nicht einmal die eigene Bevölkerung hinter sich. Diese wird allerdings die Zeche für so ein Wahnsinns-Vorhaben zahlen müssen. Selbst im Umfeld von Nethanjahu geht man von vielen zivilen Opfern in Israel aus.

    Und was macht man, sollte der Iran tatsächlich schon die A-Bombe besitzen - etwa weil die Freunde der Mullahs in Moskau denen eine funktionsfähige geliefert haben? Etwa den Overkill? Will man so weit gehen, nur weil in irgendwelchen uralten Büchern irgendetwas von irgendwem, den es möglicherweise gar nicht gibt, "versprochen" wurde? Wie fanatisiert und verbohrt muss man auf beiden Seiten sein!

    Was wir hier eindrucksvoll demonstriert bekommen ist eines: religiös motivierte Politik richtet nur Schaden an.

    • FahadA
    • 12.09.2012 um 6:42 Uhr

    Mesopotamien wurde schon 2003 in "Schutt und Asche gelegt".

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  2. ...ob Mailand oder Madrid - Hauptsache Pipelines.

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  3. zu tun und er kann sich Momentan nicht auf das Kriegsgeschrei der Israelis einlassen.

    Sollte er gewählt werden wird er seine Meinung zum den Überfall Plänen der Israelis auf den Iran, in deren Interessen wohl abnicken müssen.

    Wenn die Reps gewinnen wird es bestimmt zum Krieg kommen und daran möchte ich gar nicht erst Denken.

    6 Leserempfehlungen
  4. Journalisten tut ein bisschen Geographie auch mal gut! New York? Washington? Ah..., egal, Amerika!!!

    "Netanjahu habe vorgeschlagen, während seiner Reise Ende September zur UN-Generalversammlung in New York auch nach Washington zu kommen. Obwohl Netanjahu nur zweieinhalb Tage in den USA sein wird, wolle er für das Treffen nach New York reisen."

    "...Das Weiße Haus relativierte die Meldungen. Eine Begegnung sei schlicht nicht möglich, weil sich beide nicht zur selben Zeit in New York aufhielten..."

    Oder war nur der Unterton wichtig?

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  5. > Dem Iran wird vorgeworfen, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten.

    Zu dieser Hintergrundinformation ist es vielleicht nuetzlich auch den Hintergrund in Isreal zu nennen. Aus Wikipedia:

    Israel hat den Atomwaffensperrvertrag nie unterzeichnet und verfügt nach allgemeiner Einschätzung seit den sechziger Jahren über Atomwaffen, die im Negev Nuclear Research Center entwickelt worden sind. In den siebziger Jahren gab es eine geheime gemeinsame Atomwaffenforschung mit Südafrika. Fachkreise gehen davon aus, dass Israel über rund 200 Kernsprengköpfe verfügt.

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    das ist Israel.

    Das Judentum ist hier die Sonderregelung (auch für Atomwaffen).
    Diese Regeln mögen für alle Staaten gelten, nicht aber für das auserwählte Volk.

    Also wirklich, diese Juden. Die wurden ja schon mal beinahe ausgemerzt, und wollen sich trotz allem nicht in ihr Schicksal fügen. Im Gegenteil, sie versuchen ihren neuen winzigen Staat mit aller Kraft zu verteidigen. Sogar mit der stillschweigenden Androhung eines atomaren Gegenschlag, falls der Staat selbst vernichtet werden sollte.

    Nun mag man darüber denken, was man will. Meine Vorredner finden es offenbar nicht gut. Entweder sie gehen davon aus, dass der Mensch edel, hilfreich und gut sein sollte; leider ist das nur ein frommer Wunsch und deckt sich nicht mit dem tatsächlichen Gang der Dinge. Oder sie wollen nicht, dass dieser Staat fortbesteht; das ist natürlich ihr gutes Recht, dann sollten sie es aber auch laut aussprechen.

    Ich für meinen Teil ziehe es vor, wenn alle Menschen in Ruhe nebeneinander leben können. In unserer verkehrten Welt sind die Atomwaffen - zumindest im Moment - eine Garantie dafür.

    > Entweder sie gehen davon aus, dass der Mensch edel, hilfreich und gut sein sollte; leider ist das nur ein frommer Wunsch und deckt sich nicht mit dem tatsächlichen Gang der Dinge. Oder sie wollen nicht, dass dieser Staat fortbesteht; das ist natürlich ihr gutes Recht, dann sollten sie es aber auch laut aussprechen.

    Ich wollte nur ausdruecken, dass ich es fuer journalistisch gute Praxis halten wuerde, wenn man den Vorwurf der Atomwaffenentwicklung gegen den Iran in den groesseren Kontext setzt: dass sich naemlich die derzeitigen Nuklearmaechte anmassen, jedem ungeliebten Staat bei Androhung von Krieg zu verbieten Nuklearwaffen zu entwickeln ohne in irgendeiner Weise selbst auf Nuklearwaffen verzichten zu wollen. (Und die derzeitigen Nuklearmaechte schliessen Israel ein.)

    das ist Israel.

    Das Judentum ist hier die Sonderregelung (auch für Atomwaffen).
    Diese Regeln mögen für alle Staaten gelten, nicht aber für das auserwählte Volk.

    Also wirklich, diese Juden. Die wurden ja schon mal beinahe ausgemerzt, und wollen sich trotz allem nicht in ihr Schicksal fügen. Im Gegenteil, sie versuchen ihren neuen winzigen Staat mit aller Kraft zu verteidigen. Sogar mit der stillschweigenden Androhung eines atomaren Gegenschlag, falls der Staat selbst vernichtet werden sollte.

    Nun mag man darüber denken, was man will. Meine Vorredner finden es offenbar nicht gut. Entweder sie gehen davon aus, dass der Mensch edel, hilfreich und gut sein sollte; leider ist das nur ein frommer Wunsch und deckt sich nicht mit dem tatsächlichen Gang der Dinge. Oder sie wollen nicht, dass dieser Staat fortbesteht; das ist natürlich ihr gutes Recht, dann sollten sie es aber auch laut aussprechen.

    Ich für meinen Teil ziehe es vor, wenn alle Menschen in Ruhe nebeneinander leben können. In unserer verkehrten Welt sind die Atomwaffen - zumindest im Moment - eine Garantie dafür.

    > Entweder sie gehen davon aus, dass der Mensch edel, hilfreich und gut sein sollte; leider ist das nur ein frommer Wunsch und deckt sich nicht mit dem tatsächlichen Gang der Dinge. Oder sie wollen nicht, dass dieser Staat fortbesteht; das ist natürlich ihr gutes Recht, dann sollten sie es aber auch laut aussprechen.

    Ich wollte nur ausdruecken, dass ich es fuer journalistisch gute Praxis halten wuerde, wenn man den Vorwurf der Atomwaffenentwicklung gegen den Iran in den groesseren Kontext setzt: dass sich naemlich die derzeitigen Nuklearmaechte anmassen, jedem ungeliebten Staat bei Androhung von Krieg zu verbieten Nuklearwaffen zu entwickeln ohne in irgendeiner Weise selbst auf Nuklearwaffen verzichten zu wollen. (Und die derzeitigen Nuklearmaechte schliessen Israel ein.)

    • Leland
    • 12.09.2012 um 7:18 Uhr

    "Eine Begegnung sei schlicht nicht möglich, weil sich beide nicht zur selben Zeit in New York aufhielten, sagte ein Sprecher des Präsidenten."

    lächerlich.

    2 Leserempfehlungen
  6. 8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    4 Leserempfehlungen

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