Von syrischen Granaten zerstörte Häuser in dem türkischen Dorf Akçakale © Bulent Kilic/AFP/GettyImages

Fünf Tote auf türkischer Seite, darunter eine Mutter mit ihren drei Kindern, mehrere tote syrische Soldaten – und das in gerade einmal zwölf Stunden. Der Grenzkonflikt zwischen der Türkei und Syrien scheint zu eskalieren. Nato und UN sind eingeschaltet. Das türkische Parlament hat der Regierung erlaubt, im Notfall Truppen ins Nachbarland zu schicken.

Doch trotz der Aufregung deutet sehr wenig darauf hin, dass es zum Krieg kommt. Vielmehr geht es der Türkei um eine Absicherung ihrer Grenzen. Am klarsten hat das bisher Ibrahim Kalin gemacht, Chefberater von Präsident Recep Tayyip Erdoğan in außenpolitischen Fragen. "Die Türkei hat kein Interesse an einem Krieg mit Syrien. Aber die Türkei ist in der Lage, ihre Grenzen zu schützen und wenn nötig zurückzuschlagen", erklärte er am Donnerstagmorgen über Twitter .

Das dürfte nicht nur die eigene Bevölkerung beruhigen, sondern auch die internationalen Partner. Für die Nato gäbe es kaum etwas Schlimmeres, als auf Seiten der Türkei direkt militärisch in Syrien eingreifen zu müssen. Genau dazu wären sie aber laut eigenem Vertrag gezwungen, würde das Land den Bündnisfall ausrufen, weil es sich von Syrien angegriffen sieht.

Nervöse Diplomaten weltweit

Die Türkei könnte nachvollziehbar argumentieren, der tödliche Granatbeschuss aus dem Nachbarland wäre ein solcher bewaffneter Angriff. Schließlich wertete die Nato einst die Terroranschläge in den USA als Bündnisfall, obwohl hier die Fronten und der Gegner weit unklarer waren.

Dementsprechend nervös reagierten die Spitzendiplomaten weltweit auf die Schusswechsel an der türkisch-syrischen Grenze. Von einer "sehr gefährlichen Lage" sprach US-Außenministerin Hillary Clinton . Ihr deutscher Kollege Guido Westerwelle erklärte am Donnerstagvormittag: "Wir stehen an der Seite unseres Nato-Partners, der Türkei, das steht außer Zweifel." Maßstab des deutschen Handelns sollten jetzt "Solidarität und Besonnenheit" sein.

Anderswo könnte die jüngste Eskalation Bewegung bringen. Im UN-Sicherheitsrat haben sich die Beratungen zu Syrien festgefahren. Bisher blockieren Russland und China dort ein schärferes Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gegen Baschar al-Assad, weil sie das als Einmischung in innere Angelegenheiten ablehnen. Angesichts der Übergriffe auf die Türkei kommen sie mit dieser Argumentation nicht mehr weiter. Noch hat Russland zwar eine scharfe Resolution des Sicherheitsrats verhindert, doch Außenminister Sergej Lawrow forderte in ungewöhnlich deutlichem Ton eine öffentliche Entschuldigung Syriens.