Der zunächst friedliche Protest gegen Sparmaßnahmen der spanischen Regierung in Madrid ist in der Nacht zum Sonntag in Gewalt umgeschlagen. Als die Polizei gegen Mitternacht versuchte, einige Hundert noch ausharrende Demonstranten zu zerstreuen, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke ein, mehrere Demonstranten warfen Steine und Flaschen.

Die Rettungsdienste meldeten zwölf Verletzte. Wie das staatliche Fernsehen berichtete, wurden zwei Demonstranten festgenommen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete, Polizisten hätten einen Demonstranten hart geschlagen. Dieser sei mit einem Krankenwagen abtransportiert worden.

Etwa 4.500 Menschen hatten sich zu einer Kundgebung im Zentrum der Hauptstadt versammelt. Dazu hatte ein Zusammenschluss von kleineren linksgerichteten Gruppen über das Internet aufgerufen. Die Madrider Präfektin Cristina Cifuentes wies darauf hin, dass die Demonstration nicht angemeldet worden sei.

Die Polizei riegelte alle Zufahrtsstraßen zum nahe gelegenen Parlament ab, ging aber zunächst nicht gegen die Demonstranten vor. Gegen 22 Uhr zogen die meisten Teilnehmer der Kundgebung ab. Nur ein paar Hundert harrten auf der Plaza de Neptuno aus, wurden aber gegen Mitternacht von der Polizei vertrieben. 

Mit Parolen wie "Feuert sie, feuert sie" forderten die Demonstranten den Rücktritt der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy . Diese hatte am Donnerstag Kürzungen im Haushalt und neue Sparmaßnahmen angekündigt. Der Haushaltsentwurf für 2013 sieht Einsparungen von 40 Milliarden Euro vor.

Ende der Geduld in Portugal

Auch in Lissabon protestierten Tausende Menschen gegen Ausgabenkürzungen. Auf dem Platz Praça do Comércio im Zentrum der Stadt verlangten sie nicht nur ein Ende der strengen Sparpolitik der Mitte-Rechts-Regierung, die zu Rezession und einer Rekord-Arbeitslosenquote von 15,7 Prozent geführt habe, sondern auch den Rücktritt von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho.

Portugal hatte bisher bei der Sanierung der Staatsfinanzen Erfolg. Auch weil es relativ ruhig im Land blieb, galt Portugal als Musterland unter den Krisenstaaten. Im August hatte die portugiesische Regierung hingegen mitgeteilt, wegen eines Einbruchs der Steuereinnahmen werde man das Haushaltsziel für 2012 ohne zusätzliche Sparmaßnahmen nicht erreichen. Am Freitag wurde bekannt, dass das Haushaltsdefizit im ersten Halbjahr bei 6,8 Prozent der Wirtschaftsleistung lag. Das sind 1,8 Punkte mehr als mit den europäischen Partnern vereinbart.

In Portugal war es bereits der dritte Massenprotest in zwei Wochen, in Spanien die dritte Demonstration binnen fünf Tagen .