In Paris haben Zehntausende Demonstranten gegen die Sparpolitik in Frankreich und anderen europäischen Staaten protestiert. Ein Bündnis aus 60 linken Parteien, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen hatte dazu aufgerufen. Laut den Veranstaltern beteiligten sich 80.000 Menschen an der Demonstration. Die Polizei machte zunächst keine Angaben.

"Dies ist der Tag, an dem das französische Volk gegen die Sparpolitik aufbegehrt", erklärte der Ko-Vorsitzende der französischen Linksfront (Front de Gauche), Jean-Luc Mélenchon. Die Demonstranten skandierten "Widerstand". Bei der Präsidentenwahl im Mai war Mélenchon auf rund elf Prozent der Stimmen gekommen. Zuletzt hatte er auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Europapolitik heftig attackiert.

Die Demonstration ist die erste große Protestveranstaltung gegen die Politik des neuen sozialistischen Präsidenten François Hollande . Er hatte im Wahlkampf ein sozialeres Frankreich und den Verzicht auf allzu harte Sparpläne versprochen. Der Haushalt für das Jahr 2013 sieht allerdings Steuererhöhungen und Einsparungen in Höhe von 36,9 Milliarden Euro vor. Das Defizit soll im kommenden Jahr auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden.

Am Dienstag beginnt in der Nationalversammlung die Debatte um eine Ratifizierung des EU-Fiskalpaktes . Im März hatte die EU beschlossen, dass sich alle Mitgliedsländer ähnlich der deutschen Schuldenbremse einer strikten Ausgabenpolitik verpflichten müssen und sich fast keine Neuverschuldung erlauben dürfen. Hollande kündigte im Wahlkampf an, er wolle den Fiskalpakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) neu verhandeln. Zumindest einige Abgeordnete der Grünen und der Sozialisten wollen der Ratifizierung nicht zustimmen.

Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte vor Abgeordneten der linken Partei PRG, es sei falsch, gegen den Fiskalpakt zu protestieren. Die Ratifizierung sei ein entscheidender Schritt, um die Schuldenkrise zu überwinden.

Auch in Belgiens Hauptstadt Brüssel versammelten sich Demonstranten zum Protest gegen die Sparpolitik der Koalition unter Ministerpräsident Elio di Rupo. Etwa 1.500 Teilnehmer forderten Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit und die aus ihrer Sicht unfaire Besteuerung. In den vergangenen Monaten hatte die belgische Regierung Einsparungen von 14 Milliarden Euro beschlossen. In Spanien und Portugal hatte es am Samstag Demonstrationen gegen Kürzungen und Steuererhöhungen gegeben.