Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko © Vasily Fedosenko, Pool/AP/dapd

Bei der umstrittenen Parlamentswahl in Weißrussland hat die Opposition nach offiziellen Angaben vermutlich kein einziges Mandat errungen. Von den 110 Sitzen stünden inzwischen 109 namentlich fest , sagte die Leiterin der Wahlkommission, Lidja Jermoschina. Sie hielt es für "wenig wahrscheinlich", dass unter den Gewählten ein Angehöriger der Opposition sei.

Die beiden größten Oppositionsparteien sprachen von einer undemokratischen und nicht transparenten Wahl. Sie riefen dazu auf, das Ergebnis nicht anzuerkennen. "Wir fordern die Wähler auf, diese Wahlfarce zu ignorieren und zu boykottieren", sagte der Vorsitzende der Bürgerpartei, Anatoli Lebedko. Gemeinsam mit der Weißrussischen Nationalen Front hatte die Partei die Abstimmung boykottiert. Beide hatten ihre Kandidaten von den Wählerlisten streichen lassen.

Ein Anlass dafür war, dass die staatliche Presse sich geweigert hatte, ihre Wahlprogramme zu veröffentlichen. 33 der 35 Kandidaten der Bürgerpartei waren zudem von der Fernsehberichterstattung ausgeschlossen gewesen.

Gesetzeskonforme Wahl

Nach Angaben der Wahlkommission lag die Beteiligung insgesamt bei rund 66 Prozent. Regierungsgegner sprachen von weit geringeren Werten. Korrespondenten berichteten von fast leeren Wahllokalen in der Hauptstadt.

Die Wahlkommission wies die Betrugsvorwürfe zurück. Der Wahlverlauf entspreche den Vorgaben der weißrussischen Gesetzgebung, sagte die Kommissionschefin. Präsident Lukaschenko lobte die Wähler für "bewusstes politisches Handeln". Den Boykott der Opposition bezeichnete er als ein Zeichen ihrer Schwäche.

"Wahlen, die langweilig sind und friedlich verlaufen, sind gut für die Bürger und die Regierung", sagte Lukaschenko, nachdem er im Beisein seines Sohnes seine Stimme abgab. Er drohte aber auch, der Frieden werde nicht halten, sollte die Opposition protestieren.

Keine typische Regierungspartei

Im Parlament waren bislang ausschließlich Anhänger der Regierung vertreten, seit die letzten drei Abgeordneten der Opposition 2004 ihre Sitze verloren hatten. Eine typische Regierungspartei gibt es aber nicht.

Insgesamt hatten sich 293 Kandidaten um die 110 Mandate beworben. Vorläufige Auszählungsergebnisse werden für den heutigen Montag erwartet.

Etwa sieben Millionen Menschen waren in der früheren Sowjetrepublik aufgerufen gewesen, die Abgeordneten des Unterhauses neu zu wählen. Der seit 18 Jahren regierende Präsident Lukaschenko hatte sich zuletzt im Dezember 2010 einer Wahl gestellt.