Das Nobelkomitee in Oslo hat den Friedensnobelpreis in diesem Jahr an die EU vergeben. Die EU habe dabei geholfen, Frieden und die Demokratie in Europa voranzubringen, begründete das Norwegische Nobelkomitees in Oslo seine Entscheidung. Die Gemeinschaft stehe für "Brüderlichkeit zwischen den Nationen".

Zugleich verwies das Nobelpreiskomitee auf "tiefe wirtschaftliche Schwierigkeiten und beachtliche soziale Unruhen", mit denen die EU zurzeit zu kämpfen habe. Doch solle der Nobelpreis das Augenmerk auf das wichtigste Ergebnis legen: den erfolgreichen Kampf für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte. "Die stabilisierende Rolle der Europäischen Union hat dazu beigetragen, ein ehemals zerrissenes Europa von einem Kontinent des Krieges in einen Kontinent des Friedens zu verwandeln", sagte der Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, Thorbjörn Jagland .

Das Komitee aus fünf Mitgliedern hob in seiner Begründung auch die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg als herausragendes Ergebnis der europäischen Integration heraus. Beide Länder seien in drei Kriegen gegeneinander verwickelt gewesen. "Heute ist Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar", hieß es weiter.

Musterbeispiel für friedliches Zusammenleben

Die Europäische Union bemüht sich seit Jahren auch außerhalb der eigenen Grenzen um die Verhinderung und Entschärfung von Konflikten. Die EU ist gemeinsam mit Russland , den USA und den Vereinten Nationen Mitglied des Nahost-Quartetts. Die EU sucht besonders enge Beziehungen zu den nordafrikanischen und den osteuropäischen Staaten. In vielen Fällen finanziert die EU Projekte zur Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem für junge Menschen. Zur Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) gehört eine Reihe von zivilen und militärischen Einsätzen in Krisenregionen.

Die EU war schon mehrfach als Kandidatin für die Auszeichnung gehandelt worden. Die europäische Integration gilt als Musterbeispiel der friedlichen Zusammenarbeit von Staaten und als "erfolgreiches Friedensprojekt" nach dem Zweiten Weltkrieg. In der aktuellen Euro-Krise ist die Auszeichnung ein wichtiges Zeichen.

Die Entscheidung war bereits eine Stunde vorher bekannt geworden. Der gewöhnlich gut informierte Osloer Rundfunksender NRK hatte darüber berichtet. Bereits am Vorabend hatten sich Spekulationen verbreitet, wonach die EU mit dem weltweit hoch geachteten Preis ausgezeichnet werden soll. Der Komiteechef und norwegische Ex-Regierungschef Thorbjörn Jagland sowie der Direktor des Nobelinstitutes, Geir Lundestad, gelten seit mehreren Jahren als Verfechter der Vergabe an die EU. Allerdings ist das Komitee nach einem Parteienproporz zusammengesetzt, der auch zwei EU-kritische Parteien berücksichtigt.

Enttäuschung in Russland

Im Vorfeld war auch die russische Menschenrechtsorganisation Memorial und deren inzwischen 70-jährige Mitgründerin Swetlana Gannuschkina als möglicher Preisträger gehandelt worden. Umso größer war die Enttäuschung in Russland. "Das Nobelpreis-Komitee hat die Chance verpasst, eine Rolle bei der Stärkung der Menschenrechte in Russland zu spielen", sagte die russische Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa, die selbst zum erweiterten Kreis der Favoriten gezählt worden war.

Die EU ist dabei nicht die erste Organisation, die mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird. Bereits dreimal – 1917, 1944 und 1963 – erhielt die Auszeichnung das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Die Vereinten Nationen erhielten den Nobelpreis im Jahr 2000, nachdem zuvor bereits mehrere UN-Unterorganisationen ausgezeichnet worden waren. Ebenfalls den Friedensnobelpreis erhielten Amnesty International, der Weltklimarat (IPCC) sowie Ärzte ohne Grenzen.

Im vergangenen Jahr wurden drei Frauen ausgezeichnet. Die Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen teilte sich den Preis mit der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und Leymah Gbowee , ebenfalls aus Liberia.

Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert. Überreicht wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag von Stifter Alfred Nobel . Dieser hatte einst in seinem Testament verfügt, dass derjenige mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden soll, der im jeweils vorausgegangenen Jahr am meisten für den Frieden getan hat.