Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat sich in einem heimlich aufgenommenen Video abfällig über die Wähler von Präsident Barack Obama geäußert. Die 47 Prozent, die Obama wählen würden, seien Abzocker, die glaubten, sie seien Opfer und die Regierung müsse für sie sorgen, sagte Romney in einem Mitschnitt während eines privaten Empfangs für reiche Wahlspender.

"Mein Job ist es nicht, mich um diese Leute zu kümmern", sagte Romney. "Ich werde sie niemals überzeugen, persönlich Verantwortung zu übernehmen und für ihr Leben zu sorgen." Das Video war dem linksgerichteten Magazin Mother Jones zugespielt worden, das mehrere Ausschnitte auf seine Website stellte.

Darin sieht man die Teilnehmer des Spendenessens um einen Tisch sitzen. Mother Jones hatte zunächst geheim gehalten, wo und wann das Video aufgenommen wurde und die Personen in den Aufnahmen unkenntlich gemacht. Inzwischen gab das Magazin bekannt, dass sie von einer Spendenaktion stammen, die am 17. Mai im Haus des Managers Marc Leder in Boca Raton in Florida stattfand. Auch die Unschärfe wurde aus dem Video entfernt, so dass die gezeigten Personen nun erkennbar sind.

Das Video verbreitete sich sofort im Netz und wurde von US-Medien aufgegriffen. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz noch am Montagabend versuchte Romney, seine Aussagen zu verteidigen. Er sagte, er habe sich "nicht elegant" ausgedrückt, sondern "aus dem Stegreif" auf eine Frage geantwortet. An den Aussagen hielt der frühere Finanzinvestor und Gouverneur von Massachusetts fest. Er habe den "politischen Prozess" beschrieben, welche Wähler er im Wahlkampf auf seine Seite ziehen könne. "Der Präsident hat seine Gruppe, und ich habe meine Gruppe", sagte ein sichtlich nervös wirkender Romney. Sollte er gewählt werden, werde er "allen Amerikanern helfen", versicherte er.

Obamas Wahlkampfmanager nennt Video "schockierend"

Die heimlichen Aufnahmen spielen Obamas Wahlkampfteam in die Hände, das Romney als abgehobenen Multimillionär darzustellen sucht, der sich nicht um die Sorgen der Mittelschicht und Arbeitnehmerschaft schere. Wahlkampfmanager Jim Messina nannte die Äußerungen "schockierend". Es sei schwer, den USA als Präsident zu dienen, "wenn man die Hälfte der Nation geringschätzend abgeschrieben hat", sagte Messina.

Romneys Ausrutscher folgt auf eine Serie von Schnitzern, die ihn im Rennen um das Amt des Präsidenten zurückgeworfen haben. Lange hatte es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Obama und Romney ausgesehen. Doch 50 Tage vor der Wahl liegt der Präsident in landesweiten Umfragen sowie in mehreren möglicherweise wahlentscheidenden Bundesstaaten vorn .

Das Onlinemagazin Politico berichtete, Romneys Wahlkampfteam sei zerstritten. Dies wies der Kandidat nun zurück. "Ich habe einen blendenden Wahlkampf. Meine führenden Wahlkämpfer arbeiten außerordentlich gut zusammen. Ich arbeite gut mit ihnen", sagte er auf der Pressekonferenz am Montagabend. Konservative Medien wie das Wall Street Journal beklagten zudem, er bleibe Einzelheiten zu seinen politischen Plänen schuldig.