Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani läuft mit Hamas-Führer Ismail Hanija über die Grenze von Ägypten in den Gazastreifen. © Mohammed Abed/Pool/Reuters

Der Emir von Katar hat als erstes Staatsoberhaupt seit der Machtergreifung der radikalislamischen Hamas vor fünf Jahren den Gazastreifen besucht. Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani wurde in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer begeistert empfangen.

Hamas-Führer Ismail Hanija begrüßte den Gast aus dem reichen Golfstaat am Grenzübergang Rafah nach Ägypten ; gemeinsam schritten beide feierlich über einen roten Teppich. Der Emir, der mit seiner Ehefrau Scheicha Mosa und einer Delegation seines Landes kam, weihte bei seinem mehrstündigen Aufenthalt mehrere Hilfsprojekte im Gazastreifen ein.

Die Hamas triumphiert ob des Besuchs und wertete die Visite als ein Ende ihrer politischen Isolation. Der Besuch des Emirs sei ein "historisches Ereignis" und andere arabische Staatschefs sollten seinem Beispiel folgen, sagte Hanija. "Mit diesem Besuch erklären wir die politische und wirtschaftliche Blockade des Gazastreifens für gebrochen und besiegt." Der Emir habe sich verpflichtet, 400 Millionen Dollar in den Wiederaufbau des Palästinensergebiets am Mittelmeer zu investieren. In Chan Junis im südlichen Gazastreifen legte der Gast etwa den Grundstein für eine Wohnanlage, die nach ihm benannt werden soll.

Der Besuch des einflussreichen arabischen Führers wurde als diplomatischer Erfolg der Hamas gewertet. Sie wird vom Westen als Terrororganisation eingestuft und ihre Herrschaft im Gazastreifen wird international nicht anerkannt.

Kritik aus dem Westjordanland und Israel

Die palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland und die israelische Regierung kritisierten den Besuch des Emirs scharf. Eine Vertiefung der Spaltung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland sei "sehr gefährlich", sagte PLO-Sekretär Jasser Abed Rabbo.

Die Hamas hatte 2006 die Wahlen in den Palästinensergebieten gewonnen und die rivalisierende Fatah-Bewegung im Juni 2007 aus Gaza vertrieben. Die radikalislamische Bewegung blieb aber wegen ihrer Weigerung, den Staat Israel anzuerkennen, international isoliert. Israel blockiert zudem seit dem Hamas-Sieg Einfuhren nach Gaza .

Israels Regierung erklärte, es sei merkwürdig, dass der Emir sich auf die Seite der Hamas schlage, die für Gewalt stehe. "Sein Geld wird nicht Palästinensern und Israelis dabei helfen, in Frieden zu leben, sondern in den Taschen der korrupten Hamas-Leute enden", sagte ein Sprecher des Außenministeriums.