Bombe in BeirutSyrien-Konflikt greift auf Libanon über

Der Libanon sieht einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag in Beirut und den Ermittlungen von Geheimdienstchef al-Hassan. Er war erklärter Widersacher des Assad-Regimes. von afp und dpa

Menschen im Libanon zünden nach dem Bombenanschlag in Beirut Kerzen an.

Menschen im Libanon zünden nach dem Bombenanschlag in Beirut Kerzen an.  |  © Patrick Baz/AFP/GettyImages

Die libanesische Regierung sieht eine Verbindung zwischen dem tödlichen Bombenanschlag in Beirut und dem Bürgerkrieg in Syrien . Der Angriff vom Freitag, bei dem Geheimdienstchef Wissam al-Hassan sowie sieben weitere Menschen getötet worden waren, stehe im Zusammenhang mit den jüngsten Ermittlungen al-Hassans, sagte Ministerpräsident Nadschib Mikati. 

Al-Hassan hatte Ermittlungen gegen den früheren Informationsminister Michel Samaha geleitet, einen der engsten Verbündeten der syrischen Regierung im Libanon . Samaha wurde am 9. August verhaftet und anschließend wegen der Planung von Terroranschlägen angeklagt. Nach Angaben aus Polizeikreisen hat er zugegeben, persönlich Sprengstoff von Syrien über die Grenze in den Libanon transportiert zu haben. In Abwesenheit wurde außer ihm auch Syriens Geheimdienstchef Ali Mamluk angeklagt.

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Al-Hassan hatte nach Angaben aus Geheimdienstkreisen in den vergangenen Tagen mehrfach Morddrohungen erhalten. Der Geheimdienstchef stand der oppositionellen anti-syrischen Bewegung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri nahe.

Syrische Regierung weist Vorwürfe zurück

Die syrische Regierung wies jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland verurteilte Informationsminister Omran al-Soabi das Attentat als "feigen Akt des Terrorismus".

Am Freitag war auf dem Sassine-Platz im christlichen Viertel Aschrafijeh eine Autobombe explodiert – nur wenige Meter entfernt von einem Büro der oppositionellen Bewegung 14. März. Die Parteien der Bewegung 14. März sind Gegner der libanesischen Regierungskoalition, die von der mit Syrien verbündeten Hisbollah dominiert wird.

Die libanesische Regierung bot nach Forderungen der Opposition ihren Rücktritt an. Auf Bitten von Präsident Michel Suleiman bleibe die Ministerrunde für eine Übergangszeit im Amt, sagte Ministerpräsident Mikati.

Clinton warnt vor Destabilisierung des Libanon

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Bombenanschlag und warnte vor einer Destabilisierung des Libanon. Bei dem Attentat handle es sich um "terroristische Akte", sagte Clinton. Dass der Chef des Polizeigeheimdienstes zu den Todesopfern zähle, sei ein "gefährliches Zeichen, dass es Menschen gibt, die weiter versuchen, die Stabilität des Libanon zu untergraben ".

"Der Libanon muss das Kapitel seiner Vergangenheit schließen und die Straffreiheit für politische Morde und andere politisch motivierte Gewalt beenden", sagte Clinton. Zugleich rief sie alle Seiten dazu auf, "sich in Zurückhaltung zu üben und die Stabilität und Sicherheit des Libanon zu respektieren".

Zuvor hatte der Sprecher des US-Sicherheitsrats , Tommy Vietor, gesagt, die USA stünden dem Libanon bei seinen Bemühungen bei, "die Verantwortlichen für diesen barbarischen Angriff zur Rechenschaft zu ziehen". Die Sicherheit des Landes sei bedeutend für die Stabilität der Region.

Landesweite Ausschreitungen

Auch der Weltsicherheitsrat verurteilte den Versuch, den Libanon "mit politischen Hinrichtungen zu destabilisieren" und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Politiker.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte, das Attentat gründlich aufzuklären, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Er rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem "abscheulichen Terrorakt" nicht provozieren zu lassen.

Im Libanon kam es nach dem Anschlag landesweit zu Protesten und Straßenblockaden. An vielen Orten versammelten sich am Samstag Menschen zu einem nationalen Tag der Trauer auf den Straßen. Aufgebrachte Demonstranten zündeten Reifen an. Anlässlich des Trauertags blieben Geschäfte und Schulen geschlossen, an allen Regierungsgebäuden wehten die Fahnen auf halbmast. Der Ministerrat will zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten.

In den Jahren 2005 bis 2008 gab es im Libanon einer Serie von Sprengstoffanschlägen, der vor allem Syrien-Kritiker zum Opfer fielen.

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Leserkommentare
    • hysni
    • 20. Oktober 2012 12:57 Uhr

    "UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte, das Attentat müsste gründlich aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Er rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem "abscheulichen Terrorakt" nicht provozieren zu lassen."

    Hört man bei den zahlreichen Terrorakten in Syrien, wo viele Menschen sterben, aber nicht!

    Gibt es mittlerweile eigentlich verschiedene "Terrorakte" - "gute" und "böse"?

    Das eine gewisse Hillary Clinton vor "Destabilisierung" warnt empfinde ich als absurd!

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    • lxththf
    • 20. Oktober 2012 13:19 Uhr

    "Auch der Weltsicherheitsrat verurteilte den Versuch, den Libanon "mit politischen Hinrichtungen zu destabilisieren" und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Politiker"
    Das ist der Zynismus unserer Zeit. In Europa werden Salafisten geächtet, in anderen Ländern an die Macht gebracht. Wenn in Syrien ein Selbstmordanschlag geschieht, dem Minister zum Opfer fallen ist das gut, weil die ja böse waren und hier ist es verachtenswert.

    • lxththf
    • 20. Oktober 2012 13:19 Uhr

    "Auch der Weltsicherheitsrat verurteilte den Versuch, den Libanon "mit politischen Hinrichtungen zu destabilisieren" und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Politiker"
    Das ist der Zynismus unserer Zeit. In Europa werden Salafisten geächtet, in anderen Ländern an die Macht gebracht. Wenn in Syrien ein Selbstmordanschlag geschieht, dem Minister zum Opfer fallen ist das gut, weil die ja böse waren und hier ist es verachtenswert.

    Antwort auf "Derartige Aussagen:"
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    Beide Akte dieser hier und der Anschlag auf den syrischen Verteidigungsminister waren feige und verabscheuungswürdig.

    (Auto)bomben sind wirklich das Allerletzte, genausoi wie Streubomben bzw. -minen. Hier werden unschuldige Passanten mit hineingezogen. Zu blöd, dass man diese Menschen nie in die Finger bekommen wird.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/cv

  1. hinterlassen mit Ihren militärisch durchgeführten "Demokratisierungen" nur Unruhen, denn kein Volk läßt sich auf Dauer durch Besatzung stabilisieren. Freiheit durch Besatzung, das ist schon ein Widerspruch in sich. Wann endlich haben die Journalisten den Mut zur Wahrheit. Es geht nicht um Demokratie oder Freiheit für die Völker sondern um Öl und militärstrategische Ziele.
    Völker mit jahrtausend alten Traditionen, einer anderen Religion einem völlig anderen Weltbild westliche Moralvorstellungen aufzuzwingen ist einfach intolerant und naiv.
    Wir verlangen, daß sich die Imigranten anpassen sollen ( finde ich richtig) aber umgekehrt verlangt man daß sich Iraker, Afghanen,Libanesen etc. in Ihren eigenen Ländern an uns anpassen sollen.
    Das nennt sich dann Freiheit und Demokratisierung.
    Diese arroganz des Westens ist einfach unerträglich sogar für mich als Europäer. Wie dann die vg. Völker darüber denken scheint den Politikern wohl egal zu sein in Ihrem Machtstreben.
    In Syrien unterstützen dann demokratische Staaten einen militärischen Aufstand gegen einen vom Volk gewählten Assad. Ich dachte immer in Demokratien wird Gewalt verächtet und Wahlen sind das legale Mittel zum Machtwechsel. Da hat man wohl Angst, daß Assad wiedergewählt wird. Aber Assad muß weg, so wie Hussein, Ghadafi etc.

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    Ich glaube das Demokratie die gerechteste Form ist, nur passt sie nicht eben auf jedes Land auf dieser Welt.

    Das hat aber auch nichts mit dem von Ihnen angesprochenen Verhalten zutun, hier geht es um internationale Beziehungen. Im Völkerrecht stehen sich Staaten wie Vertragsparteien gleich gegenüber. Es gibt kein Über- und Unterordnungsverhältnis, aber dennoch versucht man für sein Land das bestmöglichste rauszuholen und Vertragspartner eng an sich zu binden. Das funktioniert am besten, wenn man seine Werte exportiert... ;-)

    • tinnef
    • 20. Oktober 2012 13:50 Uhr

    natürlich und dann noch im christlichen Viertel von Beirut, dass selbst in den Kriegen kaum was abbekommen hat. Sunni Shiit Konflikt irgend jemand.
    Würde in den Süden Libanons schauen, aber die dort sitzen dürfen ja alljährlich ihren al-Quds-Tag in Berlin begehen.

    Ist aber schön das die promuslimischen dt. Wochenblätter in D das einen Tag nach dem Attentat bringen, lies sich wohl nicht unter den
    Teppich kehren.

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    ich bin überrascht, dass selbst das Käseblatt "Bild" darüber berichtet hat... Ob wohl im Zusammenhang mit Syrien, jetzt den lib. Christen mehr Aufmerksamkeit zukommt, wo diese weitestgehend (mit teilw. Ausnahme) gegen Assad sind und auch schon immer waren.

  2. Wovor? , vor sich selbst ?
    Dass die Lage in Syrien nicht das selbe wie in Lybien war,dafür müsste man keine Experten sein,das Enthusiasmus aus der Lybischen Erfolge sollte her zum Nachdenken verleihen als zum Weitermachen aber unsere Politiker sind auch Menschen und Menschen machen auch Fehler,
    nur sie müssen die Fehler danach nicht auf anderen Abwälzen.
    Clinton und Westerwelle haben sich sehr in Syrien engagiert, ihre Ziele war Assad nach Den Haag zu schicken, nun hat sich die Lage so verkompliziert dass kaum einer durchblickt, nun denkt man wie man aus der Situation herauskommen kann .
    Klar ist dass in Syrien jeden Tag Menschen sterben die diesen Krieg gar nicht gewollt haben,sie müssen den Krieg ertragen , über sich hergehen lassen so zusagen .
    Hat sich irgendeiner von diesen Politikern gefragt ob die Mehrheit der Syrer überhaupt von Assad weg will? Wir handeln unter den Einfluss von Exilsyrer, aber sind diese Leute Stellvertretend für die Mehrheit der Syrer oder verfolgen nur eigene Ziele ?
    Wenn die Amerikaner nur die Meinung der in Florida lebenden Kubaner gehört hätten, hätten sie schon lange Kuba unter Kontrolle gebracht, warum wollen wir Europäer mit Syrien es tun ?
    Ich glaube dass in den verschiedene Überlegungen die wir im Westen haben, die Willen der Mehrheit der Syrer kaum Platz findet, und das ist das Problem.

  3. Beide Akte dieser hier und der Anschlag auf den syrischen Verteidigungsminister waren feige und verabscheuungswürdig.

    (Auto)bomben sind wirklich das Allerletzte, genausoi wie Streubomben bzw. -minen. Hier werden unschuldige Passanten mit hineingezogen. Zu blöd, dass man diese Menschen nie in die Finger bekommen wird.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/cv

  4. die die Bemühungen von Anan verhinderten und weiterhin Waffen nach Syrien exportierten sind für diesen Anschlag in Verantwortung zu ziehen.
    Insbesondere auch der von Sunniten dominierte und von Wissam al-Hasan geleitete libanesische Geheimdienst, welche neben der Türkei die Rebellen -(Terroristen-) und Waffennachschublinien sichert.

  5. ich bin überrascht, dass selbst das Käseblatt "Bild" darüber berichtet hat... Ob wohl im Zusammenhang mit Syrien, jetzt den lib. Christen mehr Aufmerksamkeit zukommt, wo diese weitestgehend (mit teilw. Ausnahme) gegen Assad sind und auch schon immer waren.

    Antwort auf "Syrien verantwortlich"
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    Nur eine der zahlreichen christlichen Parteien im Libanon sind gegen Asad.
    Die Gegner Asads sind vor allem der saudi-arabisch-libanesische Milliadär Harriri und die Teile der Sunniten, vor allem der radikal-salafistische Flügel, der unverfroren dazu aufruft, die gesamte arabische Halbinsel von Christen zu säubern.
    Vor allem die armenischen Christen, wovon sich einige nach dem Genozid in der Türkei im Libanon und Syrien retten konnten, stehen fest an der Seite Asads und somit gegen die Islamisten.
    Viele hochrangige Militärs in der syrischen Armee und auch in den Elite-Einheiten sind Christen verschiedenster Glaubensrichtungen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Bill Clinton | Hisbollah | Libanon | Anschlag | Attentat | Ermittlung
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