Seit März 2011 protestiert das syrische Volk für Freiheit und Demokratie. Die Antwort von Präsident Bashar al-Assads war vom ersten Tag an Gewalt. Er ließ auf Frauen, Kinder und Demonstranten schießen, nahm ganze Familien in Sippenhaft und ist verantwortlich für den Tod Zehntausender Syrerinnen und Syrer. Doch nicht jeder syrische Soldat war bereit, auf sein eigenes Volk zu schießen. Etliche Generäle desertierten und schlossen sich der Freien syrischen Armee (FSA) an, die gegen das Regime kämpft.

Unterstützt wird die FSA von der laizistischen Türkei, die 1923 von Mustafa Kemal Atatürk gegründet wurde. Er genießt in der arabischen Welt nicht viel Sympathie, da er das arabische Alphabet durch das lateinische ersetzte sowie Kalifat und Sultanat abschaffte. Dennoch ist das Modell des türkischen Laizismus die Lösung für die Konflikte in Syrien.

Um eines vorwegzunehmen: Im Namen des Kemalismus wurden viele Fehler begangen. Bis 2010 herrschte ein Kopftuchverbot an türkischen Universitäten und die Existenz von Minderheiten wurde jahrzehntelang geleugnet. Die türkische Republik ist noch lange keine perfekte Demokratie und weist noch immer viele Defizite auf. Trotzdem wäre es falsch, den Kemalismus für diese Menschenrechtsverletzungen verantwortlich zu machen. Atatürks einziges Ziel bestand darin, Staat und Religion voneinander zu trennen und den Islam zu privatisieren.

Assad und sein Regime als laizistisch oder säkular zu bezeichnen, wäre falsch, da die Scharia die Rechtsgrundlage der Verfassung ist und der Präsident muslimischen Glaubens sein muss. Derzeit sind viele Anhänger Assads der Meinung, dass es sich bei den syrischen Oppositionellen um Islamisten handelt, die nach dem Sturz des Regimes die Scharia einführen wollen. Doch das entspricht nicht der Wahrheit, denn in den meisten arabischen Revolutionsstaaten haben nach dem Sturz der Despoten freie Wahlen stattgefunden. Dabei haben entweder liberale oder konservative Kräfte gewonnen, die konsequent gegen islamistische Terroristen vorgehen. Der wahre Gotteskrieger ist Assad, der mit den gefährlichsten Islamisten in der Region kooperiert und bewusst versucht, konfessionelle Konflikte zu schüren. Er lebt von einem politisierten Religionsmissbrauch.

Die unglückliche Verbindung zwischen dem angeblich säkularen syrischen Regime und den Mullahs in Teheran ist der Beweis dafür, dass es in diesem Konflikt nicht um Glauben geht. Assad und seine Verbündeten fürchten sich vor Machtverlust – und so auch vor einem laizistischen Staat, da dieser dem Religionsmissbrauch einen Riegel vorschieben würde.

Die Antwort auf das Regime von Bashar al-Assad kann daher nur der Laizismus sein.