Währungskrise : Demonstrationen und Tränengas in Teheran

Aus Wut über die wirtschaftliche Misere des Landes gab es Proteste auf den Straßen und im Parlament. Die Polizei schloss Wechselstuben und nahm mehrere Personen fest.

Im Iran ist aus Wut über die Wirtschaftspolitik und den Verfall der Landeswährung zu Protesten gekommen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe mit seiner Politik die Wirtschaft in eine Krise gestürzt, skandierten die Demonstranten in Teheran . Die Polizei setzte Tränengas gegen die Protestierenden ein.

Hunderte Einsatzkräfte gingen im Finanzbezirk Ferdowsi gegen illegale Geldtauscher vor und ordneten die Schließung von Wechselstuben und Geschäften an. Es gab mehrere Festnahmen, wie Bewohner berichteten. Damit wollen die Behörden den freien Handel mit dem Rial unterdrücken. Einige Händler schleuderten Steine gegen Polizisten und ein Polizeiauto, bevor sie wegrannten.

Der Rial hat seit Juni 2011 etwa zwei Drittel seines Wertes zum Dollar verloren. Der Verfall beschleunigte sich zuletzt. Grund sind vor allem die internationalen Sanktionen im Atomstreit . Viele Iraner tauschten ihre Rial-Bestände in harte Währungen.

Geschlossener Basar

Der Absturz der Landeswährung führt schon jetzt zu einem sinkenden Lebensstandard im Iran. Die offiziell ermittelte Teuerungsrate beträgt bereits 25 Prozent. Der große Basar im Zentrum der Stadt blieb am Mittwoch geschlossen. Auch dort gab es Proteste, die jedoch rasch von der Polizei beendet wurden.

Mehrere Händler sagten, dass sie wegen der Unbeständigkeit des Rial keine akkuraten Preise festlegen könnten und deshalb ihre Geschäfte geschlossen hätten. Von offizieller Seite hieß es dagegen, dass der Basar aus Sicherheitsgründen zu bleibe, aber am Donnerstag wieder geöffnet werden solle.

Auch im Parlament Kritik an Ahmadinedschad

Auch im Parlament musste sich Ahmadinedschad Unfähigkeit in der Wirtschaftspolitik vorwerfen lassen. Die Sanktionen gegen den Iran haben die Banken des Landes vom internationalen Zahlungsverkehr weitgehend abgeschnitten und behindern auch die Öl-Exporte, die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Nach Schätzungen Israels sind dem Iran durch das Embargo zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar an Öleinnahmen entgangen.

Ahmadinedschad sagte, dass "die Feinde" die Ausfuhren behinderten. "Wir werden das hoffentlich ausgleichen können." Die Zentralbank habe genug harte Devisen bereitgestellt, um die Importe zu finanzieren.

Der Iran steht im Verdacht, Kernwaffen zu entwickeln. Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe zurück. Gespräche der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran haben bislang zu keinem Ergebnis geführt. Bei einem Scheitern drohte ein iranischer Abgeordneter mit der Ausweitung des Atomprogramms.

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Kommentare

47 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Hoffentlich...

Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis ein Umbruch kommt.
Genau deshalb sollte man insbesondere Drohungen Israels gegen den Iran als Medienmanöver abtun. Wenn die USA bei einem Angriff mitmachen würde, würde das iranische Volk sich hinter die Führer ihres Landes stellen.

Somit: Abwarten und Tee trinken, wenn die Sanktionen weitergreifen, dann löst sich das Problem Iran und Kernwaffen bald in der Luft auf. Was danach kommt, das ist ungewiss.

Propaganda?

Bitte ersparen Sie sich diese "Betroffenheit".
Mit den 500.000 toten Kindern beziehe ich mich auf den Nahost-Experten Peter Scholl-Latour. Also definitiv keine Propaganda.
Allerdings frage ich mich, ob es sich bei Ihrer Behauptung nicht um Propaganda handelt...man kennt ja inzwischen vieles "von der Weltkarte tilgen"; "Brutkastenlüge"; "Viagra-Soldaten"; "Sadams Massenvernichtungswaffen" etc. etc.

Ihr Vorposter hatte leider recht

Die Wirkungen der Sanktionen gegen den Irak sind klar beschrieben worden. In diversen Quellen.

http://www.ag-friedensfor...

Auch Mullah-Propaganda?

Ich empfehle auch das Werk "Irak - Chronik eines gewollten Krieges" von Hans von Sponek.

Dass die Bevölkerung unter Sanktionen leidet, ist der Sinn und Zweck von Sanktionen. Also tun Sie bitte nicht so, als hätte das alles nicht stattgefunden.

Diplomacy works

"Bei einem Scheitern drohte ein iranischer Abgeordneter mit der Ausweitung des Atomprogramms."

Naeheres hier:

http://www.reuters.com/ar...

"The 60 percent enriched uranium would nominally be the level needed for fueling nuclear submarines, according to Haqiqatpour, but Iran’s Navy is not known to have any nuclear-powered submarines in the first place, so the need for such fuel is unclear." http://news.antiwar.com/2...

So aehnlich wie 1981, als die Bombardierung des Osirak-Reaktors das nicht existierende Atomwaffenprogramm Saddams nicht etwa beendete, sondern in Gang setzte.