Mohammed-Video Islamismus bestimmt den Ruf Pakistans

Ein Minister ruft zum Mord gegen den Macher des Mohammed-Videos auf, die Stimmung ist aufgeladen. Nur wenige Pakistaner trauen sich gegen den Islamismus aufzubegehren.

In Lahore protestieren Muslime gegen das Schmähvideo.

In Lahore protestieren Muslime gegen das Schmähvideo.

Ghulam Ahmad Bilour hat sich mit wenigen Sätzen in die weltweiten Schlagzeilen katapultiert. Offen rief er zum Mord am Macher des Mohammed-Schmähvideos auf. Er zahle jedem, der "diesen Gotteslästerer, diesen Sünder" töte, aus eigener Tasche 100.000 Dollar, tönte der pakistanische Eisenbahnminister unter Applaus bei einer Pressekonferenz. Und bat obendrein noch die "Brüder" von Taliban und Al-Kaida um Hilfe bei "dieser noblen Mission".

Der Westen reagierte schockiert. Die Worte passen bestens ins alarmierende Bild, dass Pakistan sich zusehends radikalisiert und gemeinsame Sache mit Extremisten macht. Zwar bemühten sich Pakistans Regierung und auch Bilours Partei ANP, den Schaden zu begrenzen. "Wir distanzieren uns komplett von den Äußerungen Herrn Bilours", sagte ein Sprecher des pakistanischen Premierministers Raja Pervez. Doch bis Sonntagabend war der mordlüsterne Minister weiter im Amt.

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Der Mordaufruf ist ein neuer trauriger Höhepunkt der Wutwelle gegen das Amateur-Video, das den Propheten Mohammed verunglimpft und von einem koptischen Christen stammen soll, der in Kalifornien lebt. Alle Beteuerungen der US-Regierung, dass sie nichts mit dem Video zu tun habe, scheinen ungehört zu verhallen.

"Werde ihn mit meinen eigenen Händen töten"

Zwar wird Bilours Mordaufruf in Pakistan vor allem als politische Effekthascherei gesehen. Doch der Minister fühlt sich offenbar sicher, dass er bei vielen Pakistanern damit punkten kann. Unverdrossen legte er am Sonntag nach: Ihm sei klar, dass es eine Straftat sei, zum Mord aufzurufen. Aber wenn die USA den Mann auslieferten, "werde ich ihn mit meinen eigenen Händen töten". Was besonders pikant ist: Bilour gehört der Partei ANP an, die ein wichtiger Koalitionspartner in der Regierung ist – und eigentlich als säkular gilt.

Was den Minister umtrieb, bleibt bisher unklar. Er habe die Wut der Pakistaner kanalisieren wollen – weg von den Straßen und hin zu dem Filmemacher, sagte ein ungenannter Mitarbeiter Bilours gegenüber der New York Times. So hatte ein Mob am Freitag auch das Kino seines Bruders Aziz – angeblich ein Pornokino - zerstört. Dies sei nicht Sinn der Sache, meinte der Mitarbeiter.

Mit seinem Mordaufruf hat Bilour seinem Land keinen Gefallen getan. Wieder stehen die Pakistaner als radikalisiertes Volk da, das im Namen des Propheten Gewalt gutheißt. So war es bereits am Freitag zu schweren Krawallen gekommen, als Hunderttausende gegen das Video protestierten. Unter dem Druck der Islamisten hatte die Regierung selbst zu dem "Feiertag" aufgerufen. Doch aus dem "Tag der Liebe zum Propheten" wurde ein Tag der Gewalt und Zerstörung. Mindestens 23 Menschen starben, 200 wurden verletzt. Zahlreiche Kinos, Restaurants und Geschäfte wurden verwüstet. In der nordpakistanischen Stadt Mardan wurde eine Kirche niedergebrannt.

Leser-Kommentare
  1. "Nur wenige Pakistaner trauen sich gegen den Islamismus aufzubegehren."

    Verständlich, vor 30 Jahren traute sich auch kein US-Amerikaner ihre Regierung zu kritisieren, da man sonnst als Kommunist vom FBI beobachtet wurde.
    Hier allerdings wird jeder, der den knallharten Islamismus kritisiert als Abweichler diskreditiert, und für Blasphemie wird man in Pakistan auch hingerichtet.
    Warum sollte also ein gemäßigter Pakistani gegen den Extremismus in seinem Land vorgehen, und mit seinem Leben bezahlen, nur damit der Westen ihre vielgepriesene demokratie nicht gefährdet sieht? Was interessiert es Berlin, Brüssel oder Washington ob man die Theokratie ausruft, oder ob ein Mann wegen Blasphemie in Islamabad hingercihtet wird.

    Es bleibt Heuchelei, schließlich wird man in den USA ein Leben lang eingesperrt weil man ein anderen den Bart abschneidet.

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    Meinen Sie die McCarthy Era? Die ist aber etwas länger her als 30 Jahre und dagegen hat es zur genüge Protest gegeben! Kann man auch überall nachlesen. Es wäre mir auch neu, dass man lebenslänglich bekommt, wenn einen Anderen den Bart abschneidet - meinen Sie damit die Amish?
    So und jetzt zum Artikelthema - der sich ja auf Pakistan und NICHT Amerika bezieht.
    Ich verstehe nicht, wie ein Eisenbahnminister zum Mord aufrufen kann. Gibt es denn in Pakistan keine dringenderen Probleme z. B. im öffentlichen Nahverkehr, die seiner Aufmerksamkeit bedürfen? Oder hat ausgerechnet ihn jetzt jemand zum Sprachrohr der Muslimen ernannt - die ja in Pakistan gewissermaßen unterrepräsentiert sind und seine Fürsprache brauchen.
    Schade, dass immer diejenigen, die am lautesten schreien gehört werden. Die schweigende Masse geht unter.

    Meinen Sie die McCarthy Era? Die ist aber etwas länger her als 30 Jahre und dagegen hat es zur genüge Protest gegeben! Kann man auch überall nachlesen. Es wäre mir auch neu, dass man lebenslänglich bekommt, wenn einen Anderen den Bart abschneidet - meinen Sie damit die Amish?
    So und jetzt zum Artikelthema - der sich ja auf Pakistan und NICHT Amerika bezieht.
    Ich verstehe nicht, wie ein Eisenbahnminister zum Mord aufrufen kann. Gibt es denn in Pakistan keine dringenderen Probleme z. B. im öffentlichen Nahverkehr, die seiner Aufmerksamkeit bedürfen? Oder hat ausgerechnet ihn jetzt jemand zum Sprachrohr der Muslimen ernannt - die ja in Pakistan gewissermaßen unterrepräsentiert sind und seine Fürsprache brauchen.
    Schade, dass immer diejenigen, die am lautesten schreien gehört werden. Die schweigende Masse geht unter.

    • towely
    • 24.09.2012 um 14:38 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/mk

  2. Meinen Sie die McCarthy Era? Die ist aber etwas länger her als 30 Jahre und dagegen hat es zur genüge Protest gegeben! Kann man auch überall nachlesen. Es wäre mir auch neu, dass man lebenslänglich bekommt, wenn einen Anderen den Bart abschneidet - meinen Sie damit die Amish?
    So und jetzt zum Artikelthema - der sich ja auf Pakistan und NICHT Amerika bezieht.
    Ich verstehe nicht, wie ein Eisenbahnminister zum Mord aufrufen kann. Gibt es denn in Pakistan keine dringenderen Probleme z. B. im öffentlichen Nahverkehr, die seiner Aufmerksamkeit bedürfen? Oder hat ausgerechnet ihn jetzt jemand zum Sprachrohr der Muslimen ernannt - die ja in Pakistan gewissermaßen unterrepräsentiert sind und seine Fürsprache brauchen.
    Schade, dass immer diejenigen, die am lautesten schreien gehört werden. Die schweigende Masse geht unter.

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    Antwort auf "Wer ist der böse?"
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    Zum Eisenbahnminister hab ich schon in einem anderen Artikel geschrieben, auch das er ein zwielichtiges Verhältnis zu den Taliban und Al-Qaida hat, da er sie als "Brüder" bezeichnete und an sie appellierte.

    Ebenfalls besorgniserregend ist, das Pakistan ein Land ist, welche Atomwaffenbesitzt, warum das so ist, ist mir immernoch nicht klar.

    Worauf ich hinnaus wollte ist, das Pakistan in die selbe Ecke kommt wie Afghanistan, es interessiert Berlin, Brüssel und Washington nicht.
    Wie etwa das geistig behinderte Mädchen, welches wegen Blasphemie eine hohe Strafe bekommen sollte.
    Kommt aber ein Minister daher, dessen Amt so wichtig ist, wie bei uns der ehem. Postminister, denn ist das Geschrei groß, man sieht schon einen Atomkrieg kommen.

    Amerika nahm ich als Beispiel, weil dessen Regierung genauso stabil ist wie die Pakistans, G.W.Bush, oder Romney sprechen lieber von Kreuzzügen statt von Kriegen, zum anderen sind die USA immer die ersten, die mit dem Finger auf die Probleme der anderen zeigen, und die eigenen ignorieren.

    Zum Eisenbahnminister hab ich schon in einem anderen Artikel geschrieben, auch das er ein zwielichtiges Verhältnis zu den Taliban und Al-Qaida hat, da er sie als "Brüder" bezeichnete und an sie appellierte.

    Ebenfalls besorgniserregend ist, das Pakistan ein Land ist, welche Atomwaffenbesitzt, warum das so ist, ist mir immernoch nicht klar.

    Worauf ich hinnaus wollte ist, das Pakistan in die selbe Ecke kommt wie Afghanistan, es interessiert Berlin, Brüssel und Washington nicht.
    Wie etwa das geistig behinderte Mädchen, welches wegen Blasphemie eine hohe Strafe bekommen sollte.
    Kommt aber ein Minister daher, dessen Amt so wichtig ist, wie bei uns der ehem. Postminister, denn ist das Geschrei groß, man sieht schon einen Atomkrieg kommen.

    Amerika nahm ich als Beispiel, weil dessen Regierung genauso stabil ist wie die Pakistans, G.W.Bush, oder Romney sprechen lieber von Kreuzzügen statt von Kriegen, zum anderen sind die USA immer die ersten, die mit dem Finger auf die Probleme der anderen zeigen, und die eigenen ignorieren.

    • neu2
    • 24.09.2012 um 14:41 Uhr

    Wie man dem Problem der sich radikalisierenden Gesellschaften kurzfristig beikommen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall, hilft eine Bildungsoffensive, langfristig ein weiteres Abdriften der Atommacht Pakistan in religioesen Fanatismus zumindest zu bremsen.

    Die Regierung kann sich die Predigten der als radikal bekannten Theologen an wichtigen Feiertagen vorlegen lassen, und die Teilnahme am Gebet in grossen Moscheen kann per elektronischem Fingerabdruck gespeichert werden. So wie dies in einigen arabischen Laendern bereits seit Jahren praktiziert wird. Wenn die Regierung es ernst meint.

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    • TDU
    • 24.09.2012 um 14:45 Uhr

    "Warum sollte also ein gemäßigter Pakistani gegen den Extremismus in seinem Land vorgehen, und mit seinem Leben bezahlen, nur damit der Westen ihre vielgepriesene demokratie nicht gefährdet sieht? Was interessiert es Berlin, Brüssel oder Washington ob man die Theokratie ausruft, oder ob ein Mann wegen Blasphemie in Islamabad hingercihtet wird."

    Hatte die vor 30 Jahren nicht eher Probelem mit Indien?

    Warum hier gegen Neonazis? Sie folgen ja einer merkwürdigen Logik. Die Pakistani sind nicht schlechter als andere Menschen auch und die Muslime auch nicht. Nur sind die Verhältnisse völlig anders als hier.

    Und wenns mal Bürgerkrieg gibt oder zwischen Indien und Pakistan Ärger, werden wir merken, was uns das angeht. Dann nützt das Gejammer über die bösen Amerikaner, die ja scheinbar an allem schuld sind, auch nichts mehr.

    • MaxS2
    • 24.09.2012 um 14:57 Uhr

    Pakistans Problem ist das "Blasphemieverbot" und das "Apostasieverbot". Solange Menschen für den Vorwurf der Blasphemie oder des "Abfalls vom Islam" um ihr Leben fürchten müssen, werden sich viele hüten, etwas zu tun, was ihnen diesen Vorwurf einbringen könnte: Z.B. sich gegen die Radikalen zu stellen.

    4 Leser-Empfehlungen
    • neu2
    • 24.09.2012 um 14:58 Uhr

    "Warum sollte also ein gemäßigter Pakistani gegen den Extremismus in seinem Land vorgehen, und mit seinem Leben bezahlen, nur damit der Westen ihre vielgepriesene demokratie nicht gefährdet sieht"

    Vielleicht zur Steigerung der Lebensqualitaet in seinem Heimatland? Warum gegen Gewaltherrschaft aufbegehren? Sind Gruende denkbar? Warum gab es Leute, die den Widerstand gegen Hitler organisiert haben (und umgekommen sind)? Sind Gruende denkbar?

  3. Zum Eisenbahnminister hab ich schon in einem anderen Artikel geschrieben, auch das er ein zwielichtiges Verhältnis zu den Taliban und Al-Qaida hat, da er sie als "Brüder" bezeichnete und an sie appellierte.

    Ebenfalls besorgniserregend ist, das Pakistan ein Land ist, welche Atomwaffenbesitzt, warum das so ist, ist mir immernoch nicht klar.

    Worauf ich hinnaus wollte ist, das Pakistan in die selbe Ecke kommt wie Afghanistan, es interessiert Berlin, Brüssel und Washington nicht.
    Wie etwa das geistig behinderte Mädchen, welches wegen Blasphemie eine hohe Strafe bekommen sollte.
    Kommt aber ein Minister daher, dessen Amt so wichtig ist, wie bei uns der ehem. Postminister, denn ist das Geschrei groß, man sieht schon einen Atomkrieg kommen.

    Amerika nahm ich als Beispiel, weil dessen Regierung genauso stabil ist wie die Pakistans, G.W.Bush, oder Romney sprechen lieber von Kreuzzügen statt von Kriegen, zum anderen sind die USA immer die ersten, die mit dem Finger auf die Probleme der anderen zeigen, und die eigenen ignorieren.

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