Kambodschas ehemaliger König Norodom Sihanouk ist im Alter von 89 Jahren in Peking an Herzversagen gestorben. Dies teilte die kambodschanische Regierung mit. Sein Tod sei ein "großer Verlust" für sein Land, sagte Vize-Regierungschef Nhek Bunchhay. "Wir sind sehr traurig." In Kambodscha wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Die Regierung teilte mit, Sihanouks Sohn, der derzeitige König Norodom Sihamoni , sowie Regierungschef Hun Sen flögen noch am Montag nach Peking, um die Leiche des Verstorbenen für ein traditionelles Begräbnis nach Kambodscha zu bringen. Anfang des Jahres hatte Sihanouk angeordnet, seine Leiche solle nach buddhistischer Tradition eingeäschert und in einer goldenen Urne im Königspalast aufbewahrt werden.

Aus dem Umfeld des früheren Königs wurde bekannt, dass dieser in letzter Zeit vor allem an Herzproblemen litt. In den vergangenen Jahren hatte er sich immer wieder zu medizinischen Behandlungen in China aufgehalten. Er hatte verschiedene Krebserkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck. Wegen seines Alters und seiner schwachen Gesundheit hatte Sihanouk den Thron im Oktober 2004 seinem Sohn überlassen.

Kolonialherrschaft überwunden

Sihanouk galt als schillernde Figur. Er griff immer wieder aktiv in die Politik ein und begleitete sein Land ein halbes Jahrhundert durch Kolonialherrschaft, Bürgerkrieg und Demokratisierungsversuche. Der Monarch galt als beliebt beim Volk und wurde als Vater der Nation verehrt. Allerdings war er nur selten in der Lage, für Stabilität in dem südostasiatischen Staat zu sorgen.

Er wurde am 31. Oktober 1922 geboren, als sein Heimatland unter französischer Kolonialverwaltung war. 1941 wurde er im Alter von 19 Jahren zum König gekrönt. Die Kolonialregierung ging offenbar davon aus, den jungen Mann leicht kontrollieren zu können. Sihanouk indes setzte sich für die Unabhängigkeit des Landes ein, was 1953 schließlich gelang: Nach ihrer Niederlage im Indochinakrieg verließen die Franzosen das Land.

Zwei Jahre später verzichtete Sihanouk auf den Thron, gründete eine politische Partei und erklärte Kambodscha auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs für neutral. Er akzeptierte auf der einen Seite in begrenztem Maße Entwicklungshilfe aus den USA und nahm auf der anderen Seite Beziehungen zum kommunistischen China auf. Zudem gehörte er zu den Gründern der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Fatale Nähe zu den Roten Khmer

Bei einer Auslandsreise 1970 wurde er abgesetzt. Er ging nach Peking, und begann von dort, die Roten Khmer zu unterstützen, die die Regierung in Kambodscha stürzten und in ihrer knapp vierjährigen Schreckensherrschaft bis 1979 fast ein Viertel der Bevölkerung ausrotteten . Sihanouk wandte sich später von den neuen Machthabern ab und wurde von diesen später zum Tode verurteilt. Die persönliche Intervention des chinesischen Parteiführers Zhou Enlai bewahrte ihn vor der Hinrichtung.

1991 schließlich kehrte er nach Kambodscha zurück und ließ sich erneut als König einsetzen.

Neben der Politik ging der umtriebige Monarch zahlreichen Interessen nach. Er drehte Filme, malte, komponierte, führte die Fußballmannschaft des Palastes und leitete eine Jazzband. Sihanouk war mindestens fünfmal verheiratet und hat 14 Kinder.