Reaktionen auf Friedensnobelpreis : Wider den antieuropäischen Shitstorm

Hohn, Spott, Zorn sind die vorherrschenden Reaktionen auf die Friedensnobelpreis-Entscheidung. Die Kritik ist billig, kommentiert Ludwig Greven.

Kaum war am Morgen bekannt geworden, dass die EU in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhält, begann im Netz ein wahrer Shitstorm der Empörung. Der erste Kommentator unter der Meldung von ZEIT ONLINE schrieb vorausahnend "voller Vorfreude auf die gehässigen Kommentare, die hier im Anflug sind. Ich wette auf mindestens 500 innerhalb von 2 Tagen, davon 99 (Prozent) negativ".

Er sollte recht behalten, nicht was die (von ihm unterschätzte) Zahl der Reaktionen, aber was die Tendenz betrifft, selbst wenn die folgenden User-Kommentare zunächst noch durchaus wohlwollend waren. So schrieb der nächste User : "Schnell, schnell ... bevor wieder über die EU-Diktatur rumgemotzt wird: Glückwunsch", ein anderer: "Verdienter Preis, nach mehr als 60 Jahren Frieden in Europa !"

Doch dann war, wie auch auf anderen Nachrichtenseiten und auf Twitter, kein Halten mehr: Die Europäische Union oder kurz " Brüssel " wird von Tausenden Usern und Twitterern, in Blogs und Foren als " Verwaltungskonstrukt " und "bürokratisches, undemokratisches Monster" verhöhnt, das auf die Bürger keine Rücksicht nehme, beziehungsweise sie "verarscht" und "neofeudalen Interessen der Regierenden" diene. Der Linken-Abgeordnete Niema Movassat twitterte : "Wer den Friedensnobelpreis an die EU gibt, kann ihn nächstes Mal auch gleich an die NATO oder Rüstungsfirmen geben."

Scherzbolde fragen: "Sind wir jetzt alle Obama?", in Anspielung an die ebenfalls heftig umstrittene Auszeichnung für den amerikanischen Präsidenten kurz nach dessen Amtsantritt, oder: "Wo kann ich die Kohle abholen?" Schließlich seien "wir alle EU".

  Winzige EU-Fangemeinde

Das alles ist eine noch harmlose Auswahl der ersten Reaktionen auf die Entscheidung des Osloer Nobelpreiskomitees (das – wie sofort angemerkt wurde – in einem Land residiert, das nicht zur EU gehört). Europas Fangemeinde ist nicht mehr sonderlich groß, diesen Eindruck muss man gewinnen. Kaum eine Negativentwicklung, die heutzutage nicht mit dem Staatenbund in Verbindung gebracht wird – von Kriegen in aller Welt, sozialer Verelendung, einer verfehlten Währungsgemeinschaft und der Euro-Krise, Arbeitslosigkeit, Internet-Zensur, Inflation bis zur "Diktatur des Finanzkapitals".

Europa ist, zumindest wenn es nach der überwiegenden Zahl derer geht, die sich im Netz und auch sonst zu Wort melden, als Friedensprojekt und überhaupt gescheitert.

Es mag heute im Internet, auf der Straße, in der Politik, auch in Redaktionen selbst führender deutscher Blätter angesagt sein, sich über "Eurokraten" und Anhänger einer angeblich veralteten proeuropäischen Ideologie lustig zu machen, die immer noch die "alte Erzählung" vom geeinten Europa als Bollwerk gegen Krieg und Not verbreiten. Und natürlich gibt die reale EU, insbesondere deren Verwaltung in Brüssel, reichlich Anlass zur Kritik, wie viele Institutionen und Regierungen. Aber die tiefe Verachtung, die der europäischen Idee heute entgegengebracht wird, ist völlig unangebracht. Ja, sie richtet sich gegen die Kritiker selbst.

Europa ist nicht gescheitert

Denn Europa ist keineswegs gescheitert. Auch wenn der alte Kontinent etwa im aktuellen amerikanischen Wahlkampf mal wieder als Inbegriff verfehlter, veralteter Politik abgetan wird, gilt die europäische Einigung vielen Menschen nicht nur in Europa bis heute als einzigartiges Beispiel, wie aus früheren, jahrhundertelangen Feinden Freunde und Partner wurden. Es ist gerade mal 70 Jahre her, zwei Generationen, dass sich der Kontinent im von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkrieg zerfleischte, mit 60 Millionen Toten.

Und es ist auch gerade einmal gut 20 Jahre her, dass der Kalte Krieg endete, der Europa in der Mitte teilte und 40 Jahre lang jederzeit zum "heißen Krieg" hätte werden können. Vor allem in Osteuropa ist das nicht vergessen. Auf einer Tagung junger Europäer aus Polen , Ungarn , Tschechien , Weißrussland, Frankreich und Deutschland im Frühjahr in der Nähe von Berlin waren es vor allem die Osteuropäer, die von Europa als Garanten des Friedens sprachen – ganz wie die alten "großen Europäer" Konrad Adenauer, Robert Schuman , Helmut Kohl oder Jacques Delors .

Bollwerk der Freiheit

Das geeinte Europa ist aber noch weit mehr als ein Schutzwall gegen die Schatten der Vergangenheit. Es schützt ganz konkret die Freiheit seiner Bürger: Ohne die EU gäbe es keine Reisefreiheit auf dem Kontinent, keine Niederlassungsfreiheit in allen 27 Mitgliedsländern. Es ist nicht zuletzt auch die EU, die Rechtsstaatlichkeit in den einzelnen Mitgliedsstaaten garantiert. Die Brüsseler Warnungen an die Regierungen in Ungarn und Rumänien sind noch in guter Erinnerung. 

Zum Euro mag man stehen, wie man will. Man kann mit gutem Grund bemängeln, dass er eingeführt wurde, bevor die Voraussetzungen in Form einer Wirtschafts-, Finanz- und politischen Union geschaffen wurden, und dass nicht alle heutigen Mitglieder der Euro-Zone die Bedingungen erfüllen, wie das Beispiel Griechenland zeigt. Und man kann erst recht die maßgeblich von Deutschland betriebene Sparpolitik angreifen, mit der Angela Merkel den Euro "retten" will.

Aber richtig ist auch: Dass heute mehr als 200 Millionen Menschen in Europa mit derselben Währung bezahlen und sie alle Scheine und Münzen mit den EU-Symbolen in der Tasche tragen, macht ihnen nicht nur das Leben, Reisen und Handel treiben leichter. Es ist auch ein Schutzmechanismus gegen zerstörerische Konflikte. Wer miteinander redet, sich besucht, miteinander Geschäfte macht, ist eher solidarisch.

All diese Vorzüge Europas nehmen die meisten Europäer, zumal im Westen des Kontinents und in Deutschland, die fast alle nur noch Frieden und Freiheit erlebt haben, wie selbstverständlich hin. Aber sie sind alles andere als selbstverständlich. Europa ist eine Insel der Seeligen, des Friedens, der Freiheit, der Demokratie und des Wohlstands in der Welt. Trotz alledem.

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Kommentare

491 Kommentare Seite 1 von 68 Kommentieren

Friedensnobelpreis für Europa Armee Planungen ?.

Europa:eine unsoziale Währungsunion, die Arbeitnehmer gegeneinander ausspielt und ihr Heil nun in einer eigenen Armee sucht um den heimischen Rüstungssektor zu stärken.Herzlichen Glückwunsch!

"The EU has to act more united in international organizations; e.g. by delivering CFSP statements on behalf of the EU. There is a need to strengthen the Common Security and Defence Policy.We believe that we should in the long term aim for a European Defence Policy with joint efforts regarding the defence industry (e.g. the creation of a single market for armament projects); for some members of the Group this could eventually involve a European army."

http://blogs.telegraph.co...

Trotzden

Wir ollten us alle dazu gratuliren das wir es aus den Jahrhunderten wo eigentlich immer Grösere Kiege in Europa Tobten herraussind und nun in einen Jahrhundert angekommen sind wo unsere Probleme so klein geworden sind das wir sie auf Büssel und die EU schieben können.

Ntürlich ist nicht alles Perfekt, und es hat auch Feindschaft gegeben in der EU, aber im Ganzen gesehen ist es doch einen erstaunlichen Wende das wir nach 2 Weltkrigen und der Zerstörung und den hass den sie hinterliesen und nach 1 kalten Krieg, nun meh oder weniger zusammen leben können und einander nicht mehr versklaven oder auslöschen oder besetzen wollen.

Wenn wir so weiter machen werden wir unsere Problem auch in der Zukunft lösen und zu einer besseren Geselschaft werden. Wer nun sag das die EU zu grosse Probleme hat, der soll sich auf den kalten Krieg und die 2 Weltkrige besinnen, da hatten wir in Europa grosse Probleme.

So würde ich sagen sind wir auf einen guten Weg, wenn auch noch nicht al ziel angekommen.

Für mich unerträglich

Ich emfinde den diffamierenden Stil des Artikels gegenüber Anderdenkenden unerträglich.
Ich halte die Nominierung angesichts der Tatsache, dass in den letzten Jahren die EU zunehmend undemokratischer geworden ist, für deplaziert.
Das Kapital regiert, Parlamente dürfen nur noch abnicken, nicht demokratisch legitimierte Institutionen gewähren sich selber Immunität und wollen Transparenz verweigern.
Wenn es hoch kommt, soll ein kleines Gremium im Geheimen tagen. Ein Mann, 1 Stimme außer Kraft gesetzt, usw.

Das ist der neue Friedensnobelpreisträger

und, bei einer Staatengemeinschaft muss ich das wohl sagen, die jeweiligen Teilnehmer.

Nur kurz die letzten 15 Jahre ungenau reflektiert:

- Kosovo
"...wird...als einer der ersten „humanitären Kriegseinsätze“ bezeichnet und als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen der jugoslawischen Sicherheitskräfte dargestellt. Andererseits erfolgte der Angriff der NATO gegen die souveräne Bundesrepublik Jugoslawien ohne UN-Mandat."
>> http://de.wikipedia.org/w...
>> http://de.wikipedia.org/w...

- Irak
"Der Irakkrieg (auch: Zweiter Irakkrieg oder Dritter Golfkrieg; siehe zur Begriffsklärung „Golfkrieg“) war eine Invasion in den Irak durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ... des Vereinigten Königreichs mit militärischer und politischer Unterstützung verbündeter Staaten, der sogenannten Koalition der Willigen. [...] Der Krieg wurde von der US-Regierung als Prävention eines angeblich vorbereiteten Angriffs des Iraks auf die USA mit Massenvernichtungsmitteln begründet, aber ohne UN-Mandat geführt.
>> http://de.wikipedia.org/w...

- Libyen
"Vertreter des libyschen Übergangsrates versprachen demnach der französischen Regierung bei der Londoner Libyen-Konferenz vom 29. März 2011 35 Prozent der libyschen Ölreserven dafür, dass Frankreich die Rebellen als legitime Vertreter Libyens anerkennt und im Kampf gegen Muammar Gaddafi unterstützt."
>> http://de.wikipedia.org/w...

Bin Ihrer Empfehlung

gefolgt und stelle fest, dass Sie sich in Sachen EU ja ziemlich engagiert äußern und dies nicht auf Bildzeitungsniveau ;). Nichts desto trotz und bei aller Kritik, die ich ja auch durchaus nachvollziehen kann, der besagte Kommentar ist unangebracht. Noch mehr ärgern mich dann allerdings die 'Likes' .

Und nur mal so: Was wäre denn zu diesem Zeitpunkt die Alternative? Zurück zum reinen Nationalstaat?
Bei aller Kritik an der oft undurchschaubaren Europa-Maschinerie, dem Lobbyismus, den Machtspielen einzelner Politiker - die EU ist d i e Chance für unseren Kontinent. Allerdings müssen die Politiker den Bürger nicht nur immer mit 'Pro-Europa-Sprechblasen' abspeisen und ansonsten über ihre Köpfe hinweg entscheiden. Sie haben die Pflicht, Entscheidungen transparenter zu machen, sonst haben sie bald wirklich mehr als ein Imageproblem.

Unreflektierter Freudentaumel? Wo?

Angesichts der Tatsache, dass die Negativ-Kommentare über die Entscheidung des Nobelpreiskomitees bei weitem überwiegen und sich gegenseitig an Polemik und Sarkasmus überbieten, kann man wohl kaum von einem "unreflektierten Freudentaumel" reden. Es sei denn, man hat die Kommentare vorher nicht gelesen.

Als eine Art fiebersenkendes Mittel einfach mal einen Blick hier hinein werfen:

http://verfassungsblog.de...

Ich muss Ihnen leider zustimmen

Der Artikel ist nach dem gleichen Muster gestrickt, wie es in letzter Zeit häufiger hier zu finden ist:

- die berechtigte Kritik an Institutionen, Personen, gesellschaftlichen Entwicklungen wird kurz expliziert, um hiernach mit einer überraschenden Volte zu kontern ("Aber die tiefe Verachtung, die der europäischen Idee heute entgegengebracht wird, ist völlig unangebracht.")

- sodann kündigt sich eine intellektuell tiefgründige Begründung dieser Gegenargumentation an, die beweisen soll, dass die Kritiker sich wie häufig irren und dass sie ihre Kritik eigentlich gegen sich selbts richten ("Ja, sie richtet sich gegen die Kritiker selbst.")

-was folgt ist die einfache, unreflektierte, und vor allem aber: Wiederholte und abgekupferte Aufführung der Gegenposition der Kritiker, welches deren Argumente gebetsmühlenartig wiederholt und dadurch kaum einen Eigenwert hat, geschweige denn die oben angekündigte Volte rechtfertigt.

Sehr geehrter Herr Greven und allen anderen ZEIT-Redakteuren, die sich dieses Musters bedienen:

So sieht kein Qualitätsjournalismus aus, sondern nur ein in 5min heruntergeschriebener Artikel, der Ihnen vielleicht einige Klichzahlen bringen, aber Ihr Klientel nachhaltig enttäuscht.

So einfach ist es nicht

Kollektiv ja, Freudentaumel - wo bitte ? Ich sehe nur Nörgelei, wohlstandsverwöhnte, vielleicht.

Unsachliches und Reflexe auch in Ihren weiteren Kommentaren - die Stabilisierung des europäischen Friedens, Reisefreiheit gehört dazu, ist die Errungenschaft der Europäischen Union.

Es sind nocht nicht einmal alle unter der Erde, die den Krieg noch erlebt haben, und doch scheint man schon alles vergessen zu haben.

Ganz gleich, worauf Sie da anspielen, kollektiver Freudentaumel ist nicht das heutige Problem. Wäre doch auch einfach zu beheben, wenn das jeder durchschnittliche Zeitungsleser durchschaut.

Das aktuelle Problem ist der kollektive (!) Ablehnungsreflex, oder wie auch immer man das nennen will.

Überlegen Sie doch einmal, woran es Ihnen im Moment fehlt.
Das ist Schritt (1). Danach, Schritt (2), stellen Sie die gleiche Überlegung an, jedoch nehmen Sie jetzt an, es wäre nicht 2012, sondern 1945.

Wenn Sie das noch geeignet auflisten, müssen Sie danach, Schritt (3), nur vergleichen, wo mehr steht.
Das ist dann auch noch höchst Zeit-ökonomisch.

Geht fast so schnell, wie so eine Regeung des Kommentar-Reflexes, und ist im Ergebnis gleich viel weniger billig.

Toll!!!

Ich finde den Nobelpreis für die EU toll!
Nach Jahrhunderten von Krieg und Zerstörung in Europa haben wir zumindest in Mitteleuropa seit über 60 Jahren Frieden.
Wir sind schon so daran gewöhnt, dass wir das gar nicht zu würdigen wissen. Außerdem finde ich es super, innerhalb der EU frei zu reisen und fast überall mit dem Euro zu bezahlen.
Gut erinnere ich mich an die Ressentiments zwischen Deutschen und Franzosen noch vor etlichen Jahren. Letztlich traf ich einen Franzosen auf einem anderen Kontinent, der sich freute: "Dann kommen wir ja beide aus dem gleichen Land: Europa!"
Gibt es ein besseres Argument für Europa?

Umtausch!

Auf wessen Kosten...geniessen die EU-Bürger den sogenannten Frieden? Und dies soll "Frieden" sein? Schade dass sie nicht in den Armen Gegend von einem europäischem Land leben, wo die Menschen nicht diesen Luxus haben wie sie....wurden sie Rolle tauschen, würden sie dasselbe behaupten? Nicht zu erwähnen was Kenya durchmacht auf Kosten der EU...Nigeria,Angola etc. Klingt fast so, als ob Hochmut gleichgestellt wird mit Frieden!

Ja, Sie sagen es...

... manches ist erschreckenderweise menschlich sehr simpel gestrickt:

so dürften sich vornehmlich die über "ihren" Preis freuen, die Wohlstand mit Frieden und Gerechtigkeit verbinden, dass unser Wohlstand unfriedlich und ungerecht aus den armen Regionen der Erde stammt ist nur marginal, denn im Glanze so eines Preises lassen sich die Leute gerne blenden, wer nennt sich nicht selbst gerne Friedensnobelpreisträger?

Da wird auch nicht davor zurück geschreckt, statt diesen gerade ausgezeichneten Prozess des Friedens und des Wohlstandes SELBST voranzubringen... den anderen "Unzufriedenen" gewisse Denke vorzuwerfen. So wird auch der Humanist plötzlich zum Europa- und damit Friedensfeind, und der Selbstgerechte darf sich selbst loben.

Shakespeare hätte es nicht tragikomischerweise verwursten können.

Herr Greven

Hier befinden sich unter den Kritikern fast nie Leute, die gegen den Europäischen Gedanken sind, so wie er mal ursprünglich gedacht wurde.

Zu ca. 99% handelt es sich um Leute wie mich, die es einfach nicht vertretbar finden, dass der europäische Grundgedanke zur Bereicherung weniger geführt hat.
Das Klientel, dass Sie und die Zeit so eifrig vertreten.

Das wissen Sie aber alles schon, nicht war Herr Greven?
Und wir wissen das auch.
Denken Sie aber ruhig in der ein oder anderen Minute mal daran, wieviel Arbeitslosigkeit, Hunger, Tod und Elend dieses Handeln auf der Welt mit sich gebracht hat, wenn Sie nicht schon so voreingenommen sind, dass Sie das nicht mehr können.

Das Elend der Welt liegt nicht an der EU

Nein, nicht die EU regiert die Welt und verursacht all die Dinge, von denen Sie schreiben. Das liegt an unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der Entfesselung der Märkte, die in den vergangenen 15 Jahren leider von maßgeblichen Politikern betrieben wurde - in den einzelnen Nationalstaaten und über sie auch in der EU. Die politische Kontrolle über die Wirtschaft und Märkte zurückgewinnen können wir aber nur im europäischen Verbund und gemeinsam mit anderen Akteuren der Welt. Die einzelnen Staaten, selbst Deutschland können das nicht.
Außerdem vertrete weder ich noch die ZEIT ein bestimmtes, "reiches" Klientel. Ich schreibe einzig und allein meine persönliche Ansicht. Reiche brauchen die EU nicht, die setzen ihre Interessen auch so durch! All die anderen benötigen dringend politische Akteure, die ihre Interessen auch gegen wirtschaftlich Mächtige durchsetzen. Und das kann heute - s.o. - wenn überhaupt nur noch ein Zusammenschluss der einzelnen europ. Länder.

@L. Greven / Zu Herr Grevens letztem Kommentar:

Da bleibt einem fast der Atem stocken? Was denken Sie, woher unser Sprit, unsere Nahrung, unsere Kleidung stammt? Glauben Sie, das ist alles made in Europe?

Was denken Sie, womit in Krisengebieten geschossen wird? Nur mit amerikanischen oder chinesischen Waffen?

Sagt Ihnen der Begriff Elfenbeinturm etwas?

Und noch was zum Kommentar, auf den Sie sich beziehen: der Leser schreibt ausdrücklich, dass die ZEIT doch eigentlich uns, die Mittelschicht oder das Bürgertum vertritt und die "einfachen" Arbeiter, jedenfalls tut sie so, aber wo bleiben denn dann die Artikel der ZEIT über unsere Reallohnverluste, über die Korruption in Brüssel, über die Mauscheleien der EZB, wo bleiben die Informationen, wo das ganze Geld denn hinfliesst, was aus den Sozialkassen genommen wird?

Ist Ihnen das zu heikel? Während Sie auf die angeblichen Spötter herabblicken und sie zu Nationalisten machen, während sie in Wahrheit die Humanität der EU anzweifeln.

Sie haben in einem Kommentar gefordert jeder solle was die EU (Europa) tun... fangen Sie damit an, Sie haben mehr Macht als ich, der sich nur durch lokales Engagement einbringen kann. Fangen Sie und Ihre Zeitung an ehrlich zu sein und ihre kritischen Leser nicht abzustempeln, denn es sind scheinbar die Letzten, die sich noch die Mühe machen dieses EU-Monstrum mit seinen hochbezahlten Akteuren der Hinterzimmer zu hinterfragen.

Danke!

"EU-Monstrum"

Die EU ist kein abstraktes Wesen. Sie besteht aus handelnden Menschen, Politikern, Beamten. Die ZEIT, ZEIT ONLINE und auch ich selber verfolgen deren Wirken stets sehr kritisch, mit jeweils unterschiedlichen Sichtweisen, da kein Redakteur hier auf eine bestimmte Position festgelegt ist. Das nennt man innere Pressefreiheit. Deshalb "vertritt" DIE ZEIT auch keine bestimmte Position oder Interessengruppe.
Und ich nehme Leser immer ernst. Deshalb lese ich, wann immer ich kann, sorgfältig User-Kommentare und beteilige mich - wie hier mehrfach - an der User-Debatte. Denn dadurch erfahre ich eine Menge, wie "einfache" Menschen denken und fühlen, was sie bedrückt und woran Sie Kritik üben. Und das versuche ich, in meinen folgenden Texten zu berücksichtigen. Dieser Kommentar als Ausgangspunkt dieser User-Debatte ist ja nichts anderes als eine Antwort auf vorhergehen User-Kommentare, Tweeds, Blog-Einträge zu der Nobelpreis-Entscheidung. Aber natürlich darf ich als Journalist meine eigene Ansicht vertreten, so wie jeder Leser/User in einem Kommentaren. Wenn diese Ansicht einigen oder vielen nicht gefällt und er dagegen wiederum anschreibt, ist das doch genau das, was Meinungsfreiheit in unserem Land und in Europa ausmacht.
Deshalb: Diskussion und Meinungsstreit immer! Aber keine Polemik, keine Unterstellungen und bitte, bitte auch keine Verschwörungstheorien. Denn die lenken stets nur von den wahren Problemen ab.

Dann hätte ich gerne Beispiele d. Demokratie der EU Herr Greven!

Soweit ich weiß, kann ich weder die Europa-Redner, noch den Präsidenten Barroso wählen. Genauso wenig kann ich entscheiden, wen die Parteien dorthin schicken. Ich kann auch nicht wählen, ob die Richtlinien für ein bestimmtes Saatgut vernünftig sind oder doch nicht ehr den Kleinbauern schaden. Ich kann auch nicht regeln, als ein Teilnehmer der EU, ob ich dafür bin die Maastrichter Kriterien zu brechen und fortan eine Schuldenunion einzuführen. Ich habe auch keine Entscheidungsmöglichkeiten über Agrarsubventionen oder EU-Abgeordneten-Gehälter. Ferner habe ich auch keine Legimitation, mehr Transparenz in Brüssel zu fordern (dass die dort mangelt beweisen immer wieder mutige Formate auf arte. ZDF oder ARD oder 3sat).

Das einzige, was ich machen kann ist in Abständen ein Häkchen zu machen über EU-Abgeordnete.

Also unterstellen Sie mir hier nicht Polemik, sondern machen sich mal Gedanken, warum die EU so abgelehnt wird! Weil wir inziwschen allzu stark unter ihren unzähligen Geburtsfehlern leiden und darunter, dass es immer nur ums Geld geht. Oder hören Sie mal die Rede des Preisträgers des Deutschen Buchhandels an, der endlich mal die Wahrheit sagt.

Und zu Ihrer Theorie der einfachen Leute: ich in Biologe mit Zusatzausbildung und spreche 3 Sprachen... das dürfte für viele ZEIT-Leser auch zutreffen. Die sind also nicht ungebildet oder Stammtischredner, die gehen nur mit offenen Augen durch die Welt.

Bitte?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie dieser I love Wolfgang Schäuble Kommentar der Zeit, wo er fast schon vergöttert wurde?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie die (gefühlten) eine Millionen Vergötterungsschreiben an die Merkelregierung, der mal ein bis zwei kritische (meist Gast)Beiträge gegenüber stehen?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie das Linken und Piratenbashing?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie die gleichgeschalteten (Regierungs)Meldungen die auf anderen Portalen im beinahe selben Wortlaut, nur mit leicht veränderten Bildern veröffentlicht werden?

Giovanni di Lorenzo ist als Steigbügelhalter von Herrn zu Guttenberg berühmt geworden, da er eben keine kritischen Fragen stellte.
Ähnlich wurde hier mit Herrn Wullf vorgegangen.

Wenn man fragt, warum Herr Steinbrück beim Bilderbergtreffen war, ohne eine Verschwörungstheorie dabei zu stellen, wird sogar gleich Kommentarlos gelöscht.
Wem wollen Sie hier also was erzählen?

Wenn ich Freunden gegenüber erwähne, dass ich die Zeit lese, bekomme ich solche Kommentare wie "Wozu?" "Also ich habe kein Interesse mich über die aktuelle Meinung von Frau Merkel zu informieren".
Diese Meinung über die Zeit kommt nicht von ungefair.
Ich lese Sie ja auch nur um die wirklichen Antworten im Kommentarbereich zu finden.

Wenn das bei Ihnen persönlich anders ist Herr Greven, begrüße ich das sehr, aber die Zeitung bei der Sie arbeiten ist nach der Bild die Lobbyzeitung nummer 1.

Bitte?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie dieser I love Wolfgang Schäuble Kommentar der Zeit, wo er fast schon vergöttert wurde?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie die (gefühlten) eine Millionen Vergötterungsschreiben an die Merkelregierung, der mal ein bis zwei kritische (meist Gast)Beiträge gegenüber stehen?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie das Linken und Piratenbashing?

So kritisch mit unterschiedlichen Sichtweisen wie die gleichgeschalteten (Regierungs)Meldungen die auf anderen Portalen im beinahe selben Wortlaut, nur mit leicht veränderten Bildern veröffentlicht werden?

Giovanni di Lorenzo ist als Steigbügelhalter von Herrn zu Guttenberg berühmt geworden, da er eben keine kritischen Fragen stellte.
Ähnlich wurde hier mit Herrn Wullf vorgegangen.

Wenn man fragt, warum Herr Steinbrück beim Bilderbergtreffen war, ohne eine Verschwörungstheorie dabei zu stellen, wird sogar gleich Kommentarlos gelöscht.
Wem wollen Sie hier also was erzählen?

Wenn ich Freunden gegenüber erwähne, dass ich die Zeit lese, bekomme ich solche Kommentare wie "Wozu?" "Also ich habe kein Interesse mich über die aktuelle Meinung von Frau Merkel zu informieren".
Diese Meinung über die Zeit kommt nicht von ungefair.
Ich lese Sie ja auch nur um die wirklichen Antworten im Kommentarbereich zu finden.

Wenn das bei Ihnen persönlich anders ist Herr Greven, begrüße ich das sehr, aber die Zeitung bei der Sie arbeiten ist nach der Bild die Lobbyzeitung nummer 1.

"Einfache Leute"

Es spielt gar keine Rolle, ob jemand reich oder arm, Arbeiter/Angestellter, Unternehmer oder arbeitslos ist: Jeder, der einen deutschen Pass besitzt, ist ein Bürger, sogar doppelt: deutscher Staatsbürger und EU-Bürger, und kann und sollte sich zu Wort melden. Für oder wider die EU, das ist jedermanns Recht.
Ich nehme dieses Recht als Journalist auch für mich in Anspruch. Ich habe aber eben eine andere Meinung als viele, die sich hier zu Wort melden. Deswegen lebe ich jedoch nicht in einem Wolkenkuckucksheim.

Die mangelnde Demokratie in der EU

kritisiere ich genauso wie Sie und viele der User, die sich hier zu Wort melden. Vgl: http://www.zeit.de/politi...

Dass das Europäische Parlament bislang leider viel zu wenig Macht und Einfluss hat und damit wir als Bürger, ist ein schwerer Konstruktionsfehler. Aber den sollte man nicht beseitigen, in dem man die europäische Integration zurückfährt, sondern in dem man die EU demokratisiert, also sich emsig an den Europawahlen beteiligt und darauf hinwirkt, dass die EU-Abgeordneten die gleichen Recht bekommen wie die Bundestagsabgeordneten. Nämlich die Regierung (also die EU-Kommission) zu wählen, den Haushalt zu beschließen und selber Gesetze einbringen zu können. Das alles dürfen sie bisher nicht. Das muss anders werden!

Barroso, der Unterzeichner des Washingon Post Artikels

"United we stand" vom Dezember 2002 muss unbedingt den Preis entgegennehmen - und er muss in seiner Rede begründen, warum er damals für diesen völkerrechtswidrigen, durch falsche Daten über nicht vorhandene Massenvernichtungswaffren vor der UNO begründeten Angriffskrieg gewesen ist

zum Thema Hohn, Spott, Zorn

Gehebelter Friedensnobelpreis

Damit der Friedens-Nobelpreis nicht ganz im Satireloch verschwindet, wird er von den EU-Patronaten gehebelt (Genügend Erfahrung hat man bereits in Sachen ESM gesammelt).

Schlagen allerdings die Selbstbeweihräucherungsversuche fehl, wird außer Lothar Matthäus und Guido Westerwelle niemand mehr einen Friedensnobelpreis annehmen.