GeburtenrateChina erwägt Ende der Ein-Kind-Politik

In der chinesischen Bevölkerung ist sie seit Langem verhasst, nun soll die Regelung ganz fallen: Eine Regierungskommission empfiehlt der KP das Ende der Ein-Kind-Politik. von dapd

Chinesische Kleinkinder in einem Schwimmbad in Peking

Chinesische Kleinkinder in einem Schwimmbad in Peking  |  © STR/AFP/GettyImages

China scheint auf ein Ende der Ein-Kind-Politik zuzusteuern. Kurz vor dem bevorstehenden Wechsel an der chinesischen Staatsspitze hat ein regierungsnahes Forschungsinstitut eine schrittweise Abschaffung der unpopulären Regelung bis 2015 gefordert.

Die zuständige Regierungskommission für Bevölkerung und Familienplanung äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorstoß. Doch einige Beobachter werteten den Vorschlag als deutliches Zeichen für ein Umdenken innerhalb der Regierung, da die Expertengruppe der Entwicklungsforschungsstiftung direkt dem Staatsrat unterstellt ist.

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"Das zeigt uns, dass ein Politikwechsel ohne Zweifel bevorsteht, aber wir können nicht vorhersagen, wann", sagte Cai Yong, China-Experte an der Universität von North Carolina . Über eine Änderung oder gar Abschaffung der Ein-Kind-Politik wurde immer wieder spekuliert. Angesichts des bevorstehenden Nationalen Volkskongresses am 8. November erfahren diese Gerüchte nun neue Nahrung.

Konkret forderte das Institut, dass es Eltern in einigen Provinzen noch in diesem Jahr erlaubt sein solle, zwei Kinder zu bekommen. Landesweit solle dies ab 2015 gelten. Bis 2020 sollen schließlich alle Einschränkungen fallen, hieß es in dem Bericht aus dem die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua vorab zitierte. Die endgültige Version des Berichts der Stiftung soll in ein bis zwei Wochen veröffentlicht werden.

" China hat für diese Maßnahme hohe politische und soziale Kosten in Kauf genommen. Sie führte zu sozialen Konflikten , hohen Verwaltungskosten und hat indirekt zu einem Geschlechterungleichgewicht bei den Geburten beigetragen", heißt es laut Xinhua in dem Bericht.

1980 wurde die Regelung als temporäre Maßnahme zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums eingeführt. Die Regierung betont, dass sie damit unzählige Familien vor Armut gerettet und Millionen Geburten verhindert hat, doch bei der Bevölkerung ist die Regelung vielfach verhasst.

Anders als der vereinfachte Name "Ein-Kind-Politik" vermuten lässt, ist die Regelung recht komplex. So dürfen zwar die meisten Paare in Städten nur ein Kind haben, auf dem Land ist aber ein zweites erlaubt, wenn das erste ein Mädchen ist. Außerdem gibt es eine ganze Reihe weiterer Ausnahmen wie lockerere Regeln für Minderheitenfamilien und das Recht auf zwei Kinder für Partner, die beide Einzelkinder sind.

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Leserkommentare
  1. Deutschland hat nie offiziell eine Ein-Kind-Politik verfolgt, (obwohl seit Langem bekannt ist, dass Kinder in Deutschland das größte Armutsrisiko darstellen).

    Das Fehlen einer solchen Gesetzgebung hält die Deutschen aber nicht davon ab, sich seit Jahrzehnten so zu verhalten, als hätten wir sie.

    Wenn sich also die Chinesen ähnlich verhalten werden wie wir, getreu dem Motto: "Ich dürfte, als muss ich nicht!" kann es passieren, dass die Aufhebung der Ein-Kind-Politik keinerlei Auswirkungen hat.

    PS: Das beste Mittel, um die Geburtenrate in den Keller gehen zu lassen und dort zu halten, ist eine umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung.

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    in Deutschland "braucht" niemand ein Kind, in China ist das Altersvorsorge - kein Kostenfaktor, sondern ein Zugewinn.
    Es hatte einen Grund warum sie mal eingeführt wurde.

    Es gibt vielmehr Menschen, die Kinder haben, dann meist 2. Einige haben auch nur eines, andere dagegen drei. Der Schnitt von 1,4 kommt daher, dass es eben auch Menschen ohne Kinder gibt.

  2. 2. Schade

    Ich fand Chinas Ein-Kind-Politik vom Grundgedanken her ein sinnvolles Mittel, um der drohenden Überbevölkerung der Erde Herr zu werden.

    Auch wenn die Massnahme ja eh so viele Ausnahmen hatte, dass sie unter'm Strich eh nur eine Minderheit der Bevölkerung überhaupt betraf, man gegen Geld Ausnahmen erkaufen konnte etc. und die chinesische Geburtenrate daher letztlich immer noch viel höher ist als beispielsweise die Deutschlands.

    Noch ist das zwar nicht akut, aber schon in wenigen Jahrzehnten wird die Überbevölkerung dramatische Auswirkungen haben.

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    Ich bin genau der Gegenteiligen Meinung. Die Chinesen haben die Einkindpolitik schon seit 50 Jahren. Man kann also davon ausgehen, dass ein großer Teil der heutigen Bevölkerung als Einzelkinder aufgewachsen sind und diese bekommen laut Nachforschungen weniger Kinder als welche die mit Brüdern und Schwestern aufgewachsen sind. Da der Bildungsgrad und der Reichtum in China auch deutlich gestiegen ist, wird man vielleicht die ersten Jahre nach der Aufhebung des Gesetzes mit einem Geburtenzuwachs rechnen können, auf lange sicht gesehen wird sich die Geburtenrate auf das Niveau Deutschlands begeben, was einen Populationsrückgang bedeutet.

    In Deutschland mag man das zwar nicht so sehr merken, wenn aber in einem Land wie China mit über einer Milliarde einwohner die Geburtenrate um 0.1 - 0.2% verringert wird es über Jahrzehnte gesehen einen gewaltigen Rückgang der Population geben.

    Die gleiche Prognose würde ich auch für den ganzen Globus geben. Noch steigt die Bevölkerung dank der ärmerer Länder in Mittelafrika, Südamerika und dem mittleren Osten. In ein paar Jahrzehnten, wenn die ganze Bevölkerung den gleichen Lebensstandart erreicht dauert es nicht lange bis die Einwohnerzahl der Weltbevölkerung rückläufig wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wann das passieren wird.

    Dann kommen wir mal zu den Fakten.

    Die Ein-Kind-Regelung betrifft nun wirklich nicht "nur eine Minderheit der Bevölkerung".

    Und allen Beteuerungen von interessierten Kreisen, besonders im Westen, dort besonders von Menschenrechtlern mit z.T. stark religiösem Hintergrund,
    zum Trotz, ist diese Regelung in China weitgehend akzeptiert im Volk.

    Sonderregelungen gibt es unter anderem für
    - Minoritäten, von denen es 55 anerkannte gibt, darunter die Uiguren (!) und die Tibeter (!!)
    - für Paare, bei denen beide Eheleute Einzelkinder (aufgrund der E-K-P) sind
    - Bewohner ländlicher Gebiete

    wobei da auch immer das Geschlecht des Erstgeborenen berücksichtigt wird.
    Immer nach dem Motto: "Nix dran? - OK, ihr dürft nochmal :)

    Das "Freikaufen" von der Beschränkung beschränkt sich in der Regel auf die lächelnde Bezahlung der Strafe, wer Geld hat, leistet sich das schon mal, es hat aber ein Geschmäckle.

    Ich hoffe und bete, dass sich die Entscheider in Beijing nicht irre machen lassen von diesem aktuellen Hype, und an der Regelung festhalten.
    Im Sinne aller Menschen, wenigstens ein Entwicklungsland, das seine Bevölkerungsentwicklung im Griff hat.

  3. ... fordert normalerweise nichts, sondern empfiehlt. Aber unabhängig davon, wie stark diese Empfehlungen formuliert sind: das Politbüro und der Staatsrat "beschäftigen" Tausende von gut bezahlten Wissenschaftlern - alleine das CASS (China Academy of Social Sciences) beschäftigt vermutlich mindestens 3000 Mitarbeiter. Suchen Sie mal etwas Entsprechendes in Deutschland.

    Wenn alle Empfehlungen oder Befunde, die im akademischen Orbit der KP Chinas veröffentlicht oder verschickt werden, auch tatsächlich umgesetzt würden, wüsste die Bevölkerung nicht mehr, wo ihr der Kopf steht - und den Einfluss der "Familienplanungsbürokratie" sollte man nicht unterschätzen. So einfach lässt die sich nicht entmachten oder schwächen.

  4. Ich bin genau der Gegenteiligen Meinung. Die Chinesen haben die Einkindpolitik schon seit 50 Jahren. Man kann also davon ausgehen, dass ein großer Teil der heutigen Bevölkerung als Einzelkinder aufgewachsen sind und diese bekommen laut Nachforschungen weniger Kinder als welche die mit Brüdern und Schwestern aufgewachsen sind. Da der Bildungsgrad und der Reichtum in China auch deutlich gestiegen ist, wird man vielleicht die ersten Jahre nach der Aufhebung des Gesetzes mit einem Geburtenzuwachs rechnen können, auf lange sicht gesehen wird sich die Geburtenrate auf das Niveau Deutschlands begeben, was einen Populationsrückgang bedeutet.

    In Deutschland mag man das zwar nicht so sehr merken, wenn aber in einem Land wie China mit über einer Milliarde einwohner die Geburtenrate um 0.1 - 0.2% verringert wird es über Jahrzehnte gesehen einen gewaltigen Rückgang der Population geben.

    Die gleiche Prognose würde ich auch für den ganzen Globus geben. Noch steigt die Bevölkerung dank der ärmerer Länder in Mittelafrika, Südamerika und dem mittleren Osten. In ein paar Jahrzehnten, wenn die ganze Bevölkerung den gleichen Lebensstandart erreicht dauert es nicht lange bis die Einwohnerzahl der Weltbevölkerung rückläufig wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wann das passieren wird.

    Antwort auf "Schade"
    • mussec
    • 31. Oktober 2012 20:31 Uhr
    5. Ethik

    Keiner kann seine Kinder fragen, ob sie denn in Hunger und Armut aufwachsen möchten.

    Die Menschen brauchen Aufklärung. Die Weltpopulation explodiert und gut ist das für niemanden.

    Außer für die Wirtschaft. (wenn mann sie als Institution betrachtet) Denn Menschen die arbeiten müssen, um zu überleben sind günstiger als Sklaven. Gleichzeitig bedeuten mehr Menschen auch mehr Konsum. Auch wenn es von einigen mehr und von anderen fast gar nichts ist.

    Ich fand die Ein Kind Regelung Chinas ethisch nicht einwandfrei. Aber pragmatisch betrachtet schien sie nützlich. Ethisch einwandfrei wäre wohl nur maximale Bildung und Aufklärung in allen Themen (utopisch wie man sieht)...

    Jetzt steht China allerdings im Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften und als Volkswirtschaft hat man von der hohen Bevölkerung nun einmal immer profitiert. Angst macht sich anscheinend breit...

    Aber wie sieht die Welt mit 10 Milliarden menschlichen Bewohnern aus? Und wie, wenn sich die Prognosen zum Meeresspiegel bewahrheiten?
    Ich glaube das will eigentlich niemand wissen.

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    Die Weltbevolkerung explodiert schon lange nicht mehr, tatsächlich sinkt das Bevölkerungswachstum seit 1970. Wenn es weiter so bleibt wie jetzt wird das Bevölkerungswachstum ca 2060 bei 0% sein während die Weltbevölkerung ca. 9 Milliarden beträgt und danach wird sich diese Zahl entweder halten oder es wird zu einem Bevölkerungschwund, was wahrscheinlicher ist, kommen. Ich würde mir weniger Sorgen über die Überbevölkerung machen, als darum, dass wir bald ganz von alleine aussterben auf lange Sicht betrachtet.

    Um den Meeresspiegel würde ich mir auch in Zukunft keine Sorgen machen denn dieser sinkt auch.

  5. in Deutschland "braucht" niemand ein Kind, in China ist das Altersvorsorge - kein Kostenfaktor, sondern ein Zugewinn.
    Es hatte einen Grund warum sie mal eingeführt wurde.

    Antwort auf "Und dann?"
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    Mal ein Blick auf die demographische Pyramide von Deutschland geworfen? In 30 Jahren ist die Altersvorsorge wegen zu wenigen Einzahlern und zuvielen Bezügern am Abgrund.

  6. Die Weltbevolkerung explodiert schon lange nicht mehr, tatsächlich sinkt das Bevölkerungswachstum seit 1970. Wenn es weiter so bleibt wie jetzt wird das Bevölkerungswachstum ca 2060 bei 0% sein während die Weltbevölkerung ca. 9 Milliarden beträgt und danach wird sich diese Zahl entweder halten oder es wird zu einem Bevölkerungschwund, was wahrscheinlicher ist, kommen. Ich würde mir weniger Sorgen über die Überbevölkerung machen, als darum, dass wir bald ganz von alleine aussterben auf lange Sicht betrachtet.

    Um den Meeresspiegel würde ich mir auch in Zukunft keine Sorgen machen denn dieser sinkt auch.

    Antwort auf "Ethik"
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    • mussec
    • 31. Oktober 2012 22:02 Uhr

    Diese Prognosen lese ich so zum ersten mal.

    Und zwar nach Möglichkeit zu beiden Behauptungen...

    • mussec
    • 31. Oktober 2012 22:02 Uhr

    Diese Prognosen lese ich so zum ersten mal.

    Antwort auf "Weltbevölkerung"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dap, dapd,
  • Schlagworte Bevölkerung | Armut | Bevölkerungswachstum | Eltern | Geburt | Konflikt
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