Bart De Wever © Francois Lenoir/Reuters

Bart De Wever hörte gar nicht mehr auf: Einen nach dem anderen trug er die Namen der Kommunen vor, in denen seine Neu-flämische Allianz (N-VA) am Sonntag zur stärksten Partei geworden war. Etwa 30 Namen ratterte er während seiner ersten Ansprache auf der Wahlparty herunter, dann hielt er inne. "Und? Und?", fragte er fordernd. Die Menge johlte: "Antwerpen!" In der Hafenmetropole, der größten Stadt des niederländischsprachigen Nordens Belgiens , wird De Wever, Vorsitzender und Galionsfigur der flämisch-nationalistischen N-VA, nun selbst Bürgermeister.

So überstrapaziert die Bezeichnung Erdrutschsieg ist – wie wollte man den Erfolg der Partei bei den belgischen Kommunalwahlen anders nennen? Gut 30 Prozent der Stimmen gewann sie in den flämischen Gemeinden, zehn Prozent mehr als die zweitplatzierten Christdemokraten. Damit übertraf sie sogar ihr Abschneiden bei den Parlamentswahlen von 2010 , als sie knapp unter 30 Prozent lag. In Antwerpen erreichte De Wever rund 37 Prozent und ließ die gemeinsame Liste von Sozial- und Christdemokraten ähnlich deutlich hinter sich. Die Stadt galt als politische Trophäe der Kommunalwahlen, die durch ihre Bedeutung für die nationale Politik wochenlang die Schlagzeilen in Belgien beherrschten.

Die Dimension des flämischen Wahlergebnisses erschließt sich am besten aus der Entfernung – von jenseits der Sprachgrenze. Denn noch ehe sich die frankophonen Medien des Landes dem Wählerwillen in Charleroi oder Liège widmeten, berichteten sie über die erste Ansprache De Wevers. Und die hatte es in sich: dass er die N-VA, erst 2001 aus den Resten der Volksunion entstanden, zur "neuen Volkspartei Flanderns" erheben würde, lag nach ihrem Durchbruch auf der kommunalen Ebene nahe. Dass er aber Premier Elio di Rupo und die frankophone Politik gleich aufforderte, "gemeinsam mit uns die Konföderation vorzubereiten", löste im französischsprachigen Belgien Schockwellen aus.

"Ein bisschen weniger Belgien nach diesem 14. Oktober?", fragt die Zeitung Le Soir am Tag danach. In den Blättern der wallonischen Verlagsgruppe Sudpresse war von einem "flämischen TGV" die Rede, dessen Ziel das Ende Belgiens sei. De Wever hatte während des Wahlkampfs gespottet, die ganze Wallonie drücke seinem Antwerpener Kontrahenten Patrick Janssens die Daumen. Wer am Abend in großen Lettern die "Janssens verliert"-Schlagzeilen auf den Websites frankophoner Medien sah, konnte ihm nicht widersprechen.