UmweltpolitikBonn verliert gegen Südkorea bei Vergabe des UN-Klimafonds

Der Sitz des Grünen Klimafonds GCF geht an die koreanische Stadt Songdo. Für Bonn und die Bundesregierung ist das eine Niederlage. von afp, dpa und dapd

Das Zentrum des UN-Campus in Bonn im ehemaligen Abgeordnetenhochhaus "Langer Eugen"

Das Zentrum des UN-Campus in Bonn im ehemaligen Abgeordnetenhochhaus "Langer Eugen"  |  ©Rolf Vennenbernd/dpa

Im Kampf um den Sitz des internationalen Grünen Klimafonds (GCF) ist die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn leer ausgegangen. Der Exekutivrat des Grünen Klimafonds entschied sich für die südkoreanische Stadt Songdo. Das Sekretariat soll seine Arbeit 2014 beginnen und 300 Mitarbeiter haben. Die Entscheidung für Songdo muss Ende November auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Doha ( Katar ) bestätigt werden.

"Wir gratulieren Südkorea , auch wenn es aus unserer Sicht natürlich sehr schade ist, dass Bonn nicht zum Zuge gekommen ist", sagte Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ). "Bonn hatte eine hervorragende Kandidatur." Auch die Schweiz , Polen, Namibia und Mexiko hatten sich für den Sitz des Klimafonds beworben. In Bonn ist das UN-Klimasekretariat beheimatet; im Mai fand dort eine Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt.

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Die Bundesregierung hatte intensiv für die Stadt am Rhein geworben: Mit Westerwelle, Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) engagierten sich drei Ressortchefs. Die Ansiedlung des Klimafonds in Bonn sei eine Herzensangelegenheit der Bundesregierung, sagte Westerwelle, der dort lebt und seinen Wahlkreis hat, im September zu Botschaftern.

Anerkennung und Respekt

"Die Bundesregierung hat eine ausgezeichnete Bewerbung abgegeben, der viel Anerkennung und Respekt gezollt wurde", sagte Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch ( SPD ). Bei einer solchen Bewerbung sei aber nicht immer nur die Qualität ausschlaggebend. Häufig gehe es um übergeordnete Faktoren wie die Klimapolitik der beteiligten Länder.

"Wir sind erfreut, das GCF-Sekretariat aufzunehmen", sagte Südkoreas Präsident Lee Myung-bak. Die neue UN-Behörde habe das Potenzial, zu einer der größten UN-Institutionen zu werden. Der Grüne Klimafonds soll Entwicklungsländern Geld zur Verfügung stellen, damit sie den Klimawandel bekämpfen und die Folgen der Erderwärmung besser bewältigen können. Die Staaten der UN wollen ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaprojekte aufwenden.

Die Umweltorganisation Germanwatch kommentierte, Bonn habe sich sehr engagiert und positiv präsentiert. Von Südkorea erwarte Germanwatch nun, dass das Land den Aufbau einer unabhängigen, offenen und transparenten Organisation unterstütze. Bonn sei vor allem mit den Argumenten der Energiewende angetreten. Dieses Engagement erwarte Germanwatch nun auch bei der Gestaltung dieses zentralen Elements der Klimapolitik.

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Leserkommentare
    • Otto2
    • 20. Oktober 2012 15:31 Uhr

    Schade aus Bonner Sicht. Aber wohl doch eher kein falscher Entscheid, wenn man bedenkt, dass gerade in Asien (China, Indien usw.) in Umweltfragen doch noch die größeren Aufgaben zu lösen sind. Da hilft der Sitz einer solchen Organisation auch ein Stück weiter.

    Eine Leserempfehlung
  1. ... bleibt doch damit dem deutschen Staat eine weitere Riege von nicht steuerzahlenden Grosskopferten erspart.

    Man sollte das allerdings zum Anlass nehmen, die Beitragszahlungen an die UNO zu reduzieren.

    Deutschland liegt dabei - wie nicht anders zu erwarten - hinter den USA und Japan auf Platz 3 mit 188 Mio $ netto (rausgeworfenes Geld). Korea zahlt ein gutes Viertes davon.

    2 Leserempfehlungen
  2. Der Artikel wäre wesentlich interessanter, wenn auch Hintergründe der Entscheidung genannt würden! "Irgendetwas" über die Gründe der Abstimmung wird doch bekannt sein!?

    Abgesehen davon gebe ich Kommentar 3 recht: es drängt sich der Eindruck auf, daß die deutsche Außenpolitik meisterlich darin ist, das meiste oder mit das meiste Geld für Projekte (hier die UNO) zu geben und dafür regelmäßig keine Gegenleistung zu bekommen. Was läuft hier schief?

  3. Dinge ,die die Welt nicht braucht. Eine NGO ,die niemand braucht, muss nicht betrauert werden, denk ich mal.
    Schlimm genug, dass hier Öko Staatsziel ist und das schöne Steuergeld verschwendet wird, da international eben politisch nicht ideologisch angeführt ist.

    • Bonnfan
    • 20. Oktober 2012 19:36 Uhr

    ehrlich gesagt find ich das schon schade,Bonn ist eine tolle stadt und keine unbekannte.frage an alle ,haben sie schon mal was von songdo gehört,ich nicht und ist nicht die uno in soul?ausserdem gebe ich ihnen allen recht D lässt sich mal wieder wundervoll von der uno ausnehmen um dann noch tritte zu bekommen!!!

  4. wurde durch ein an Größenwahnsinn grenzendes Angebot der deutschen Regierung, natürlich auf Kosten des deutschen Steuerzahlers, begleitet.
    In Bonn wäre für ca. 75 Millionen Euro ein neues Gebäude gebaut worden.
    Zudem wollte man für den Betrieb von Sekretariat und Fonds sowie für die Organisation von Konferenzen jährlich einen Beitrag von jährlich ca. 7 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Da fehlt doch jegliches Augenmaß!
    Wer kontrolliert eigentlich Regierungsstellen bei derart maßlosen Prestige-Projekten?
    In der "Niederlage der Bundesregierung" sehe ich einen Sieg für den deutschen Steuerzahler.

    • TDU
    • 21. Oktober 2012 8:54 Uhr

    Schlecht für Bonn aber gut für Deutschland und seine Bürger. Die Bevormunudungs- und Alles grün Fraktion hätte unguten Auftrieb bekommen, und Deutschland würde noch mehr Modell-Charakter aufgezwungen.

  5. "Auch die Schweiz, Polen, Namibia und Mexiko hatten sich für den Klimafonds beworben".

    Auch diese Länder gingen hier leer aus.

    Angesichts der Tatsache, dass Bonn bereits das UNO-Klimasektretariat beherbergt, halte ich die auch in diesem Artikel spürbare Erwartungshaltung, dass Bonn doch den Zuschlag bekommen sollte, doch für ein wenig ambitioniert (um das Wort arrogant zu vermeiden).

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP, sc
  • Schlagworte Bonn | Bundesregierung | Guido Westerwelle | FDP | Umweltpolitik | Grüne
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