Libyen Schonung für Assad, Tod für Gaddafi
Die Nato fand Gaddafi, weil Syriens Geheimdienst die Telefonnummer des Diktators an Frankreich gab, berichten Medien. Im Gegenzug habe man Assad eine Schonfrist gewährt.
© Filippo Monteforte/dpa

Der ehemalige libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi (Archivbild)
Wochenlang war über seinen Aufenthaltsort gerätselt worden. Mal wollten Augenzeugen Muammar Gaddafis Konvoi in der Grenzregion zu Algerien gesichtet haben, mal auf dem Weg durch die unendlichen Weiten der libyschen Wüste in Richtung Niger. In Wirklichkeit jedoch hatte sich "Bruder Führer" nach dem Fall von Tripolis am 20. August 2011 in seine Geburtsstadt Sirte geflüchtet.
Alle drei, vier Tage wechselten der Despot und seine zwei Dutzend Getreue ihr Versteck, der 69-Jährige schwankend zwischen Wutausbrüchen und Depression, ständig in panischer Angst vor Luftangriffen der Nato. Unterschlupf fanden sie in verlassenen Häusern, meist ohne Strom, Fernsehen und Radio. Als einzige Verbindung zur Außenwelt blieb Gaddafi ein Satellitentelefon, mit dem er über den irakisch-syrischen TV-Sender Arrai in Damaskus seine Durchhalteparolen verbreitete.
Telefonnummer im Tausch gegen Schonfrist
Und dessen Nummer wurde, so jedenfalls berichtet jetzt der britische Daily Telegraph, vom syrischen Geheimdienst an französische Agenten weitergereicht – "ein außergewöhnlicher Verrat eines nahöstlichen Diktators durch einen anderen". Als Gegenleistung, so zitiert die Zeitung den ehemaligen Geheimdienstchef der libyschen Übergangsregierung, Rami El-Obeidi, habe Bashar al-Assad für sich und sein Regime im Kampf gegen die Massendemonstrationen und die Freie Syrische Armee von Paris eine politische Schonfrist verlangt und zugesichert bekommen.
In Libyen ging laut Daily Telegraph dann alles sehr schnell. Das Satellitenhandy wurde geortet, als Gaddafi mit seinen letzten Getreuen telefonierte – Yusuf Shakir und Ahmed Jibril, einem radikalen Palästinenser, der in Syrien lebt. Am 20. Oktober 2011 gegen acht Uhr vormittags verriet die Satelliten-Peilung die Flucht des Diktators aus der Stadt, eine halbe Stunde später wurde sein Konvoi von Nato-Jets bombardiert.
Beteiligung französischer Agenten
Mindestens ein ausländischer Agent, "höchstwahrscheinlich ein Franzose“, sei vor Ort an dem Hinterhalt beteiligt gewesen, meldete ergänzend die italienische Zeitung Corriere della Sera unter Berufung auf westliche Diplomaten in Tripolis. Die Rebellenkämpfer seien gezielt zu dem Fluchtweg von Gaddafis Konvoi dirigiert worden, sagte der Ex-Geheimdienstchef der Rebellen, Rami El-Obeidi. "Französische Agenten spielten eine direkte Rolle bei dem Tod Gaddafis, inklusive seiner Ermordung.“
Dagegen lautet die offizielle Version der Nato bisher, der ungewöhnlich große Konvoi Gaddafis sei bei seiner Flucht aus Sirte zufällig von einem Aufklärungsflugzeug entdeckt worden. Der Rest ist bekannt: Durch den Nato-Beschuss gingen in Gaddafis grünem Toyota-Geländewagen die Airbags los. Der Diktator flüchtete zu Fuß weiter und versteckte sich mit seiner vergoldeten Pistole in einem Regenwasserrohr, was unter der Straße durchführte. Dort wurde er von Rebellen geschnappt, verprügelt und anschließend auf dem Weg nach Misrata durch zwei Kopfschüsse getötet.
- Datum 03.10.2012 - 15:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 33
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Um Assad zum Rücktritt aufzufordern bedarf es keine Schonfrist die Schonzeit wurde schon überschritten! Sicherlich eine Intervention ist eine andere Sache aber eine Rücktrittsforderung per Resolution wäre das Mindeste was der Sicherheitsrat machen kann wenn er seiner Arbeit nachkommen will. Aber anscheinend stellt man politische Beziehungen und Abmachungen über Menschenleben!!!
Wir hier im Westen werden auch nur hingehalten da es sich niemand mit den Partner Russland versauen will und nur nett an der Tür geklopft wird! Wer nennt den Verantwortlichen für das Weitere Morden und zwar Russland schon beim Namen? Stattdessen müssen sich die Staaten die einen Rücktritt(zurecht) forden die Verantwortung von Russland zuschieben lassen!!
Die Politik Sicherheitsrat und Weltgemeinschaft kann man vergessen wenn sie nicht einmal geschlossen gegen so einen Konflikt etwas unternehmen können und Assad weitermachen lässt wie wenn nie etwas gewesen wäre! Traurig!
Auch ist es Traurig das man sich hier von Assadloyalen zurechtweisen muss und nur wenig politisches Interesse zu diesen Themen in der Bevölkerung besteht.
...funktionieren. Ich glaube nicht, dass man mit den Telefonsatelliten ein Telefon mit bestimmter Nummer GPS-vergleichbar triangulieren kann. Abhören, ja. Vermutlich kann man einen Aufenthaltsort regional eingrenzen. Wenn das Telefon nonstop online wäre, vielleicht noch etwas genauer. Mehr aber nicht.
Wenn der französischer Geheimdienst vor Ort war, ist das für die Entdeckung und Bombardierung vermutlich Begründung genug.
Man braucht nur das Signal auf anderen Satelliten messen und hat drei werte.
Man braucht nur das Signal auf anderen Satelliten messen und hat drei werte.
Was bei Version natürlich stinkt, ist ein Stillhalteabkommen mit Syrien. Warum sollte man sich daran halten, nachdem man das vorrangige Ziel erreicht hat?
Verräter zu belügen und für ihren Verrat zu bestrafen, hat auch eine lange Tradition unter den Mächtigen. Immerhin macht das den eigenen Leuten klar, was man von Verrat hält.
Sollte sich die NATO tatsächlich an ein solches Versprechen gehalten haben, wäre das für mich ein beuruhigendes Zeichen. Die Dimension der gegenseitigen Vorteile steht in keinem vernünftigen Verhältnis, wenn man das Regime in Syrien für so stürzenswert hält, wie öffentlich behauptet.
Kai Hamann
Das Aufkommen dieser Information, zeigt doch mal wieder besonders deutlich woher der Wind weht, es unterstreicht nur das was Denkende Menschen schon seit einiger Zeit vermuten.
Desweiteren kann man diese Tatsache wohl auch als Beweis dafür verwenden, dass Sarkozy und co. es keines Wegs um das Wohle einer Landesbevölkerung ging/geht, wenn sie im selben Atemzug, sich gegen das Wohl einer Anderen entscheiden.
Und anscheinend haben westliche Geheimdienste besonders effektive Strategien entwickelt, große Teile einer Bevölkerung eines Landes nach Ihren wünschen zulenken, vielleicht mit Hilfe von "sozialen" Netzwerken??!
glaubwürdiger scheint mir da immer noch folgende Version zu sein, auch wenn der BND dies nat. sofort dementiert hat. ;)
http://www.spiegel.de/pol...
Gaddafi hat ein paar Hundert Unschuldige Menschen bei dem Anschlag auf die Pan Am Maschine über Lockerbie töten lassen.
Beim Anschlag auf die Berliner Diskothek "La Belle" war er Gott/Allah sei Dank nicht ganz so erfolgreich, aber immer noch tödlich.
Gaddafi zelebrierte öffentliche Hinrichtungen seiner Gegner.
Gut, dass es ihn nicht mehr gibt.
Der Rest ist mir ehrlich gesagt egal...
Aber sicher, wenn wir (Sie und ich? Oder wer noch? Also ich auf jeden Fall, bitte) wissen, daß es böse ist - weg damit. Wozu Recht und Gesetze, Gerichte und Abwägungen? Das ist teuer, langsam und geht hin und wieder schief.
Der Rest, der egal ist, sind dann so ca. 2500 Jahre Kultur: Gerechtigkeit statt Rache, Vertragstreue, solche Sachen eben. Dumm nur, wenn es andersrum kommt und im arabischen Raum jemand schreit: Die sind böse, wo ist meine Waffe ...
Th. R.
Gekürzt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen. Danke, die Redaktion/jz
...war dennoch hoch. Ich finde das mit der Schonfrist ehrlich gesagt ziemlich dreist vom franz. Geheimdienst, vor allem verbunden mit der Tatsache, dass die Öffentlichkeit 1 Jahr später davon erfährt.
aber doch nun auch fast so tödlich wie Gaddafi. Er ist eher der ruhige besonnene Typ weshalb ich ihn nicht für so kaltblütig halte trotzdem trägt Assad als Staatschef eine Verantwortung und sollte nach all den Toten zurücktretten da es in seiner Situation das einzige Verantwortliche Handeln sein kann.
Ich denke das Assad auf einer Seite gerne zurücktreten würde wenn es der Sicherheitsrat bindent fordern würde um den Frieden wiederherzustellen(driftiger Grund) so glaubt er wohl der Verantwortung im eigenen Land nachkommen zu müssen was in der Bekämpfung des bewaffneten Wiederstands liegt. Leider hat Russland das Ruder in der Hand und fährt eine eigene Interessenpolitik. Wahrscheinlich möchten sie die Region selbst gestalten und scheut die Toten in Syrien nicht.
Keine Ahnung wie das andere hier sehen? Das ist zumindest mein Eindruck von der Lage.
La Belle
http://www.spiegel.de/spi...
auf jeden Fall hat Amerika diesen Vorfall genutzt,
um Lybien zu bombardieren
http://de.wikipedia.org/w...
Lockerbie
http://www.youtube.com/wa...
Hauptsache, gut gebrüllt
Aber sicher, wenn wir (Sie und ich? Oder wer noch? Also ich auf jeden Fall, bitte) wissen, daß es böse ist - weg damit. Wozu Recht und Gesetze, Gerichte und Abwägungen? Das ist teuer, langsam und geht hin und wieder schief.
Der Rest, der egal ist, sind dann so ca. 2500 Jahre Kultur: Gerechtigkeit statt Rache, Vertragstreue, solche Sachen eben. Dumm nur, wenn es andersrum kommt und im arabischen Raum jemand schreit: Die sind böse, wo ist meine Waffe ...
Th. R.
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...war dennoch hoch. Ich finde das mit der Schonfrist ehrlich gesagt ziemlich dreist vom franz. Geheimdienst, vor allem verbunden mit der Tatsache, dass die Öffentlichkeit 1 Jahr später davon erfährt.
aber doch nun auch fast so tödlich wie Gaddafi. Er ist eher der ruhige besonnene Typ weshalb ich ihn nicht für so kaltblütig halte trotzdem trägt Assad als Staatschef eine Verantwortung und sollte nach all den Toten zurücktretten da es in seiner Situation das einzige Verantwortliche Handeln sein kann.
Ich denke das Assad auf einer Seite gerne zurücktreten würde wenn es der Sicherheitsrat bindent fordern würde um den Frieden wiederherzustellen(driftiger Grund) so glaubt er wohl der Verantwortung im eigenen Land nachkommen zu müssen was in der Bekämpfung des bewaffneten Wiederstands liegt. Leider hat Russland das Ruder in der Hand und fährt eine eigene Interessenpolitik. Wahrscheinlich möchten sie die Region selbst gestalten und scheut die Toten in Syrien nicht.
Keine Ahnung wie das andere hier sehen? Das ist zumindest mein Eindruck von der Lage.
La Belle
http://www.spiegel.de/spi...
auf jeden Fall hat Amerika diesen Vorfall genutzt,
um Lybien zu bombardieren
http://de.wikipedia.org/w...
Lockerbie
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Hauptsache, gut gebrüllt
Aber sicher, wenn wir (Sie und ich? Oder wer noch? Also ich auf jeden Fall, bitte) wissen, daß es böse ist - weg damit. Wozu Recht und Gesetze, Gerichte und Abwägungen? Das ist teuer, langsam und geht hin und wieder schief.
Der Rest, der egal ist, sind dann so ca. 2500 Jahre Kultur: Gerechtigkeit statt Rache, Vertragstreue, solche Sachen eben. Dumm nur, wenn es andersrum kommt und im arabischen Raum jemand schreit: Die sind böse, wo ist meine Waffe ...
Th. R.
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Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/kvk
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