Heimliches Video : Romney lässt die Maske fallen

Vor reichen Spendern hat Mitt Romney die Anhänger der Demokraten als Opfer und Wohlfahrtsempfänger geschmäht: "Mein Job ist es nicht, mich um diese Leute zu kümmern."
Mitt Romney bei einer Pressekonferenz © Nicholas Kamm/AFP/GettyImages

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat sich in einem heimlich aufgenommenen Video abfällig über die Wähler von Präsident Barack Obama geäußert. Die 47 Prozent, die Obama wählen würden, seien Abzocker, die glaubten, sie seien Opfer und die Regierung müsse für sie sorgen, sagte Romney in einem Mitschnitt während eines privaten Empfangs für reiche Wahlspender.

"Mein Job ist es nicht, mich um diese Leute zu kümmern", sagte Romney. "Ich werde sie niemals überzeugen, persönlich Verantwortung zu übernehmen und für ihr Leben zu sorgen." Das Video war dem linksgerichteten Magazin Mother Jones zugespielt worden, das mehrere Ausschnitte auf seine Website stellte.

Darin sieht man die Teilnehmer des Spendenessens um einen Tisch sitzen. Mother Jones hatte zunächst geheim gehalten, wo und wann das Video aufgenommen wurde und die Personen in den Aufnahmen unkenntlich gemacht. Inzwischen gab das Magazin bekannt, dass sie von einer Spendenaktion stammen, die am 17. Mai im Haus des Managers Marc Leder in Boca Raton in Florida stattfand. Auch die Unschärfe wurde aus dem Video entfernt, so dass die gezeigten Personen nun erkennbar sind.

Das Video verbreitete sich sofort im Netz und wurde von US-Medien aufgegriffen. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz noch am Montagabend versuchte Romney, seine Aussagen zu verteidigen. Er sagte, er habe sich "nicht elegant" ausgedrückt, sondern "aus dem Stegreif" auf eine Frage geantwortet. An den Aussagen hielt der frühere Finanzinvestor und Gouverneur von Massachusetts fest. Er habe den "politischen Prozess" beschrieben, welche Wähler er im Wahlkampf auf seine Seite ziehen könne. "Der Präsident hat seine Gruppe, und ich habe meine Gruppe", sagte ein sichtlich nervös wirkender Romney. Sollte er gewählt werden, werde er "allen Amerikanern helfen", versicherte er.

Obamas Wahlkampfmanager nennt Video "schockierend"

Die heimlichen Aufnahmen spielen Obamas Wahlkampfteam in die Hände, das Romney als abgehobenen Multimillionär darzustellen sucht, der sich nicht um die Sorgen der Mittelschicht und Arbeitnehmerschaft schere. Wahlkampfmanager Jim Messina nannte die Äußerungen "schockierend". Es sei schwer, den USA als Präsident zu dienen, "wenn man die Hälfte der Nation geringschätzend abgeschrieben hat", sagte Messina.

Romneys Ausrutscher folgt auf eine Serie von Schnitzern, die ihn im Rennen um das Amt des Präsidenten zurückgeworfen haben. Lange hatte es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Obama und Romney ausgesehen. Doch 50 Tage vor der Wahl liegt der Präsident in landesweiten Umfragen sowie in mehreren möglicherweise wahlentscheidenden Bundesstaaten vorn .

Das Onlinemagazin Politico berichtete, Romneys Wahlkampfteam sei zerstritten. Dies wies der Kandidat nun zurück. "Ich habe einen blendenden Wahlkampf. Meine führenden Wahlkämpfer arbeiten außerordentlich gut zusammen. Ich arbeite gut mit ihnen", sagte er auf der Pressekonferenz am Montagabend. Konservative Medien wie das Wall Street Journal beklagten zudem, er bleibe Einzelheiten zu seinen politischen Plänen schuldig.

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Kommentare

122 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Er hat keine "Maske" fallen lassen

sondern nur zitiert, was der beruehmte Historiker Alexis De Tocqueville bereits 1834 in seinem Buch "On Democracy in America" vorausgesehen hatte. Dort schrieb er unter anderem: "The American Republic will endure until the day Congress discovers that it can bribe the public with the public's money." Dieser Punkt ist uebrigens auch schon hierzulande
laengst erreicht.

Was auch immer mir Ihr Beitrag jetzt sagen soll...

Man darf nicht den Fehler machen und die amerikanischen Gegebenheiten mit den deutschen direkt vergleichen. In Amerika ist man in vielerlei Hinsicht "freier", was von dem Großteil der Bevölkerung auch so gefordert und geschätzt wird. Dieses Mehr an Freiheit geht Hand in Hand mit mehr Verantwortung. Sichert der Staat einen nicht (ausreichend) ab, muss man sich selber darum kümmern. Ein politischer Unterschied besteht jetzt darin, ein Mindestmaß an sozialer Absicherung zu gewährleisten und dem Volk zu sagen, es ist für den Rest selber verantwortlich oder zu sagen, das Leiden des Volkes geht mich (bzw. den Staat) überhaupt nichts an, natürliche Selektion, wer nicht für sich selber sorgen kann, ist auch selber schuld und muss mit den Konsequenzen leben, aber möglichst leise, weil die Oberschicht beim Geld zählen nicht gestört werden möchte. Zugegeben, der Unterschied ist geringer als in D, aber dennoch signifikant.

Warum wohl...

>> Denn komischerweise haben sich diese [Finanzoligarchen] von ihm [Obama] abgewandt und finanzieren nun seinen Gegner. Warum nur? >>

Weil Mitt Money als Präsident nicht nur den Status Quo der Finanzoligarchie schützt und fortwährend deren Verluste sozialisiert, sondern denen auch nochmal weitere Steuergeschenke machen will.

Darüber hinaus, hilft es natürlich dem gesamten m.E. hyperkorrupten politischen 2-Parteiensystem, können sich doch mit dieser Parteinahe des Großkapitals die Demokraten weiterhin als Alternative für den kleinen Mann darstellen, und damit eine politische Wahlmöglichkeit simulieren können.
Auch wenn in der Realität der Hauptunterschied darin besteht, dass sich die Republikaner aus Überzeugung dem vermögenden Establishment andienen, während die Demokraten das aus Opportunismus tun.
Also wie in Dt. Union/FDP und SPD/Grüne.

Freiheit

Meinen Sie Freiheit im Sinne von "Freiheit der Banken und Großkonzerne" oder im Sinne "Freiheit des Bürgers"? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in irgendeiner Art und Weise in Amerika freier bin als in Deutschland, das Waffengesetz jetzt mal ausgeschlossen. Oder spielen Sie jetzt auf die Bauvorschriften in Texas an? Das halte ich eher für platzbedingt, da Deutschland nunmal um einiges besiedelter ist...

Was soll daran verkehrt sein?

"Das was Romney sagt predigen CDU,FDP,SPD + ihre Lobbyvertretungen seit Jahren: kein Recht auf Faulheit,soziale Hängematte,Reiche zahlen Steuern,Arme nicht."

Sind Sie etwa FÜR ein Recht auf Faulheit und soziale Hängematte??

Dass "Reiche Steuern zahlen und Arme nicht", war Ihrerseits wohl ein kleines Versehen. Wollten Sie nicht vielmehr schreiben: "Arme zahlen Steuern, Reiche nicht."?

Die Aussage Romneys, dass viele sich ständig als Opfer betrachteten und nicht bereit seien, Verantwortung zu tragen, trifft leider in nicht wenigen Fällen den Nagel auf den Kopf.

Für D hat aber dieser Satz wohl noch mehr Gültigkeit als für die USA..

Sie haben das falsch verstanden

@18: Erstens, "Reiche zahlen Steuern, Arme nicht" ist genau das was obiger Kommentar sagen wollte, bezugnehmend auf das, was Romney etc. gesagt haben.

Zweitens, diejenigen, die Verantwortung zu tragen haben, sind, im Gegenteil, die wohlhabenden, und nicht die Leute, von denen Sie so abfällig reden.
In diesem Zusammenhang sollten Sie sich diesen Artikel mal zu Gemüte führen: http://www.zeit.de/wirtsc...

Dass wohlhabende Menschen (oder sog. "Leister") ihren Wohlstand immer in einem Maße verdient haben, das ihrer Arbeitsleistung im Verhältnis zu jenen 50% der Bevälkerung entspricht, die nur 1% des Vermögens für sich "erwirtschaften", ist eine These, die im heutigen System wohl niemand gesunden Verstandes noch vertreten kann.

Eritis sicut deus

"Sind Sie etwa FÜR ein Recht auf Faulheit und soziale Hängematte??"

Sagen Sie mir, woraus genau die berüchtigte soziale Hängematte heutzutage besteht. Sagen Sie mir, wer die Faulen sind und wer nicht. Sagen Sie mir, wer richtig lebt und wer falsch. Sagen Sie mir, was gut und was böse ist.

Sagen Sie mir weiter - wie wollen wir die Unrichtigen 'behandeln' - in Erziehungsheimen, im Hinterstübchen mit dem Gürtel des Vaters?

Wer sind 'die' Faulen?

Sind es vielleicht die Künstler, die, um sowohl Zeit zu haben für ihre Kunst als auch überleben zu können, einen Arzt haben, der sie regelmäßig für die Arbeitsagentur krank schreibt? Ja, sind es die Schaffenden?

Oder sind es die potentiellen Selbstmörder, umgeben von richtigen Menschen wie Sie es sein wollen, umgeben von deren Wert-Urteilen und bequemlichen Welt- und Menschenbildern?

Wer?

Sie kennen die Gesetze des Herzens nicht. Ihnen ist nicht nur egal, ob ein Mensch gut oder schlecht ist, Ihnen ist sogar egal, ob er faul oder fleißig ist. Ihnen geht es um Frust - und wo lässt er sich am besten abladen? - Richtig, an den Menschen, die wir am wenigsten kennen, die es nicht einmal gibt, an den Faulen in ihren Hängematten.

Sie kennen die Gesetze des Herzens nicht und auch nicht den Menschen.

Wie hat es Kinski mal so schön gesagt: "Wie könnt ihr zu eurem Bruder sagen: 'Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen' und in eurem Auge steckt ein Balken?"

Urteilen Sie nicht, weil Sie zu viel und zu seicht gegen sich selbst sind.

@3 Helene Ehrensold - Das ist falsch!

"...Das was Romney sagt, predigen CDU,FDP,SPD + ihre Lobbyvertretungen seit Jahren: kein Recht auf Faulheit,...."

Doch, gerade dieses Recht auf Faulheit gewähren Liberale im Gegensatz zu Sozialisten, bei denen es z.B. Arbeitspflicht gab (DDR).

Nur man darf nicht erwarten, dass andere dafür zahlen.

Soviel Charakter sollte man haben, dass man die Konsequenz eigener Entscheidung selbst trägt. Das bedeutet "Verantwortung für sich selbst übernehmen", nicht an einen anonymen Staat delegieren. Das heisst selbstbestimmt leben. Der Verzicht darauf verstößt gegen die Menschenwürde.

Auch die resignativ, depressive Opferhaltung ist eher ein klassisches Merkmal linken Denkens. Man kann seine Situation nicht selbst ändern, die anderen (Gesellschaft) verhindert das. Man traut dem Menschen nichts zu.

Nichts anderes hat Romney gesagt:

" seien Abzocker, die glaubten, sie seien Opfer und die Regierung müsse für sie sorgen,...Ich werde sie niemals überzeugen, persönlich Verantwortung zu übernehmen und für ihr Leben zu sorgen."

Dass er die Existenzsicherung auch als "Abzocker" dazu zählt, ist dem extrem individualistischen Ansatz Ayn Rands geschuldet. Das muss man so generalisiert nicht teilen, wenn man die Existenzsicherung als Teil der Gemeinschaftsaufgabe sieht.

Lässt man dieses Wort weg, hat man eine prägnante Beschreibung des linken Spektrums in Europa - je weiter links, desto treffender.

(Und ja, ich bin bekennend das, was links als "neoliberal" bezeichnet wird.)

Einfach mal so unterstellt ...

"Auch die resignativ, depressive Opferhaltung ist eher ein klassisches Merkmal linken Denkens. Man kann seine Situation nicht selbst ändern, die anderen (Gesellschaft) verhindert das. Man traut dem Menschen nichts zu."

So, so.
Wo steht das denn? Wo haben Sie das nur her?
Sie behaupten doch nur - weiter nichts.
Das ist nur eine Unterstellung.

Was verstehen Sie denn unter "linkem Denken"? Da gibt es doch mehrere ...
Schauen Sie mal in ein wissenschaftliches (!) Geschichtsbuch. Das hatte ich Ihnen schon mehrere Male angeraten.

[...]

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk

Theoriedefizit

"Auch die resignativ, depressive Opferhaltung ist eher ein klassisches Merkmal linken Denkens. Man kann seine Situation nicht selbst ändern, die anderen (Gesellschaft) verhindert das. Man traut dem Menschen nichts zu."

Tja, nur im Gegensatz zu Ihnen hat das linke Denken in diesem Falle kein Theoriedefizit. Der Einzelne, der sich zwischen den Fronten Ökonomie, Politik und Kulturindustrie bewegt, kann selbst tatsächlich so gut wie >nichts< an seiner Situation ändern. Dass er dass doch könne, ist einzig die Erkenntnis (und Forderung) neoliberaler Ideologie, und damit nicht diskussionswürdig.

Nicht für ein Recht auf Faulheit,

aber ein Recht auf soziale Absicherung. Ja, auch ein Fangnetz wenn Sie wollen. Darin verhaken sich natürlich auch Faulpelze, aber das ist doch unsere kleinste Sorge. Das sind kleine Fische. Wenn aber die Mittelschicht stark verarmt und die "Unterschicht" nicht aus dem Quark kommt, dann bricht unsere Wirtschaft und unser Binnenmarkt zusammen. Eine gute Regierung sieht das und nimmt dafür auch "Sozialschmarotzer" in Kauf. Und wir wissen sehr gut, dass das hier gerade mal 2% der Hartz IV Empfänger sind, die ganz klar sagen: "Wir wollen nicht arbeiten."
Außerdem: Mal gesetzt den Fall auf einen unverschuldet Arbeitslosen kommen 9 "Sozialschmarotzer", selbst dann wäre der Sozialstaat geboten. Das alte Testament sagt ja schon bestrafe nicht alle, solange auch nur ein Rechtschaffender in dieser Stadt ist. Außerdem sagt er implpizit ja auch, dass Rentner, Veteranen, Menschen ohne Schulbildung, usw. alles Schmarotzer wären, dass er sie am liebsten aus dem Land schmeißen würde. 47% die er gärne los wäre!