Gaza-BlockadeIsraels Marine entert Schiff mit Hilfslieferung für Palästinenser

Kurz vor der Küste ist der finnische Segler "Estelle" von maskierten israelischen Soldaten gestoppt worden. Gaza-Aktivisten warfen Israel Skrupellosigkeit vor. von afp, dpa und dapd

Die Besatzung der "Estelle" einen Tag vor der Enterung des Schiffs durch Israels Marine

Die Besatzung der "Estelle" einen Tag vor der Enterung des Schiffs durch Israels Marine  |  ©Ship to Gaza Sweden

Israelische Soldaten haben ein Schiff mit Hilfsgütern für den Gazastreifen geentert und unter ihre Kontrolle gebracht. Das unter finnischer Flagge fahrende Segelschiff Estelle sei 50 Kilometer vor der Küste des Gazastreifens von der Marine aufgebracht worden, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Die Besatzung habe keinen Widerstand geleistet. Die Soldaten schleppten das Schiff in den 100 Kilometer entfernten Hafen der Stadt Aschdod.

An Bord des 53 Meter langen Dreimasters Estelle waren 17 pro-palästinensische Aktivisten aus Finnland , Schweden , Norwegen , Kanada , Spanien , Italien , Griechenland und Israel ; vier von ihnen sind amtierende oder ehemalige Parlamentsabgeordnete. Sie wurden in Aschdod von der israelischen Polizei erwartet. Nach früheren Aktionen gegen Gaza-Aktivisten waren die festgenommenen Personen in ihre Herkunftsländer abgeschoben worden.

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Der Sprecher der Organisation Ship to Gaza Sweden , Mikael Löfgren, berichtete, das Schiff sei von fünf bis sechs israelischen Schiffen eingekreist worden. Dann seien maskierte und bewaffnete Soldaten an Bord gekommen. Die Reise der Estelle sollte nach seinen Angaben dazu beitragen, die jahrelange Land-, See- und Luftblockade des Gazastreifens zu beenden. Eine weitere Sprecherin von Ship to Gaza nannte die israelische Aktion eine "Demonstration der Skrupellosigkeit".

Zement und Fußbälle

Die Ladung der 1922 in Emden gebauten Estelle besteht nach Angaben von Ship to Gaza aus zwei Olivenbäumen, 41 Tonnen Zement, 300 Fußbällen, orthopädischem und medizinischem Gerät, Kinderbüchern, Musikinstrumenten, einer Theaterausrüstung, einem Funkgerät und einem Anker für ein Schiff, das im Gazastreifen gebaut wird.

Israel hat seit der Verhängung der Seeblockade Anfang 2009 bereits mehrere Hilfsflottillen gestoppt. Bei einem international kritisierten Einsatz gegen das Schiff Mavi Marmara waren im Mai 2010 neun türkische Aktivisten getötet worden. Israel will nach eigenen Angaben mit der Blockade Waffenlieferungen an die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas verhindern.

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Leserkommentare
    • Karl63
    • 20. Oktober 2012 17:24 Uhr

    und es ist offensichtlich niemand ernstlich zu Schaden gekommen.
    Es bleibt das Geheimnis von Premier Netanjahu, was die Israelische Regierung mit der Seeblockade des Gaza-Streifen zu bezwecken gedenkt. Der Schmuggel von militärisch verwendbarem in den Gaza-Streifen wird offensichtlich so nicht unterbunden und politisch bewegt sich auch nichts. Im Gegenteil, es scheint so als ob die Position der Hamas durch den Druck von außen eher gestärkt wird.

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    • DDave
    • 21. Oktober 2012 11:46 Uhr

    Sie sollten sich mal eine Dokumentation über die Arbeitsweise beim Zoll auf einem Schiff anschauen.
    Es ist fast unmöglich alles zu kontrollieren.
    Gerade deshalb ist es einfacher eine Seeblockade zu errichten und den Gazastreifen über die israelische Grenze zu "unterhalten".
    Definitiv hat Ägypten seine Grenze zum Gazastreifen dicht gemacht. WÄhrend Israel Güter und Warenverkehr zulässt.

    Es wird natürlich immer noch geschmuggelt über Tunnel nach Ägypten, aber über ein Schiff kann viel mehr transportiert werden, als durch die Tunnel.
    Ausserdem, als es noch keine Seeblockade gab und Israel kontrolliert hat, wurde oft genug falsch deklarierte Fracht gefunden(z.B. als Saatgut deklarierter Sprengstoff).

    Ob Sie es akzeptieren wollen, oder nicht, die Seebblockade ist rechtmässig!

  1. ...dass

    "Die Ladung der 1922 in Emden gebauten Estelle besteht nach Angaben von Ship to Gaza aus zwei Olivenbäumen, 41 Tonnen Zement, 300 Fußbällen, orthopädischem und medizinischem Gerät, Kinderbüchern, Musikinstrumenten, einer Theaterausrüstung, einem Funkgerät und einem Anker für ein Schiff, das im Gazastreifen gebaut wird."

    dann verstehe ich nicht, wieso man nicht die offiziellen und legalen Einfuhrmöglichkeiten samt Zoll nutzt.
    Offensichtlich geht es nicht um die Einfuhr von lebensnotwendigen Gütern, sondern um eine Demonstration, dass man den Status von Gaza bzw. die Hoheit Israels nicht anerkennen will.

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    "Die Reise der Estelle sollte nach seinen Angaben dazu beitragen, die jahrelange Land-, See- und Luftblockade des Gazastreifens zu beenden."

    Genau diesen Gedanken hat der Autor damit ausdrücken wollen.

    Es sollte ein politisches Statement sein, was es ja scheinbar auch geworden ist. Israel hat klar gestellt, dass es die Blockade weiter aufrechterhält und diese mit Militärpräsenz verteidigt.

    • AN_M
    • 20. Oktober 2012 17:43 Uhr

    Sie sind es, der sich mal über den Status von Gaza informieren sollte. Sie glauben offenbar, dass er immer noch israelisches Hoheitsgebiete ist, aber das ist falsch.
    Die Aktion zeigt mal wieder, wie schlecht es mit dieser rechtsgerichtete Regierung in tel aviv um Fortschritte bei der Lösung des Nahost-Konflikts bestellt ist.

    • Koon
    • 20. Oktober 2012 19:18 Uhr

    ...Sie schreiben:

    "...dann verstehe ich nicht, wieso man nicht die offiziellen und legalen Einfuhrmöglichkeiten samt Zoll nutzt."

    Ganz einfach, weil Israel diese Güter mit einem Bann belegt hat. Machen Sie sich bitte mit der Liste der verbotenen Güter vertraut, die sie z.B. hier nachlesen können: "http://gisha.org/UserFiles/File/HiddenMessages/ItemsGazaStrip060510.pdf" und wundern Sie sich darüber, dass sogar Pflaster, Kartoffelchips und DIN A4 Papier vom Einfuhrverbot betroffen sind.

    • Kelsi
    • 21. Oktober 2012 6:09 Uhr

    ... der Ereignisse während der letzten Hilfslieferungen mit einem Schiff, dass geentert wurde, soll diese "Hilfsaktion" meiner Meinung nach provozieren statt wirklich helfen.

    Wie mein Vorredner hier schon geschrieben hat, wieso nutzen die nicht die einfachen die legalen Einfuhrmöglichkeiten?

    Ich denke, so blöd sind wir zum Glück noch nicht, dass wir auf diese Aktion hereinfallen. Keine Ahnung wer hinter dieser Aktion wirklich steckt, aber die Besatzung dieses Segelschiffes, die sich zu sowas leiten lässt, sind schon Seelenarm.

    NATÜRLICH geht es hier darum politische Veränderungen herbeizuführen! Es ist eine DEMONSTRATION!

    Sie sind anscheinend nicht auf den Kopf gefallen Herr Demetrios I. Poliorketes.

    • fse69
    • 21. Oktober 2012 17:25 Uhr

    "...Offensichtlich geht es nicht um die Einfuhr von lebensnotwendigen Gütern, sondern um eine Demonstration, dass man den Status von Gaza bzw. die Hoheit Israels nicht anerkennen will...."

    ... handelt es sich bei so etwas immer primär um eine politische Demonstration. Daran gibt es auch nix zu skandalisieren.

    Mit dem Begriff der "israelischen Hoheit" wäre ich an Ihrer Stelle etwas vorsichtiger. Israel hat sich seinerzeit gegenüber der Palmer-Kommission darauf zurückgezogen, dass man sich offiziell in einem klassischen Krieg gegen Gaza befinde (internationaler bewaffneter Konflikt); Ich hätte ihnen dies nicht durchgehen lassen, aber das ist eine andere Baustelle. Auf jeden Fall ließe sich eine solche Seeblockade gem. San Remo Manual nur unter der Behauptung eines solchen formellen Kriegszustands rechtfertigen. Irgendwelche hoheitlichen Rechte oder Befugnisse lassen sich damit aber nicht legitimieren, sondern allenfalls mit Waffengewalt durchsetzbare Kontrollbefugnisse.

  2. "Die Reise der Estelle sollte nach seinen Angaben dazu beitragen, die jahrelange Land-, See- und Luftblockade des Gazastreifens zu beenden."

    Genau diesen Gedanken hat der Autor damit ausdrücken wollen.

    Es sollte ein politisches Statement sein, was es ja scheinbar auch geworden ist. Israel hat klar gestellt, dass es die Blockade weiter aufrechterhält und diese mit Militärpräsenz verteidigt.

    Antwort auf "Wenn es stimmt..."
    • AN_M
    • 20. Oktober 2012 17:43 Uhr

    Sie sind es, der sich mal über den Status von Gaza informieren sollte. Sie glauben offenbar, dass er immer noch israelisches Hoheitsgebiete ist, aber das ist falsch.
    Die Aktion zeigt mal wieder, wie schlecht es mit dieser rechtsgerichtete Regierung in tel aviv um Fortschritte bei der Lösung des Nahost-Konflikts bestellt ist.

    Antwort auf "Wenn es stimmt..."
  3. ... seien sie eingekreist worden. Da wird ja ein ganz schöner Aufwand getrieben. Wenn eine solche Aktion auf Seiten der Aktivisten mit, sagen wir, 20 Schiffen durchgeführt würde - was ja nun nicht übertrieben viele sind - dann wäre die israelische Marine ja ganz schön beschäftigt. Vielleicht könnten wir dann noch ein paar U-Boote mehr da runter verkaufen.

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    • Flari
    • 20. Oktober 2012 18:06 Uhr

    Zitat: "Wenn eine solche Aktion auf Seiten der Aktivisten mit, sagen wir, 20 Schiffen durchgeführt würde..."

    Dann wird eben scharf geschossen, wenn die Brechung der Blockade anders nicht zuverlässig verhindert werden kann.

  4. ..die Regierung in Tel Aviv wird durch solche Aktionen gewiss keine Zustimmung erhalten.
    offensive Verhandlungsbereitschaft auf diplomatischem Weg wäre die einzig richtige Stragie um einem Frieden näher zu kommen!

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    • eras
    • 20. Oktober 2012 19:10 Uhr

    "..die Regierung in Tel Aviv wird durch solche Aktionen gewiss keine Zustimmung erhalten."

    Nun...das wird die israelische Regierung wohl wenig beeindrucken. Die sitzt nämlich nicht in Tel Aviv...sondern in Jerusalem.

    Schön, dass sich beim Thema Nahost alle zu Statements genötigt fühlen - selbst dann wenn sie offensichtlich nicht einmal das Grundlagenwissen beherrschen...

    Sagen sie es der Hamas, die Israel vernichten wollen und alle Juden ermorden moechten.
    Es ist Zeit, dass jeder endlich sieht mit wen es Israel zu tun hat (und sich nicht rosa Brillen anlegt).
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/mak

  5. ...sie ,lieber Forist , haben ja abenteuerliche Thesen auf dem Tablett!

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    In den frühen siebziger Jahren hatte ich diesbezüglich in Afghanistan eigene Erfahrungen. Ein Pfund Zucker kostete 8 Afghanis. Massgebliche Clans unterbanden die Einfuhr für Monate, der Preis stieg schnell auf 15 Afghanis. Nachdem der Markt abgeräumt war, wurde zurückgerudert, der Preis fiel auf den alten Stand und mit einem anderen Produkt wurde fortgesetzt.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP, sc
  • Schlagworte Schiff | Hamas | Marine | Palästinenser | Besatzung | Demonstration
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