Der Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt in Berlin. © Michael Gottschalk/dapd

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan ist beim Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht von seiner Linie abgewichen: Sein Land wolle Vollmitglied der EU werden , erkenne aber das EU-Mitglied Zypern nicht an.

Bei dem Treffen in Berlin sprach Erdoğan ausschließlich von dem EU-Mitglied "Süd-Zypern", dem griechischen Teil der Insel, den die Türkei nicht anerkennt. Dessen Aufnahme sei ein Fehler gewesen. "Und dieser Fehler wächst immer weiter." Erdoğan sagte auf einer Pressekonferenz, Merkel sehe das auch so. Die Kanzlerin reagierte darauf nicht.

Erdoğan beklagte weiter, dass sein Land bei vielen Gesprächen der EU "gänzlich außen vor gestellt" werde und forderte eine stärkere Einbeziehung seines Landes in die laufenden EU-Beitrittsverhandlungen.

Merkel wies die Vorhaltung zurück, die EU spiele bei den Beitrittsverhandlungen nicht mit offenen Karten. Sie sicherte Erdoğan ehrliche Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei zu. Mit Blick auf ihre Partei versicherte Merkel zudem, dass die Gespräche "ergebnisoffen geführt" würden. Die Tatsache, dass die CDU nur eine sogenannte privilegierte Partnerschaft zwischen der Türkei und der EU favorisiere, sei "eine Frage, in der wir nicht übereinstimmen", sagte Merkel.

Deutschland soll doppelte Staatsbürgerschaft anbieten

Erdoğan setzt sich darüber hinaus dafür ein, den rund drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland eine doppelte Staatsbürgerschaft anzubieten. Er wünsche sich, dass türkische Bürger oder deutsche Bürger mit türkischen Ursprüngen in Deutschland diese Möglichkeit bekommen. Zugleich ermunterte er die rund 50.000 Deutschen in seinem Land, die türkische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Dies sei auch im Hinblick auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern zu betrachten.

Türkei erbittet Hilfe im Syrien-Konflikt

Wegen des Konflikts im Nachbarland Syrien hat Erdoğan die Hilfe Deutschlands erbeten. "Wir brauchen unbedingt die Unterstützung und den Beistand Deutschlands." So solle Deutschland etwa seinen Einfluss auf Russland und China nutzen, die bisher im UN-Sicherheitsrat härtere Sanktionen gegen Syrien verhindern. Die Türkei habe bereits 105.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen, sagte Erdoğan. Zurückhaltend äußerte er sich zu Plänen, eine Flugverbotszone oder einen Sicherheitskorridor entlang der türkisch-syrischen Grenze einzurichten.

Merkel sicherte der Türkei angesichts der Eskalation im Syrien-Konflikt Hilfe zu. Man werde dem Nato-Partner helfen, wenn dies gewünscht sei. Die Bundesregierung habe Unterstützung humanitärer Art angeboten.

Merkel sagte, die Lage in Syrien sei für die Türkei eine "echte Belastung".  Sie dankte Erdoğan für Besonnenheit im Umgang mit dem syrischen Konflikt und sicherte ihm gemeinsame Verantwortung als Nato-Partner zu.