Parteitag US-Demokraten : Obamas Versprechen an eine wundgeschlagene Nation
Seite 2/2:

"Ihr habt mich gewählt, um euch die Wahrheit zu sagen"

Parteitagsreden sind keine Spiegelstrichvorträge, schon gar nicht in Amerika. Der Druck auf Obama war riesig, mehr als blumige Worte und wolkige Aussichten zu liefern. Das hat er getan. Er zeichnete auf, wohin er das Land führen will und was er auf dem Weg vorhat. Er bat zugleich um Geduld und plädierte in dieser oft von kurzfristigem Denken und Handeln besessenen Zeit für eine Politik nachhaltiger Veränderungen.

Obama warb für Investitionen in die Bildung, in die Infrastruktur und in die Energieunabhängigkeit Amerikas. Er versprach ein einfacheres und zugleich faireres Steuersystem, eine Million neuer Jobs in der Industrie und den Abbau des horrenden Schuldenbergs um vier Billionen Dollar.

Und unter großem Jubel blieb er bei seiner Forderung, alle Amerikaner, die mehr als 250.000 Dollar im Jahr verdienen, stärker zu besteuern. Angesichts der Not leidenden Staatskassen, sagte der Präsident, sei das gerechter als weitere Lehrer zu entlassen.

Sein Herausforderer Mitt Romney verspricht weniger Steuern, weniger Staat und weniger Regulierungen. Obama hält dem sein eigenes Zukunftsmodell entgegen: Eine solidarische Gesellschaft, die in Bildung, Infrastruktur und Energieunabhängigkeit investiere, die auch illegalen Einwanderern eine Chance gebe, den Klimawandel nicht für einen Witz halte und die Sozial- und Gesundheitssysteme so reformiere, dass sie nicht ihren Sinn verlören.



Es gehe bei der Wahl um zwei fundamentale Visionen, zwei grundverschiedene Vorstellungen, sagte der Präsident: Um eine Gesellschaft, in der jeder auf sich selber gestellt sei, oder ein Gemeinwesen, in dem alle füreinander einstünden.

Es gehe um ein Amerika, in dem Staat und Regierung Statisten seien oder eine Rolle als Weichensteller für die Zukunft hätten.

Seinen Anhängern präsentierte sich in Charlotte ein Präsident, der nüchterner, abgeklärter und auch bodenständiger geworden ist. Er sei nicht mehr derselbe wie vor vier Jahren, sagte er. Wie die Zeit, so habe auch er sich verändert.

Allerdings hat er auf dieser Wegstrecke auch ein wenig seines ursprünglichen Zaubers verloren. Es trat kein Messias mehr auf, der einst glaubte, nur mit seiner Wahl habe sich die Welt bereits verändert.

Stattdessen sprach ein gewöhnlicher Sterblicher, ein Politiker, der sich in vier harten Jahren zum kühlen Pragmatiker gewandelt hat. Der aber trotz aller Ernüchterung und Enttäuschung immer noch mit großer Überzeugungskraft darlegen kann, warum er – im Vergleich zu seinem Herausforderer Mitt Romney – die bessere Wahl sei und die wundgeschlagene Nation in eine bessere Zukunft führen könne.

"Ihr habt mich gewählt, um euch die Wahrheit zu sagen," rief der Präsident. "Und die Wahrheit ist, es wird dauern!" Und in Anlehnung an einen berühmten Satz von John F. Kennedy sagte er: "Es geht nicht darum, was für uns getan wird, sondern was wir selber tun." Nicht er sei der Wandel, sondern der Wandel geschehe allein dank der Menschen, die ihn wählten.

Obama wies am Ende seinen Weg in die Zukunft. Als zweifele er für einen kurzen Moment, ob ihm die Wähler auf diesem Weg folgen werden, mahnte er: "Solltet ihr euch abwenden, wird der Wandel nicht weitergehen." – Doch dann brüllten 20.000 begeisterte Menschen: "Four more years!" Vier weitere Jahre!

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Das ist eben "Amerika"

Das ist eben Amerika, wie es leibt und lebt: für ein sehr emotionales und sehr sentimentales, aber gleichzeitig für uns Europäer oft erschreckend ahnungsloses und ungebildetes Publikum wird eine ganz große Show geboten, perfekt inszeniert - wie in Hollywood oder bei Disney - inklusive Homestory der Spitzenkandidaten.

Egal, ob es sich nun um die Demokraten oder um die Republikaner handelt - bei beiden ist das Theater dasselbe. Das ist eben Amerika.

Ich glaube, ...

... wir sollten in acht bis zehn Jahren einfach noch einmal nachgucken, welche Seite des Atlantiks die "blödere" ist. Bis dahin nur eine Anmerkung: wenn ein Parteitag Spaß daran hat, wie bei einem Fußballspiel die Welle zu machen, ist daran nichts verwerflich. Ich habe den Eindruck, hier wird zu oft und gern ein ganz bestimmter deutscher Maßstab (Reichssportpalast etc.) angelegt. Projektion hilft nicht weiter, wenn man aus dem eigenen Land rausgucken will.

Wahlkampf

Das denke ich auch.

Hätten Obama bzw. seine Wahlkampfberater statt einer offenbar brillanten Inszenierung eine laue Provinzveranstaltung hingelegt, ständen hier genauso nörgelige Kommentare. Für manche Foristen kann er es gar nicht richtig machen.

Bemerkenswert finde ich, dass er mit einer "europäischen" Politikrichtung Wahlkampf macht. Wünschenswert für Amerika, wünschenswert für uns (z. B. im Hinblick auf Klima-Politik). Bei einer Wiederwahl wäre er auch den früheren Messias-Erwartungsruck los.

Yes, four more years.

Das Problem ist nicht die Show an sich,

sondern dass sie dazu dient, Personenkult zu betreiben. Darüber werden leicht die Themen vergessen. Gehen Sie doch mal auf die Straße und fragen Sie Amerikaner nach den Themen - die haben keine Ahnung, was der Präsident tatsächlich treibt. (Ich möchte hiermit keinen Vergleich ziehen, also bitte nicht mit etwas wie: "Haha, aber in D ist das doch nicht anders" antworten.) Die Inszenierung dieses Spektakels geht einher mit einer Verblödung des Wahlvolkes - und das ist gefährlich, weil so die wahren Problemstellen verborgen bleiben. Ich meine, was wissen denn die meisten schon über das, was Obama getan hat - mit Ausnahme der Gesundheitsreform?

Ich habe einige amerikanische Basisdemokraten ...

... kennengelernt, ich bin Mitglied einer politischen Partei in Deutschland, und zumindest von diesem persönlichen Kenntnisstand aus habe ich nicht den Eindruck, dass Amerikaner politisch weniger wissen als Deutsche. Und das, obwohl der "Personenkult" gerade unter den Aktiven eine wichtigere Rolle spielt als beim reinen Wähler.

Sie sind allerdings eher bereit, sich mitreißen zu lassen. Sie haben auch keinen Grund, sich oder ihren politischen Führern in gleicher Weise zu misstrauen, wie wir.

"keinen Grund, sich oder ihren politischen Führern

in gleicher Weise zu misstrauen, wie wir"???

Ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll. :-)

Sie meinen die politischen Führer, deren Mehrheit mit den Wirtschafts- und Finanzeliten kungelt und am laufenden Band Gesetze zu Gunsten von Großkonzernen erlässt? Ich erinnere hier gerne an Gesetze zur Lockerung von Finanzregulierungen, die nicht zuletzt von Demokraten unterstützt wurden (Abschaffung Glass-Steagall 1999), Gesetze zur Subventionierung von Ölfirmen, ... Die Liste ließe sich endlos fortführen.
Ich empfehle an dieser Stelle die Lektüre des Buches "The Power Elite" von C. Wright Mills aus dem Jahr 1956: http://en.wikipedia.org/w...
Und, wenn man die Punkte durchgeht, erkennt man, dass sich daran bis zum heutigen Tage wenige geändert hat.

Wie leichtfertig und naiv Ihre Aussage ist, lässt sich doch allein damit aufzeigen, dass die Zustimmung zu den selben - oder gar schlimmeren! - Anti-Terror-Maßnahmen, die man unter Bush Jr. noch ablehnte, seit Obamas Amtsübernahme dramatisch gestiegen ist. Hierzu: http://www.salon.com/2012...
Hier ein schöner Blog dazu: http://thenewinquiry.com/...

Die amerikanische Oligarchie kann insbesondere deswegen ihr Unwesen treiben, WEIL die Parteisoldaten blind zu ihrer Partei halten - völlig egal, ob dann Dinge getan werden, gegen die man wenige Jahre zuvor noch vehement protestierte.

Mit dem, was Sie für meine Naivität halten, ...

... müssen Sie m. E. klarkommen, Capitoleum - Sie dikutieren schließlich mit sehr unterschiedlichen Leuten.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass ein Präsident, der die Erschießung bin-Ladens zu einem zentralen Wahlkampfthema macht und bei Drohneneinsätzen zivile Opfer in Kauf nimmt, derartige Rechtsbrüche (und ihre politischen Folgen) zu leicht nimmt. Aber Sie müssen schon auseinanderhalten, wer in diesem Kommentarthread welche Aussagen macht. Ein idealistischeres Verhältnis zu den Menschenrechten als Bush habe ich Obama nicht unterstellt, und wenn ich von den Gründen schreibe, seinen politischen Führern zu misstrauen, meine ich das "Dritte Reich".

Der für mich entscheidende Unterschied zwischen Bush und Obama liegt nicht in ihrer Außenpolitik - die ist in Amerika mehr oder weniger "bi-partisan". Aber Obamas Wirtschafts- und Sozialpolitik halte ich für wesentlich sinnvoller als Bush jr's (oder die sich bei Romney abzeichnende), sie ist weit eher als die republikanische geeignet, Amerika wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu halten, und dass mit Großkonzernen gekungelt wird, regt einen Amerikaner offenbar weniger auf als einen Deutschen. Den Finanzsektor sähen viele Amerikaner sicher gerne restriktiver behandelt, aber Amerikanern vorzuhalten, deutsche Wähler hätten eine klarere Vorstellung vom Weg dorthin als sie, halte ich für ein Gerücht. Außer "strengere Gesetze" höre ich auch in Deutschland nicht viel.

Natürlich muss ich damit klarkommen - und das tue ich auch;

wie sagt Epiktet: "Der Weg zum Glück besteht darin, sich um nichts zu sorgen, was sich unserem Einfluss entzieht."
Nichtsdestoweniger halte ich sie nicht für richtig,( ;-) )weil durch die Naivität großer Teile unserer (ich meine den Westen allgemein) Bevölkerung das Treiben der Eliten weitergehen kann.
Übrigens: Dass sich die Amerikaner weniger daran *stören*, dass mit Konzernen gekungelt wird, macht diesen Fakt nicht weniger verheerend, oder?
Noch einmal: Ich hatte extra betont, dass ich hier keinen Vergleich ziehe zwischen D und den USA; meine Aussage, die Leute dort ließen sich blenden, war nicht gleichzeitig die, dass es hier besser sei.

Ich verstehe jetzt, was sie meinten, wobei mir nicht ganz klar ist, was das Dritte Reich mit heute noch zu tun hat in puncto "Vertrauen ins Führungspersonal". Mir ist nicht ganz klar, inwiefern das unser Verhältnis zu politischen Eliten speziell in D beeinflussen muss. Vielmehr sehe ich hierin generell eine Lektion für jedermann, also auch für die Amerikaner.
Oder, um es mit Lord Acton zu sagen: "Power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely. Great men are almost always bad men."
Mir ist folglich unverständlich, inwiefern man das blinde und zumeist sehr undifferenzierte Sich-Mitreißen-Lassen der Menge als etwas Positives auffassen kann.

Personenkult und verheerende Folgen

Der Nationalsozialismus ging nun mal nicht von Amerika oder Britannien aus, sondern von Deutschland, Capitolium. Wenn Sie anderen Völkern nahelegen wollen, für sich - in gleicher Weise wie wir - Schlüsse aus Verbrechen zu ziehen, die nicht in oder aus ihrem Land begangen wurden, können Sie das natürlich tun. Ich tue das nicht - schon darum nicht, weil es z. B. Amerikaner und Briten waren, die den Nationalsozialismus besiegt haben.

Niemand muss die Verbindungen zwischen corporations und Politik gut finden. Das tun auch viele Amerikaner nicht - allerdings ist die Kungelei ungefähr so alt wie Amerika selbst. Nicht jeder Präsident konnte richtig lesen und schreiben, aber jeder konnte rechnen.

Im Zentrum ihrer Kritik steht bisher der Personenkult in der amerikanischen Politik. Ob Sie nun mit amerikanisch-deutschen Vergleichen einverstanden sind oder nicht: es ist völlig wurscht, ob ein Parteitag La Ola macht, oder das Publikum die Stirn in Falten legt und sich dann trotzdem einen Krieg weit weg vom NATO-Gebiet als Brückenbauprojekt verkaufen lässt. Ausgesprochen kritische Bewegungen gibt es auch in Amerika - nicht zuletzt unter denen, die diese Woche in Charlotte ihren Ex-Messias gefeiert haben -, und inwiefern die weniger wirkungsmächtig sein sollen als Kritiker bei uns, bleibt wiederum mir unverständlich. Der Vorwurf des Personenkults bleibt in dem Zusammenhang für mich ohne Belang.

"The Corporation"

Der Film, den Sie mir empfehlen, ist ca. 145 Minuten lang. Ich schlage vor, dass sie seine wichtigsten Aussagen zunächst zusammenfassen, bzw. seine Relevanz für unsere Diskussion aufzeigen. Danach kann ja jeder Diskutant entscheiden, ob er ihn sich ansehen sollte. Wenn ich mir die Synopsis auf Wikipedia ansehe, bekomme ich den Eindruck, sie hielten ihre Gesprächspartner von vornherein für uninformiert - als glaubten Sie, von den dort dargestellten Praktiken hätte noch keiner etwas gehört. Das ist aber nicht die einzig mögliche Erklärung dafür, dass wir nicht übereinstimmen, Capitolium.

Das tue ich natürlich gerne:

Der Film legt dar, inwiefern die, nun, ich nenne sie mal: Schweinereien, die von Unternehmen begangen werden, eben *nicht* lediglich Einzelfälle oder Ausnahmen sind, sondern es sich dabei um die natürliche Wesensart von Unternehmen handelt.
Letzten Endes wird - erfolgreich - nachgewiesen, dass sich Unternehmen wie Psychopathen benehmen, dass es ihrem Wesen als Institution inhärent (!) ist: Gewissenlosigkeit, keine Rücksichtnahme auf andere, kein Respekt für soziale Regeln, keine Bindung zu Menschen, usw. usf. Es geht also darum, aufzuzeigen, dass wir uns mit der Existenz von Unternehmen als Menschheit schaden, während der Nutzen sehr beschränkt ist bzw. nur einer gewissen Personengruppe zukommt - es handelt sich hier also um etwas grundsätzlichere Kritik als die üblichen Filme, die meist nur Einzelfälle kritisieren.

Falls Sie also Zeit haben: Es lohnt sich.

"The Corporation"

Falls Sie also Zeit haben: Es lohnt sich.

Kann ich sicher einbauen - ich garantiere aber nicht für die vollen 145 Minuten, Capitolium. Aber Ihre Bedenken hinsichtlich der Euphorie, mit der die Demokraten und Republikaner ihre Parteitage abhalten, teile ich nicht. Ich halte den Durchschnittsamerikaner deswegen nicht für verführbarer als z. B. den durchschnittlichen Bundesbürger.

Noch einmal: Ich spreche über die USA!

Jetzt haben Sie mir schon wieder unterstellt, ich hätte eine Aussage über Deutschland machen wollen; ich beziehe mich nur auf die USA!

Zu den Kritikern von Obama: Sie mögen mir erzählen, dass Leute in Charlotte kritisch waren - nun, gesehen hat man davon jedenfalls nichts, die Menge schrie und johlte und jubelte und tobte, als sei Obama der große Erlöser; dabei ist er doch lediglich das (etwas!) kleinere von zwei Übeln und mir ist schleierhaft, wie es sein kann, dass sich Demokraten ein ums andere Mal von dieser Regierung sprichwörtlich ins Gesicht schlagen lassen und trotzdem nicht aufhören, diesem Mann zuzujubeln. Es gilt nicht weniger für deutsche Obama-Fans, dass sie sich v.a. von seiner schönen Rhetorik blenden lassen und dabei völlig außen vor bleibt, *was* er eigentlich tut.

Was die allgemeine Skepsis gegenüber dem Führungspersonal angeht, so denke ich sehr wohl, dass die US-Amerikaner hier kritischer sein müssten - stattdessen lernen sie nichts, wirklich gar nichts aus der Vergangenheit. Hier nur einige Beispiele:
- Roosevelt internierte Japaner und wusste vom Angriff auf Pearl Harbor,
- Nixon: Muss ich das wirklich sagen?
- Reagan: Iran-Contra, Nicaragua, usw.
- Kissinger: Allende,...
- Bush/Cheney: Lügen vor Irak, Lügen über 9/11, usw.

Wo bitte fehlt hier die Notwendigkeit, dem Führungspersonal kritischer zu begegnen? Übrigens steht der Personenkult nicht im Zentrum meiner Kritik, vielmehr der Fakt, dass sich die Menschen dort extrem von Rhetorik blenden lassen.

Verbindung Konzerne - Politik

Dass die Kungelei so alt sei wie Amerika selbst, ist natürlich vollkommener Unsinn, lieber justrecently. Ich weiß nicht, woher Sie das haben, aber:
Erstens ist die Institution der Konzerne erst etwa 150 Jahre alt, also weitaus jünger als die USA.
Zweitens standen die Gründerväter der USA dem Einfluss von Partikularinteressen auf die Politik sehr kritisch gegenüber, v.a. wenn er je unausgewogen sein sollte. (Washington wollte noch nicht einmal Parteien, nebenbei bemerkt.) Insbesondere Thomas Jefferson, an den innnerhalb der amerikanischen Gesellschaft immer wieder Lippenbekenntnisse abgegeben werden, würde sich angesichts der heutigen Lage im Grabe umdrehen.

Verführbarkeit

Angesichts der totalitären Tendenzen, die es in den USA in der vergangenen Dekade gegeben hat - Patriot Act, Internierungen, Vorgehen gegen Demonstranten, ... -, muss man diese Jubelveranstaltungen m.E. krtisch sehen. Hier wird eine politische Elite gefeiert, welche die Freiheit des amerikanischen Bürgers bei jeder Gelegenheit einschränkt.

Jedenfalls freut es mich, dass Sie sich den Film zu Gemüte führen wollen! ;-)

Da missverstehen Sie mich, ...

... Capitolium.

Jetzt haben Sie mir schon wieder unterstellt, ich hätte eine Aussage über Deutschland machen wollen; ich beziehe mich nur auf die USA!

Ich unterstelle Ihnen nichts, aber an den Punkten, an denen Sie keine Vergleiche anstellen wollen, stelle ich eben schon welche an.

Übrigens steht der Personenkult nicht im Zentrum meiner Kritik, vielmehr der Fakt, dass sich die Menschen dort extrem von Rhetorik blenden lassen.

Da muss ich Sie zitieren, Capitolium:
Das Problem ist nicht die Show an sich, sondern dass sie dazu dient, Personenkult zu betreiben.
Wenn das auch nicht das Problem an sich ist, sagen Sie mir das einfach - dann kann ich von dort aus weiterdiskutieren.

Dass die Kungelei so alt sei wie Amerika selbst, ist natürlich vollkommener Unsinn, lieber justrecently.

Auch Einzelkaufleute können kungeln, Capitolium. Sie müssen noch nicht einmal überhaupt Kaufleute sein. Überhaupt, Andrew Jackson - Indianer umbringen, Sklaven halten (wie Jefferson übrigens auch), und "to the victor go the spoils" - rund fünfzig Jahre nach Gründung der USA.

Fallen Sie mal nicht auf dieselben Legenden eines "goldenen Zeitalters" herein, für die Sie das amerikanische Parteivolk kritisieren.

Nun gut, ich hatte mich missverständlich ausgedrückt,

daher haben Sie Recht, mich darauf festzunageln.
Ich sehe durchaus an Personenkult an sich schon als etwas Schädliches an; worum es mir aber v.a. ging/geht, sind dessen Folgen: Verführung, Verblendung, blinde Gefolgschaft - und genau das ist doch in den USA hervorragend zu beobachten. Alles, was Obama sagt, ist plötzlich die Position des demokratischen Mainstreams, siehe das Beispiel mit der Anti-Terror-Politik, aber auch die Gesundheitsreform, die jetzt alle ganz toll finden, von der aber kaum einer wirklich weiß, was sie bewirkt und wem sie nützt. Überhaupt stellen sich immer viel zu wenige Leute die Frage: Cui bono?

Was die Vergleiche angeht, so halte ich es für wenig zielführend, dass Sie diese die ganze Zeit an meiner statt anstellen. Ich habe das Gefühl, Sie fühlen sich besser, wenn Sie behaupten können, dass es ja hier in D genauso schlimm sei. Ich sage: Das tut doch nichts zur Sache, denn darum geht es im Artikel nicht. Unabhängig davon, ob Deutsche sich ähnlich leicht verarschen (pardon my French) lassen wie Amerikaner (was durchaus sein kann, wobei ich glaube, dass dem nicht so ist), ändert das nichts an der Schwere des Problems. Sie mögen sich vielleicht damit zufrieden geben, wenn Sie sehen, dass es da keine Unterschiede gibt - meine Schlussfolgerung lautet, dass wir hier etwas tun müssen.

Mitnichten verherrliche ich die Gründungszeit:

Übrigens hat der Fakt, dass diese Leute Sklaven besessen haben, rein gar nichts mit dem zu tun, worüber wir sprachen. Das war äußerst verwerflich, dennoch gibt es an Jefferson Aspekte, die in diesem Zusammenhang weitaus wichtiger sind. Vor allem hätte Jefferson, der für eine *echte* Demokratie einstand, solche Kungelei nicht geduldet; Jackson ist da schon wieder ein anderes Kaliber, aber von dem sprach ich ja auch nicht.

Viel wichtiger: Quasi alle Gründerväter der USA waren reiche, alte Männer, die die Hauptaufgabe des Staates darin sahen, ebendiesen Reichtum zu beschützen (insb. Madison war hier sehr deutlich: der Staat müsse die Reichen vor den Armen schützen) - und genau das ist die Aufgabe des Staates bis heute. Oder, wie John Jay es ausdrückte: "The people who own the country ought to govern it." Soviel zu meiner Position zu diesen Personen.

(Kleine Zwischenfrage: Wie bekommt man das Einbetten der Links direkt in den Text hin?)

Trotzdem: Dass Kungelei früher auch schon vorkam, macht ihr Auftreten in heutiger Zeit nicht besser. Noch viel schlimmer ist, dass sie institutionalisiert ist. Aber hier finden Sie bestimmt auch wieder ein Beispiel aus der Vergangenheit oder aus einem anderen Land, um diese Tatsache zu entschuldigen.

Der Mann der FY2012 und den Expatriation Act

unterzeichnet hat, kurz:

FY2012 NDAA (wikipedia) "Sektion 1021 des Gesetzes[8] ermächtigt die US-Streitkräfte und damit letztlich den Präsidenten als deren Oberbefehlshaber, amerikanische Bürger und Ausländer auf Verdacht hin inhaftieren zu lassen. Es ist keine zeitliche Beschränkung und keine Prüfung durch ein (ziviles) Gericht vorgesehen ..."
Als Inhaftierung nach Willkür, egal ob Amerikaner oder nicht, kein Anwalt, keine Rechte. Damit kann man jetzt überall Guantanamos bauen.

Expatriation Act: Man kann verdächtigen Amerikanern die staatsbürgerschaft entziehen. Das hat dann den Vorteil, dass man sie etwa als ausländische Kämpfer einstufen kann.

Dieser Mann hat allen, die jemals seinen Worten von "Hope", "Change" usw glauben schenkten, herb ins Gesicht geschlagen.

Trotzdem glaube ich, dass Obama gegenüber dem homophoben Sektierer der Republikaner das kleinere Übel ist...

Klarnamen

machen einen themenbezogen völlig inhaltsfreien Kommentar zwar nicht besser, aber wenn man seine Datensätze überall schön verteilen will, nur zu.
Nur nicht wundern, wenn man damit so gläsern und benutzbar wird. Da reicht das einfachste gegoogle und man weiß nach 10 Sekunden schon mehr über Sie, als im ganzen Internet über mich zu finden wäre, wenn Sie meinen Namen überhaupt kennen würden.

@ topic
Obama macht wieder Versprechungen, ein deja vu vom Feinsten.
Und diesmal wird ganz bestimmt auch alles erfüllt. Versprochen.

der einfachste Weg ist halt schon der schönste, nicht wahr?!

"Obama macht wieder Versprechungen, ein deja vu vom Feinsten.
Und diesmal wird ganz bestimmt auch alles erfüllt."

Sie machen es sich ja schön einfach. Haben sie die letzten vier Jahre eigentlich irgendwelche Nachrichten und Hintergründe aus den USA mitbekommen oder nur von einem Bekannten dessen Freund seiner Frau gehört, dass viel Versprechen nicht erfüllt wurden?

Oder wissen sie ganz genau, dass er viel vorhatte, aber jede Anstrengung an den Republikanern im Senat gescheitert ist weil diese Erzkonservativen kein "kommunistisches Gesundheitssystem" wollen?
Dieses mal werden sich die Machtverhältnisse vielleicht ändern und es ist Obama vielleicht einmal möglich langfristiger denkend zu handeln.
Und das Gesundheitssystem ist nur ein Punkt. Wird er im November gewählt muss er sich keine Gedanken um eine Wiederwahl machen und kann auch gegen die Militärs und die Republikaner Dinge durchsetzen, die bislang undenkbar waren. Beispiel: Guantanamo.
Wenn Obama das Gefängnis im nächsten Frühjahr schließt (so er denn gewählt wird), was sollen die Republikaner tun? Ihn beim nächsten mal nicht mehr wählen?! Ha!

Sie sollten mal weniger grelle Überschriften sehen, als die zarten Hintergründe. Machen sies sich nicht immer so einfach und bashen sie vor allem differenzierter.

Antwort auf 13.

Ein sehr guter Kommentar.

Ich erinnere noch mal an die Politik von Frau Kraft in NRW in der Minderheitsregierung.
Dort sind einige Ziele mit den unterschiedlichsten Fraktionen umgesetzt worden- mal mit den Liberalen, mal mit den Linken etc.

Und zwar, weil sich viele Politiker dann doch der Verantwortung für die Entwicklung des Landes bewusst waren.
Aber vielen Republikanern scheint es da anders zu ergehen. Vieles wurde von Beginn an blockiert- einfach weil es von Obamas Regierung kam. Mit solch einer Blockadepolitik kann man kaum etwas bewegen.
Problem war wohl, dass Obama nicht früher gehandelt hatte, noch bevor er die demokratische Mehrheit im Kongress verlor.

Aber von vornherein sagen, wie schlecht doch "alles" und wie verlogen "die Politiker" sind- ja das geht auch!

Selbst mit der demokratischen Mehrheit...

... war das nicht einfach. Obama hat - zu Recht, glaube ich - ein Modell gesucht, dem auch moderate Republikaner zustimmen können (oder hätten können). Das ist insofern auch eine Frage der Nachhaltigkeit, als damit eine - moderate - republikanische Nachfolgeregierung (z. B. ab 2017) die Gesundheitsreform nicht automatisch wieder kassiert.

Davon allerdings musste Obama erst einmal die Demokraten überzeugen.

Und nun

diesmal wird alles besser?
Es ist schön, dass genug Obama Fans (gerade hierzulande) nach 4 Jahren immer noch schon weiterglauben, dass a) er geliefet hat und b) wenn nicht, die bösen Republikaner schuld sind, dass er nicht konnte.
wer macht es sich ein wenig einfach?
Selbst wenn Sie recht hätten, warum soll einer glauben, dass Obama in einer 2.Amtszeit mehr durchsetzen könnte, gegen all die bösen Widerstände. Nur weil er nicht nochmal gewählt werden will dreht er dann voll auf und reitet alles nieder was im Wege steht? Sicher doch, so einfach ist das schließlich.

Die Republikaner wollten die Gesundheitsreform??

"Es ist schön, dass genug Obama Fans (gerade hierzulande) nach 4 Jahren immer noch scho(ö)n weiterglauben, dass a) er geliefet hat und b) wenn nicht, die bösen Republikaner schuld sind, dass er nicht konnte."

a) er hat nicht liefern können, was er liefern wollte.
b) ja, die Republikaner im Senat haben viele seiner Vorhaben aus einer plumpen Contrahaltung heraus blockiert.

Wie #16 ganz korrekt sagt "Ich erinnere noch mal an die Politik von Frau Kraft in NRW in der Minderheitsregierung.[...] Und zwar, weil sich viele Politiker dann doch der Verantwortung für die Entwicklung des Landes bewusst waren."

Diese Haltung oder das Verantwortungsbewustsein kann ich leider bei den Republikanern nicht erkennen.

Mich würde mal mehr interessieren, warum sie die supidupi freiheitsliebenden Republikaner so favorisieren.

Obama hat in seiner letzten Amtszeit etwas historisch einzigartiges Versucht, eine flächendeckende, für jeden Bürger verpflichtende Grundkrankenversicherung einzuführen.
Sind sie etwa ernsthaft der Meinung, Krankenversicherungen wären etwas schlechtes?
Oder sind sie ernsthaft der Meinung, dass dieses Vorhaben nicht an den Republikanern im Senat gescheitert ist?
Sie sollten weniger in grelle Lichter sehen, vielleicht tun sich dann wieder Konturen der Realität vor Ihnen auf.

Zusatz

Falls Quellen gewünscht sind, liefere ich die gerne nach, ich müsste nur kurz nach den richtigen Artikel suchen.

Für alle o.g. Dinge waren die Republikaner nicht einmal im Ansatz verantwortlich - das ist ganz allein auf Obamas Mist gewachsen. Wenn Sie jetzt sagen bzw. glauben, das werde schon alles besser werden, denn schließlich sei das ja alles nur so passiert, weil er auf seine rechte Flanke aufpassen müsse, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen, denn dann leben Sie in einer Fantasiewelt.

Ach ja: Dass die Gesundheitsreform ein gewaltiges Geschenk an die Pharma- und Versicherungsindustrie ist, hat auch nichts mit den Republikanern zu tun. Die Deals wurden hier schon vor Beginn der Verhandlungen mit den Kongressparteien geschlossen.

Weniger träumen, mehr denken - und v.a. unabhängige Quellen lesen. Ich empfehle hier ganz besonders Glenn Greenwald, der für den Guardian schreibt (früher für Salon.com).

So, erneuter Anlauf, diesmal gleich mit Quellen...

Gerade was das Thema Guantánamo angeht, herrscht eine große Ahnungslosigkeit bei den Obama-Befürwortern. Um ehrlich zu sein, bin ich die Obama-Apologien leid, daher hier noch einmal zum Mitschreiben:
Obama hatte nie vor, das "System Guantánamo" zu schließen, lediglich das Lager in Guantánamo selbst. Der Plan war, sich dieses Symbols der Perversität des Anti-Terror-Krieges zu entledigen und stattdessen ein in gleicher Weise funktionierendes Lager auf amerikanischem Boden zu errichten.
Falls Sie jetzt immer noch glauben, dass Obama es mit irgendetwas ernst meint... nun ja, siehe Nr. 26.

Quelle zu der Guantánamo-Sache:
http://www.salon.com/2012...

Zudem hat Obama massivst den Überwachungsstaat ausgeweitet und geht mit äußerster Härte gegen "whistleblower" vor. Hierzu empfehle ich ebenfalls Glenn Greenwald, diesmal bei einem Vortrag - äußerst sehenswert!
http://www.youtube.com/wa...