Für seinen Aufruf bekam Ghulam Ahmad Bilour spontanen Applaus in einer Pressekonferenz. Der pakistanische Eisenbahnminister versprach demjenigen ein Kopfgeld , "der diesen Gotteslästerer, diesen Sünder, der unsinnig über den heiligen Propheten gesprochen hat, ermordet". Gemeint ist der Macher des Mohammed-Schmähvideos . Wer ihn umbringe, der bekomme 100.000 Dollar.

Der Mord-Aufruf könnte eine weitere Eskalation der Proteste gegen das Video und andere Islam-Schmähungen bewirken. Und das in Tagen, in denen Menschen in sehr vielen islamischen Ländern mit großer Wut gegen den Westen auf die Straße gehen. Bei zahlreichen Krawallen gab es viele Tote . Bilours Aussagen lösten aber Empörung und Widerspruch auch in Pakistan aus. Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf distanzierte sich, und die Partei des Eisenbahnministers ging auf Abstand.

Das Kopfgeld gegen einen Islam-Kritiker erinnert an den Fall Salman Rushdie . Seinen Roman Die Satanischen Verse verstanden einige Moslems als Schmähung ihres Glaubens. Im Jahr 1989 rief der damalige iranische Staatschef Ajatollah Chomeini alle Muslime dazu auf, Rushdie zu töten und versprach eine Belohnung in Höhe von drei Millionen US-Dollar.

Kopfgeld in den USA

Für europäische Ohren klingen solche Aufrufe extrem archaisch. Doch auch in der westlichen Welt werden Kopfgelder ausgelobt, vor allem in den USA . Dort gibt es die berühmte Most-Wanted -Liste der Bundespolizei FBI , mit der Schwerverbrecher und Terroristen gesucht und Belohnungen versprochen werden.

Allerdings muss man unterscheiden, was mit einem Kopfgeld gemeint ist. Das FBI schreibt, die Belohnung bekomme derjenige, der Informationen zur Ergreifung liefere. Das ist vergleichbar mit deutschen Fahndungsplakaten, auch darauf verspricht die Polizei häufig Zahlungen an Informanten. So wurden etwa in Zeiten der Suche nach RAF-Terroristen Millionen Mark ausgelobt für Hinweise auf deren Verbleib.

Bei solchen Aufrufen bleibt aber das Gewaltmonopol beim Staat, nur er ist für die Festsetzung und Bestrafung zuständig. Damit ist auch das Rechtsstaatsprinzip erhalten. Das ist der entscheidende Unterschied zu der Aussage des pakistanischen Ministers: Er fordert nicht, dass Gerichte den Video-Produzenten verurteilen sollen, sondern ruft seine Anhänger direkt zum Mord auf.

Ist das Gewaltmonopol auch bei den von US-Behörden ausgerufenen Kopfgeldern erhalten? Bei Gesuchten innerhalb der USA ist das der Fall, auch dort darf ein Verbrecher nicht von Privatpersonen bestraft oder gar getötet werden – auch nicht von den aus Fernsehserien und Spielfilmen bekannten privaten Kopfgeldjägern.