KurdenDie Angst der Türkei vor einem Kurdistan

Die kurdische PKK kontrolliert Teile des syrischen Nordens, auch in den türkischen Kurdengebieten gibt es mehr Gewalt. Ankara schickt deswegen Soldaten. von Thomas Seibert

Ein türkischer Soldat an der Grenze zu Syrien

Ein türkischer Soldat an der Grenze zu Syrien  |  © Osman Orsal / Reuters

Hin und wieder kann er den Gefechtslärm hören. Immer dann, wenn der Wind so steht, dass er den Donner der Explosionen und das Knattern der Schüsse über die Grenze weht, hinein in das kleine Dorf Saatliköy und vor das Haus von Hasan Cakmak. Auch die Kondensstreifen von Luft-Boden-Raketen hat er schon gesehen. "Es ist unmöglich, sich keine Sorgen zu machen", sagt er, und tief schneidet die Sorge eine Falte in sein sonnengegerbtes Gesicht.

Das Dorf Saatliköy liegt ganz im Südosten der Türkei , in der Provinz Kilis, die syrische Grenze ist 500 Meter entfernt .

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Hasan Cakmak fürchtet um die Sicherheit seiner Verwandten in Syrien , dort wo Krieg herrscht seit über eineinhalb Jahren.

Doch ihn kümmert auch noch etwas anderes. Saatliköy ist ein kurdisches Dorf, der 48-jährige Cakmak dessen Bürgermeister. Jenseits der Grenze, in mehreren Gegenden Nordsyriens, haben im Chaos des Krieges die Kurdenrebellen von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK die Macht übernommen. Die türkische Regierung droht deshalb mit Militärschlägen. Cakmak fürchtet, dass der seit über 20 Jahren schwelende Konflikt zwischen Türken und Kurden nun eskalieren könnte; dass der Krieg noch näher herankommen könnte , als er es sowieso schon ist. Vor seine Tür.

Seit fast 30 Jahren kämpft die PKK gegen den türkischen Staat

Auf einem Hügel oberhalb von Saatliköy thront ein festungsartig gesicherter türkischer Grenzposten. Unten, in dem kleinen Dorf, setzt sich Hasan Cakmak an einen kleinen Plastiktisch im schattigen Innenhof seines Hauses. Seine Töchter servieren süßen Tee und schwarze Trauben aus der Umgebung. Etwa 80 Menschen leben dort, über die ungepflasterten Straßen stolzieren Hühner, auf dem Dorfplatz stecken ein paar Frauen die Köpfe zusammen. Vögel zwitschern. Es ist eine Idylle, die trügt.

Seit fast 30 Jahren kämpft die PKK gegen den türkischen Staat. Was als Aufstand zur Befreiung der rund zwölf Millionen türkischen Kurden vom Feudalsystem in Südostanatolien begann, ist längst zu einem Konflikt geworden, in dem Gewalt immer wieder neue Gewalt nach sich zieht. Etwa 40.000 Menschen haben das in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit dem Leben bezahlt. Und nun haben die Unruhen in Syrien den Kurdenkonflikt in der Türkei neu angefacht .

In den vergangenen Wochen wehten in Sichtweite der türkischen Grenze Fahnen mit dem Porträt des PKK-Gründers Abdullah Öcalan , gehisst in Städten, die kurdische Rebellen der PKK gemeinsam mit deren syrischem Ableger, der PYD, unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Für die Regierung in Ankara ist diese Fahne die pure Provokation. Daher die Androhung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan , seine Regierung werde nicht zögern, PKK-Stellungen im Norden Syriens anzugreifen. Wenn das türkische Parlament am 1. Oktober aus der Sommerpause zurückkehrt, wird eine Ermächtigung der Armee zu Auslandseinsätzen einer der ersten Tagesordnungspunkte sein. An der Grenze zu Syrien wurden längst Truppenverbände zusammengezogen.

Die Grenze ist durchlässig. Regelmäßig tauchen Syrer in Saatliköy auf, um ihre Vorräte an Benzin, Zucker, Speiseöl und Brot aufzustocken. "Dahinten gibt’s ja fast nichts mehr", sagt Cakmak. Der Bürgermeister hat von Verwandten erfahren, dass sich die PKK jenseits der Grenze auf Dauer einrichtet. "Die staatlichen Schulen sind alle geschlossen", sagt er. "Aber die PKK will eigene eröffnen." Vertreter von syrischen Kurdengruppen, die nicht mit der PKK verbündet sind, würden darüber klagen, dass die immer dominanter werde. "Die Spannungen wachsen", sagt Cakmak, der doch selber Kurde ist und stolz darauf. Und der die PKK trotzdem nicht als Vertreter der Kurden anerkennen will.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

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    • YMB
    • 27. September 2012 16:02 Uhr

    Ich finde es beunruhigend, dass Sie die "Zerschlagung" eines Staates aufgrund des Regierungschefs und seiner Minderheitenpolitik fordern. Dann müsste man ja hunderte Staaten zerschlagen.

    soviele inhaltliche sowie grammatikalische Fehler fabrizieren kann, dass ist echt eine starke Leistung. Herzlichen Glückwunsch dazu. Sind Sie ein Clown oder sowas?

    Die PKK ist eine Vereinigung von Verbrechern. Der PKK geht es um persönliche Bereicherungen. Dazu missbrauchen Sie ihr eigenes ungebildetes Volk. Sie töten Menschen. Sie machen Ihre eigenen Kinder zu Werkzeugen. Sie schicken Sie nicht in Schulen, sondern in die Berge, um da zu lernen, wie man am besten tötet. Die PKK handelt mit Waffen, Sie handelt mit Drogen, sie erpresst Schutzgeld - IN GANZ EUROPA- auch in Deutschland, beim kurdischen Gemüsehändler um die Ecke.

    Die PKK sind Verbrecher, und Ihre anhänger ungebildet. Ganz einfach.

    Die Realität ist so: die meisten Kurden in der Türkei bekennen sich zur türkischen Nation. Kurden haben in der Türkei JEDE Möglichkeit zur gesellschaftlichen Partizipation. Das ist Fakt. Als Kurde kann ich in der Türkei alles werden. Staatsanwalt. Richter. Manager. Politiker. Fernsehstar. ALLES. Wenn ich mich aber entscheide Terrorist zu werden, wenn ich mich entscheide meine Kinder nicht in die Schule zu schicken um diese Kinder für den bewaffneten Krieg gegen den Staat vorzubereiten, ja dann muss ich mich nicht wundern, wenn ich in den Knast gesteckt werde.

  2. nach Freiheit strebende Kurden, die um das Recht kämpfen ihre eigene Sprache sprechen zu dürfen gegen 5.000 ausländische Terroristen, die aus Katar bezahlt werden und mit Massakern an Frauen und Kindern einen säkularen Staat zugunsten eines salsfistischen Regimes installieren wollen.

    6 Leserempfehlungen
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    wenn Assad zur Rechenschaft gezogen worden ist und ein Gerechtes Demokratisches Syrien entstanden ist. Braucht es dann überhaupt noch ein Kundistan wenn diese von der Regierung entsprechend vertreten werden und nicht den Laufpass wie in der Assad Diktatur bekommen. Diktatoren werden es nie lernen zurückzutreten das sieht man derzeit in Syrien. Verzweifelt versucht ein Diktator jene die im aus einem Guten Grund den Tod wünschen den Gar auszumachen anstatt das weite zusuchen damit die Streitigkeiten gelöst werden können.

    • YMB
    • 27. September 2012 16:01 Uhr

    Ich frage mich, wann wir als NATO-Staaten endlich unserem Bündnispartner zur Hilfe eilen. Es kann nicht sein, dass eine ethnische Minderheit mit Gewalt & Terror und Rückzugsgebieten im Ausland eine Unabhängigkeit anstreben will. Na gut, wir haben es ja schon in Serbien zugelassen...

    4 Leserempfehlungen
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    Unser NATO-Partner hätte bzgl. Syrien einfach mal nicht so unbedacht mit dem Feuer spielen sollen.

    Nichtsdestotrotz werden wir sicherlich zur Hilfe eilen, sobald der US-amerikanische Spendenmarathon, äh Wahlen durch sind.

    Denn im Gegensatz zu den Leuten die in Syrien Bombenanschläge durchführen und dabei Zivilsten und Soldaten töten, handelt es sich bei den Bombenlegern in der Türkei ja um "Terroristen" (bis jetzt).

    • YMB
    • 27. September 2012 16:02 Uhr

    Ich finde es beunruhigend, dass Sie die "Zerschlagung" eines Staates aufgrund des Regierungschefs und seiner Minderheitenpolitik fordern. Dann müsste man ja hunderte Staaten zerschlagen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  3. Die Türkei kommt um die Zweistaatenlösung auf die Dauer nicht herum. Warum sollte das Volk der Kurden keinen eigenen Staat bekommen, wenn die ganze Welt bsp. die Palästinenser in dieser Hinsicht unterstützt.
    Die Kurden sind ein uraltes Volk mit einer langen Tradition.

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  4. sind ausgehebelt und so kommt es zu Bürgerkriegen... wie im Kleinen so im Großen.

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  5. Bitte bemühen Sie sich um sachliche und differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/fk.

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  6. Die PKK ist nicht nur in der Türkei verboten, sondern auch in Deutschland, der EU und den USA!

    Hören Sie auf eine Terrororganisation, die sich durch Frauen- und Drogenhandel finanziert und Anschläge auf Zivilisten durchführt zu relativieren!
    Wissen Sie wieviele Zivilisten durch die PKK getötet wurden?

    Es ist so als wollte man Alqaida und Bin Laden als Freiheitskämpfer bezeichnen!

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    • Jahnsen
    • 27. September 2012 18:16 Uhr

    Es gibt ein Grund dafuer.

    Es ist z.b bemerkenswert, wie Journalisten einfachso legitim eingesperrt werden.
    Ein Ausschnitt von Guardian:

    More than 100 journalists are currently in jail in Turkey, more than in Iran or China.

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  • Schlagworte Türkei | PKK | Syrien | Abdullah Öcalan | Dorf | Kurdistan
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