Der Herausgeber des Boulevard-Magazins "Hot Doc", Kostas Vaxevanis, spricht nach seiner Festnahme vor der Presse. © Alexandros Beltes(dpa

Die griechische Staatsanwaltschaft ermittelt  gegen den Chefredakteur der Athener Boulevardzeitschrift Hot Doc , Kostas Vaxevanis. Am Vortag hatte die Zeitschrift eine Liste mit insgesamt 2.059 angeblichen Steuersündern veröffentlicht, die unversteuerte Gelder aus Griechenland in die Schweiz überwiesen hätten. Darunter waren auch einige Politiker, Journalisten, aber auch Hausfrauen und Studenten.

Am Montag soll festgelegt werden, wann der Prozess wegen Verletzung des Datenschutzgesetzes stattfinden wird, berichtete das staatliche Fernsehen. Die Staatsanwaltschaft sagte zur Begründung, es sei nicht erwiesen, dass die in der Liste genannten Menschen tatsächlich Steuersünder seien . Zudem werde mit der Veröffentlichung der Namen die Persönlichkeit der Menschen verletzt, berichtete das Fernsehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte unmittelbar nach Veröffentlichung der sogenannten Lagarde-Liste nach Vaxevanis fahnden lassen. "Ich werde jetzt gerade festgenommen. Machen Sie es weiter bekannt", twitterte der Chefredakteur am Morgen. Der Journalist wurde am Sonntagnachmittag wieder freigelassen. "Statt Diebe und gesetzesbrecherische Minister festzunehmen, nehmen sie die Wahrheit fest", sagte Vaxevanis nach seiner Freilassung über Twitter. In sozialen Medien äußerten sich viele Nutzer ebenfalls empört über das Vorgehen der Polizei.

Lagarde-Liste wurde illegal entwendet

Die Lagarde-Liste stammt aus Informationen französischer Sicherheitskräfte und beinhaltet unter anderem Namen von griechischen Bürgern, die in den vergangenen zehn Jahren Geld in die Schweiz überwiesen hatten. Das Verzeichnis der Konteninhaber bei der Schweizer Bank HSBC hatte die damalige französische Finanzministerin und jetzige IWF-Chefin Christine Lagarde im Jahr 2010 ihrem griechischen Kollegen Giorgos Papakonstantinou zukommen lassen . Zuvor hatte ein HSBC-Angestellter die Daten entwendet.

Die griechischen Behörden gaben über lange Zeit an, dass die Daten nicht im Kampf gegen Steuerhinterziehung verwendet werden könnten, da sie auf illegale Weise erlangt worden seien. Aus Anlass einer neuen bevorstehenden Sparrunde hatte es zuletzt Druck gegeben, mit der Liste Jagd auf mögliche Steuersünder zu machen. Zwischenzeitlich ging die Liste angeblich bei den griechischen Behörden verloren. Der derzeitige Finanzminister Ioannis Stournaras bat Frankreich nach eigenen Angaben daraufhin im Oktober, sie noch einmal nach Athen zu schicken.