Griechenland Merkel verspricht weitere Hilfe

Also doch: Die Bundeskanzlerin hat die Fortschritte Griechenlands gewürdigt und dem Land Millionenhilfe für Verwaltungsreformen zugesagt.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Fortschritte Griechenlands bei der Schuldenkrise gelobt und der Regierung finanzielle Hilfe bei Reformen in Verwaltung und Gesundheitswesen zugesagt. Nach einem Treffen mit Regierungschef Antonis Samaras in Athen sagte sie, dabei gehe es um den Aufbau der regionalen Verwaltung und um Organisationsmanagement im Gesundheitswesen. Es geht um zwei unter deutscher Betreuung stehende EU-Projekte mit einem Volumen von 30 Millionen Euro.

Bei ihrem ersten Besuch in Griechenland seit Beginn der Euro-Krise äußerte sich Merkel zuversichtlich, dass das finanziell schwer angeschlagene Land im gemeinsamen Währungsraum bleiben kann. "Ich wünsche mir, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt", sagte die Kanzlerin. Zugleich ermunterte sie den EU-Partner aber auch zu weiteren Anstrengungen.

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Merkel war deutlich um einen freundschaftlichen Ton bemüht, um die ohnehin angespannten Beziehungen nicht weiter zu belasten. "Wir sind Partner und wir sind Freunde", sagte sie. Sie sei "nicht als Lehrerin oder Notengeberin" gekommen, sondern um sich zu informieren. Als jemand der aus Ostdeutschland komme, wisse sie, wie lange es dauere, eine Reform umzusetzen. "Es wird ein längerer Weg sein. Aber ich glaube, dass wir Licht sehen werden am Ende des Tunnels."

Die deutsche Regierungschefin stellte klar, dass sie nicht dem Prüfbericht der Troika aus IWF, EU-Kommission und vorweggreifen wolle. Der mehrfach verschobene Bericht wird für Anfang November erwartet. Dabei gehe "Gründlichkeit vor Schnelligkeit", sagte Merkel. Die Regierung in Athen hofft auf ein positives Ergebnis, der die Grundlage für die Überweisung weiterer 31 Milliarden Euro an Hilfen ist.

Polizei setzt Tränengas ein

In Athen ist es während des Besuchs von Merkel am Rande friedlicher Proteste zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Die griechische Polizei setze Tränengas, Schlagstöcke und Blendgranaten gegen gewalttätige Demonstranten ein, nachdem etwa 100 Protestteilnehmer versucht hatten, eine Metallabsperrung in der Nähe des Parlaments zu stürmen. Kleine Gruppen maskierter Demonstranten warfen Flaschen und Steine auf Bereitschaftspolizisten und versuchten Fenster von Geschäften zu zerstören. In der Nähe demonstrierten auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament rund 25.000 Menschen friedlich.

Für den Besuch von Merkel in Athen hatte die griechische Regierung die Hauptstadt buchstäblich in eine Festung verwandelt. Die Polizei hatte das gesamte Regierungsviertel abgesperrt. Die Sicherheitsbehörden ließen Proteste direkt am Parlamentsgebäude grundsätzlich verbieten.

Die Bundeskanzlerin will neben Regierungschef Samaras auch den Staatspräsidenten Karolos Papoulias treffen. Zudem steht ein Gespräch mit griechischen und deutschen Unternehmen auf dem Programm. Mehr als 7.000 Polizisten sind in Athen im Einsatz, um den Besuch der Kanzlerin abzusichern.

Leser-Kommentare
  1. Sympathie kaufen, die man damit zu Hause verspielt?

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    • THAROS
    • 09.10.2012 um 18:10 Uhr

    Nun kauft diese Frau keine Symphatien... nicht in Griechenland, nicht in Deutschland, nicht in Europa, nicht in der Geschichte die sie schreibt....hat sie denn keine Pfannen zuhause um sie abzuwaschen?

    Weder kaufen noch sympathisch...

    • THAROS
    • 09.10.2012 um 18:10 Uhr

    Nun kauft diese Frau keine Symphatien... nicht in Griechenland, nicht in Deutschland, nicht in Europa, nicht in der Geschichte die sie schreibt....hat sie denn keine Pfannen zuhause um sie abzuwaschen?

    Weder kaufen noch sympathisch...

  2. Man möge sich noch einmal die Pressekonferenz von Merkel und Samaras ansehen. Die Körpersprache des griechischen Ministerpräsidenten, als Merkel von Fortschritten spricht, ist bezeichnend. Mir schwant Böses. Mal sehen, was für Leichen noch so an's Licht kommen. Ich wünsche mir rasche Besserung für die Griechen, ich glaube aber nicht daran.

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  3. Haben nicht vor ein paar Tagen noch Bundesfinanzminister Schäuble und EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen verkündet, dass es für Griechenland keine weiteren Hilfen geben werde? Und jetzt doch? Hat das für niemanden Konsequenzen? Früher sind Politiker aus weitaus unwichtigerem Anlass zurückgetreten.

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  4. um bei anderen eine ordentliche Verwaltung aufzubauen... Nur warum müssen wir das tun? Wir sollten uns nicht in die griechischen Angelegenheiten einmischen. Griechenland weiss was es zu tun hat.

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    • Hokan
    • 09.10.2012 um 17:23 Uhr

    Warum, fragen Sie, sollten wir helfen, eine ordentliche Verwaltung aufzubauen? Also ich bitte Sie. Deutschland hat langjährige Erfahrung in funktionierender Verwaltung. Das kann helfen.

    Wie, zum Beispiel, lösen wir hier erfolgreich das Problem, das stets fluchtbereite Kapital nicht durch unliebsame Besucher im schützenden Unterholz aufzuscheuchen? Sie wissen es doch. Durch schwach besetzte Finanzämter. Insbesondere im Sektor Unternehmensteuern und Vermögen. Griechenland hat auch nach Jahren europäischer Auflagen immer noch zuviel Personal in der Verwaltung. Und wenn wir uns hinsichtlich seiner Effektivität nicht zu große Sorgen machen müssen, verlaufen sich auch dort hin und wieder Steuerbeamte ins schützenswerte Dickicht. Das muss verhindert werden.

    Aktueller Vorschlag: Auffanggesellschaften für entlassene Verwaltungsbeamte. Das löst das Problem, bringt durch Sparen Geld in die Kassen, und entlässt die Problembeamte nach kurzer Zeit auf die Straßen - und eben nicht ins finanzielle Unterholz.

    Noch mehr Beispiele?

    • THAROS
    • 09.10.2012 um 18:22 Uhr

    Genau richtig! Das Griechische Volk weiss was zu tun wäre und der Beweis sind die Proteste: Troikaner raus, EU raus, NATO raus, IWF raus, illegale Imigranten raus!!! Nur gehen sie nicht...die "Sesseln", sind sehr bequem!!

    • Hokan
    • 09.10.2012 um 17:23 Uhr

    Warum, fragen Sie, sollten wir helfen, eine ordentliche Verwaltung aufzubauen? Also ich bitte Sie. Deutschland hat langjährige Erfahrung in funktionierender Verwaltung. Das kann helfen.

    Wie, zum Beispiel, lösen wir hier erfolgreich das Problem, das stets fluchtbereite Kapital nicht durch unliebsame Besucher im schützenden Unterholz aufzuscheuchen? Sie wissen es doch. Durch schwach besetzte Finanzämter. Insbesondere im Sektor Unternehmensteuern und Vermögen. Griechenland hat auch nach Jahren europäischer Auflagen immer noch zuviel Personal in der Verwaltung. Und wenn wir uns hinsichtlich seiner Effektivität nicht zu große Sorgen machen müssen, verlaufen sich auch dort hin und wieder Steuerbeamte ins schützenswerte Dickicht. Das muss verhindert werden.

    Aktueller Vorschlag: Auffanggesellschaften für entlassene Verwaltungsbeamte. Das löst das Problem, bringt durch Sparen Geld in die Kassen, und entlässt die Problembeamte nach kurzer Zeit auf die Straßen - und eben nicht ins finanzielle Unterholz.

    Noch mehr Beispiele?

    • THAROS
    • 09.10.2012 um 18:22 Uhr

    Genau richtig! Das Griechische Volk weiss was zu tun wäre und der Beweis sind die Proteste: Troikaner raus, EU raus, NATO raus, IWF raus, illegale Imigranten raus!!! Nur gehen sie nicht...die "Sesseln", sind sehr bequem!!

    • dietah
    • 09.10.2012 um 16:31 Uhr

    "... denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit."

    Wer hätte damals gedacht das sie europaweit denkt?

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  5. für 30 Euro hätte es auch getan und wäre bestimmt besser angekommen.

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    • MaxS2
    • 09.10.2012 um 16:33 Uhr

    Ich finde es schon ok, dass unsere Kanzlerin begrenzte Hilfen zum Aufbau der Verwaltung in Aussicht stellt. Wahrscheinlich ist das auch für die Gläubigerländer besser, deren Chancen dann steigen, einen Teil ihres Geldes zurückzuerhalten.

    Eine Lösung des Problems ist es freilich noch nicht.

  6. stellt sich als nächstes heraus, daß das Haushaltsdefizit nicht 10, nein! Nicht 20, nein! Sondern 50 Milliarden beträgt.

    Und dann schütteln wieder alle den Kopf in Verwunderung und die Griechen rufen: "Ihr seid schuld! Ihr hättet es wissen müssen. Wie konntet Ihr uns nur immer wieder Geld leihen - es war doch klar, daß wir nie zurückzahlen!"

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    Unterdessen müssten einige führende Personen der unfähigen politischen Klasse vor Gericht gestellt werden

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