Auf ihrem zweitägigen Gipfeltreffen in Brüssel wollen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union weitere Strategien gegen die Euro-Krise erarbeiten. Auf der Agenda des Gipfels stehen die Pläne der EU-Spitze um Ratspräsident Herman Van Rompuy für den Umbau der Wirtschafts- und Währungsunion. Doch unmittelbar vor dem Zusammentreffen sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande auf Konfrontationskurs gegangen.

Hollande forderte eine Entscheidung zur umstrittenen Bankenaufsicht und erinnerte Merkel an die gemeinsame Verantwortung für die Euro-Zone und die entsprechende Entscheidung vom Juni. Die Kanzlerin sagte hingegen, auf diesem Gipfel werde es keine Entscheidungen geben. Das Treffen sei eine Zwischenetappe und diene dazu, die richtigen Weichen zu stellen.

Hollande mutmaßte zudem öffentlich, Merkels derzeitige Politik sei vom Bundestagswahlkampf geprägt: "Wir haben eine Wahl im Mai hinter uns, Frau Merkel hat ihr eigenes Datum im September 2013. Ich kann diesen Unterschied im Kalender verstehen – aber Deutschland und Frankreich haben eine gemeinsame Verantwortung, die darin besteht, die Euro-Zone aus der Krise herauszubringen", sagte Hollande. Dies sei fast geschafft. "Und um ganz sicher zu sein, ist es das Beste, die Entscheidungen zu respektieren, die wir gemeinsam getroffen haben."

Kein Gipfelthema sei für Hollande dagegen eine stärkere Überwachung nationaler Haushalte und die dazu von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gemachten Vorschläge . Thema des Rats sei die Banken-, nicht die Haushaltsunion, sagte er.

Merkel dagegen unterstützte Schäubles Forderung nach umfassenden Eingriffsrechten für den EU-Währungskommissar in ihrer Regierungserklärung zum Gipfel . Dieser Währungskommissar solle die Macht bekommen, nationale "Haushalte für ungültig erklären" zu können. Die Kanzlerin lehnte weiter die von Hollande unterstützte Idee ab, Schulden in der Euro-Zone in Form gemeinsamer Schuldscheine zu vergemeinschaften. Dies sei ein "ökonomischen Irrweg".

Angesichts der Differenzen sahen Merkel und Hollande offenbar dringenden Gesprächsbedarf. Sie vereinbarten kurzfristig, sich vor Gipfelbeginn zu treffen. Grundsätzlich einig waren sich beide in der Frage, der Euro-Zone ein gesondertes Budget zu geben, um gezielt Reformen in Euro-Ländern zu unterstützen. Der Umfang dieser sogenannten Fiskalkapazität ist aber umstritten.