LibyenUSA vermuten gezielten Anschlag in Bengasi

Die Angriffe auf die US-Konsulate könnten laut Regierung Terroranschläge zum Jahrestag von 9/11 gewesen sein. Zwei Kriegsschiffe wurden vor die libysche Küste entsandt. von afp, dpa, reuters und dapd

Nach dem Angriff: Ein verbranntes Auto ist im Hof des US-Konsulats in Bengasi zu sehen.

Nach dem Angriff: Ein verbranntes Auto ist im Hof des US-Konsulats in Bengasi zu sehen.  |  © Ibrahim Alaguri/AP/dapd

Die US-Regierung hält es für möglich, dass der Angriff radikaler Islamisten auf das US-Konsulat in Bengasi geplant gewesen sein könnte. Es gebe Hinweise darauf, dass der Al-Kaida nahestehenden Gruppen beteiligt gewesen seien. Es werde geprüft, ob es sich bei dem Angriff auf das US-Konsulat um einen Terrorangriff anlässlich des Jahrestags der Anschläge vom 11. September handelt.

"Es trägt die Handschrift eines organisierten Angriffs", sagte ein US-Regierungsvertreter. Der Angriff sei "geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt" worden, sagte auch der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Mike Rogers. Die US-Geheimdienste hätten noch nicht ermittelt, wer hinter der Tat stecke, aber "unsere Liste wird kürzer", sagte Rogers. Sicher habe es sich nicht um eine spontane Tat gehandelt.

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Bei dem Angriff in Bengasi waren in der Nacht zum Mittwoch der US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Konsulatsmitarbeiter ums Leben gekommen. Der Fernsehsender CNN zitierte einen US-Regierungsbeamten mit den Worten, die vier Amerikaner seien an Rauchvergiftungen gestorben. Die Angreifer hatten Brandbomben und Panzerfäuste eingesetzt.

Zwei US-Kriegsschiffe vor libyscher Küste

CNN berichtete, die Angreifer hätten die Proteste vor dem Konsulat als Ablenkungsmanöver genutzt. Ob sie die Proteste initiiert oder nur für ihr Vorhaben ausgenutzt hätten, sei allerdings unklar. Auslöser des Protests war ein angeblich in den USA produzierter, von Muslimen als islamfeindlich empfundener Film über den Propheten Mohammed.

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte zu den Spekulationen um einen Terrorangriff, es sei noch zu früh für ein klares Urteil. Trotzdem haben die USA als erste Reaktion zwei Kriegsschiffe vor die libysche Küste entsandt. Der Zerstörer USS Laboon habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht, hieß es. Die USS McFaul sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Die Schiffe hätten aber keine konkrete Aufgabe. Zudem will US-Präsident Barack Obama nach Informationen von CNN Drohnen nach Libyen schicken, um Extremisten aufzuspüren, die womöglich mit dem Angriff zu tun hätten. Die Informationen sollten dann den libyschen Behörden ausgehändigt werden. Das FBI schickte außerdem Mitarbeiter nach Libyen, die die Ermittlungen unterstützen sollen.

Wann starb Botschafter Stevens?

Wie der Angriff auf die Botschaft genau verlief, ist indessen noch unklar. Eine Mitarbeiterin des Außenministeriums sagte, nicht sicher sei etwa, wer den Botschafter Chris Stevens aus dem brennenden Konsulat in Bengasi holte – und ob er bei der Ankunft in der Klinik bereits tot war oder dort starb. Erst Stunden nach der Attacke sei den Amerikanern die Leiche des Diplomaten am Flughafen von Bengasi übergeben worden. Der Überfall habe am Dienstag um 22.00 Uhr europäischer Zeit begonnen.

US-Präsident Barack Obama ordnete verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für die diplomatischen US-Vertretungen im Ausland an. Zudem wurden bereits am gestrigen Mittwoch 50 US-Marineinfanteristen nach Libyen geschickt .

Dem US-Außenministerium zufolge sind die bei dem Angriff getöteten und verletzten Amerikaner mittlerweile nach Deutschland geflogen worden. Ein Großteil des US-Botschaftspersonals sei auf die Airbase im pfälzischen Ramstein gebracht worden, hieß es weiter. Die US-Botschaft in Tripolis arbeite nur noch mit wenigen Mitarbeitern in einer Art Notbetrieb.

Leserkommentare
  1. Erstens sind durch den Sturz Gaddafi's unglaublich viele mittelschwere und schwere Waffen in die Hände von was weiss ich wen gelandet... Also wen überrascht so ein Überfall wirklich? Und zweitens frage ich mich was die USA mit Kriegsschiffen vor der libyschen Küste anfangen will. Wollen sie kriegerisch auf diesen Anschlag reagieren? Was sagt die Libysche Regierung dazu?

  2. "Der Zerstörer USS Laboon habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht, hieß es."

    Aha, wo war er denn dann vorher? Oder kann das Ding fliegen? Oder hat der Kapitän geahnt, dass es in Libyen Probleme gibt? Es liegt mir fern, irgendetwas zu behaupten, aber nach den vielen erlogenen Kriegsvorwänden der letzten Jahre, bin ich immer hellhörig, wenn irgendwo irgendetwas zufällig passiert.

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    ... die Unwissenheit. Die aktuelle Position der US Kriegsschiffe ist öffentlich bekannt. Ihnen anscheinend nicht.

  3. Es war der 11.9. und das rueckt den Anschlag ins rechte Licht.
    Film hin oder her, ein schlechter Film ist das eine, Menschen umbringen eine andere Sache und Menschen sind fuer ihre Taten verantwortlich, das mit dem Film ist eine Intrige.
    Die Beleidigten gegen die Schuldbewussten, Kommunikation geht anders.

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    interpretiert. Heute im ARD-Mogenmagazin eine genau so flache Aanalyse. Dabei lernt man in der 1. Stunde Geschichte, nach Anlass und Ursache unterscheiden......

  4. begann mit der Begründung die Piraterie zu bekämpfen....

  5. interpretiert. Heute im ARD-Mogenmagazin eine genau so flache Aanalyse. Dabei lernt man in der 1. Stunde Geschichte, nach Anlass und Ursache unterscheiden......

    Antwort auf "Es war der 11.9."
  6. die USA setzt also Spezialeinheiten und schwere Rüstung gegen die Aktivisted in Libyen ein. Wer hätte das erwartet? Solche Leute werden reglmäßig Schlächter von XY genannt.

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    Sie sehen das falsch! Aktivisten waren es nur bis zum Sturz Gaddafis. Jetzt gibt es dafür den neuen Begriff "Protestler". Protestierten nicht noch vor kurzem alle Medien unisono über den Begriff "Gleichschaltung"? Erstaunlich nur, daß diese neue Wortschöpfung GLEICHZEITIG in allen Medien auftaucht. Übrigens waren die Freiheitskämpfer in Afganistan nur so lange Freiheitskämpfer, wie es gegen die Sowjetunion ging. Und danach? Sage niemand, Geschichte wiederholt sich nicht.

    Erst einmal haben hier andere Schlächter gewütet - aber die Antwort der Technik-Freaks im amerikanischen Militär wird kommen. Ganz gewiss. Die Verantwortlichen können sich schon mal eingraben. Und dann beginnt erneut das basing der Beleidigten Mörder.

  7. Sie sehen das falsch! Aktivisten waren es nur bis zum Sturz Gaddafis. Jetzt gibt es dafür den neuen Begriff "Protestler". Protestierten nicht noch vor kurzem alle Medien unisono über den Begriff "Gleichschaltung"? Erstaunlich nur, daß diese neue Wortschöpfung GLEICHZEITIG in allen Medien auftaucht. Übrigens waren die Freiheitskämpfer in Afganistan nur so lange Freiheitskämpfer, wie es gegen die Sowjetunion ging. Und danach? Sage niemand, Geschichte wiederholt sich nicht.

    Antwort auf "So, so "
  8. "Al-Kaida nahestehenden Gruppen"
    Warum immer so nebulös? Es ist bekannt, dass diese Gruppe in Libyen agiert, mit Unterstützung hochrangiger Vertreter der US-Regierung. Auch in Syrien gibt es Berichte über deren Aktivitäten:

    "Ich habe mit diesen mutigen Kämpfer getroffen, und sie sind nicht Al-Qaida im Gegenteil:.. Sind libysche Patrioten, die ihr Land befreien wollen Wir sollten ihnen helfen, tun es...."
    Senator John McCain in Benghazi, Libya April 22, 2011.

    http://landdestroyer.blog...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | CNN | Weltsicherheitsrat | Drohne | Islam | Libyen
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