Ägyptische Revolution Mursi erlässt Amnestie für Demonstranten

Ägyptens Präsident Mursi hat alle politischen Gefangenen begnadigt, die seit der Revolution gegen Ex-Machthaber Mubarak inhaftiert wurden. Ausgenommen sind nur Mörder.

Ein Mann vor einem Fahrzeug der ägyptischen Polizei (Archiv)

Ein Mann vor einem Fahrzeug der ägyptischen Polizei (Archiv)

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat eine Amnestie für alle Demonstranten erlassen, die seit dem Volksaufstand gegen den gestürzten Präsidenten Husni Mubarak verhaftet wurden. Mit dem am Montag veröffentlichten Dekret sollen alle, die in Verbindung mit Aktivitäten "zur Unterstützung der Revolution" eingesperrt wurden, freikommen. Die Begnadigung gilt für alle bereits verurteilten Gefangenen und für Demonstranten, die noch vor Gericht stehen, sagte ein Sprecher des Präsidenten. Ausgenommen sind Häftlinge, die wegen Mordes verurteilt wurden.

Profitieren könnten von dem Dekret demnach mehr als 1.000 Demonstranten, gegen die derzeit Prozesse laufen. Mursis Rechtsberater Mohammed Gadallah sprach von "einem der wichtigsten Siege der Revolution".

Anzeige

In dem Erlass werden der Generalstaatsanwalt und der Militärankläger aufgefordert, binnen vier Wochen eine Liste mit den Namen all derer vorzulegen, die für eine Amnestie infrage kämen. Auch die Demonstranten gegen den Militärrat, der Mubarak zunächst ablöste, sind mit einbegriffen. "Das zeigt, dass die Revolution nun an der Macht ist und Entscheidungen lenkt", sagte Gadallah. Das Justizsystem werde jetzt die Revolutionäre schützen.

Nach Darstellung von Aktivisten sind während des Volksaufstands sowie in dem Machtvakuum nach Mubaraks Sturz mehrere Tausend Demonstranten von ägyptischen Militärgerichten verurteilt worden. Mursi hatte seit seinem Amtsantritt Ende Juni schon mehr als 500 Zivilisten begnadigt, die von Militärtribunalen verurteilt worden waren.

Amnestie noch "nicht genug"

Ahmed Seif, Mitglied eines von Mursi eingesetzten Komitees zur Prüfung von Rechtsfällen, die im Zusammenhang mit der Revolution stehen, sagte, der Erlass sei "ein großer Schritt, aber nicht genug." Jetzt werde es Diskussionen dazu geben, wie die Begnadigungen umgesetzt werden. Er erwarte, dass dies Monate dauere.

Der Menschenrechtsanwalt Mohammed Abdel-Asis sagte, die Amnestie käme spät und hätte mit Entschädigungszahlungen verknüpft werden sollen. Mursi habe demnach das Dekret erlassen, um vor einer für Freitag angekündigten Demonstration gegen ihn den politischen Druck zu verringern.

 
Leser-Kommentare
  1. geben hoffentlich nicht auf. Mursis Entscheidung ist taktisch motiviert, zeigt aber auch, daß er die Protagonisten der Revolution - welcher sich die Muslim-Brüder erst sehr spät anschlossen - für eine Macht hält, mit der zu rechnen ist.
    Das Szenario erinnert an die DDR 1989/90: den Mut zur Revolution hatten jüngere Leute, die damals etwa 20-40 Jahre alt waren und keiner Partei angehörten. Sie veranstalteten die Massendemonstrationen im September und Oktober 1989. Die verknöcherten, etablierten und feigen Protagonisten der DDR-CDU, der LDPD usw. wagten sich erst spät aus der Deckung. Aber sie kamen an die Macht (mithilfe ihrer westdeutschen Schwesterparteien).
    Ähnlich ist es mit den ägyptischen Muslimbrüdern, welche in den letzten Jahren vor der Revolution eine Art modus vivendi mit der Mubarak-Regierung getroffen hatten. Sie zögerten im Frühjahr 2011, weil sie diesen Status nicht verlieren wollten. Die Revolution haben vor allem die jungen und parteiunabhängigen Menschen gemacht (selbstverständlich waren auch engagierte Ältere unter den Revolutionären).
    Hier zeichnen sich Gesetzmäßigkeiten der zahlreichen "friedlichen Revolutionen" seit 1989 ab. Nutznießer sind oft die Konservativen ("Keine Experimente mehr!" war der CDU-Slogan von 1990 - dabei hätte es wirtschaftlicher und sozialer Experimente en masse bedurft.)
    Die Verbindung von Politik mit monotheistischen Religionen erscheint mir als eines der Grundübel unserer Zeit.
    Und Ägypten hat die zweite Revolution noch vor sich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wohl geschrieben,leider wird es so sein.

    Wohl geschrieben,leider wird es so sein.

  2. 2. TTTTTT

    Wohl geschrieben,leider wird es so sein.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters
  • Kommentare 2
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Revolution | Amnestie | Präsident | Prozess | Gericht | Mord
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service