Gleichstellung : Männlicher EZB-Kandidat scheitert im EU-Parlament

Das EZB-Direktorium besteht nur aus Männern. Das will das EU-Parlament ändern und hat deshalb den Luxemburger Yves Mersch als Mitglied abgelehnt.
Der Chef der Luxemburger Notenbank, Yves Mersch © Patrick Hertzog/AFP/Getty Images

Das EU-Parlament hat die Ernennung des Luxemburger Notenbankchefs Yves Mersch als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) abgelehnt. In der Plenumsabstimmung votierten 325 Abgeordnete gegen den Luxemburger, 300 stimmten für ihn, 49 Abgeordnete enthielten sich.

Mit ihren Nein-Stimmen protestierten die Volksvertreter dagegen, dass die Regierungschefs keine Frau für das EZB-Spitzenamt nominiert hatten . In dem sechsköpfigen EZB-Direktorium sitzen ausschließlich Männer. Zweifel an Merschs fachlicher Kompetenz gab es keine.

Die Entsendung Merschs an die EZB-Spitze ist mit der Entscheidung zwar nicht blockiert, weil das Parlament nur angehört werden, nicht aber zustimmen muss. Es ist allerdings das erste Mal, dass die Abgeordneten einem designierten EZB-Direktoriumsmitglied die Zustimmung verweigern. Der Luxemburger war bereits bei der Abstimmung im Wirtschaftsausschuss am Montag durchgefallen.

Konservative Abgeordnete kritisierten das Ergebnis der Abstimmung. "Leider stand nicht die fachliche Qualifikation im Mittelpunkt", sagte der CDU-Abgeordnete Burkhard Balz.

Besteht der Rat der Mitgliedsstaaten trotz Ablehnung des Parlamentes auf Mersch, könnte dieser im November seinen Job antreten. Der Posten ist seit Ende Mai unbesetzt. 

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Gerechtigkeit?

"Mit ihren Nein-Stimmen protestierten die Volksvertreter dagegen, dass die Regierungschefs keine Frau für das EZB-Spitzenamt nominiert hatten."

eher:

Mit ihren Nein-Stimmen protestierten die Volksvertreter dagegen, dass Bewerber aufgrund ihrer Qualifikation und nicht aufgrund von sekundären Merkmalen ausgesucht wurde.

Ein Quotenopfer sozusagen, öffentliche Klatsche trotz Eignung

Warum wurde von den Regierungschefs, die ja den Quotenbemühungen der EU nicht widersprechen, keine Frau aufgestellt? Es wird doch nicht etwa gar keine geeignete Kandidatin gegeben haben? Das ist aber schlecht für die Idee von der Quote.
Das Fachliche mal außen vor (darauf kommt es ja nicht so an), ist da überhaupt keine amtswillige (EU-)Politikerin in Sicht gewesen?
Frau Koch-Mehrin hätte das bestimmt gemacht, aber der musste man ja an der Dr.-Arbeit rummäkeln. So kann das ja nichts werden.