Tahrirplatz Randale wie zu Mubaraks Zeiten
Bei den Protesten gegen Mubarak standen sie noch Seite an Seite. Nun sind Islamisten und Linke bei einer Kundgebung in Kairo aneinandergeraten. 200 Menschen wurden verletzt.
© Khalil Hamra/AP Photo/dapd

Anhänger und Gegner des ägyptischen Präsidenten Mursi versammelten sich zeitgleich zu Kundgebungen in der Kairoer Innenstadt.
In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat es die schwersten Ausschreitungen seit der Wahl von Präsident Mohammed Mursi gegeben. Anhänger und Gegner Mursis gingen während einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz aufeinander los. Nach Angaben von Ärzten wurden 200 Demonstranten schwer verletzt.
Augenzeugen zufolge eskalierten die Proteste, als Anhänger der Muslimbrüder eine Bühne zerstörten, die einer Gruppe gehörte, die Slogans gegen Mursi rief. An verschiedenen Orten des Platzes gab es daraufhin Zusammenstöße zwischen Islamisten und Vertretern von Parteien aus dem linken und liberalen Spektrum. Nach Angaben von Augenzeugen wurden von beiden Seiten Steine geworfen. Die Polizei habe nicht eingegriffen.
Die Islamisten riefen: "Das Volk will die Säuberung der Justiz" und "Wir lieben dich, oh Mursi". Sie trugen Bilder von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Die "Revolutionsjugend" und Mitglieder verschiedener linker Parteien schrien ihnen entgegen: "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder" und "Nieder mit dem Verfassungsrat".
Generalstaatsanwalt wehrt sich gegen seine Strafversetzung
Die linken und liberalen Parteien hatten sich am Mittag zu der bereits seit Wochen geplanten Demonstration versammelt. Die Kundgebung richtete sich gegen Mursi und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee. Die Islamisten hatten ihre Anhänger am Donnerstag kurzfristig ebenfalls dazu aufgerufen, zur selben Zeit auf dem Platz zu protestieren. Ihre Kundgebung richtete sich gegen die Freisprüche von Beamten der alten Führung unter dem langjährigen Staatschef Husni Mubarak.
Die Beamten waren am Mittwoch von Vorwürfen freigesprochen worden, für den Tod von Demonstranten auf dem Tahrir-Platz während des Aufstands gegen Mubarak Anfang 2011 verantwortlich zu sein. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Mensa berichtete, kündigte Mursi an, sie erneut vor Gericht bringen zu wollen. "Wir werden diejenigen, die Verbrechen gegen die Nation begangen haben, niemals unbeachtet lassen", sagte Mursi.
Die Partei der Muslimbrüder, aus der Mursi hervorgegangen war, forderte den Generalstaatsanwalt auf, weitere Beweise vorzulegen oder zurückzutreten. Mursi hatte am Donnerstag versucht, ihn seines Amtes zu entheben. Dieser weigerte sich jedoch, sein Amt abzugeben. Zu den Gegnern Mursis zählen auch einflussreiche Richter, die dessen Versuch zur Entlassung des Generalstaatsanwalts als Angriff auf die juristische Unabhängigkeit werteten.
- Datum 12.10.2012 - 19:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 10
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sie wird mächtig einen reingewürgt bekommen. Leider!
War nicht Mubarak wie auch Kandafi und Hussein ein "Freund" vom Westen? Wurden nicht alle eliminiert? Wurde nicht letztens ein grosser weiter Zaun an den Grenzen zu Israel mit Mienen versetzt, wegen der Gefahr von "Terroristischen Anschlägen"? Wäre es nicht "sicherer" wenn man das Volk in Bürgerkriegerische Umstände führt so dass die Gefahr auf Anschläge minimiert wird? Dies wurde des öfters als Taktik in der Weltgeschichte gebraucht (Studien aller Bürgerkriege und Memoirien von Politikern)
Wenn die Rechtsorgane nicht so wollen wie der Präsident will, dann wird der Chefankläger mal schnell strafversetzt.
Ja, es ist arabischer Herbst...
das ist der Weg den auch der erste arabische Frühling mit der Bildung der ersten islamischen Republik nahm, der als Blaupause für die jetzige Revolution.
das ist der Weg den auch der erste arabische Frühling mit der Bildung der ersten islamischen Republik nahm, der als Blaupause für die jetzige Revolution.
ist das ein Beispiel für den arabischen Frühling, gar der gelebten, neuen Demokratie?
... als wäre Ägypten auf dem Weg zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Nein, ist nicht zynisch gemeint, ich verweise nur auf unsere eigene Parteiengeschichte hier in Europa. Das läuft solange bis man es gelernt hat das es viel besser für alle ist, im Frieden zusammen zu leben als im ständigen Konflikt.
das ist der Weg den auch der erste arabische Frühling mit der Bildung der ersten islamischen Republik nahm, der als Blaupause für die jetzige Revolution.
Da sind keine rivalisierenden Gruppen aufeinander losgegangen, sondern Islamfaschisten haben eine Kundgebung der Säkularen mit brutaler Gewalt attackiert und gestürmt, wie man im TV klar beobachten konnte.
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