Durchatmen, zur Ruhe kommen, kann al-Bab nicht. Die Stadt mit ihren 63.000 Einwohnern liegt nur dreißig Kilometer vom Stadtzentrum der syrischen Metropole Aleppo entfernt. Von hier stammen die meisten der Kämpfer, die gerade die Stellungen der Freien Syrischen Armee in der berühmten Altstadt Aleppos halten. Auch die beiden wichtigsten Verbindungsstraßen in Richtung Front verlaufen hier. Während al-Bab für Baschar al-Assads Bodentruppen inzwischen unerreichbar geworden ist, kreisen täglich MIG-21 Kampfjets der syrischen Luftwaffe über der Ortschaft. Sie zielen vor allem auf den Durchhaltewillen der Bevölkerung .

Viele Einwohner möchten sich davon nicht mehr terrorisieren lassen. Wann immer über der Stadt das Dröhnen der Maschinen zu hören ist, laufen sie aus ihren Läden hinaus auf die Straße und deuten in den Himmel. Inzwischen hat die Freie Syrische Armee in al-Bab mehrere Flak-Geschütze stationiert, die Flieger beim Anflug stören sollen. "Sie fangen an, immer mehr Flugzeuge zu verlieren, können sie kaum noch so schnell reparieren, wie wir sie beschädigen", berichtet einer der jugendlichen Schützen stolz.

Dass im Hintergrund die Staub- und Aschewolken der jüngsten Bombenangriffe aufsteigen, verunsichert sie kaum. Nur vereinzelt hinterfragen die Einwohner diese Strategie. "Wenn die FSA hier immer mehr Einheiten stationiert, dann wird al-Bab zum militärischen Ziel", beklagt sich ein Motorradhändler. Ungeschützt fühle er sich sicherer.

Den Stadtrat stellt jetzt die FSA

Dass Händler trotz der gespannten Sicherheitslage ihre Geschäfte öffnen, ist eines der drängendsten Anliegen des zivilen Stadtrats von al-Bab. Nachdem die Freie Syrische Armee den Ort vor rund drei Monaten eroberte, übernahm er die Aufgaben der verhafteten oder geflohenen Beamten der Baath-Partei und setzt sich vollständig aus Freiwilligen zusammen. "Wir möchten einen Warenkreislauf aufrechterhalten. Sowohl die Bäckereien als auch Benzinhändler werden von uns kostenlos beliefert, sodass sie ihre Produkte an die Bürger von al-Bab verkaufen können", erklärt Malek al-Sheikh, Leiter des Wirtschaftsbüros der Stadtverwaltung. So halte man die Menschen in Arbeit und verhindere, dass auch sie zu Flüchtlingen werden.

Um ihre Beschlüsse in der Bevölkerung bekannt zu machen, verlassen sich sowohl die Zivilverwaltung wie auch die Freie Syrische Armee auf lokale Medienbüros. Deren Aktivisten pflegen ihre Facebook-Seiten und halten die Anwohner dazu an, Gesetze zu achten und warnen auch vor nahenden Angriffen. "Heute versuche ich unsere Leser daran zu erinnern, dass sie die Getreideernte nicht verkaufen, sondern an die Sammelstelle der Gemeinde abgeben müssen. Nur so können wir das Essen an alle Familien verteilen", erläutert der Leiter des Zentrums in al-Bab, während er auf dem Teppichboden vor seinem Laptop kniet. Bis zu 15 Updates schreibt er hier pro Tag.