Die libanesische Regierung sieht eine Verbindung zwischen dem tödlichen Bombenanschlag in Beirut und dem Bürgerkrieg in Syrien . Der Angriff vom Freitag, bei dem Geheimdienstchef Wissam al-Hassan sowie sieben weitere Menschen getötet worden waren, stehe im Zusammenhang mit den jüngsten Ermittlungen al-Hassans, sagte Ministerpräsident Nadschib Mikati. 

Al-Hassan hatte Ermittlungen gegen den früheren Informationsminister Michel Samaha geleitet, einen der engsten Verbündeten der syrischen Regierung im Libanon . Samaha wurde am 9. August verhaftet und anschließend wegen der Planung von Terroranschlägen angeklagt. Nach Angaben aus Polizeikreisen hat er zugegeben, persönlich Sprengstoff von Syrien über die Grenze in den Libanon transportiert zu haben. In Abwesenheit wurde außer ihm auch Syriens Geheimdienstchef Ali Mamluk angeklagt.

Al-Hassan hatte nach Angaben aus Geheimdienstkreisen in den vergangenen Tagen mehrfach Morddrohungen erhalten. Der Geheimdienstchef stand der oppositionellen anti-syrischen Bewegung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri nahe.

Syrische Regierung weist Vorwürfe zurück

Die syrische Regierung wies jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland verurteilte Informationsminister Omran al-Soabi das Attentat als "feigen Akt des Terrorismus".

Am Freitag war auf dem Sassine-Platz im christlichen Viertel Aschrafijeh eine Autobombe explodiert – nur wenige Meter entfernt von einem Büro der oppositionellen Bewegung 14. März. Die Parteien der Bewegung 14. März sind Gegner der libanesischen Regierungskoalition, die von der mit Syrien verbündeten Hisbollah dominiert wird.

Die libanesische Regierung bot nach Forderungen der Opposition ihren Rücktritt an. Auf Bitten von Präsident Michel Suleiman bleibe die Ministerrunde für eine Übergangszeit im Amt, sagte Ministerpräsident Mikati.

Clinton warnt vor Destabilisierung des Libanon

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Bombenanschlag und warnte vor einer Destabilisierung des Libanon. Bei dem Attentat handle es sich um "terroristische Akte", sagte Clinton. Dass der Chef des Polizeigeheimdienstes zu den Todesopfern zähle, sei ein "gefährliches Zeichen, dass es Menschen gibt, die weiter versuchen, die Stabilität des Libanon zu untergraben ".

"Der Libanon muss das Kapitel seiner Vergangenheit schließen und die Straffreiheit für politische Morde und andere politisch motivierte Gewalt beenden", sagte Clinton. Zugleich rief sie alle Seiten dazu auf, "sich in Zurückhaltung zu üben und die Stabilität und Sicherheit des Libanon zu respektieren".

Zuvor hatte der Sprecher des US-Sicherheitsrats , Tommy Vietor, gesagt, die USA stünden dem Libanon bei seinen Bemühungen bei, "die Verantwortlichen für diesen barbarischen Angriff zur Rechenschaft zu ziehen". Die Sicherheit des Landes sei bedeutend für die Stabilität der Region.

Landesweite Ausschreitungen

Auch der Weltsicherheitsrat verurteilte den Versuch, den Libanon "mit politischen Hinrichtungen zu destabilisieren" und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Politiker.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte, das Attentat gründlich aufzuklären, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Er rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem "abscheulichen Terrorakt" nicht provozieren zu lassen.

Im Libanon kam es nach dem Anschlag landesweit zu Protesten und Straßenblockaden. An vielen Orten versammelten sich am Samstag Menschen zu einem nationalen Tag der Trauer auf den Straßen. Aufgebrachte Demonstranten zündeten Reifen an. Anlässlich des Trauertags blieben Geschäfte und Schulen geschlossen, an allen Regierungsgebäuden wehten die Fahnen auf halbmast. Der Ministerrat will zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten.

In den Jahren 2005 bis 2008 gab es im Libanon einer Serie von Sprengstoffanschlägen, der vor allem Syrien-Kritiker zum Opfer fielen.