US-Wahlkampf : Den Republikanern bricht die Basis weg

Bei der US-Präsidentschaftswahl kämpfen Mitt Romney und die Republikaner nicht nur gegen Barack Obama. Die größten Probleme der Partei sind hausgemacht. Von C. Wilbers
Anhänger der Republikaner © Alex Wong/Getty Images

Sieben Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA stehen die Republikaner nicht gut da. In den Umfragen hat ihr Kandidat Mitt Romney gegenüber dem Amtsinhaber an Boden verloren. Mit groben Patzern hat er seine Chancen auf den Einzug ins Weiße Haus weiter geschmälert. Ob ihm ein substanzielles Comeback gelingt, ist fraglich. Doch der größte Gegner für die Partei ist längst nicht mehr Barack Obama. Sie muss gegen einen Trend ankämpfen, der weit über die Entscheidung im November hinausgeht: Ihre Basis bricht weg.

Ein Blick auf die einzelnen Bundesstaaten verdeutlicht den Kern des Problems für Romney und Ryan: Jeder Staat vergibt im November die Gesamtheit seiner Wahlmänner für den einen oder anderen Kandidaten, egal ob die Bevölkerung mit einer Stimme Mehrheit entschieden hat oder mit einer Million.

Demnach lohnt sich etwa für die Republikaner in Kalifornien kein nationaler Wahlkampf, weil Obama dort allen Umfragen zufolge deutlich führt. Die Demokraten hingegen sparen sich jegliches Engagement in Texas – der letzte Demokrat, der dort gewinnen konnte, war 1976 Jimmy Carter. Sollten diese sogenannten Safe States wie erwartet abstimmen – und davon ist auszugehen –, hat Obama bereits rund 250 der benötigten 270 Stimmen in der Tasche, während Romney gerade einmal auf etwa 190 kommt.

Entscheidend sind demnach nur die Swing States – Staaten mit häufig wechselnden Wählermehrheiten –, die alle vier Jahre Austragungsort der heftigsten Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien sind. Nachdem sich zuletzt in Pennsylvania und Michigan mehr oder weniger klare Mehrheiten für Obama abzeichneten, konzentrieren sich die Republikaner – gut erkennbar an den Werbeausgaben – auf die verbleibenden acht Staaten: Colorado, Iowa, Nevada, New Hampshire, Wisconsin, Ohio, Virginia und Florida.

Seit Reagan wählte nur noch einmal die Mehrheit Republikaner

Dort kann sich Romney kaum mehr eine Niederlage erlauben. Doch die Vorzeichen sind alles andere als positiv. In Virginia beispielsweise, mit 13 Wahlmännern ein wichtiger Staat für beide Kandidaten, gräbt der konservative Gegenkandidat Virgil Goode Romney am rechten Rand Stimmen ab. Und in Ohio, für viele Beobachter das Zünglein an der Waage, geht es der Wirtschaft deutlich besser als im Rest des Landes – nicht zuletzt, weil sich Obama entscheidend für die Automobilindustrie einsetzte, an der in Ohio Hunderttausende Arbeitsplätze hängen. Der Statistiker Nate Silver, der schon 2008 mit präzisen Prognosen beeindruckte, schätzt Obamas Chancen, in Ohio zu gewinnen, auf etwa 75 Prozent und sieht den Amtsinhaber auch in fast allen anderen Swing States mehr oder weniger deutlich vorn.

Doch dieser Zwischenstand ist mehr als nur eine Momentaufnahme. Dahinter steckt vielmehr ein Trend, der schon in den neunziger Jahren einsetzte: eine massive Abwanderung der amerikanischen Wählerschaft weg von den Republikanern. Eine Untersuchung des konservativen Pew-Instituts ergab, dass die Zahl der treuen Anhänger der Partei seit 1990 von 31 Prozent auf heute gerade einmal 24 Prozent der Wähler geschrumpft ist. Die Werte der Demokraten blieben derweil konstant (1990: 33 Prozent, 2012: 32 Prozent). Das Resultat: Die Partei von Ronald Reagan hat seit 1988 nur bei einer der vergangenen fünf Präsidentschaftswahlen (2004) die Mehrheit der Wählerstimmen bekommen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

In Amerika braucht man bekanntlich keine Mehrheit...

...um Präsident zu werden - Fragen Sie mal Al Gore - und die Auswahl ist wirklich nicht viel besser als in Deutschland oder anderen EU Staaten.
Obama wird gewinnen weil Romney für den Durchschnittsamerikaner einfach nicht wählbar ist, genauso wie der nächste Bundeskanzler Angela Merkel heisst, weil die Alternative für die meisten deutschen Wähler eben auch keine ist.
Hätten die Republikaner jemanden aufgestellt der nicht mit dem Silberlöffel im Mund auf die Welt gekommen ist, der intuitiv weis, wie es dem berühmten Mann auf der Straße geht, hätten sie durchaus eine Chance gehabt.

Die letzten Tage der Republik

Vielleicht haben die Republikaner von Anfang an nicht damit gerechnet, die Präsidentschaft zu übernehmen. Im Vorwahlkampf war es schon ersichtlich, das der GOP eigentlich die Kandidaten fehlen. Das resultiert möglicherweise vor allen Dingen aus der Tatsache, dass es die Republikaner reagans und etc nicht mehr gibt. Die Partei scheint sich gerade innerlich auf eine Regierungsform vorzubereiten, die wahrscheinlich ganz und gar nicht republikanisch ist. Diese ganze Destruktivität der TP und Ultrarechte richtet sich nicht nur gegen ihre Obama, sondern eigentlich gegen das gesamte moderate demokratische und republikanische Establishment, egal ob rot oder blau. Nur, um dieser "Machtergreifung" letztendlich ein Gesicht zu geben, und Teile der verlorenen Basis zu ersetzen bedarf es eben mehr Zeit. Insofern glaube ich, das das eigentlich Ziel der Republikaner, und diese Bezeichnung allein dürfte genau für das Gegenteil stehen, für das diese neue Politkreatur steht, nämlich ein autoritäres, oligarchisches Regime. Jetzt wäre die Zeit noch nicht reif gewesen, bzw. die Erosion der Republik noch nicht genug fortgeschritten. Das dürfte sich aber in den nächsten 4-8 Kahren entscheidend verändern. Ich würde fast überspitzt prognostieren, wer immer in Zukunft an der Spitze dieses Staates stehen wird, er wird keine Republik mehr vorfinden, und sich auch nicht mehr Präsident nennen. Möge die Macht mit uns sein.

Das ist überhaupt keine dumme Frage,

denn woher soll man denn wissen, was sich unter "Order 66" verbirgt.
Genau so wenig kann man wissen, wer Juli Zeh ist.
Juli Zeh ist eine deutsche Schriftstellerin, die einige "provozierende" Bücher geschrieben hat. "Corpus Delicti" ist eine literarische Kampfansage an einen fiktiven Staat, der meint, alles für die Menschen regeln zu müssen, weil die selbst zu blöd dafür sind.
Um mal artikelbezogen zu schreiben:
Ich halte es für möglich, dass ihre Bücher in einigen Südstaaten nicht erscheinen dürften, denn ein Teil seiner Wähler würden Juli Zehs´s Fiktionen wörtlich nehmen.

Wer ein paarmal in den USA war, wird feststellen, dass New York City und San Francisko nicht die USA sind. In Texas zum Beispiel denken viele Menschen "alttestamentarisch".
"Auge um Auge, Zahn um Zahn. Mein ist die Rache sprach der Herr". In Huntsville ließ der Gouverneur Perry (Mitbewerber von Romney) vor einigen Monaten zwei Todesstrafen vollstrecken, obwohl die Geschworenen im ersten Fall mit Mehrheit vvon ihren Urteilen abgerückt waren und im zweiten Fall es sich um einen geistig Behinderten handelte. Kleine Proteste, großer Jubel. Hatte das was mit dem Wahlkampf um die Kandidatenwahl der Republikaner zu tun ?

Auch wenn es arrogant klingt, viele US-Bürger in diesen Staaten nehmen kaum wahr, dass es außerhalb der USA auch noch eine andere Welt gibt. "This land is my land and not your land.."

Die Kriegsmüdigkeit entstand erst, als die ersten toten Marines nach Hause kamen.

Die Reps sind eine Ansammlung radikaler Fundamentalisten

Und das ist Prinzip dieser Partei seit weit über einem Jahrzehnt.
Die Reps haben Ihre Basis nicht verleugnet und auch nicht verloren.
Sie Repräsentieren Ihre Basis nach wie vor hervorragend!
Das Problem der Reps ist, dass das Wirtschaftssystem der USA Ihre Basis zerstört und aushöhlt.
Die Reps sind eine Partei der Gewinner und wirtschaftlich erfolgreichen. Und diese schwindet im eigenen Land dahin.

Ich habe ihre Kommentar empfohlen, ...

... denn er kann eigentlich nur ironisch gemeint gewesen sein.

Das Hauptproblem der Republikaner ist tatsächlich mit ihrer Basis verknüpft, aber nicht weil diese durch das wirtschaftliche System der USA ausgehöhlt würde, sondern weil diese Basis alles in allem aus radikalen, engstirnigen und verbohrten Zeitgenossen besteht, deren Extremismus und Kompromissunfähigkeit abstoßend auf die wachsende Zahl der Independents wirkt.

Zudem ist diese Basis aufgrund des demographischen Wandels in den letzten Jahrzehnten stetig geschrumpft (zumindest relativ gesehen).