Umstrittener FilmSpott über Mohammed statt Abenteuer im alten Ägypten

Rechtliche Schritte gegen die Verhöhnung des Propheten: Eine Schauspielerin hat den Produzenten des Mohammed-Films verklagt. Auch gegen das Satireblatt "Charlie Hebdo" läuft eine Klage. von afp und dpa

Ein Polizist bewacht das Haus von Produzent Nakoula Basseley Nakoula.

Ein Polizist bewacht das Haus von Produzent Nakoula Basseley Nakoula.  |  © Robyn Beck/AFP/GettyImages

Eine Schauspielerin des islamverhöhnenden Films Die Unschuld der Muslime hat in den USA Klage gegen dessen Produzenten und das Internetvideoportal YouTube eingereicht. Cindy Lee Garcia gab bei einem Gericht in Los Angeles an, sie sei über die mit dem Video verfolgten Absichten getäuscht worden. Sie beklagt eine Verletzung ihrer Privatsphäre, Betrug, Verleumdung und die Absicht, ihr zu schaden, wie aus der Klageschrift hervorgeht.

Garcias Klage richtet sich gegen Nakoula Basseley Nakoula, ein 55 Jahre alter aus Ägypten stammender koptischer Christ, der in der Nähe von Los Angeles lebt und als Macher des Videos gilt. Zudem verklagte die Schauspielerin YouTube, wo der Film zu sehen ist , und Google , den Mutterkonzern der Plattform. In der Klageschrift gibt sie an, der Film habe laut Ankündigung "von Abenteuern im alten Ägypten" handeln sollen. Jetzt, wo klar sei, worum es in dem Film tatsächlich gehe, sei ihr Leben in Gefahr.

Anzeige

Auch gegen das französische Satiremagazin Charlie Hebdo wurde Klage eingereicht. Charlie Hebdo hatte am Mittwoch eine Reihe von Zeichnungen gedruckt, die sich auf Die Unschuld der Muslime beziehen. Die französische Staatsanwaltschaft teilte mit, wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Karikaturen sei eine Klage eingereicht worden, machte aber keine Angaben zum Kläger. Überdies leitete sie Ermittlungen ein, weil die Internetseite des Magazins möglicherweise gehackt worden war.

Die USA befürchten Proteste als Vergeltung für die Mohammed-Karikaturen. Die Zeichnungen seien "zutiefst beleidigend" für manche Gläubige und hätten das Potenzial, einen Aufruhr zu entfachen, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama , Jay Carney.

Aus Angst vor Vergeltung für die Veröffentlichung der Karikaturen hatte die Regierung in Paris angekündigt, weltweit rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen zu schließen . Außenminister Laurent Fabius kündigte am Mittwoch im Radiosender France Info an, dass die diplomatischen Vertretungen Frankreichs am kommenden Freitag geschlossen bleiben sollten.

Titanic -Magazin will Mohammed-Karikaturen veröffentlichen

Der Chefredakteur des deutschen Magazins Titanic, Leo Fischer, verteidigte die in Charlie Hebdo erschienen Mohammed-Karikaturen und nannte sie eine richtige Reaktion auf die "wahnsinnigen Ausschreitungen". "Satire darf und muss alles", sagte Fischer.

Titanic will trotz der anhaltenden Proteste in der muslimischen Welt Ende September selbst eine Islam-Ausgabe herausbringen. Auf dem Entwurf des Titelblatts soll einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge Bettina Wulff in den Armen eines islamischen Kriegers mit Turban und Schwert zu sehen sein, der den Propheten Mohammed darstellen soll. "Der Westen in Aufruhr – Bettina Wulff dreht Mohammed-Film!" soll die Schlagzeile lauten.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • bayro79
    • 20. September 2012 7:57 Uhr

    Bravo, man läßt sich auf das gleiche Niveau ein, schaut aber dennoch herab.

    MFG

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bisher schaute die Gesellschaft zu Mördern herab
    nun sucht man nach Entschuldigungen für deren Taten - und beschwört heraufkommende auch hier.
    Randale, Mord und Toschlag sind keine Freiheiten und ersetzen auch keine.
    Ich halte nichts von Titanic & Co. - aber sie dienen unserer Freiheit.

  1. 2. Bravo!

    Soweit Herr Mohammed sich vom Charlie Hebdo in seinen Persoenlichkeitsrechten verletzt sieht, ist es nur folgerichtig, wenn er Klage erhebt. Immerhin ist das die richtige Wahl, sich zivilisiert zu streiten. Ein deutlicher Fortschritt gegenueber den schrecklichen Geschehenissen von letzter Woche.

  2. Der Film mag in einigen augen GEschmacklos sein. Die Karriakturen auch. Aber eine starke Religion MUSS sowas aushalten können. Das Gekusche der westlichen Politiker vor ein paar ausflippenden Fanatikern ist für mich nicht nachvollziehbar. Btw., die islamischen Länder zeichnen sich i.d.R. nicht durch Toleranz aus: Wasser predigen und Wein saufen, hab ich gern.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mat123
    • 20. September 2012 8:45 Uhr

    @NoName80: Sie schreiben "eine starke Religion MUSS sowas aushalten können". Ich würde es ein bisschen anders formulieren: "die Anhänger des jeweiligen Glaubens sollten so etwas aushalten können ohne gewalttätig zu werden". Das ist genauso selbstverständlich wie die Tatsache, dass Körperverletzung unter normalen Umständen eine Straftat ist. Aber welchen Schluss wollen Sie daraus ziehen?

    Wollen wir wirklich den Eindruck erwecken, dass es in der westlichen Welt normal und OK ist, dass man sich gegenseitig beleidigt?

  3. Es nützt nichts, den Mohammedfilm zu stoppen. Eine Lawine von Spottbildern über den Propheten wurde losgetreten.
    .
    Hat je irgendwer geglaubt, die Spötter in den westlichen Ländern würden sich stoppen lassen, nur weil ein paar ängstliche Politiker mit dem gewalttätigen islamistischen Mob ins gleiche Horn tuten?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Coiote
    • 20. September 2012 11:07 Uhr

    "Es nützt nichts, den Mohammedfilm zu stoppen. Eine Lawine von Spottbildern über den Propheten wurde losgetreten."

    Nachdem sich alle so ziemlich einig sind, dass der Mohammed-Film niveau- und geschmacklos ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis man mit intelligentem Spott auf ordentlichem Niveau nachzog.

    • EU fan
    • 20. September 2012 8:08 Uhr

    kann ja keine billigere Werbung bekommen. Und wer kannte bis vorgestern schon das Magazin Charlie Hebdo?
    Wenn es nicht so gefaehrlich waere könnte man ja sagen: gut das es diese Karikaturen gibt, dann haben die arbeitslosen Araber wenigstens einen Grund zum demonstrieren und somit irgend etwas zu tun.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • a.bit
    • 20. September 2012 8:15 Uhr

    ...frage ich mich schon, wieviele französiche Magazine sie vorgestern überhaupt kannten.

    Ich würde wetten, dass auch vorgestern mehr Deutsche schon mal von Charlie Hebdo gehört hatten als Franzosen vom Titanic-Magazin, z.B.

    • zappp
    • 20. September 2012 8:14 Uhr

    dessen Gläubige auf der Erde meinen, seine Ehre mit Strafanzeigen und Lynchjustiz verteidigen zu müssen. Wollen sich da welche als Supergläubige profilieren, mit Führungsanspruch oder Vorzugsplätzen im Paradies?

    • a.bit
    • 20. September 2012 8:15 Uhr

    ...frage ich mich schon, wieviele französiche Magazine sie vorgestern überhaupt kannten.

    Ich würde wetten, dass auch vorgestern mehr Deutsche schon mal von Charlie Hebdo gehört hatten als Franzosen vom Titanic-Magazin, z.B.

  4. und geschmacklos....

    "Bettina Wulff in den Armen eines islamischen Kriegers"...

    und wo ist die Pointe ???

    Verkaufszahlen steigen....vielleicht.

    Für Geld tun viele ja bekanntlich alles.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Barack Obama | Bettina Wulff | Google | Film | Betrug | Laurent Fabius
Service