Fotostrecke Guantánamo : Zensierte Bilder vom verbotenen Ort

Handschellen, Assietten-Menüs zwischen Gittern: So sieht es im US-Gefangenenlager Guantánamo heute aus. Fotos von einem Ort der Welt, den es nicht mehr geben dürfte.

Paolo Pellegrin fotografierte für das ZEITmagazin im US-Gefangenenlager Guantánamo. Gemeinsam mit Journalist Tim Golden bereiste er den Ort, den Obama eigentlich abschaffen wollte. Drei Jahre nach dem Versprechen des amerikanischen Präsidenten werden in Guantánamo immer noch Terrorverdächtige ohne Anklage festgehalten. Die Regierung zensiert, was von hier nach außen dringt: Pellegrin musste ein Drittel seiner Fotos löschen, jedes der hier veröffentlichten Bilder wurde vom militärischen Pressebüro des Lagers kontrolliert.

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

zweifelhaft, zweifelhaft

den sinn derartiger bilder kann man schon anzweifeln. anfang und ende lassen zwar schon ein wenig schlucken aber der rest der bilder ist doch pr-material. die dargestellte normalität mit büchern, computer und essen nach wahl findet keinen gegensatz in den fotos. nirgendwo himmelschreiende ungerechtigkeit, bestenfalls befremdlicher gefängnispragmatismus. keinen vorwurf an den fotografen, doch mit der veröffentlichung der bilder wird ein wenig am konstrukt "guantánamo ist normal und gehört eben zur heutigen zeit" weitergebaut, wo es doch eigentlich darum gehen müsste jenes mit allen mitteln abzureißen; den zynismus dahinter augenscheinlich werden lassen.

@Nr.1, Sie schreiben:

"... die dargestellte normalität mit büchern, computer und essen nach wahl findet keinen gegensatz in den fotos. nirgendwo himmelschreiende ungerechtigkeit, bestenfalls ..."

Mir läuft da eher ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich mir die Bilder anschaue. Das Gefühl von "Normalität" angesichts der Unmengen von Stacheldraht, käfigartigen Verschlägen und Zwangsernährung will einfach nicht aufkommen.

Und bedenken Sie, dass dieses nur die Bilder sind, die die Zensur passiert haben. Die andere Hälfte durfte der Photograph ja gar nicht veröffentlichen.

@Nr. 6 da haben sie recht, aber:

das wollte ich mit "gefängnispragmatismus" andeuten. wenn man argumentiert, "das sind gefährliche fanatische verbrecher, da müssen wir eben sichern und zwangsernähern - geht nicht anders", sind die bilder nicht mehr so gruselig. oder vielleicht bin auch etwas abstumpfter - man weiß es nicht.
in jedem falle ist aus meiner sicht mehr der sache des gefängnisses gedient: lesen, lernen, essenswahl, religiöse toleranz ("haha - lustiger fakt - die schwärzen ja frauen"). daher hätte ich die fotos gar nicht veröffentlicht. den verschimmelten apfel sollte man schon versuchen ganz abzulichten - nicht nur die halbwegs annehmbare stelle.

Ein Unterschied zwischen Folterlagern in ...

... den "zivilisierten" Ländern und denen der 3. Welt ist der, dass sie in ersteren bedenkenlos vom Fußboden essen können.

Ein anderer ist, das in der Welt der "zivilisierten" Menschen streng verregelt, nach Bürokraten-Vorschrift gequält wird, während das anderswo einem Akt der ungeplanten Willkür gleicht.

Die USA haben Ihre

Vorstellung des Begriffes Freiheit für alle Welt sichtbar nun materialisiert. Ergänzend wurden Folter, Entführung Verschleppung und unbegrenzte Festsetzung und töten auf Verdacht legalisiert. Bis heute gibt es auf diese Gesetzte seitens keinem europäishcen Land weder eine Reaktion, noch Protest noch Kritik. Medien feiern die USA weiterhin als den Messias, der die Welt vor Terror schützt. Es ist als würde man dem Großinquisitor die Fakel für die Hexenverbrennung reichen. Wieder muss man sich schämen Deutscher zu sein - wie oft noch?

by the way...

... es sei auch an die "Inlands-Guantanamos" der USA erinnert, in denen US-Staatsbürger, in ihren Grundrechten stark eingeschränkt, inhaftiert sind:
http://www.greenisthenewr...

Diese "Communication Managment Units" sind leider im Schatten von GTMO ziemlich unbekannt geblieben.
Hochsicherheitsgefängnisse für die ganz gefährlichen "Terroristen", wie Medikamenteschmuggler, Tierrechtsakivisten, oder die armen Schweine, die FBI & Co zu Straftaten anstifteten um "in letzter Sekunde" medienwirksam eine Anschlag von Islamisten vereiteln zu können...