US-WahlkampfRomney entdeckt sein Herz für Arme

Seine Werte sinken, Mitt Romney übt sich in Schadensbegrenzung. Natürlich kümmere er sich um 100 Prozent der Amerikaner, beteuert er, auch die Armen seien ihm wichtig. von reuters und dapd

Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, Mitt Romney

Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, Mitt Romney  |  © Nicholas Kamm/AFP/GettyImages

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney bemüht sich, die Auswirkungen seiner abfälligen Äußerungen über fast die Hälfte der amerikanischen Wählerschaft abzufedern. "Mein Wahlkampf dreht sich um die 100 Prozent in Amerika und ich sorge mich um sie", sagte Romney.

Der Herausforderer von Präsident Barack Obama versuchte, bei dem Thema wieder in die Offensive zu kommen. "Ich mache mir Sorgen, dass in den vergangenen vier Jahren das Leben für die Amerikaner härter geworden ist", sagte Romney. So seien unter US-Präsident Barack Obama mehr Menschen in die Armut gerutscht. "Die Frage in diesem Wahlkampf ist nicht, wer sich um die Armen und die Mittelschicht sorgt. Ich tue es, er tut es", sagte Romney bei einem Wahlkampfauftritt. Die Frage sei vielmehr, wer den Armen und der Mittelschicht helfen könne. "Ich kann es, er kann es nicht und das hat er in vier Jahren unter Beweis gestellt", sagte er.

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Romney muss sich gegen massive Kritik wehren, seitdem ein Video von einer privaten Spendenveranstaltung bekannt geworden ist. Dort hatte der Multimillionär gesagt, dass sich fast die Hälfte der Amerikaner als Opfer sähen und nur darauf setzten, dass der Staat sie unterstütze. "Es sind 47 Prozent, die zu ihm (Obama) halten, die abhängig sind von der Regierung, die sich als Opfer sehen und die glauben, dass die Regierung sich um sie kümmern muss." Und weiter: "Mein Job ist es nicht, mich um diese Leute zu kümmern", sagte Romney. "Ich werde sie niemals überzeugen, persönlich Verantwortung zu übernehmen und für ihr Leben zu sorgen."

Ansehen sinkt

Dieser Auftritt hatte Romney viel Kritik eingebracht, auch aus der eigenen Partei. Mehrere republikanische Senatsbewerber gingen zu ihrem Präsidentschaftskandidaten auf Distanz.
Als Folge verlor der Republikaner auch an Zustimmung in den Umfragen. So sehen nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos 43 Prozent der Befragten Romney als weniger vorteilhaft an als zuvor. Fast 60 Prozent der Befragten sahen in seinen Äußerungen eine unfaire Herabsetzung eines großen Teils der Amerikaner.

Präsident Obama konnte seinen Vorsprung gegen seinen Herausforderer zudem um einen Punkt auf 5 Prozent ausbauen. Demnach würden 48 Prozent der Befragten für Obama stimmen, wenn jetzt die Wahlen wären. Romney käme auf 43 Prozent.
 

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Leserkommentare
  1. Es ist schon erschreckend, wie fortgeschritten die mediale Indoktrination im land of the free und home of the brave sein muß, wenn eine Wallstreet-Marionette auch nach solchen Videos und jetzt mit dieser Aktion, die man sich selbst in schlechte Vorabend-Soap-Operas einzubauen nicht trauen würde, noch eine derartige Zustimmung erfährt.

    Nicht, daß es in anderen Ländern inkl. "old yurop" wesentlich besser wäre, aber ..... naja ...

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    • Afa81
    • 20. September 2012 10:25 Uhr

    ...hat er ohnehin sicher (26.3%). Da kann er machen, was er will und er wird sie nicht verlieren.
    Das relativiert die Zahl seiner Anhänger im übrige Volk sehr.

    ... er tritt offen nur für - maximal - die oberen 10 Prozent der Amerikaner ein. Und dennoch 43%? Das heißt, dass 33% wohl bewusst oder unbewusst hoffen, selbst mal zur Elite zu gehören. Dass das illusorisch ist, kann der Verstand einem sagen, doch Emotionalität gewinnt - wie so häufig - die Oberhand.

    Das habe ich mich auch gefragt.
    Ich habe mich immer wieder gefragt, warum sind die Republikaner in den USA so stark, ist es denn nicht offensichtlich, dass Reagen, Bush I und Bush II das Land in den Ruin getrieben haben?
    Das Problem ist aber, das auch die Demokraten diese Politik mittrugen, aktiv und auch passiv. Passiv weil sie schlicht keine Eier in der Hose haben um etwas gegen die Republikaner zu unternehmen.
    Der Satz von Dieter Hildebrandt: "Die SPD scheißt sich in jede Hose die man ihr hinhält" trifft meiner Meinung nach auch wunderbar auf die Demokraten in den USA zu.
    Wenn also ohnehin von jeder Partei irgendwie die selbe Wirtschaftspolitik zu erwarten ist, können die Amerikaner ebenso gut die Partei wählen die die eigenen Wert und Moral widerspiegeln. Die Hälfte der Amerikaner gehen gar nicht zur Wahl und ein Viertel wählt eben konservativ.

  2. auf Hochtouren dreht, scheint Romney sich gut zu halten.
    Er sagt wenig was er nicht meint und scheint ein integerer kandidat zu sein und nicht so ein Lügenbold (Bewiesener Lügenbold) wie Obama. Auch seine Reden auf Youtube sind sehr symphatisch. Schade, dass die deutschen medien keine sachliche berichtertatung zulasssen. Ich denke Romney würde Amerika völlig neu beleben, die Schulden abbauen, wirtschaftlich sanieren und letztenlich den grundstein für mehr Arbeitsplätze und nachhaltigen aufschwung legen.

    Was gäbe es für ein besseres Amerika wenn immer der Verlierer den Präsidenten stellen könnte: Al Gore, Romney
    anstelle von Bush und Obushma.

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    In der Tat integer. Zum Beispiel beim Thema Gesundheitsreform.

    Nicht!

  3. können sich die Hand geben...

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    • Gerry10
    • 20. September 2012 10:36 Uhr

    ...Präsident Romney und Kanzler Rösler... der beste Grund für die Erforschung des Weltalls.
    Irgendwohin muss man ja auswandern können....

  4. Prozentpunkte sind nicht sonderlich aussagekraeftig, denn es geht a) um Wahlmaennerstimmen und b) um Wahlbeteiligung. Das Wahlrecht ist in den letzten Jahren modifiziert worden, so dass vermutlich weniger Menschen ueberhaupt waehlen duerfen (Waehler muessen vor dieser Wahl sich neu registrieren und wissen es oft nicht, Waehlerlisten sind ausgeduennt worden - vor allem in Gegenden, in denen viele African Americans wohnen ...). Also mal abwarten.

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  5. In der Tat integer. Zum Beispiel beim Thema Gesundheitsreform.

    Nicht!

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    • Afa81
    • 20. September 2012 10:25 Uhr

    ...hat er ohnehin sicher (26.3%). Da kann er machen, was er will und er wird sie nicht verlieren.
    Das relativiert die Zahl seiner Anhänger im übrige Volk sehr.

  6. ... er tritt offen nur für - maximal - die oberen 10 Prozent der Amerikaner ein. Und dennoch 43%? Das heißt, dass 33% wohl bewusst oder unbewusst hoffen, selbst mal zur Elite zu gehören. Dass das illusorisch ist, kann der Verstand einem sagen, doch Emotionalität gewinnt - wie so häufig - die Oberhand.

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    Wobei sich jetzt noch die Frage stellt, wie um alles in der Welt sich jemand emotional zu einem derart sterilen Politiker hingezogen fühlen kann. Da war ja selbst McCain leidenschaftlicher, so als treu seinem Land dienender Opa.

    • Gerry10
    • 20. September 2012 10:34 Uhr

    ...die 33% hoffen das sie irgendwann zu den 10% gehören.
    Da wären sie ja bescheuert "sich selbst" Steine in den Weg zu legen.

    • thbode
    • 20. September 2012 10:28 Uhr

    - natürlich sind die wichtig. Als Kloputzer, Tellerwäscher und Pizza-Lieferanten für seinesgleichen. Menschen die mit den "amerikanischer Traum"-Pillen betäubt werden damit sie nicht aufmucken.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, DAPD
  • Schlagworte Barack Obama | Mitt Romney | Mittelschicht | Präsidentschaftskandidat | US-Präsident | Umfrage
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