Der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York © David Karp/dapd

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat vor der UN-Vollversammlung kritisiert, dass den Vereinten Nationen Geld für die Hilfe für syrische Flüchtlinge fehle. Ein Spendenaufruf über 180 Millionen Dollar (144 Millionen Euro) sei nicht einmal zur Hälfte von den 193 Mitgliedsländern gedeckt, sagte Ban. Er zeigte sich enttäuscht von der Spendenmüdigkeit der UN-Länder. In einige Sektoren fließe sogar gar kein Geld. "Aber wir brauchen Mittel für Wasser und Nahrung, sanitäre Anlagen und medizinische Versorgung und auch für die Unterbringung der Flüchtlinge." Nach Bans Worten brauchen 2,5 Millionen Menschen in Syrien humanitäre Hilfe. 1,2 Millionen Menschen seien innerhalb des Landes vertrieben, 225.000 in Nachbarländer geflüchtet. "Und die Zahl steigt."

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen ( UNHCR ) hatte am Dienstag bekannt gegeben, allein im August hätten mehr als 100.000 Menschen aus Angst vor der Gewalt das Land verlassen und damit so viele, wie in keinem anderen Monat seit Beginn des Konflikts im März 2011. Deutschland hat bislang etwa 22 Millionen Euro für die Flüchtlinge in den syrischen Nachbarländern bereitgestellt. In den vergangenen Tagen hatten sich vor allem Politiker von Grünen und SPD für eine Aufnahme von Syrern auch in der Bundesrepublik stark gemacht.

Der Konflikt werde immer schlimmer und je länger er dauere, umso schwerer werde er einzudämmen sein, sagte Ban weiter. Er warf Damaskus vor, dass Regierungstruppen weiter Wohnviertel mit Panzern und Artillerie beschießen würden. "Selbst Menschen, die auf Brot warten, wurden angegriffen." Es gebe immer mehr Berichte von Misshandlungen und Folter und auch über Erschießungen auf beiden Seiten.

Ban Ki Moon prangerte zudem die Staaten an, die Waffen nach Syrien lieferten. Gleichgültig, welche Seite sie ausrüsteten, mit ihren Lieferungen sorgten diese Länder nur für "weiteres Elend", kritisierte Ban, ohne Namen zu nennen. Russland ist Haupt-Waffenlieferant von Präsident Baschar al-Assad, auch der Iran rüstet nach UN-Angaben Assads Truppen aus. Der syrische Machthaber beschuldigt seinerseits Saudi-Arabien , Katar und die Türkei , die Opposition mit Waffen zu unterstützen.

Brahimi kämpft für gemeinsames Vorgehen

Vor der Rede Bans, stellte sich der neue internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi den Vertretern aller Mitgliedsländer der UN vor. Darin rief er die internationale Gemeinschaft zu einer einheitlichen Haltung im Syrien-Konflikt auf. Die Zahl der Opfer sei "erschütternd", die Lage verschlechtere sich zusehends, warnte der Nachfolger von Kofi Annan vor der UN-Vollversammlung in New York . Ein gemeinsames Vorgehen der internationalen Gemeinschaft sei dringend notwendig. 

"Das Leid der Menschen ist immens", sagte Brahimi. "Der Konflikt hat längst das Ausmaß einer Katastrophe angenommen." Die Zukunft Syriens werde aber vom eigenen Volk erbaut, von niemand anderem. Der frühere algerische Außenminister kündigte an, in den nächsten Tagen nach Damaskus reisen zu wollen. Noch diese Woche wolle er zu weiteren Gesprächen nach Kairo aufbrechen. Er versprach, keine Mühe auf der Suche nach Frieden in Syrien zu scheuen.

Syriens UN-Botschafter verteidigt Gewalt

Syriens UN-Botschafter Baschar Dschaafari begrüßte in seiner Rede vor der UN die Ernennung Brahimis. Sein Land werde in vollem Vertrauen mit ihm zusammenarbeiten. Dschaafari blieb bei der offiziellen Darstellung seiner Regierung, dass das Regime nur gegen Terroristen kämpfe. Der Botschafter sprach länger als Brahimi und Ban zusammen.

Die Vollversammlung hatte einen Monat zuvor mit großer Mehrheit eine Entschließung verabschiedet, die die Gewalt in Syrien verurteilt und das Regime von Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich macht. Die Vollversammlung kann allerdings anders als der Sicherheitsrat keine Sanktionen verhängen. Deshalb blieb die Erklärung praktisch folgenlos – genau wie die beiden ähnlichen Beschlüsse zuvor.

Die UN beziffern die Zahl der Menschen, die seit Niederschlagung der ersten Demonstrationen gegen Assad im März vergangenen Jahres in Syrien ums Leben kamen, inzwischen auf mehr als 18.000. Einzelne UN-Mitglieder und auch Hilfsorganisationen sprechen von etwa 25.000 Opfern. Die Angaben können nicht überprüft werden, weil das Regime in Damaskus unabhängige Beobachter nicht zulässt oder behindert.