Islamistische Polizisten im Norden Malis © ISSOUF SANOGO/AFP/GettyImages

Die Lage in Mali wird kaum so schnell zu befrieden sein wie die internationale Diplomatie das gerade glauben machen möchte . Mali, das im Westen lange als "Musterdemokratie" galt, steckt seit März in einer politischen Krise. Nachdem das schlecht ausgebildete, schlecht ausgerüstete und häufig nicht einmal regelmäßig bezahlte malische Militär in einem bewaffneten Konflikt mit rebellierenden Tuareg auf dem Weg zur Niederlage war, übernahm eine Gruppe rangniedriger Offiziere die Macht in Bamako.

Der langjährige Präsident Amadou Toumani Touré flüchtete mit ein paar Leibwächtern; dass der Coup ohne größeren Widerstand geglückt war, löste bei den Putschisten um Amadou Sanogo zunächst so etwas wie eine Schockstarre aus. Sie leisteten den aus Libyen schwer bewaffnet zurückgekehrten Tuareg in der Bewegung für ein freies Azawad (MNLA) keinen Widerstand.

Diese nutzten die Chance und eroberten in drei Wochen alle relevanten Städte in Nordmali und riefen den unabhängigen Staat Azawad aus. Bis heute hat kein Land dieses Konstrukt anerkannt. Die westafrikanische Regionalorganisation Ecowas wie die Afrikanische Union sind sich einig, dass "die Einheit Malis" wiederhergestellt werden müsse.

Scharia in ihrer restriktivsten Form

Der Triumph der Tuareg dauerte jedoch nur wenige Wochen. Sie waren für die Eroberung von Timbuktu, Gao und Kidal ein loses Kampfbündnis mit einer von Tuareg dominierten Islamistengruppe, Ansar Dine , eingegangen, die sie umgehend aus Timbuktu und schließlich auch den anderen Städten wieder hinauswarfen. Seither herrschen Ansar Dine, Aqmi und eine weitere islamistische Gruppierung mit dem Namen Mujao (Bewegung für Einheit und den Dschihad in Westafrika ) in Nordmali.

Sie haben die Scharia, das islamische Recht, in seiner restriktivsten Form eingeführt. Immer häufiger gibt es Berichte über Amputationen, Steinigungen und Auspeitschungen aus dem Norden Malis. Rund eine halbe Million Menschen der lediglich rund 1,5 Millionen Einwohner des Gebiets ist in den Süden Malis und in die Nachbarländer geflüchtet. In Timbuktu zerstörten die radikalen Islamisten im Sommer zahlreiche Moscheen und Heiligengräber , die von der Unesco als Weltkulturerbe gelistet sind.