Das EU-Parlament hat die Ernennung des Luxemburger Notenbankchefs Yves Mersch als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) abgelehnt. In der Plenumsabstimmung votierten 325 Abgeordnete gegen den Luxemburger, 300 stimmten für ihn, 49 Abgeordnete enthielten sich.

Mit ihren Nein-Stimmen protestierten die Volksvertreter dagegen, dass die Regierungschefs keine Frau für das EZB-Spitzenamt nominiert hatten . In dem sechsköpfigen EZB-Direktorium sitzen ausschließlich Männer. Zweifel an Merschs fachlicher Kompetenz gab es keine.

Die Entsendung Merschs an die EZB-Spitze ist mit der Entscheidung zwar nicht blockiert, weil das Parlament nur angehört werden, nicht aber zustimmen muss. Es ist allerdings das erste Mal, dass die Abgeordneten einem designierten EZB-Direktoriumsmitglied die Zustimmung verweigern. Der Luxemburger war bereits bei der Abstimmung im Wirtschaftsausschuss am Montag durchgefallen.

Konservative Abgeordnete kritisierten das Ergebnis der Abstimmung. "Leider stand nicht die fachliche Qualifikation im Mittelpunkt", sagte der CDU-Abgeordnete Burkhard Balz.

Besteht der Rat der Mitgliedsstaaten trotz Ablehnung des Parlamentes auf Mersch, könnte dieser im November seinen Job antreten. Der Posten ist seit Ende Mai unbesetzt.