InselstreitChina zeigt Japan die Muskeln

Die Führung in Peking heizt gezielt den antijapanischen Nationalismus an. Aus dem Konflikt um ein paar Felsen im Meer wird aber kein Krieg werden. von 

Senkaku-Diaoyu-Archipel

Chinesische und japanische Patrouillenboote vor dem Senkaku-Diaoyu-Archipel 18. September()  |  © Reuters

Es waren keine Massendemonstrationen, aber sie waren medienwirksam, so wie von Chinas Parteiführung gewünscht: Zehntausende Chinesen protestierten in den vergangenen Tagen in den wichtigsten Städten des Landes vor japanischen Einrichtungen und riefen japanfeindliche Parolen. Sie demonstrierten dagegen, dass die Regierung in Tokio kürzlich ankündigte, drei von fünf winzigen Inseln zu kaufen, auf die beide Länder Anspruch erheben.

Wegen fünf kleiner und unbewohnter Inseln im Ostchinesischen Meer, manche sind nur Felsen, liefern sich zwei der drei größten Volkswirtschaften der Welt nun eine skurile, bedrohlich anwachsende Auseinandersetzung. Dabei stehen die Senkaku-Diaoyu-Inseln, die bislang zum Teil einer Unternehmerfamilie gehörten, bereits seit 1972 unter der Verwaltung Tokios – zum Ärger Pekings, wo man das nicht hinnehmen will.

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Vordergründig versprechen die Gewässer um die Inseln Fischreichtum und Rohstoffe. Dahinter dräut jedoch eine gefährliche Mischung aus Souveränitätsansprüchen und Nationalismus. Am Dienstag erreichten die Proteste in China einen Höhepunkt. An diesem Tag jährte sich der Mukden-Zwischenfall, der Japan am 18. September 1931 den Vorwand für die Besetzung der Mandschurei, des nordöstlichen Teils Chinas, lieferte. Ein Datum, das für Ostasien bereits eine Art Auftakt zum Zweiten Weltkrieg war, der in China Todesopfer in zweistelliger Millionenhöhe hinterließ.

Auslöser für die jüngste Krise zwischen Peking und Tokio war im Juli die Ankündigung der japanischen Regierung, drei der fünf Inseln zu kaufen . China sieht darin eine Zementierung von Besitzansprüchen Japans. Bis 1972 hatten die USA die Inseln in Folge des Weltkrieges als Teil Okinawas besetzt und gaben sie dann unter japanische Verwaltung. Souveränitätsrechte wurden seinerzeit nicht festgelegt; seit 1895 standen die Inseln bis zur US-Besatzung unter der Verwaltung Japans.

Ein  militärischer Konflikt ist unwahrscheinlich

Vergangene Woche bestätigte die japanische Regierung den Kauf. Schon im Juli hatte Peking Patrouillenboote der chinesischen Fischereiflotte zu den Inseln geschickt. Als bisheriger Höhepunkt der Krise entsandte Peking am Mittwoch zehn Marineschiffe und vier Fischerei-Patrouillenboote zum Archipel. Nach japanischen Angaben sollen zwei der Boote in das von Japan beanspruchte Hoheitsgewässer eingedrungen sein. Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua wurden die Schiffe von der japanischen Küstenwacht aufgebracht; danach habe Japan sechs Schiffe sowie Überwachungsflugzeuge geschickt.

Beobachter halten es jedoch für ziemlich unwahrscheinlich, dass sich aus den Schiffsscharmützeln militärische, gar kriegerische Auseinandersetzungen entwickeln. Peking hat auch mit zahlreichen anderen Staaten im Westpazifik vergleichbare Konflikte. Und die wirtschaftliche Verflechtung zwischen beiden Ländern ist sehr eng. Für Japans Unternehmer ist der chinesische Markt wichtig und umgekehrt. Das gleiche gilt für die Investitionen im jeweils anderen Land.

Dennoch hat der Senkaku-Diaoyu-Streit vor Kurzem eine andere, gefährliche Qualität bekommen: Am 10. September veröffentlichte das Pekinger Außenministerium neue Linien zum Grenzverlauf in den Gewässern der umstrittenen Region, sogenannte Basislinien – und nach diesen Linien stünden die Inseln unter der Verwaltung Pekings. Wenig später reichte Peking diese Ankündigung auch bei den Vereinten Nationen ein. Das ist umso bemerkenswerter, als die chinesische Regierung in der Formulierung von Territorialansprüchen bis dahin meist eher unpräzise gewesen ist.

Leserkommentare
  1. KK = Kaltem Krieg?
    Heute vor 81 Jahren griff Japan China an und annektierte die Mandschurei, um dann nach 14 Jahren Krieg und 17 Millionen kriegsbedingter toter Chinesen den Amis gegenüber zu kapitulieren.
    Jetzt holen sich die Japaner 3 Inseln vor der Chines. Küste zurück, die sie schon 1895 China einmal kriegerisch wegbeschlagnahmt hatten.
    Soweit so schlecht.

    Die VRChina wird Japan gegenüber keine wirtschaftsfreundliche Politik mehr fahren, sondern sie z.G. Deutschlands ausweiten, wenn Deutschlands Industrie vergleichbare Produkte hat.

    Im Augnblick ist der Warenasutausch zwischen China und Japan doppelt so hoch wie mit Deutschland, was sich jetzt ändern könnte.
    Deutschland wird wohl Vorteile für seine Industrie aus dem Streit ziehen können.

    Eine Leserempfehlung
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    • Statist
    • 19. September 2012 18:10 Uhr

    was sich zwischen China und Japan abspielt, ist für Deutschland udn auch für den deutschen Außenhandel m.E. nach total nebensächlich. Interessant würde es erst werden, wenn das Ganze eskaliert, was ich allerdings überhaupt nicht hoffe. Sowohl China als auch Japan sind derart militärisch aufgerüstet, dass ein Konflikt hier auch gut und gern in einem Atomkrieg enden könnte, und zwar weltweit.

    Danke: nein. Sogern ich Japan recht geben würde: hier würde ich China den Zuschlag geben. Der Brocken leerer Erde ist trotz der Rohstoffvorkommen in der Nähe zu unwichtig, um auch nur einen Menschen dafür zu töten.

    • xpeten
    • 19. September 2012 19:10 Uhr

    Deutschland erkennen zu wollen, ist ein Beispiel für unangebrachten Nationalismus. Mir persönlich ist Frieden lieber, als die vielleicht geringfügige Steigerung des Dt. Bruttosozialprodukts auf Kosten der Japaner, denen man, und das nicht nur als Düsseldorfer, schon ein wenig Ruhe für ihr seit einiger Zeit herrschendes Wirtschafts-Chaos wünschen würde.

    Ob Japan oder der "VRChina" oder sogar beiden die betr. Inselgruppe zusteht, sollte ein UN-Schiedsgericht entscheiden, es ist nur zu befürchten, dass sich China hier nicht unterordnen würde. Die lassen viel lieber den hässlichen Kraftprotz heraushängen. Nicht nur die Form der "Demonstrationen" und "Proteste" lässt Parallelen zu Nordkorea erkennen.

  2. Für China ist das doch nur peinlich.
    Japan hat diese Inseln seit 1895 verwaltet. China hat sich um diese Inseln in der Vergangenheit keinen Dreck geschert. Erst als man ungefähr 1980 dort Öl vermutete, wurden plötzlich uralte Karten herumgereicht, die angeblich China als rechtmäßigen Besitzer zeigen. So eine Karte kann natürlich jeder fabrizieren.

    Die korrupte KP Chinas sucht ein bequemen Ausweg aus der Tatsache, dass sie wegen Korruption, erwiesener Unfähgiekt, Vetternwirtschaft und ständigen schweren schweren Menschenrechtsverletzungen immer lauter kritisiert wird. Da spielt man dann gern die nationalistische Karte.
    China ist ein Polizeistaat, der unerwünschte Demonstrationen sofort und mit großer Brutalität unterbindet. Wenn es der Führung in den Kram passt, dann werden ganze Fabrikbelegschaften zum demonstrieren gekarrt.
    Aus nichtsahnenden chinesischen Arbeitern einen aggressiven Mob zu machen, ist nicht schwer. Wer chinesisch kann, kann in chinesischen Blogs lesen, wie peinlich das alles für viele Chinesen ist.

    • vdploeg
    • 19. September 2012 17:32 Uhr

    Man stelle sich vor, Deutschland hätte die Guernsey Insel z. B. im im 2. Weltkrieg besetzt, die davor 300 Jahre zu England gehörten. Die USA geben die Inseln an Deutschland (was sie bei England natürlich nie gemacht hätten). Keiner kümmert sich um die Inseln, weil sie einfach nur viel Konfliktpotential bieten und plötzlich würde Seehofer sagen, dass er die Inseln kauft, woraufhin Merkel hektisch den Kauf veranlasst, um rechtsnationale Kreise in Dt. zu beruhigen.
    England wäre not amused.
    Ich lebe in Japan und schätze dieses Land, aber der Streit ist eindeutig von dem rechtsnationalen Tokyo-Gouverneur Ishihara und dem rückgratlosen Premier Noda angeheizt worden.
    Die dt. Medien betreiben ein unglaubliches China-Bashing, das sehr häufig allen Grundlagen entbehrt.
    Es ist natürlich für aufrechte Demokraten sehr einfach auf China einzuprügeln, weil es nicht unseren Masstäben genügt.
    Wenn man die Wirren der Kultur-Revolution kennt, versteht man, dass China mit 1.3 Mrd. Einwohnern nicht jedem, der eine andere Meinung hat eine Demonstrationsplatform einräumen will. Wenn man sieht, dass dort vor 30 Jahren noch Millionen Menschen verhungert sind, sollten man die Leistung des Landes würdigen und ihm die Zeit einräumen, dahin zu kommen, wo wir heute sind.
    Das heisst nicht, dass es nicht ohne Ende korrupte Politiker, nationalistische Hitzköpfe, gleichgeschaltete Medien und Unrecht gibt. Aber wo gibt es das nicht??

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    Tja, jetzt geht's mal wieder mit der spitzen Feder gegen China. Wäre ja auch zu schade, wenn wir bei all dem Islamgedöns vergessen würden, auch Ängste & Vorurteile hinsichtlich des Fernen Ostens zu schüren.

    Interessant in dem Zusammenhang: Schon seit Monaten verlegen die USA massiv Flottenverbände ins chinesische Meer, um da mal mit den Muskeln zu spielen und "Manöver" abzuhalten. Und plötzlich tauchen die paar Brocken Fels auf der Agenda auf, um die sich seit Jahren kein Schwein gekümmert hat. Passt doch wieder mal alles prima!

    • reven
    • 19. September 2012 22:53 Uhr

    Ziemlich unpassender Vergleich, der nur zeigt, dass Sie von dem Fall Senkaku nicht die geringste Ahnung haben.
    Bevor die Japaner 1895 die Senkaku-Inseln annektierten, waren die Inseln auch noch nie vom Kaiserreich China verwaltet worden. Es gibt keinerlei Hinweise, Beweise, oder sonstige historische Dokumente, die daraufhinweisen, dass diese Inseln vor 1895 mal von einer Regierung Chinas regiert wurden oder gar chinesische Marine bzw Truppen dort stationiert worden waren. Sonst hätte China schon längst diese Beweise auf den Tisch gelegt. Aber so kann China bis heute keine anderen Beweise vorbringen, als irgendwelche alte Kartenzeichnungen, dass chinesicshe Seefahrer diesen Inseln zuerst benannt hätten. Das allein genügt aber nicht, diese Inseln als Teil des Chinesischen Reiches zu identifizieren.

    Tatsache ist aber, dass bevor dort Ende der 60er Jahre große Mengen an Erdölvorkommen entdeckt worden waren, die Senkaku-Inseln eindeutig von der Regierung der VR China als Teil Japans betrachtet wurden(dies belegten die damaligen Landeskarten in der Volksrepublik). Wie Fischbacher richtig anmerkte, die Chinesen hatten sich einen Dreck um die Inseln geschert, bevor dort Ölvorkommen entdeckt wurden. Weder die VR China noch Taiwan hatten davor jemals Gebietsansprüche auf die Inseln erhoben. Aber danach so zu tun, als wären diese Inseln schon immer ein fester Bestandteil Chinas, zeugt von einer unglaublichen geschichtlichen Ignoranz und Dreistigkeit.

    sich noch 2 Dinge unbedingt ergänzen:

    1. Die folgende wirre Aussage des Gouverneurs von Tokio Ishihara:

    „Ich will nicht, dass Japan ein zweites Tibet wird“

    und seine zugleich getätigte Aussage, er könne sich auch die Stationierung von japanischen Soldaten vorstellen.

    https://www.taz.de/Chinesisch-japanischer-Inselstreit/!101432/

    2. Der Zeitpunkt der Kaufankündigung und die Durchführung, zum einen kurz vor einem wichtigen Volkskongress mit anschließender Machtübergabe an einen neuen Staatspräsidenten in China, zum anderen nur Tage vor dem Jahrestag der japanischen Invasion ebenda.

    Warum hier in der Presse Verständnis gezeigt wird für eine Auseinandersetzung unterschiedlicher innenpolitischer Interessen auf japanischer Seite, während dasselbe für China nicht gelten darf, sei das Geheimnis der schreibenden Zunft.
    Ich glaube kaum, daß die Mehrheit der Chinesen und schon gar nicht der Führung es auf Krieg mit Japan angelegt hat, wie manche Meldungen glauben machen möchten. ( *Die Chinesen demonstrieren gegen Japan... Es gibt Stimmen, die nach Krieg gegen Japan rufen...*).
    Man könnte meinen, der Dreimächtepakt den Hitler u.a. mit Japan schloss und der den Japanern Rückendeckung für ihren Krieg in Asien gab, sollte zu einer gewissen Reflexion gegenüber den Hauptleidtragenden japanischer Aggression führen oder geführt haben, aber davon keine Spur.

  3. 4. Kinder

    In wenigen Jahrzehnten wirds die Inseln nicht mehr geben. Ein Raub des steigenden Meeresspiegels. Wozu also der unnütze Streit?

    • Statist
    • 19. September 2012 18:10 Uhr

    was sich zwischen China und Japan abspielt, ist für Deutschland udn auch für den deutschen Außenhandel m.E. nach total nebensächlich. Interessant würde es erst werden, wenn das Ganze eskaliert, was ich allerdings überhaupt nicht hoffe. Sowohl China als auch Japan sind derart militärisch aufgerüstet, dass ein Konflikt hier auch gut und gern in einem Atomkrieg enden könnte, und zwar weltweit.

    Danke: nein. Sogern ich Japan recht geben würde: hier würde ich China den Zuschlag geben. Der Brocken leerer Erde ist trotz der Rohstoffvorkommen in der Nähe zu unwichtig, um auch nur einen Menschen dafür zu töten.

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    Japan ist entgegen Ihrer Meinung keine Atommacht und auch nicht - wie D zB - durch die Nukleare Teilhabe innerhalb der NATO theoretische Atommacht. Aus bekannten Gründen ist das von Japan auch politisch so gewollt.

    Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass die USA nun für ein paar Felsklumpen einmischend und für die Japaner auf den Roten Knopf drückt.

  4. Japan ist entgegen Ihrer Meinung keine Atommacht und auch nicht - wie D zB - durch die Nukleare Teilhabe innerhalb der NATO theoretische Atommacht. Aus bekannten Gründen ist das von Japan auch politisch so gewollt.

    Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass die USA nun für ein paar Felsklumpen einmischend und für die Japaner auf den Roten Knopf drückt.

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    Japan hat eine Atomindustrie, die es dem Land erlauben würde sehr schnell eine A-Bombe zu bauen. Technologisch sollte das für Japan kein Problem sein.

    Im übrigens ist m.M.n Japan der gefährlichere Spieler in Asien, da sich Japan wohl relativ gesehen im Niedergang befindet und gerade Staaten im Niedergang die gefährlicheren sind.

    Bei der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen sind die Japaner noch sehr weiter hinter Deutschland, und wie sie die Chinesen im WK II behandelt haben, war nun wirklich alles andere als nett.
    Mit Russland haben die Japaner nicht mal einen Friedensvertrag - auch wegen einiger unwichtiger Inseln die sie im Zweiten Weltkrieg verloren haben. Man sollte also nicht allzu schnell sagen: Japan=gut, China=böse.
    Auch die Idee, diese Inseln während des Machtwechsels in China und in den USA zu kaufen ist wohl selten dämlich!

  5. Tja, jetzt geht's mal wieder mit der spitzen Feder gegen China. Wäre ja auch zu schade, wenn wir bei all dem Islamgedöns vergessen würden, auch Ängste & Vorurteile hinsichtlich des Fernen Ostens zu schüren.

    Interessant in dem Zusammenhang: Schon seit Monaten verlegen die USA massiv Flottenverbände ins chinesische Meer, um da mal mit den Muskeln zu spielen und "Manöver" abzuhalten. Und plötzlich tauchen die paar Brocken Fels auf der Agenda auf, um die sich seit Jahren kein Schwein gekümmert hat. Passt doch wieder mal alles prima!

    • xpeten
    • 19. September 2012 19:10 Uhr

    Deutschland erkennen zu wollen, ist ein Beispiel für unangebrachten Nationalismus. Mir persönlich ist Frieden lieber, als die vielleicht geringfügige Steigerung des Dt. Bruttosozialprodukts auf Kosten der Japaner, denen man, und das nicht nur als Düsseldorfer, schon ein wenig Ruhe für ihr seit einiger Zeit herrschendes Wirtschafts-Chaos wünschen würde.

    Ob Japan oder der "VRChina" oder sogar beiden die betr. Inselgruppe zusteht, sollte ein UN-Schiedsgericht entscheiden, es ist nur zu befürchten, dass sich China hier nicht unterordnen würde. Die lassen viel lieber den hässlichen Kraftprotz heraushängen. Nicht nur die Form der "Demonstrationen" und "Proteste" lässt Parallelen zu Nordkorea erkennen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte China | Japan | Vereinte Nationen | Bo Xilai | Inselstreit | Ostasien
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