Meinungsfreiheit : Kuba lässt regimekritische Bloggerin verhaften

Der Prozessbeginn wegen des Todes eines Dissidenten bringt politische Unruhe nach Kuba: Eine bekannte Bloggerin und weitere Regimekritiker sollen inhaftiert worden sein.
Die kubanische Bloggerin Yoani Sanchéz an ihrem Schreibtisch in Havanna (Archivbild) © Desmond Boylan/Files/Reuters

Die kubanische regierungskritische Bloggerin Yoani Sánchez ist Berichten zufolge festgenommen worden. Sie sei auf dem Weg in die ostkubanische Stadt Bayamo gewesen, teilte der regimefreundliche Blogger Yohandri Fontana mit. Nach Angaben der kubanischen Opposition wurden Dutzende weitere Regimekritiker festgenommen. In Bayamo beginnt der Prozess um einen Autounfall, bei dem zwei Menschen starben – darunter der bekannte kubanische Dissident Oswaldo Payá.

Eine Sprecherin der Kubanischen Menschenrechtskommission sagte, Sánchez und die anderen Festgenommenen sollten daran gehindert werden, zu dem Prozess zu gelangen. Fontana schrieb, dass die Bloggerin Sánchez den Prozess mit einer "Provokation und einer Medienshow" stören wollte. Festgenommen worden sei auch ihr Mann Reinaldo Escobar, der von der US-Vertretung in Havanna "Instruktionen" erhalten habe.

Angeklagt in dem Prozess ist der spanische Politiker Ángel Carromero. Der 27-Jährige soll am 22. Juli in der Nähe von Bayamo als Fahrer den Unfall mit zwei Toten verursacht haben. Laut der Regierungs-Website Cubadebate fordert die Staatsanwaltschaft sieben Jahre Haft für den Politiker der spanischen Volkspartei.

Nach Angaben der kubanischen Behörden hatte Carromero den Wagen, in dem außer Payá ein weiterer Dissident und ein schwedischer Jungpolitiker unterwegs waren, mit erhöhter Geschwindigkeit gegen einen Baum gesteuert. Payás Familie bezweifelt die offizielle Version des Unfallhergangs an und forderte eine unabhängige Untersuchung.

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

bekannteste, aber sicher nicht die beliebteste Bloggerin

Yoani Sánchez ist Pro-USA und ihr wird schon länger vorgeworfen ein Handlanger "der Yankees" zu sein. Sie arbeitetet mit der Huffington Post und der konservativen el Pais zusammen. Diese Bloggerin verteidigt sogar die Vor-Revolutionszeit unter Baptista.

Sie ist vielleicht die bekannteste, aber sicher nicht die beliebteste Bloggerin auf Kuba...

die frage ist

ob sie es WEGEN der anderen Meinung tut. Ich weiß es nicht. Hab noch nie von der Frau gehört und bin generell gegen Gefängnisstrafen. Für mich ist das Menschenrecht auf Freiheit ein hohes Gut, das nur in extremen Ausnahmen verletzt werden darf. Heute wird ja schon jemand verhaftet und eingelagert der irgend ein Steuervergehen verübt hat, oder zuviele Schulden hat oder sonst einen Mist. Da wird Besitzrecht über Freiheitsrecht gesetzt...aber gut, anderes Thema.

Ich würde mich jedenfalls über mehr Informationen freuen. Offenbar sind die einzgeiN infos darüber bisher von diesem anderen Blogger, oder übersehe ich was? Gibt es eine ofizielle Stellungnahme? Was ist da überhaupt passiert?

Wie bitte? Also dass Frau Sanchez das Baptista Regime verteidigt, dafür hätte ich schon gern noch einen Beweis! Ich kann mich noch gut an ihren Auftritt beim TAZ-Medienkongress 2011 erinnern. Nicht live, denn ihr wurde natürlich kurzfristig unter fadenscheinigen Gründen die Ausreise verweigert, aber per Video. Der Beitrag war einer der besten des Nachmittags und man findet ihn glaube ich sogar noch auf youtube. Einfach ihren Namen und Taz medienkongress eingeben. Ich wurde den Link heraussuchen, aber unterwegs auf dem Handy ist es etwas umständlich. Die Verhaftung von Frau Sanchez dürfte aber sehr wahrscheinlich politische Motive haben, davon gehe ich jetzt erstmal, ohne weitere Hintergrundinformationen, aus.

Zwischen Meinungsfreiheit und Hetze besteht ein Unterschied

Wer seine Meinungsfreiheit gebraucht, um Gewalt gegen andere Menschen zu predigen oder um ihnen ihre Grundrechte abzusprechen, gehört zurecht strafrechtlich verfolgt.

Diese Bloggerin scheint hingegen bloß Kritik an der Regierung zu üben. Sie dafür in irgendeiner Weise zu belangen, zeigt, welch weiten Weg das von manchen gerne verharmloste sozialistische Regime noch gehen muss, um Kuba zu einem demokratischen Rechtsstaat zu machen.

Verteidigt man die Batista Diktatur

wenn man schreibt, dass diese nur 8 Jahre, die unter Fidel aber schon mehr als 50 währt?
Wenn man darauf hinweist, dass die Versorgungslage - auch des kleinen Mannes - ungleich besser als heute war? Dass damals nicht die halbe Landwirtschaftsfläche bracht lag?...

Um es kurz zu machen: mit Batista kann es Fidel locker aufnehmen, auch hinsichtlich der Missachtung der Menschenrechte.

@jadajos

Sánchez bestreitet die Finanzierung von Teilen der kubanischen Opposition durch die US-Regierung und vertritt die Ansicht, dass die Situation im vorrevolutionären Kuba „nicht so schlecht“ gewesen sei. Unter dem Batista-Regime habe ein „blühendes intellektuelles Leben, ein lebendiges politisches Denken“ sowie „eine pluralistische und offene Freiheit von Presse, Radio und allen politischen Richtungen“ geherrscht.

http://de.wikipedia.org/w...

Viel zu tun

Man hätte viel zu tun, wenn man allen Foristen die den Unterschied zwischen "Meinung" und "Tatsache" eben diesen beibringen möchte.

Der von Ihnen benannte Fall hat mit Meinungsfreiheit so viel zu tun, wie der Papst mit dem Islam.

Bei der Holocaustleugnung handelt es sich nicht um die Äußerung einer Meinung sondern um eine Tatsachenbehauptung. Im Gegensatz zu Meinungen kann man bei Tatsachen deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit erweisen. Bei Meinungen gibt es keine erweisbare Richtigkeit oder Unrichtigkeit, da hier die persönliche Wertung einer Person preisgegeben wird.

Kleines Beispiel:

Wenn ich behaupte die Erde sei eine Scheibe, hat das nichts, aber auch gar nichts, mit Meinungsfreiheit zu tun. Ich behaupte eine Tatsache, deren Unrichtigkeit bereits erwiesen ist. (Genauso wie bei der Holocaustleugnung).

Wenn ich äußere, dass gekochte Nieren widerlich schmecken. Wie wollen Sie da das Gegenteil beweisen? Dem einen schmeckt's dem anderen nicht. Das ist ganz klar eine Meinung.