Besuch in DeutschlandErdoğan glaubt an baldigen EU-Beitritt der Türkei

Der türkische Premier fordert die EU auf, sein Land bei der europäischen Integration nicht länger hinzuhalten. Selbstbewusst bietet er Hilfe in der Euro-Krise an. von afp, dpa und dapd

Seit zwei Jahren herrscht praktisch Stillstand in den Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union ( EU ) mit der türkischen Regierung. Dies will Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan nicht weiter hinnehmen und dringt auf zügige Gespräche. "Wir bereiten uns darauf vor, dass wir Vollmitglied in der EU werden", sagte er am Dienstagabend bei einer europapolitischen Rede auf einer Konferenz des Nicolas Berggruen Institute on Governance .

Erdoğan ist zuversichtlich, dass die europäische Integration seines Landes nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Auf die Frage, ob die Türkei bis 2023 EU-Mitglied sein werde, antwortete er: "So lange wird man uns nicht hinhalten, oder?" Als Problem benannte er allerdings die Zypern-Frage: Die Türkei erkennt das EU-Mitglied Zypern nicht an.

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Dennoch zeigte sich der türkische Regierungschef äußerst selbstbewusst und bot Europa Hilfe in der Euro-Finanzkrise an. "Wir erstarken von Tag zu Tag", sagte er und verwies auf das Wirtschaftswachstum, den Schuldenabbau und die gut ausgebildete Jugend seines Landes. "Da sind wir für die europäische Union ein Vorbild." Sein Land werde deshalb keine Belastung für die EU sein. "Wir kommen, um Last zu übernehmen."

Westerwelle für neue Verhandlungsrunde in 2013

Der Premier beklagte zudem, dass seine Regierung nach der Ära von Schröder und Chirac nicht mehr an den EU-Gipfeln teilnehmen darf. "Da wurde eine Entscheidung gefällt und dann wurden wir nicht mehr zu den Treffen eingeladen." Dabei werde die Türkei "jeden Tag" stärker. "Wenn Sie uns vor die Tür setzten, werden Sie am Ende verlieren."

Eine EU-Mitgliedschaft der Türkei dürfte auch Thema beim Treffen Erdoğans mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am heutigen Mittwoch sein. Zuvor hatte bereits Außenminister Guido Westerwelle einen neuen Anlauf gefordert . Bei der Eröffnung der neuen türkischen Botschaft in Berlin , zu der der FDP-Politiker als Gast geladen war, sprach sich Westerwelle für eine weitere Annäherung zwischen der Türkei und der EU aus. Der Stillstand in den Verhandlungen sei für beide Seiten nicht gut. Im kommenden Jahr solle hier ein "neuer Anfang" gemacht werden. Die Türkei habe viele Reformen verwirklicht. "Viel bleibt zu tun, aber wichtige Etappen sind geschafft", sagte Westerwelle.

Leserkommentare
  1. Europa sollte zusammenwachsen jedoch den GLAUBEN (christlich) nicht verlieren! Langfristig würde sich das sonst negativ auswirken.

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    Europa und das Christentum vereinen sich im Ostern und Weihnachten. Sonst??

    ich kann es nicht mehr hören. Wenn mir jemand in den 80ern erzählt hätte, dass religiös verbrämte Bigotterie und Kleingeistigkeit wieder derartige Höhenflüge erleben würden wie zurzeit, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

    Merken wir eigentlich, was da gerade passiert?! In allen Ländern, ob christlich, muslimisch, buddhistisch, hinduistisch oder sonstwie geprägt, erleben wir eine Rückkehr längst überwunden geglaubter, religiös ummantelter erzkonservativer Gesellschaftsmodelle. Es ist unerträglich, dass ernsthaft wieder diskutiert wird, Gotteslästerung zum Straftatbestand zu machen.

    Dazu kann ich mit Monty Python's nur sagen: "Jehova, Jehooova ..."

    Lassen Sie Bitte den Glauben aus der Politik, der hat hier bekannterweise nur Krieg, Zerstörung und Ausgrenzung gebracht und nicht den gepredigten Frieden und Nächstenliebe.

    Wenn Türkei bereit ist Zypern zu akzeptieren, ebenso die westliche Lebensweise und ihre Gesetze, sind sie von mir aus willkommen.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Aussagen. Danke, die Redaktion/jp

  2. 4. [..]

    Entfernt. bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke, die Redaktion/ls

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    • otyak
    • 31. Oktober 2012 10:30 Uhr

    Liegt Zypern mitten in Europa oder?

  3. Wow, so viele hohle Phrasen in so wenig Text. Gratuliere.

    Meiner Meinung nach sollte man jegliche Aufnahme von weiteren Staaten stoppen, bis sich die EU in ihrer bisherigen Form stabilisiert hat und bis genau definiert wurde, wo man eigentlich hin will.

    Dieses immer weiter, immer größer führt doch letztlich im besten Fall zu nichts. Im schlechtesten Fall zu Krisen wir der derzeitigen.

    Aber dass man es in der EU mit Pressefreiheit und Co. nicht so genau nimmt, zeigt ja der Fall Ungarn. Ein "Werteverbund" ist es daher schon lange nicht mehr. Aber was dann eigentlich?

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen, führen Sie Quellen für Ihre Behauptungen an und bemühen Sie sich um sachliche, konstruktive Kommentare. Danke, die Redaktion/ds

    für noch hohlere Phrasen als der Text auf den Sie geantwortet haben.

    • thwe74
    • 31. Oktober 2012 10:07 Uhr
    6. Und...

    Im Endeffekt kann es Herrn Erdogan relativ egal sein, ob nun ernsthaft verhandelt wird oder hingehalten wird.

    Er wird sowohl den Erfolg (Beitritt) als auch den Misserfolg (Ablehnung bzw. Hinhaltung) als seinen persönlichen Erfolg verkaufen.

    Zum Thema "starke" Türkei:
    Klar, wenn die Nachbarstaaten im Nahen Osten in Krieg und Chaos versinken steht die Türkei unheimlich stark da, zumal Sie den einzelnen betroffenen Staaten gerne als „Vorbild“ gezeigt wurde.

    Nichtsdestotrotz werden sich die Anrainerstaate alleine schon aus historischen Gründen davor hüten, der Türkei (als dem Nachfolger des alten osmanischen Reiches) zuviel Einfluß zu gewähren.

    Das bejubelte Wirtschaftswachstum der Türkei, welches wie auch in anderen Ländern auf wackeligen (Kredit-)-Füssen steht, kann schneller vorbei sein als gedacht.

    Ein Thema wird da eher das Bevölkerungswachstum sein, Erdogan ist ja der Meinung 3-4 Kinder pro Familie sind Pflicht, wie die unsägliche Debatte über die Kaiserschnitt-geburt in der Türkei zeigt.

    Zum Thema Menschenrechte:
    Ein heisses Thema, zumal wenn man bereits Staaten wie Ungarn, Rumänien oder Bulgarien in der EU hat, welche sich beim Thema Minderheitenschutz mit Sicherheit nicht mit Ruhm bekleckern.

    • Bashu
    • 31. Oktober 2012 10:08 Uhr

    Ist das Arroganz oder seh ich das zu eng? Ist Herr Erdogan bewusst, dass er gerade auf Pump lebt?

    http://www.welt.de/politi...

    "In absoluten Zahlen sind die Schulden der Haushalte seit 2002 um das 18-fache gestiegen."

    Die Türkei hat zuletzt noch merkwürdige Gesetze auf den Weg gebracht, so z.B. sind u.a. Einkaufszenter und Opernhäuser gezwungen, Gebetsräume für Muslime einzurichten.

    Ich persönlich befürworte den EU Beitritt einer *rechtstaatlichen, säkularen* Türkei. Eine islamistische Türkei hat in Europa nichts zu suchen [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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    Wo ist das Problem wenn Muslime in Einkaufszentrem beten können? Hat das ein Nachteil für einen anderen Menschen oder für Sie? Außerdem hat die Türkei bestimmt nicht vor in die EU zu wollen. Das wäre ja im Augenblick quasi ein Selbstmord für das Land..

    abgesehen davon, darf auch gesagt werden, dass der überwältigende Teil der Europäer dies nicht möchte, vor 20 Jahren nicht und auch heutzutage nicht. Die teilweise sehr schrillen Kommentare dagegen ändern an der Tatsache nichts.

    Dies ist jedoch leider nicht entscheidend, da die Politik zunehmend von Konzernlobbyisten unterwandert ist, und einem Großkonzern ist es egal, wie es auf den Strassen ausschaut, Hauptsache Produktion und Absatz stimmen. Ein EU Beitritt wäre für diese Interessensgruppe ein Segen. Und auch für die USA, aus geostrategischen Gründen.

    Warum stimmen wir eigentlich nicht darüber ab? Oder hat die Politik da etwas gegen?

    • mussec
    • 31. Oktober 2012 14:23 Uhr

    Der verweigerte EU Beitritt führt aber gerade zu den islamistischen Phänomenen der Türkei.
    Viele Menschen haben in der Türkei inzwischen leider das Bedürfniss sich gegen den Westen zu wenden.
    Wenn man den Menschen an sich zu verstehen versucht irgendwie nachzuvollziehen.

    Die Ehrfurcht der Türkei dem Westen gegenüber, und die Verehrung die früher noch sehr stark war, hat sehr abgenommen. Die Menschen fühlen sich von westlichen Werten zu einem großen Teil sehr enttäuscht. Das birgt große Gefahren, wie man auch sieht.
    Vor vielen Jahren hätte man die bedeckten Ehefrauen der Minister und der Präsidenten noch für lachhaft rückwertsgewant gehalten. Heute steht das für das neue konservative Selbstbewusstsein des Landes und das gefällt nun mal einigen mehr, als die Minderwertigkeitskomplexe dem Westen gegenüber.
    Das was der Westen der Türkei in den letzten vor allem gebracht hat, ist genau dieses Leben auf Pump.
    Jeder hat mehrere überzogene Kreditkarten. Alles nach angelsächsischem Vorbild.
    Der Westen ist eben nicht mehr nur Nietzsche, Sartre oder auch Marx.

    • lxththf
    • 31. Oktober 2012 17:23 Uhr

    haben sollte konfessioneller Rassismus in den Köpfen von Europäern. Man könnte es schon fast säkularen atheistischen Fundamentalismus nennen, anderen immer seinen Nichtglauben und Religionsfeindlichkeit aufzwingen zu wollen. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ihre Wortwahl, die mich an einige Geschichten erinnern, deren Basis Rassismus ist.

  4. 8. [...]

    Entfernt. Bitte führen Sie für Ihre Behauptungen Quellen an und verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/ds

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    So ist es. Man sieht es, wenn man die Tatsachen zur Kenntnis nimmt.
    Aber viele EU-Wundergläubige haben beide Augen ganz fest zugemacht. Und sie geben ganz stolz kund - auch hier im Forum -, dass sie nicht gewillt sind, sie wieder aufzumachen.
    Hat irgendwie etwas Kindliches - dass etwas wahr wird, wenn man sich es nur doll genug wünscht.

    Sie haben sowieso nichts mit der EU zu tun. Sie müssen nur ihre Arbeit machen, ihr Geld verdienen, ihre Steuern zahlen und mit dem was übrig bleibt schön einkaufen. Dann müssen sie sterben und die Erde dreht sich weiter.

    Er hat es gesagt, verehrte Redaktion, ich habe Ohren, Augen und für soetwas ein gutes Gedächtnis!;)

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