China : Wen Jiabao dementiert Bericht über verborgene Reichtümer

Chinas Premier wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Familie habe heimlich Milliarden angehäuft. Wens Anwälte kündigten Klarstellung an und drohten der "New York Times".
Wen Jiabao im September 2012 in der Großen Halle des Volkes in Peking ©How Hwee Young/dpa

Die Familie von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat einen Bericht der New York Times über ein angebliches Milliardenvermögen als falsch bezeichnet. "Die sogenannten 'verborgenen Reichtümer' von Wen Jiabaos Familienmitgliedern existieren nicht", erklärten die Anwälte der Familie.

Wen habe sich immer rechtmäßig verhalten und sei in keine geschäftlichen Beziehungen verwickelt, hieß es in dem Schreiben der Anwälte, das in verschiedenen Hongkonger Medien verbreitet wurde, unter anderem in der Zeitung South China Morning Post .

Auch seine Angehörigen hätten in keiner Weise von seiner Funktion als Regierungschef profitiert, schreiben Wens Anwälte. Die Vermögensverhältnisse seiner Mutter seien falsch dargestellt worden. Sie habe außer ihrem früheren Lohn oder ihrer Rente kein weiteres Einkommen.

Die Anwälte kündigten weitere "Klarstellungen" an und behielten sich rechtliche Schritte gegen die New York Times vor. Eine Sprecherin der Zeitung verteidigte daraufhin den am Freitag erschienenen Bericht: "Wir stehen hinter unserer Story, auf die wir unglaublich stolz sind." Die chinesischen Behörden hatten am Freitag den Internetzugang im Land zur New York Times blockiert .

Die Zeitung hatte berichtet, dass Wens Familie ein Vermögen von mindestens 2,7 Milliarden Dollar besitze. Der größte Teil davon sei seit Wens Ernennung zum Vize-Premier 1998 zusammengetragen worden. Als Beispiel für das Vermögen der Familie nannte sie einen Anteil an dem Versicherer Ping An Insurance, der Wens 90-jähriger Mutter gehöre. Den letzten verfügbaren Angaben von 2007 zufolge hatte er einen Wert von 120 Millionen Dollar.
 

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Unglaublich stolz ist die NYT auf die Story,

hinter der sie natürlich steht.

Nun ja, warten wir mal ab, was da noch so kommt.

Sollte mich sehr wundern, wenn ein klar denkender Mensch wie Wen Jiabao sich in eine so angreifbare Position begibt.

Persönliche Bereicherung von Funktionsträgern ist, auf niedrigerem Level, durchaus ein Problem in China - und wird vom kleinen Mann gar nicht gern gesehen.

In China brauchen sich die Mitglieder der Führung um ihre finanzielle Versorgung im Alter keine Gedanken zu machen, dafür sorgt die Volksrepublik.

Genau, wie diese Schicht während ihrer aktiven Zeit abgeschirmt und gepampert wird.

Soweit ich weiß,

ist es in China eine jahrhundertealte Tradition, Korruption extrem hoch zu bestrafen; ein Mörder konnte u.U. mit einer Gefängnisstrafe davonkommen, ein Defraudant (besonders im Staatsdienst) auf keinen Fall.
Es ist nichts Neues, daß sich die 'herrschende Klasse' bereichert, egal ob Adel oder Familienclan; wenn China allerdings glaubt, das unter der Decke halten zu können, irren sie sich.

Das kann heftig werden...

Auf Korruption steht in China die Todesstrafe. Wenn das die Runde macht, dass sich die Staatsführung auf Kosten des Volkes bereichert hat, droht China eine „Kulturrevolution 2.0“. Die chinesischen Bürger werden jagt auch Staats- und Parteibedienstete machen und sie vermutlich lynchen, unter der Annahme sie seinen korrupt.